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Studie: Verbale sexuelle Gewalt geht oft von Mitschülern aus

WIESBADEN. Jeder zweite Schüler in Hessen ist bereits Opfer sexueller Beschimpfungen geworden. Doch nicht nur wenn man Verbalattacken in die Definition einbezieht, geht einer neuen Studie zufolge, sexuelle Gewalt oft von Gleichaltrigen aus. Die Autoren fordern daher deren Sensibilisierung stärker in den Fokus der Präventionsarbeit zu stellen.

Schon viele Schüler haben in Hessen nach einer Studie Erfahrungen mit körperlichen Belästigungen oder Verbalattacken unter der Gürtellinie machen müssen. Für die meisten Beleidigungen und Beschimpfungen seien Gleichaltrige verantwortlich, erklärte Studienleiterin Sabine Maschke von der Philipps-Universität Marburg bei der Präsentation in Wiesbaden. In der Schule gibt es demnach die meisten anzüglichen Kommentare oder sexuellen Witze. Körperliche Übergriffe erlebten die befragten Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren vor allem außerhalb der Schule beispielsweise auf der Straße oder bei Partys.

Die ganz alltägliche sexuelle Gewalt. Knapp ein Viertel der befragten Schülern gab an, gegen den eigenen Willen schon einmal angefasst, geküsst oder an den Geschlechtsteilen berührt worden zu sein. Foto: Edith Castro Roldán, Oscar Manuel Luna Nieto / Wikimedia Commmons (CC BY-SA 4.0)

Die ganz alltägliche sexuelle Gewalt. Knapp ein Viertel der befragten Schülern gab an, gegen den eigenen Willen schon einmal angefasst, geküsst oder an den Geschlechtsteilen berührt worden zu sein. Foto: Edith Castro Roldán, Oscar Manuel Luna Nieto / Wikimedia Commmons (CC BY-SA 4.0)

Konkret ist nach der Studie rund die Hälfte der befragten Jugendlichen bereits Opfer sexueller Beschimpfungen geworden. Knapp ein Viertel habe angegeben, gegen den Willen schon einmal angefasst, geküsst oder an den Geschlechtsteilen berührt worden zu sein. Dies gelte vor allem für Mädchen. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass 42 Prozent der 14- bis 16-jährigen Jungen mindestens einmal pro Woche Pornos schauen.

Das zeige, dass bei der Prävention der Fokus nicht alleine auf den sexuellen Missbrauch und erwachsene Täter gerichtet werden sollte, erklärten Maschke und Ludwig Stecher von der Justus-Liebig- Universität Gießen, mit dem die Erziehungswissenschaftlerin die Studie geleitet hatte. Die Sensibilisierung für sexuelle Gewalt müsse vor allem unter Gleichaltrigen erfolgen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kündigte als Konsequenz aus den Ergebnissen an, dass gerade die Schule als Schutz- und Präventionsort gestärkt werden müssen. Die Erkenntnisse sollen auch in die Aus- und Fortbildung der Lehrer einfließen. Gerade die Medienkompetenz müsse verstärkt Thema werden. Rund die Hälfte der Jugendlichen hatten angegeben, dass sexuelle Gewalt kein Thema im Unterricht ist.

Der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen warf dem Minister vor, keine konkreten Konsequenzen zu ziehen. Jede Schule sollte aus Sicht der Sozialdemokraten einen Ansprechpartner vor Ort für sexualisierte Gewalt haben. Zudem müsse das Thema auch im Studium für alle Lehrämter verankert und die Lehreraus- und -fortbildung gestärkt werden. «Dies alles ist jedoch nicht zum Nulltarif zu haben, sondern setzt voraus, dass Schulen hierfür angemessen entlastet werden», forderte Degen.

Insgesamt 2719 Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 hatten bei der repräsentativen Befragung für die Studie «Speak!» teilgenommen. Die Jugendlichen aus allgemeinbildenden Schulen waren mit einem standardisierten Fragebogen anonym befragt worden. (dpa)

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