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Hitzefrei: Schüler wollen Ermessensspielraum für Schulleiter abschaffen

STUTTGART. Zu viele Schulleiter machen trotz hoher Temperaturen nur selten Gebrauch von der Möglichkeit, Hitzefrei zu geben, findet der baden-württembergische Landesschülerbeirat. Nun müsse das Kultusministerium handeln. Kultusministerin Eisenmann jedoch sieht Probleme bei einer landesweit einheitlichen Regelung.

Weil Schulleiter trotz hoher Temperaturen kaum hitzefrei geben, soll das Kultusministerium aus Sicht des Landesschülerbeirates einschreiten. Das Ressort von Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) solle eine einheitliche Regelung für den Fall von Hitzegraden schaffen, forderte der Vorsitzende Joachim Straub. Er verwies auf Studien, die eine stark abnehmende Leistungsfähigkeit bei Raumtemperaturen von mehr als 26 Grad zeigten. Der Lernerfolg der Schüler könne dann nicht mehr garantiert werden. Ein Vorschlag des Beirates ist, 25 Grad um 11.00 Uhr als Maßstab für ein vorzeitiges Unterrichtsende heranzuziehen.

Hitzefrei ist eigentlich keine Frage von Urlaub. Foto: 926663 / pixabay (CC0 Public Domain)

Hitzefrei ist eigentlich keine Frage von Urlaub. Foto: 926663 / pixabay (CC0 Public Domain)

Kultusministerin Eisenmann kann nach eigenem Bekunden den Ärger der Schüler verstehen. «Allerdings ist eine landesweite, zwingende Regelung bei Hitze nicht zielführend», meinte sie. Schulleiter müssten je nach Situation vor Ort Betreuungsfragen klären, etwa von Schülern, die aus dem Umland kommen und nicht einfach nach Hause fahren könnten. Deshalb sei die Vor-Ort-Entscheidung über Hitzefrei sinnvoll. Die Ministerin will die Kritik aber aufgreifen und Schulleitern «künftig wieder klare Empfehlungen zum Umgang mit Hitzefrei an die Hand geben». (dpa)

„Hitzefrei“ stirbt aus. Schuld sind Ganztagsschulen – und die Sommerzeit

5 Kommentare

  1. den Rattenschwanz hinter der Entscheidung Hitzefrei kann oder möchte der Landesschülerbeirat nicht überblicken. Der beginnt bei der Heimreise (Schulbusse) und geht weiter bis zur Betreuung bei Ganztagsbetrieb.

    • Im Prinzip geht es um die Aufsichtspflicht. Den Eltern muss rechtzeitig angekündigt werden, dass die Betreeung der SuS vorzeitig endet. Selbst wenn die Eltern das generelle Einverständnis gegeben haben, dass das Kind keine Betreuung braucht, kann es im konkreten Anlass zu Konflikten kommen. (Prizipiell ist es ja in Ordnung wenn mein Kind nach der sechsten Stunde vorzeitig entlassen wird, aber an dem Tag, als es hitzefrei gab, …)

      Im übrigen sind die Schulträger absolut begeistert, wenn sie die zusätzlichen Fahrten bezahlen müssen. – Vor allem dann, wenn die Schulen in ihrer Trägerschaft unterschiedlich verfahren.

  2. Meistens ist Hitzefrei meiner Meinung nach auch nicht nötig. Wenn nun wirklich in den Klassenräumen Temperaturen jenseits der 30 Grad herrschen, kann man das m.M.n. geben, aber das kommt nur in den seltensten Fällen vor.
    Des Weiteren ist eine einheitliche Regelung an dieser Stelle wünschenswert. Aus eigener Erfahrung hier ein kleines Beispiel. Ich unterrichte an einer Schule, die Bestandteil eines Schulkomplexes bestehend aus Gymnasium, Real- und Hauptschule ist, vor zwei Wochen dann hatte eine Schule die ganze Woche über Hitzefrei gegeben, wodurch das Unterrichten an den anderen Schulen äußerst schwierig wurde. Ich kann da meine SchülerInnen auch verstehen, wie soll ich es meinen SuS erklären, dass das Wetter für die anderen unerträglich für uns jedes akzeptabel zu sein scheint.

  3. Hitzefrei gibt es bei uns an der Grundschule, seit wir einen Ganztageszug haben, nicht mehr. In meinem Klassenzimmer hatte ich trotz über Nacht heruntergelassener Rollos spätestens ab 10 Uhr um die 29 Grad, an ganz heißen Tagen knackte das Thermometer schon mal die 30 Grad Grenze. Was ich mir grundsätzlich bei Schulausstattungen wünschen würde, wäre der obligatorische Einbau von Deckenventilatoren wie in heißeren Ländern üblich, denn bei uns gibt es immer mehr die heißen Sommer. Doch da denkt bei uns wohl keiner dran.

    • Die Problematik hat sich durch die energetische Sanierung verschärft.

      Ohne Belüftungsanlagen kann bei warmem Wetter so gut wie kein Luftaustausch stattfinden, selbst bei geöffneten Fenstern. Die unsanierten Gebäude waren undicht bis zum geht nicht mehr. Das sorgte für einen ständigen Luftaustausch, da ja nicht alle Gebäudeteile in der Sonne lagen. Auf Gut-Deutsch: „Es zog wie Hechtsuppe.“ Seit der energetischen Sanierung fällt das weg. Es können also in einem zu lüftenden Raum noch die Fenster geöffnet werden, aber bei gleich hohen Innen- wie Außentemperaturen entsteht kein spütbarer Luftzug. Aus klimatechnischer Sicht müssten entweder die Flure be- oder entlüftet werden.
      Im ersten Fall blase ich Frischluft in die Flure, die dann bei geöffneten Fenstern über die Klassenzimmer nach außen dringt. Im anderen Fall erzeuge ich auf den Fluren einen Unterdruck, der für nachströmende Luft aus den Klasenzimmern sorgt. So wird der Luftaustausch inerhalb des Gebäudes verbessert.

      Nachteil: Ist für Schulen nicht vorgesehen.

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