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Flüchtlinge als Hilfslehrer: Uni Bielefeld startet mit Ausbildung – Lob vom VBE

BIELEFELD. Ein Jahr an die Uni gehen und dann als Vertretungslehrer arbeiten: Diese Perspektive bietet die Uni Bielefeld Flüchtlingen mit einem neuen Programm. Die Teilnehmer stammen aus den unterschiedlichsten Ländern.

In der Heimat schon als Lehrkraft gearbetet zu haben - wie diese libanesische Lehrerin - ist eine Voraussetzung für die Teilnahme an dem Programm. Foto: DFID - UK Department for International Development / flickr (CC BY 2.0)

In der Heimat schon als Lehrkraft gearbetet zu haben – wie diese libanesische Lehrerin – ist eine Voraussetzung für die Teilnahme an dem Programm. Foto: DFID – UK Department for International Development / flickr (CC BY 2.0)

Die Universität Bielefeld bildet von September an erstmals Flüchtlinge zu Hilfslehrern aus. Für die 26 Plätze habe es 270 Bewerbungen gegeben, sagte eine Sprecherin der Universität Bielefeld. Die ausgewählten Teilnehmer stammen aus Syrien, Guinea, Afghanistan, Armenien, Irak, Iran und Pakistan. Am Ende der ein Jahr dauernden Ausbildung sollen sie etwa als Vertretungslehrer an Schulen in Nordrhein-Westfalen arbeiten können – eine Garantie dafür gebe es aber nicht.

Studie: Lehrer aus Fluchtländern könnten helfen, die Integration zu verbessern – „Sie verfügen über wichtige Kompetenzen“

Alle Beteiligten müssen den Angaben zufolge bereits in ihrer Heimat als Lehrer im Einsatz gewesen sein und einen entsprechenden Studienabschluss erworben haben. Sie machen zunächst einen intensiven Sprachkurs, setzen sich aber laut Uni auch mit dem Schulsystem auseinander und hospitieren mehrmals in Schulen. Unter den zugelassenen Teilnehmern sind 15 Männer und elf Frauen, sie müssen den Platz jetzt noch annehmen.

Die Teilnehmer erhalten am Ende des Vollzeitprogramms ein Zertifikat – der kostenlose Kurs ersetzt aber kein vollwertiges Lehramtsstudium. Grundvoraussetzung für die Teilnahme ist das Sprachniveau B1. Zunächst sind für das Programm «Lehrkräfte Plus» drei Kurse geplant. Initiatoren sind das NRW-Schulministerium, die Bertelsmann Stiftung und die Landeskoordinierungsstelle der Kommunalen Integrationszentren in NRW.

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung könnten Hilfslehrer mit eigener Fluchtgeschichte beim Schulunterricht für Flüchtlingskinder die Bildungsintegration in Deutschland erheblich verbessern. Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßt das Programm. dpa

7 Kommentare

  1. Axel von Lintig

    Warum sollte man diese Lehrer nicht über Qualifizierungsmaßnahmen als Lehrer einsetzen können.Im Bereich der Medizin wird das schon immer praktiziert.

  2. Mir ist nicht klar, was ein „Hilfslehrer“ oder „Vertretungslehrer“ in NRW macht oder darf.

    • Palim, man solle mich bitte korrigieren, wenn meine Erfahrungen nicht allgemeingültig sind, aber Sie möchten nicht wissen, was in NRW so alles erlaubt ist.
      Als Lehramtsstudent wurde ich als Vertretungslehrer an einem Gymnasium eingestellt.
      Ich habe hier ein Schuljahr lang als Vollzeitehrkraft gearbeitet – ohne Aufsicht oder Ähnliches.
      Das ging schnell und einfach. So erhält man als Mensch ohne abgeschlossene Ausbildung circa 1400 € – vielleicht ist das Gehalt seit 5 Jahren angehoben worden.
      Als fertiger Lehrer hatte ich das Vergnügen an einer Partnerschule „Vertretungslehrer“ zu betreuen. Einer war ein ehemaliger Biologe und wartete auf seine Seiteneinsteigerausbildung, weshalb er direkt auf Vollzeitbasis einsteigen durfte. Der andere war ein ehemaliger Chemiker, der die Seiteneinsteigerausbildung an einer anderen Schule nicht bestanden hat und deshalb als „Vertretungslehrer“ eingestellt worden ist. Ich fungierte als Ansprechpartner, aber beide waren „vogelfrei“.
      Im Endeffekt gilt in NRW, dass bei geeigneter Fächerkombination alles lehrbefähigt ist, was irgendeine Qualifikation mitbringt.

  3. Als Lehramtsstudent als Vertretungslehrer am Gymnasium als Vollzeitlehrkraft??? Schluck … „Ohne Aufsicht oder Ähnliches“… Wie schafft man das?

    • Als Student im Hauptstudium hatte ich ja damals bereits drei Praktika absolviert.
      Das Gymnasium, an dem ich gearbeitet habe, ist eine der Praktikumsstätten gewesen.
      Von daher wusste man, dass ich die eine oder andere Stunde eigenverantwortlich leisten konnte.
      In der heutigen Zeit macht Not dann halt erfinderisch, wenn zwei Kollegen gleichzeitig ausfallen.
      Was soll denn eine Schule sonst machen, wenn beispielsweise in Chemie, Physik oder Mathe die Lehrkräfte fehlen?
      Ich kenne viele ehemalige Mitstudenten und Mitreferendare, die mittlerweile fachfremd oder nach einem Zertifikatskurs ein Drittfach unterrichten. Ich selber unterrichte mittlerweile nach einem etsprechenden Kurs ebenfalls drei Fächer.
      Und seien wir mal ehrlich:
      Wie haben doch alle im Kollegium mindestens eine Lehrkraft, die ihren Job nicht so ausführt, wie man sich das professionell vorstellt. (Wenn man keine kennt, kennt man nicht alle Kollegen, ist an einer Traumschule oder sollte in den Spiegel schauen. Volker Piespers sagte mal so nett, dass ein Drittel jedes Kollegiums nicht ausreichend qualifiziert sei und wenn man keinen solchen Kollegen kenne, man drüber nachdenken solle. Diese Schärfe sehe ich zum Glück noch nicht.) Was passiert denn mit diesen Kollegen? In der Regel geschieht nichts.
      Ich habe eine Kollegin, deren Unterricht eine Katastrophe ist. Sie (zwei Nebenfächer) schaut nur Filme oder ist zu Recherchezwecken im Computerraum. In der letzten Schulwoche werden dann noch ein Test oder eine Prüfung eingeschoben und fertig sind die Noten. Mündliche Noten sind dabei in der Mehrzahl, da man da nicht korrigieren muss. Organisatorisch werden Dinge vergessen und all das ist der Schulleitung bekannt, aber sie unterrichtet gefragte Nebenfächer. Anders kann ich mir das mangelnde Eingreifen zum Wohle der Schüler nicht erklären. In meiner Klasse unterrichtet sie beide Nebenfächer und ich habe mich bei den Koordinatoren beschwert, aber sie verbleibt auch im folgenden Jahr in meiner Klasse.
      Wenn ich sowas sehe, möchte ich nicht wissen, was sonst noch alles auf die Kinder losgelassen wird.
      (Da sind mir Lehramtsstudenten dann noch lieber als Seiteneinsteiger ohne pädagogische Qualifikation.)

  4. In Niedersachsen sind „Vertretungslehrer“ keine ausgebildeten Lehrkräfte oder Studierende, sondern Menschen mit mehr oder weniger großer Vorbildung, die in Grundschulen die Vertretung übernehmen, die sie in der Regel nicht selbst geplant haben sollten – sondern die noch gesunden LoL für sie oder die Lehrkraft, die vertreten wird, im Vorfeld.

    Darum frage ich ja, was denn die o.g. machen sollen oder dürfen.

    • An weiterführenden Schulen dürfen diese ebenfalls im Bereich der Mittelstufe eingesetzt werden, also in den Klassen 5-10 bzw. 5-9. Für die Oberstufe braucht man ja eine entsprechende Ausbildung.
      Die dürfen dann Vollzeit in zwei Fächern unterrichten. Bei Naturwissenschaftlern ist das erste Fach das Fachgebiet und das zweite Fach nach Wahl. Wir haben zur Zeit einen Chemiker. Er hat im Studium viel gelernt, aber in Mathe hat ihm ein Schein gefehlt, also darf er jetzt nur Chemie und Bio (, obwohl auch Chemie und Physik hätten gehen können,) unterrichten.

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