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Studie: Was Schüler motiviert zu lernen – der Lehrer ist es (allermeistens) nicht …

GREIFSWALD. Der Lehrer, der einen einst für ein Thema begeistert und zum Lernen motiviert hat – nur ein verklärtes Klischee? So zumindest könnte man die Ergebnisse einer Studie der Universität Greifswald lesen, die untersucht hat, woher Achtklässler ihre Lernmotivation beziehen. Nur bei 10 Prozent der deutschen Schüler ist sie lehrerabhängig. Für ein Drittel ist dagegen die Beziehung zu ihren Mitschülern ausschlaggebend. Das sollte nach Meinung der Forscher auch die Unerrichtsgestaltung beeinflussen.

Mitschüler motivieren deutsche Jugendliche mehr zum Lernen als die Lehrer. Wie eine Studie der Universität Greifswald ergab, ziehen ein Drittel (34 Prozent) der Achtklässler ihre Motivation aus der Beziehung zu ihren Mitschülern. Nur bei jedem zehnten Schüler ist die Motivation allein lehrerabhängig. 29 Prozent der Schüler motivieren sich selbst zum Lernen, wie die Studienleiterin und Greifswalder Erziehungswissenschaftlerin Diana Raufelder sagte.

Auf die Motivation von Jugendlichen zum Lernen haben Mitschüler einen größeren Einfluss als die Lehrer - zumindest in Deutschland. Foto Sinatra and Peter O. Chott / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Auf die Lernmvon Jugendlichen  haben Mitschüler einen größeren Einfluss als die Lehrer – zumindest in Deutschland. Foto Sinatra and Peter O. Chott / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Damit zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede zu anderen Ländern wie Kanada, Russland oder den Philippinen, ergab die internationale Lernvergleichsstudie Soziale-Emotionale Lernfaktoren (SELF). In den vier Ländern wurden insgesamt mehr als 3200 Schüler befragt, in Deutschland allein 1088. Es konnte festgestellt werden, dass in Deutschland der Autonomiegedanke und die von Jugendlichen geforderte Selbstkontrolle starken Einfluss auf die schulische Motivation habe, sagte Raufelder. Das Verhältnis zu ihren Lehrern sei häufig formeller und distanzierter als beispielsweise in Kanada.

Die Erkenntnisse zur schulischen Motivation von Jugendlichen liefern den Wissenschaftler Ansätze für die Gestaltung des Unterrichts. Schüler, deren Motivation stark an soziale Bindungen gekoppelt sei, könnten beispielsweise vom Gruppenunterricht profitieren, sagte Raufelder. Individualisierte Unterrichtstechniken wie Lernbüro, forschendes Lernen, Lerntagebücher und Freiarbeit kämen hingegen eher Schülern zugute, die sich unabhängig von ihren Mitschülern und Lehrern motivieren.

In Kanada, dessen Bildungssystem als eines der besten unter den OECD-Ländern gelte, sieht sich die Mehrheit der kanadischen Schüler (57 Prozent) sowohl durch Mitschüler und Lehrer motiviert. Ähnlich Ergebnisse zeigten sich auch in Russland. In Kanada stehe die persönliche und soziale Kompetenzentwicklung im Zentrum des Schulgeschehens und werde gleichwertig zum Wissenserwerb gesehen. In Russland lernten Schüler über viele Jahre in einem Klassenverbund, so dass soziale Beziehungen zu Mitschülern und zu Lehrern wachsen könnten, sagte Raufelder.

Ganz anders das Bild in den Philippinen: Dort gaben etwa 85 Prozent der Schüler an, sich unabhängig von sozialen Beziehungen zum Lernen zu motivieren. Das könne daran liegen, dass der Wissenserwerb und die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen im philippinischen Bildungssystem im Vordergrund stehe.

Die Untersuchung in Deutschland wurde nach Angaben der Universität in einer Kombination aus Fragebögen, Interviews und einer fMRT-Studie (funktionelle Magnetresonanztomographie) mit 1088 Schülern im Schuljahr 2011/2012 durchgeführt und nach zwei Jahren wiederholt. Es wurden Schüler an 23 Gymnasien und Oberschulen in Brandenburg befragt. (dpa)

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35 Kommentare

  1. Naja,
    so ein wenig traurig ist, wenn Lehrer einer der Hauptgründe sind, dass Kinder erst wieder zum Lernen motiviert werden müssen, nachdem sie von Lehrern oft demotiviert wurden … zumindest wenn ich so die Kinder in meiner Verwandtschaft und in meinen Freizeit MINT-Kursen betrachte

    • Der Lehrer ist gemäß der Umfrage nur für 10% der Schüler Hauptgrund für die Lernmotivation. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Leistungsgedanke stark in den Hintergrund gedrückt wurde, und (eigentlich lernwillige) Schüler nicht als unbeliebte Streber dastehen wollen. Da sind wir also erneut bei der Beziehung zu den Mitschülern. In einem lernwilligen Umfeld ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass auch die Schüler zum Lernen angeregt werden, die es in einem lernunwilligen Umfeld nicht tun würden. In Ihren MINT-Kursen kommt das erschwerend dazu, weil in Deutschland die MINT-Fächer (außer Biologie) gesellschaftlich als nicht erlernbar anerkannt sind.

      • Wenn die 10 % stimmen, dann sieht es schlecht um die Wirkung der Methoden des eigenständigen, eigen initiativen Lernens der Schüler aus.
        Dabei ist die Beziehung zum Lehrer doch entscheidend für das Lernverhalten der Schüler.Lehrer, die es nicht schaffen eine positiv emotionale Beziehung herzustellen sind schlechte Didaktiker.
        Ein Grund scheint das eigenständige Arbeiten mit losen Blattsammlungen zu sein. Da gab es bei uns schon erheblichen Widerstand gegen.
        Frau Unverzagt lässt grüßen.

      • @ xxx
        1. eine Umfrage ist aber nur das subjektive Empfinden und keine objektive Einschätzung 2. diese Umfrage wurde auch mit Kindern in der 8. Klasse durchgeführt – da sind also 8 Jahre vorher nicht abgefragt
        3. kommt hinzu, dass die Hauptmotivation ZUM Lernen durch den Lehrer kommt … da steht ja nichts davon, wieviel durch den Lehrer wegfällt
        4. allerdings sollte natürlich eigentlich ein Lehrer nie die HAUPTmotivation für irgendetwas sein – vor allem nicht für die Demotivation;
        5. aber es ist auch für Erwachsene unglaublich schwer sich zu langweilen und dann noch motivert zu sein – von daher sollte ein Lehrer wiederum schon zur Motivation beitragen oder wenigstens nicht zur Demotivation
        6. ich kenne kaum ein Kind, welches sich VOR der Schule nicht auf die Schule freut und lernen möchte und lernbegeisterte Kinder als Streber betitelt – das entsteht erst in der Schule

        nebenbei: die MINT-Kurse sind freiwillige Freizeitveranstaltungen für besonders MINT interessierte Kinder, welche die Schule sehr oft nicht leiden können aber zu den Kursen sehr gern kommen

  2. Nicht zu vergessen: Die Umfrage wurde bei Achtklässlern durchgeführt. Dass bei Pubertierenden die Peergroup den größten Einfluss auf Jugendliche hat ist, ist schon lange bekannt.
    Bei Grundschülern ist schon noch die Lehrer – Schülerbeziehung und das Engagement der Eltern ausschlaggebend.

  3. @ ysnp,

    auch dabei stimme ich Ihnen wieder zu, zumal die sogenannte Hattie-Studie (?) wiederum belegt hat, dass es sehr auf den Lehrer ankommt. Bei jüngeren Schülern sehe ich auch die Beziehung zum Lehrer („Lernen für den Lehrer, damit er mich mag / weil ich ihn mag“, aber womöglich auch „… damit er nicht schimpft“) im Vordergrund.

    Bei Jugendlichen wendet sich das Blatt – sämtliche Erwachsene (Eltern wie Lehrer) geraten eher in eine „gegnerische Außenposition“. Jugendliche wollen sich selber finden, indem sie sich abgrenzen. Sie beäugen alles kritisch, was die „verlogenen (inkonsequenten)Erwachsenen“, die sich ihre Hörner längst schon abgestoßen haben, machen. Die Psychologie sagt nicht umsonst, dass Eltern bei ihren Kindern bis etwa 10 Jahre noch jegliche Verhaltensänderungen erreichen können. Danach nicht mehr.

  4. @ MINTiki,

    ZITAT: „… nachdem sie von Lehrern oft demotiviert wurden.“

    Was genau meinen Sie denn damit?

    Meiner Meinung nach kann man das Arbeiten in MINT-Freizeitkursen (sicherlich „kleingruppig“) nicht mit Klassenraumsituationen mit 25-30 Kindern vergleichen. Oder?

    • @sofawolf Mein kleiner Bruder ist wie ein Gummiball hüpfend die Treppe gesprungen, als er in die Schule gekommen ist – das hatte sich genau nach 2 Tagen gelegt, er konnte VOR der Grundschule besser lesen als nach der 4. Klasse, …
      Kinder waschen sich nicht einmal mehr die Hände nach dem Klo, Kinder werden auf dem Spielplatz vergessen (4 Jahre), Kinder (3 Jahre) haben tiefe Platzwunden auf der Stirn und keiner der Erzieher weiß, wann, wo und wie das passiert ist, Lehrer lassen Kinder einen ganzen Tag mit einem angebrochenen Fuß herumhumpeln, ehe sie die Eltern anrufen, usw. – das sind alles Beispiele aus meiner unmittelbaren Bekanntschaft und alles von unterschiedlichen Eltern/Kindern/Erziehern/Lehrern/Bildungseinrichtungen … – als ich in der Grundschule (bzw. bis zur 6. Klasse) war, haben wir im Werken gebaut: Fensterbild, Holzuntersetzer, 2xKnetbilder, besticktes Deckchen, Pyramide, Schwibbogen, elektrisches Gedulzspiel, genähtes Bild, Kerzenständer, Webstück, … – mein kleiner Bruder hat in den 4 Jahren Grundschule genau ein popeliges, schiefes, krummes Polystyrolboot und ein Tangramm mitgebracht (und er konnte mit 4 Jahren löten, also es lag nicht an dessen motorischen Fähigkeiten) – in der ersten Klasse gibt es mehrfach Aussagen von Grundschullehrern (wieder nicht nur 1 Leherer/Kind/Bildungseinrichtung,…): „das muss das Kind selber entscheiden, dass es das lernen muss“ – bezogen auf das kleine 1×1, Rechtschreibung und Co
      diese Demotivation innerhalb der ersten Schultage kenne ich auch wieder von mehreren Fällen
      und ich kenne meine eigene Schulzeit und Lehrer die im Deutschgrundkurs eines Gymnasiums mit Math./Nat.-Profil knallhart von sich geben, dass sie für viel weniger Math./Nat. in der Oberstufe sind – sie hätten das selber nie wieder gebraucht – schon diese Einstellung ist unverschämt und auch wieder kein Einzelfall – habe das von anderen so ähnlich auch schon mitbekommen

      • Wann kommt denn hier der Kommentar „Ja, früher war alles besser“ ?
        Es war vieles anders als heute.
        Heute gibt es viele eigene Studien , z.B. von Herrn Falk Peschel über offenen Unterricht, demonstriert an 20 Schülern mit einem signifikanten Nachweis des offenen Unterrichts an Hand dieser 20 Kinder. Wow !

        • Ursula Prasuhn

          „Früher war vieles anders als heute“, ist auf jeden Fall hübsch nichtssagend und klingt doch weise.
          Ist es denn so schlimm, wenn früher das eine oder andere tatsächlich besser gewesen wäre als heute?
          Hier bei n4t habe ich noch von keinem die rigorose Behauptung gelesen: „Früher war alles besser“. Sie wird Meinungsgegnern allerdings immer wieder gern unterstellt, um deren Kritik an einigen Dingen, die heute schlechter laufen als früher, lächerlich zu machen und als nostalgische Erinnerungen abzutun.
          „Jeder Fortschritt ist durch gründliche Kritik bedingt“ schrieb der deutsche Philosoph Rudolf Christoph Eucken schon vor 200 Jahren und sagte damit nichts Neues.
          Was soll also eine Unterbindung von Kritik die sich aus einem Vergleich zwischen dem, was heute ist, und dem, was gestern war, ergibt? Solche Vergleiche drängen sich zahlreichen Lehrern, die ihren Beruf schon länger ausüben, geradezu auf.
          Sollen sie verpflichtet werden zu der dümmlich neutralen Feststellung „Früher war vieles anders als heute“ oder dürfen sie auch Ihren Verstand und ihre Urteilsfähigkeit gebrauchen, um durch Kritik dem Fortschritt zu dienen und nicht – wie Sie anscheinend glauben – in verklärten Rückblicken zu schwelgen und sich genüsslich der Besserwisserei hinzugeben.?

          • Ursula Prasuhn

            Meine Frage war ironisch gemeint.
            Ja, es gibt hier Personen, die behaupten, die Fähigkeit zu lesen habe bei Schülern zugenommen. Dabei beruft man sich auf Studien.
            Wir stellen hier das Gegenteil fest.
            Auszubildende können Medikamente nicht finden und reichen die falschen Medikamente an , weil sie nicht lesen können.
            Postfächer werden nicht gefunden. Einfache schriftliche Anweisungen können nur stotternd erlesen werden, ohne dass der Inhalt verstanden wird.
            Diese Menschen haben nie eine Freude am Lesen erlernt und es fehlt der Fluss im Lesen.
            Das Problem wird sich in den nächsten Jahren noch verschlimmern.
            Die eigenen Kinder wurden durch strukturiertes Üben des Lesens und wiederholendes Lesen dazu gebracht flüssig und Sinn entnehmend zu lesen.
            Die Verknüpfung von Lesen und Schreiben im Schulunterricht ist schon unverständlich, da es sich um zwei verschiedenen Gebiete handelt, die nur indirekt in Verbindung gebracht werden können.
            Fortschritt in der Bildung gelingt nicht durch ständige Neuerungen in der Grundschulpädagogik oder durch den Wechsel der Methoden ohne valide Studien und ohne dass die Anwender etwas von Linguistik für das Erlernen von Sprachen verstehen.
            Kennen heute ausgebildete junge Lehrer noch die Standartlautierungen der deutschen Sprache.
            Wir erleben hier anderes.
            Warum wird in den ersten zwei Jahren eine derartige Tolerierung von Fehlern praktiziert, wo sich doch falsche Schreibungen einprägen?
            Eine strukturierte Hinführung zum orthographischen Schreiben wird von jungen Lehrern häufig verweigert.
            Jeder Schüler darf schreiben wie er will., es herrscht die absolute Anarchie im Schreiben mit der Bildung von Wort-Ruinen, die dann noch von Lehrern positiv beurteilt werden. Es erfolgt keine gezielte Vermittlung Hauptgrapheme, geschweige dass die Orthographeme vermittelt werden.
            Das war früher anders und es war einfach besser.

          • „Die Verknüpfung von Lesen und Schreiben im Schulunterricht ist schon unverständlich, da es sich um zwei verschiedenen Gebiete handelt, die nur indirekt in Verbindung gebracht werden können.“
            Diesen Satz haben Sie schon häufiger geschrieben.
            Ich frage mich, wie Sie es schaffen, etwas zu schreiben, ohne es zu lesen. Ob Sie dabei die Augen schließen?
            Tippen Sie mit 10-Finger-System und schalten vorab den Bildschirm aus?
            Oder benutzten Sie eine Spracherkennungssoftware?
            Schreiben und Lesen gehören zusammen, man kann Schreiben nicht sinnvoll üben, wenn man nicht lesen kann.
            Was Ihnen unmöglich erscheint, ist Kindern im 1. Schuljahr möglich: sie können Wörter, Sätze, z.T. auch Texte erdenken, notieren und diese vorlesen und finden viel Freude an ihren eigenen Ideen. Auch das motiviert zum Lesen, Kreativität gehört zur Schreiberziehung dazu, sie wird sogar gefordert und gilt als Kriterium bei der Bewertung, und ohne Vorstellungsvermögen ist Lesen eine reichlich monotone Angelegenheit.

            „Fortschritt in der Bildung gelingt nicht durch ständige Neuerungen in der Grundschulpädagogik oder durch den Wechsel der Methoden ohne valide Studien“
            Eine Methode entwickelt sich m.E., wenn Lehrkräfte durch Beobachtung zu dem Schluss kommen, dass ihre SuS andere Wege als bisherige zum Erlernen der Inhalte benötigen.
            Sofern ich mit den Ergebnissen zufrieden bin, muss ich nichts ändern, anders ist es, wenn Methode, SuS und Ergebnisse nicht zusammen passen. Da reicht es nicht aus, auf einer Methode zu beharren, weil sie schon 3 oder 30mal zum Erfolg geführt hat, irgendwann geht es eben nicht so wie bisher und braucht Veränderung.

            Eine valide Studie kann ich erst anstrengen, wenn ich ausreichend große Vergleichsgruppen zur Verfügung habe. Dazu muss die Methode als solche also bereits bekannt und an verschiedenen Standorten eingesetzt und/oder erprobt sein.
            Wer den Wechsel auf andere Methoden nur erlauben möchte, wenn valide Studien vorliegen, unterbindet somit jegliche Abweichung.
            (Verabreichen Sie das Medikament nur, wenn es bereits an 100.000 Personen gleichen Krankheitsbildes getestet wurde, bis dahin darf es niemandem- auch keinen Probanden – verabreicht werden.)

            Methoden, die ich für meinen Unterricht wähle, überlege ich mir genau. In der Ausbildung erlernt man, sie abzuschätzen und zu reflektieren. Eine Methode, die in einer Lerngruppe gute Ergebnisse erzielt, kann in der nächsten unangebracht sein.
            Neue Methoden eigne ich mir an und probiere sie aus, häufig weiche ich von der Beschreibung ab, verknüpfe mit anderem, verbinde oder ändere etwas, sodass es zur Lerngruppe passt. Wenn das Gruppenpuzzle nicht passt, wird es eine angeleitete arbeitsteilige Gruppenarbeit. Wenn Think-Pair-Share ungeeignet erscheint, fällt ggf. eine Phase aus oder wird durch etwas anderes ersetzt. Die eine Lerngruppe braucht ein Standbild, die nächste eine Bildbetrachtung, die dritte ein Rollenspiel oder eine Geschichte um den gleichen Inhalt erfassen zu können.

            Im übrigen: Die Stundentafel einer 1. Klasse umfasst 20 Stunden, davon entfallen genau 6 auf das Fach Deutsch. Dieses beinhaltet neben Lesen und Schreiben auch Sprechen und Zuhören. Das Curriculum gibt viele weitere Angaben, was im Unterricht aufzugreifen ist. Und tatsächlich gibt es neben Deutsch auch noch andere Fächer, die unterrichtet werden. Die Methoden im ersten Schuljahr sind weit vielfältiger, als das von Ihnen laufend kritisierte LdS oder das Abarbeiten von AB, dem sie eine Monokultur bescheinigen. Meine Beobachtungen sind andere.
            Mit etwas Geschick kann man die Methoden von Jahr zu Jahr erweitern und ausbauen, sodass in Klasse 4 ein großes Repertoire zur Verfügung steht, das wiederum Grundlage für weitere Methoden sein kann und die SuS in die Selbstständigkeit führt.

          • Wenn jetz noch die meisten Nicht-Lehrer hier im Forum lernen würden, zwischen Unterrichtsmethode und Sozialform zu differenzieren – wir wären einen großen Schritt weiter.

            Die geforderten studien sind doch das Problem. Natürlich wird der nachweis über Studien geführt. Die Art und Weise wie diese Studien angelegt sind, das ist der springende Punkt. Dies ist auch der Grund, warum ich Meta-studien wie die von Hattie infrage stelle. Die gefundenen Korrelationen lassen sich nämlich nicht auf deutsche Schulen übertragen. Genausogut hätte man Erfahrungen mit dem Linksverkehr untersuchen können und die gewonnenen Erkenntnisse anschließend auf den Rechtsverkehr übertragen wollen.

          • Wer Ohren hat der höre.
            Für den,der beides, das Lesen und das Schreiben beherrscht, ist die Verknüpfung klar ersichtlich.
            Man erlernt beides auch erst in der Schule.Wer aber beides lernen will ,der muss beides trainieren.
            Auch Ihnen, Palim, wird aufgefallen sein, dass ein guter Leser nicht automatisch ein guter Schreiber ist und es umgekehrt auch nicht sein muss.
            Jetzt müsste der Zusammenhang wohl verständlich sein.
            Man kann Lesen lernen ohne schreiben zu können. Beides erfolgt durch Übung.
            Die Versuche von Herrn Peschel sind auf Grund der geringen Fallzahlen( 15 bis 20) nicht valide, die Daten der Hattie-Meta-Analyse mit 230.000.000 Schülerdaten dagegen schon.
            Und warum meinen Sie, dickebank , seien diese Daten nicht auf unsere deutschen Schüler übertragbar ? Was ist an uns Deutschen anders ? Warum kann man Daten in der Medizin auch von englischen, amerikanischen und anderen Patienten bei unterschiedlichen Gesundheitssystemen auf uns Deutsche übertragen ?

            Könnte es sein, dass Ihnen einfach nicht die Ergebnisse dieser Meta-Analyse gefallen, weil offene Unterrichtsformen und andere reformpädagogischen Methoden lediglich einen marginalen Effekt auf das Lernverhalten der Schüler haben ?
            Klar, die Daten stammen überwiegend aus dem neusländischen und dem australischen Bereich, teilweise gibt es nur eine Erhebung pro Einflussfaktor, einige Daten sind älter und sie wurden nicht im Feldversuch erhoben, sondern vom Studienleiter.
            Aber dennoch ist diese große Zahl an untersuchten Schülerdaten valide und die Wucht ihrer Aussagen deutlich.
            Versuche an schutzbefohlenen Kindern sind aber aus medikolegaler Sicht unetisch und moralisch verwerflich. Man fragt sich ,ob die Eltern überhaupt von diesem Herrn Peschel über diese Versuche aufgeklärt wurden ? Ist dieser kleine Feldversuch überhaupt auf ein anderes Klientel und andere Lehrpersonen übertragbar.
            Sie sollten einmal versuchen derartiges auf die Medizin zu übertragen.
            Da wären Sie wohl mit die Ersten, welche auf die Barrikaden gingen.
            Diese Methoden können vergleichend untersucht werden, weil sie angewandt wurden und werden. Allein, man scheut die Ergebnisse, weil man bereits bei der Marburger Studie von Gert Schulte-Körne schlechter abschnitt als die Vergleichsgruppen nach alter Methode.

          • Palim
            P.S. Andere Fächer, wie Geographie und Biologie vermitteln wohl auch die deutsche Schrift und Sprache und ermöglichen die Allgemeinbildung, den sprachlichen Ausdruck, die Rechtschreibung und das Lesen zu erweitern.
            Umgekehrt können sie die Kenntnisse Ihrer Schüler im Englischen erweitern, wenn Sie fachübergreifend eines dieser Fächer im Englischen oder Französischen vermitteln.

          • Axel von Lintig

            Palim

            So offensichtlich, wie für Sie und andere ein direkter Zusammenhang zwischen dem Lesen und Schreiben zu bestehen scheint, so beeinflussen sich beide erlernten Fähigkeiten nur unmittelbar.
            Dazu gibt es auch diverse Studien , die keinen direkten Zusammenhang zwischen beiden feststellen konnten:
            Hasselhorn,Marx und Schneider 2008,Frith 1990, Valtin 1981,Bradley und Bryant 1979, DESI-Studie 2008.
            Wenn Sie einen Text lesen, so erfassen sie den Inhalt und nicht jedes einzelne Wort. Oder prägen sie sich jedes Wort komplett ein ?
            Nein, es ist der Inhalt des Textes , den Sie erfassen oder auch eben nicht, wenn Sie die Automatisierung des Lesens nicht erlernt haben.
            Auch werden Sie sich fremde Wörter, welche Sie vorher nie geschrieben haben, wenn sie diese dann in einem Buch erlesen , nicht richtig schreiben können, auch dann nicht, wenn Sie diese mehrfach in diesem Buch gelesen haben.
            Und wenn Sie richtig schreiben lernen wollen, so müssen Sie Wörter,Texte und ganze Sätze einüben. Die Strategien haben Sie ihren Schülern zu vermitteln und nicht die sich selbst, weil wir Eltern es sonst tun werden und dieses auch bereits schon tun.
            Und abgehängt werden all jene, die keine Hilfen von zu Hause erhalten.
            Und die Methode LDS und freies Schreiben nach Scharrelmann/Ganzberg mit einer Anlaut-Tabelle im eigenständigen und eigen initiativen Schriftspracherwerb ohne Korrekturen und korrekte Vorgaben, welche Sie zum Schreiberwerb als ein Mittel propagieren , diese sind zwei der Gründe für schlechtes Rechtschreiben,mangelndes schriftliches Ausdrucksvermögen und desaströse Lesefähigkeiten.
            Und so wird man sich weiter beharken, weil man keine vergleichenden Studien durchführen will. Allein es bleiben die Ländervergleiche und da schneiden wir im „Bildungsland NRW“ eben als drittletztes ab, weil hier diese ideologisch motivierten Methoden eine weit Verbreitung gefunden haben.

          • Axel von Lintig

            Nebenbei hat sich unter diesem Druck der Leistungsvergleiche zwischen den Bundesländern und der Nationen als Folge der Pisa Vergleichsstudien eine echte Olympiade in der Vergabe von Noten im Bereich von 1 ergeben.
            Waren wir früher dümmer als heutige Schüler oder wird heute unter dem Druck der Ländervergleiche die Notengebung nach oben
            verschoben ?
            Steigen unter diesem Druck die Bildungsabschlüsse mit Abitur ?
            Erreicht man dies durch eine Absenkung der Lerninhalte kultureller Fähigkeiten, wie Musik, Kunst, Geschichte und der Allgemeinbildung, sowie menschlicher Werte ?
            Vermittelt Schule heute kulturelle Fähigkeiten noch nachhaltig und nicht als Teilkompetenz ?
            Was und wie will Schule heute Wissen vermitteln ?
            Lässt man sich einreden, dass Lernmethoden des eigen initiativen Lernens, verbunden mit hohem Lerndruck, sich auf diese Schüler positiv auswirken ?
            Sieht man unter diesem steigenden Erfolgsdruck nicht die ansteigenden Zahlen an Burnout, Selbstmord und kollabierenden Schülern ? Was ist hier eigentlich los ?
            Und anschließlich die ausufernde Inanspruchnahme von Institute für Nachhilfe ?
            Und dann mischt der Bertelsmann-Konzern noch ordentlich mit und bietet seine Hilfen an. Vielen Dank auch.

          • Axel von Lintig

            schließlich die ……..Instituten

      • Ich stimme Ihnen zu, MINTiKi.
        Dass Lernmotivation Lehrerabhängig ist, ist kein großes Geheimnis. Außerdem ist es auch wichtig, dass die Lehrer ihre Schüler nicht vor der Klasse demotivieren: „Ich habe Blut aus den Ohren deiner Mitschüler bei dem Vortrag fließen sehen.“
        Besten Dank an meinen Lehrer, seit dem hasse ich Englisch wie die Pest und spreche nur noch wenn es unbdingt sein muss, obwohl mir von einem Muttersprachler gesagt worden ist, dass mein Englisch sehr gut ist.

        • Natürlich ist das Lernverhalten vom Lehrer abhängig. Man verbindet doch das Fach mit dem Lehrer und ist entsprechend der Beziehung zueinander motiviert für das Fach zu lernen. Aber auch die Methoden, welche einem emotionalen Bezug herstellen sind wichtig für die Lernmotivation. Wer arbeitet schon gerne ständig Blattsammlungen durch.
          Mich hat mein Englischlehrer ständig vor der Klasse verbessert.
          Er erklärt , es wären 10 faule Schüler zu viel in der Klasse und hat er mich einmal beim Vorlesen ständig unterbrochen, bis ich dann das Buch zuklappte und ihn fragte ob er mich fertig machen wolle.
          Danach bekam er kein Bein mehr an den Boden, weil die Klasse zusammenhielt. Früher war das so. Und auch in der Parallelklasse lief es nicht anders ab. Sein Spitzname war „Iltis“.
          Der hat sich später nach Berlin versetzen lassen, dort wurde er aber auch nicht glücklich.

          • Diese Beispiele – und solche Erlebnisse hatte wohl jeder, der das Gymnasium besucht hat (ich hatte sehr viele positive und selten negativ empfundene Lehrer) – zeigen deutlich, wie wichtig es ist, Lehrkräfte professionell im Umgang mit Schülern zu schulen, zu sensibilisieren und danach ein Coaching von psychologisch orientierten Personen wie Schulsychologen oder besonders ausgebildeten Lehrern anzubieten. Diese vermitteln, wenn sie gut sind, einen draufschauenden bzw. objektiv orientierten Blick auf die Situationen. Da genügen eben nicht erfahrene Lehrer, die dann ihre eigenen Erfahrungen/Tipps weitergeben. Diese Tipps können einem nämlich weiterbringen oder in die falsche Richtung gehen. Ein im richtigen Maß gezeigte Empathie gepaart mit einem positiven souveränen Auftreten vor einer Klasse wäre wünschenswert, doch so ein Naturtalent ist eben nicht jeder.

          • @ C. L.
            Das falsche Lesen an sich zu verbessern ist ja nichts Verwerfliches. Wenn es um eine Leseübung in Englisch oder Deutsch geht, muss der Lehrer das ja auch. Das mache ich auch.
            Ebenso sage ich den Schüler schon mal, dass sie mehr lernen sollen bzw. rechtzeitiger anfangen müssen, wenn sie bessere Ergebnisse wollen.
            Wahrscheinlich ging es da mehr um die Art des Lehres, wie Sie sie erlebt/empfunden haben.

        • @ Biene
          Mich wundert, dass ein einzelner Lehrer Ihnen die Motivation für Englisch nehmen konnte. Man hat ja im Lauf seines Schülerlebens mehrere Lehrer in einem Fach und mit anderen kommt man dann viel besser klar.

        • @biene
          ich habe das schon öfter gehört, dass Menschen durch solche Sprüche verunsichert wurden – eine Sache die ich als Schüler nie wirklich verstanden habe, weil ich mir solche Dinge nie zu Herzen genommen habe:
          weil entweder waren das nur bedingt ernst gemeinte Bemerkungen oder der betreffende Leher war nur sehr bedingt jemand, auf dessen Meinung ich etwas gegeben hätte – aber ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass erstens nicht unbedingt jeder Sarkasmus, Ironie oder Zynismus versteht (selbst, wenn sie zB gegen mich selbst geht) und 2., dass je nach aktueller persönlicher Situation einen manchmal durchaus manches härter trifft, als es eigentlich sollte oder beabsichtig gewesen war (bzw. auch, dass Situationen persönlich mehr Stress bedeuten, als von außen nachvollziehbar ist) – aus anderen Erfahungen heraus versteh ich es mitlerweile wesentlich besser –
          ich denke, dass die Lehrerausbildung dazu vermutlich wirklich mehr Wissen bringen müsste – jedoch weniger die genannten Coachings – denn die sind in der Regel sehr schwammig und jemand der sarkastisch ist, lehnt das in der Form ab und versteht es einfach nicht wirklich (und das sage ich als jemand, dem das genauso geht mit dieser Herangehensweise) – da wären rein rationale Erklärungen mit handfesten Fakten wesentlich sinnvoller
          also den Sinn von Psychotherapie bzw. die Ursache für individuelle Stressanfälligkeiten habe ich erst verstanden, nachdem ich in einem Buch naturwissenschaftliche Zusammenhänge dazu erklärt bekommen habe – wen das interessiert kann sich das Buch hier ausleihen – sollte es in jeder gut sortieren Bibliothek geben – https://books.google.de/books/about/Das_Ged%C3%A4chtnis_des_K%C3%B6rpers.html?id=sWw0BQAAQBAJ&redir_esc=y (es gibt sicherlich auch andere Bücher, aber das kenne ich und der Hinweis auf die Bibliothek ist, weil ich leider die Werbung dafür nicht bezahlt bekomme 😉
          Seit ich mich damit ein bisschen auseinandergesetzt habe, ist das aber auch ein Grund warum mir die mangelhafte Bildung von Kleinauf so negativ aufstößt – denn wenn zB jemand sich nicht lernt präzise auszudrücken und zu reflektieren, kann er sich nicht verständlich machen und das führt zu Frustration und Konflikten und dazu gehört auch ein gutes MINT-begründetes Weltbild – frei nach dem Motto: „Was muss ich denken, um richtig zu verstehen, was ich fühle, wenn ich sehe, was passiert? “ von Rainald Goetz

          was ich aber eigentlich mit Motivation meinte, ist eher die mangelnde Begeisterung vieler Lehrer für ihr eigenes Fach oder/ und der Mangel an fachlicher Kompetenz oder/ und die Einbettung des Wissens in den Zusammenhang der Wichtigkeit für das Leben (das war für mich in den MINT Wissenschaften selber nie ein Problem, aber von anderen Fächern kenne ich das selbst – und ich sehe das Problem bei ganz vielen anderen Kindern/ Menschen auch in den MINT-Fächern)

  5. Jahrelang wurde der Lehrer zum Lernbegleiter degradiert – als Motivator ist er in dieser Rolle doch gar nicht gefragt.

    • Hat den Vorteil, dass das nicht nach Zensuren erteilender Amtsperson klingt. Lernbegleiter müssen sich deshalb auch Respekt erwerben …

      Wer die Schüler einer Schule als „Kunden“ bezeichet, der wird sich zwangsläufig schwertun mit dem, was (in NRW) die schulrechtlichen Bestimmungen (BASS) vorgeben.

  6. Das wurde hier ja schon oft geschrieben: Methodenwechsel ist das Zauberwort. Rein lehrerzentrierter Frontalunterricht wird die SuS auch nicht motivieren. Gelegentlich offener Unterricht mit der Möglichkeit zu selbstständigem Lernen macht sie zu selbstbewussten, motivierten und fröhlichen SuS. Offener Unterricht hat ja nichts mit dem Abarbeiten von Arbeitsblättern zu tun. Wer kommt denn auf so etwas?

  7. @ lesoleil,

    gut gemachter Frontalunterricht kann Schüler durchaus mehr begeistern als schlecht gemachter Gruppenunterricht (o.dgl.). Gruppenarbeit verführt (psychologisch ermittelt) dazu, dass sich der Einzelne gerne auf Kosten der anderen ausruht. Deshalb mögen oft die Lernwilligen Gruppenarbeit gar nicht, weil sie alles alleine machen müssen.

    • Bei Rollenzuweisungen, präsentieren ohne vorher zu wissen, wer es präsentieren muss bzw. wo alle beteiligt sein müssen. Benotung von Einzelnen, klarem Einschreiten der Lehrkraft bei Störenfrieden, Reflektion der Gruppenarbeit, Bemerkungen dazu im Zeugnis (wie bei uns) wird dies ziemlich erschwert.
      Schüleraktivierung und Interaktion sind ein klarer Vorteil von Gruppenarbeit. Beim Frontalunterricht sind die meisten nur so aktiv, dass sie zuhören (sofern sie mit den Gedanken dabei sind) und ein paar wenige (meistens die guten Schüler) sind interaktiv im L-S Gespräch. Frontalunterricht ist disziplintechnisch leichter zu handhaben, deswegen wird man bei einer schwierigen Klasse verständlicherweise nicht unbedingt sehr häufig Gruppenarbeit einsetzen.

    • @sofawolf – genau das ist meine Erfahrung in der Schule gewesen – oder anders Lehrer, die guten Frontalunterricht gemacht haben, haben auch guten Gruppenunterricht/ Projektunterricht gemacht, aber das nicht soooo oft, weil das ein unglaublich hoher Aufwand bedeutet, den kein Lehrer ununterbrochen durchhält
      und Lehrer, die schlechten Frontalunterricht gemacht haben, haben noch schlechteren Gruppenunterricht/ offenen Unterricht gemacht und den dann sehr oft, weil sie dafür einfach nichts mehr gemacht haben, außer schlechte Arbeitsblätter verteilt aus irgendwelchen Kopiervorlagen, etc.

  8. @ MINIki, danke für den Zuspruch.

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