Startseite ::: Politik ::: Thüringen gibt so viel Geld pro Schüler aus wie kein anderes Bundesland – und leidet trotzdem unter Unterrichtsausfall. Wie kann das sein?

Thüringen gibt so viel Geld pro Schüler aus wie kein anderes Bundesland – und leidet trotzdem unter Unterrichtsausfall. Wie kann das sein?

ERFURT. Paradox: Thüringen gibt für seine Schüler so viel Geld aus, wie kein anderes Bundesland. Trotzdem fallen Tausende Unterrichtsstunden aus. Das soll sich ändern. Von einem Schulpakt ist die Rede. Wird ihn ein Norddeutscher umsetzen? Die bisherige Bildungsministerin ist schwer erkrankt. Doch Ministerpräsident Ramelow (Linke) will noch keine Entscheidung fällen.

Hat Ärger mit der Schulpolitik: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: DiG / TRIALON / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Hat Ärger mit der Schulpolitik: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: DiG / TRIALON / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Thüringen muss nach Ansicht einer Kommission sein Schulsystem grundlegend reformieren, um die von der Landesregierung abgegebene Unterrichtsgarantie zu erfüllen. Zu den Vorschlägen gehörten die Aufstockung der Vertretungsreserve von 100 auf 550 Lehrer, Möglichkeiten für Honorarlehrer oder die Einstellung von Seiteneinsteigern in den Schuldienst, sagte Kommissionsmitglied Helmut Holter am Mittwoch in Erfurt. Holter, ehemaliger Arbeits- und Bauminister der Linken in Mecklenburg-Vorpommern, ist als neuer Bildungsminister in Thüringen im Gespräch.

Bei der Vorstellung des Berichts äußerte sich Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nicht zum möglichen Nachfolger für die seit Monaten erkrankte Thüringer Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke). Es falle keine Entscheidung, bevor Klaubert nicht die letzten Arztkonsultationen absolviert habe, so der Regierungschef. «Ich warte ab, bis der letzte Befund da ist.»

Interims-Kultusminister Hoff will Unterrichtsgarantie ohne zusätzliches Personal

Holter ging ebenfalls nicht direkt auf die nach Meinung vieler Vertreter der Regierungskoalition anstehenden Änderung im Kabinett ein. Der Norddeutsche machte aber deutlich, dass er als früherer Linke-Fraktionschef im Schweriner Landtag auch Generalist sei und Bildungspolitik damit kein Neuland. «Es geht darum, Probleme anzupacken», sagte Holter.

Mitglieder der Kommission bescheinigten Thüringens Schulsystem Defizite. Laut Dieter Eckert, ehemaliger CDU-Bürgermeister in Offenburg, hat Thüringen mit jährlich 7200 Euro pro Schüler an staatlichen Schulen die höchsten Ausgaben aller Bundesländer. «Gleichzeitig gibt es viel Unterrichtsausfall.»

Notwendig sei die Überprüfung der Strukturen und Korrekturen. Der Kommunalpolitiker riet der Landesregierung, bestimmte Regelungen zu Mindestschulgrößen verbindlich zu machen. Zudem sollte es Schulkooperationen geben. Sie seien das Instrument, um ein vernünftiges Unterrichtsangebot zu sichern und kleinere Schulen zu erhalten.

Teuer – Zwergklassen mit acht Schülern

Ramelow verwies auf übervolle Klassenzimmer in den größeren Städten und Zwergklassen mit acht Schülern in einigen ländlichen Regionen. 600 Klassen hätten weniger als zehn Schüler. Der Ministerpräsident plädierte für eine gemeinsame Reformanstrengung von Regierung und Koalitionsfraktionen, an der sich Städte, Gemeinden und Kreise, die Landtagsopposition sowie Interessenvertretungen beteiligen. Es gehe darum, «die gläsernen Wände in unserem Schulsystem mit einigen Türen zu versehen». Überlegenswert sei auch die Anregung der Kommission, nur noch ein Schulamt in Thüringen mit vier Außenstellen in den Planungsregionen zu haben, so Ramelow.

Bereits vor zwei Wochen hatte die Thüringer Landesregierung Probleme in der Bildungspolitik eingeräumt. Staatskanzleichef Benjamin Hoff (Linke), der Klaubert derzeit kommissarisch vertritt, sagte in einer Regierungserklärung, es sei nicht akzeptabel, dass Schüler wegen Unterrichtsausfalls keine Zeugnis-Note bekämen (was offenbar vorkommt). Hoff räumte ein: In den musischen und naturwissenschaftlichen Fächern sei der Unterrichtsausfall derzeit am größten. Neue Lehrer könnten in diesen Fächern aber kaum gewonnen werden, weil sie bundesweit händeringend gesucht würden. dpa

Ein Kommentar

  1. Steht auch irgendwo, wie viel Geld pro Schüler und um wie viel es von anderen Ländern abweicht?

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