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Studie: Sozialverhalten hängt auch vom Frühstück ab

LÜBECK. Dass Schüler ohne gefrühstückt zu haben, zur Schule kommen, ist leider immer noch keine Seltenheit – mit den bekannten negativen Folgen. Dass das Frühstücksverhalten die schulische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen mitbestimmt, ist bekannt. Anders sieht es noch mit dem Sozialverhalten aus. Wie viele Konfliktsituationen in der Schule etwa auf ein fehlendes Frühstück zurückgeführt worden können, ist bislang noch nicht systematisch erforscht. Eine aktuelle Studie der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zeigt nun, dass auch, was wir zum Frühstück essen, unsere sozialen Entscheidungen messbar beeinflusst.

Je höher der Anteil an Kohlenhydraten in ihrem Frühstück war, desto sensibler reagierten Probanden auf unfaire Angebote. Bis die Ergebnisse konkret für die schulische Praxis nutzbar sind, ist es wohl noch ein weiter Weg. Das etwa Schulen das passende Essen bestellen, um gezielt auf die Psyche ihrer Schüler einzuwirken wird wohl – Gott sei Dank – noch länger Zukunftsmusik bleiben. Dennoch empfehlen die Forscher auch beim Schulessen die Makronährstoffkombination im Blick zu behalten.

Ausgewogene Ernährung ist sowohl für den Körper als auch für die Psyche essentiell. Foto: joeymanley / flickr (CC BY-SA 2.0)

Ausgewogene Ernährung ist sowohl für den Körper als auch für die Psyche essentiell. Foto: joeymanley / flickr (CC BY-SA 2.0)

„Tier- und Humanstudien haben schon vor vielen Jahren gezeigt, dass die Zusammensetzung unserer Nahrung Einfluss auf die im Gehirn zur Verfügung stehenden Neurotransmitter hat“, so Studienleiterin Soyoung Park. „Bisher war jedoch nicht klar, ob dies in einem Maß geschieht, welches tatsächlich unser Verhalten messbar verändert.“

Dass wir das Essen zum Überleben brauchen, ist uns allen bewusst. Vielen ist aber nicht klar, dass das Essen neben unserem Energiehaushalt auch viele weitere biochemische Abläufe beeinflusst. Jede Mahlzeit besteht aus verschiedenen Makronährstoffen, nämlich Kohlenhydraten, Fett und Protein. Das Verhältnis dieser Makronährstoffe zueinander steuert unseren Aminosäure-Haushalt, welcher wiederum maßgeblich mitbestimmt, welche Neurotransmitter in unserem Gehirn zur Verfügung stehen.

Um zu erforschen, in wie weit unser tägliches Essen unser Verhalten bestimmt, haben sich die Forscher auf das Frühstück konzentriert, da dieses meist auf vergleichsweise nüchternen Magen eingenommen würde

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In einer ersten Studie wurden 87 Probanden gebeten, im Detail anzugeben, was sie zum Frühstück gegessen haben. Weiterhin wurden sie mit einem unfairen Angebot eines anderen Probanden konfrontiert, worauf sie reagieren konnten. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Makronährstoff-Komposition des Frühstücks und der Reaktion der Probanden auf unfaire Angebote gibt. Je höher der berichtete Anteil an Kohlehydraten im zurückliegenden Frühstück war, desto sensibler reagierten die Probanden auf unfaire Angebote und lehnten diese ab.

„Diese Ergebnisse haben uns dazu motiviert, eine weitere Studie unter Laborbedingungen durchzuführen, in der wir einen kausalen Zusammenhang zwischen Makronährstoffkomposition beim Frühstück, biochemischen Abläufen und Verhalten herstellen wollten. In beiden Versuchsbedingungen sollten sie am späten Vormittag, wie in der ersten Studie auch, auf unfaire Angebote reagieren“, berichtet der ärztliche Studienleiter Prof. Dr. Sebastian Schmid.

Das Forscherteam konnte die Ergebnisse der ersten Studie bestätigen; abhängig vom Kohlehydratanteil im Frühstück reagierten Probanden unterschiedlich auf unfaire Angebote. Zudem konnten die Forscher zeigen, dass der Tyrosin-Spiegel der Probanden durch die Makronährstoff-Komposition deutlich beeinflusst wurde. Je höher der Kohlehydratanteil und je niedriger der Proteinanteil, umso niedriger waren die Tyrosin-Spiegel während des nachfolgenden Vormittags.

„Diese Ergebnisse sind an sich schon sehr interessant. Wir konnten darüber hinaus aber auch noch zeigen, dass die Veränderung des Tyrosin-Spiegels in einem direkten Zusammenhang mit den Reaktionen auf unfaire Angebote steht. Dieses Ergebnis macht deut-lich, dass unsere Ernährung großen Einfluss auf unseren Neurotransmitter Haushalt hat und dieser wiederum unser Verhalten bestimmt“, erläutert Prof. Dr. Hendrik Lehnert, Mitautor der Studie.

Die Studie zeigt also, dass unsere Ernährung einen stärkeren Einfluss auf unser Leben hat als bisher vermutet. „Diäten, sollten vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse kritisch betrachtet werden. Sie führen zwar eventuell zu dem gewünschten Gewichtsverlust, beinhalten aber ein extrem unausgewogenes Verhältnis von Kohlehydraten und Proteinen und können dadurch einen direkten Einfluss auf unser alltägliches Verhalten haben“, gibt Dr. Sabrina Strang zu bedenken. Prof. Dr. Soyoung Park fügt hinzu: „Auch das Essen in Großkantinen wie zum Beispiel in Schulen, Kindergärten, großen Betrieben oder bei der Bundeswehr, sollte in Bezug auf die Makronährstoff-Zusammensetzung überdacht werden.“ (zab, pm)

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3 Kommentare

  1. Den Zuckerschock kennt jeder Grundschullehrer, er tritt pünkltich zum Martinstag (da gibt es hier Sußigkeiten für die Kinder) ein und ist deutlich erfahrbar.

    Dennoch frage ich mich, wie diese Studie gearbeitet hat und wie die „Makronährstoffkombination“ bewertet und in Relation zum Sozialverhalten gesetzt wurde.
    Wer will denn ausschließen, dass Kinder mit ungesundem Frühstück eher aus Familien kommen, die auch soziale Werte weniger beachten und vermitteln?
    Sind diese Kinder ohne Frühstück dann friedfertiger als mit?
    Welcher Schluss wäre dann zu ziehen?

    • Die Studie hat eine Korrelation gefunden. Das reicht für eine Veröffentlichung. Streng wissenschaftliche Arbeit ist in der Soziologie nicht zwingend notwendig.

  2. Leider wird gar nicht richtig klar, was denn nun ein gutes Frühstück sei. Ist es gut, sensibel auf unfaire Angebote zu reagieren, sollt ich also viele Kohlenhydrate zu mir nehmen. Ist ein sensibles Reagieren unerwünscht, bekomme ich mehr Proteine oder Fett. Welcher Tyrosinspiegel ist empfehlenswert?
    Diese Studie erscheint mir doch sehr vage, abgesehen von irgendeiner Korrelation (genau zwischen was und wie stark?) fehlt natürlich vollständig die Kausalität.
    Man erfährt in dem Artikel auch gar nicht, was „Überdenken der Makronährstoffzusammensetzung“ bedeuten soll. Dass die Anteile an Kohlenhydraten, Proteinen und Fett irgendwie wichtig ist, weiß man doch schon längst, nun kriegt die Ernährungspyramide ein neues Wort und was ist gewonnen?

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