Anzeige


Startseite ::: Nachrichten ::: Offenbar weiten immer mehr Eltern eigenmächtig die Schulferien aus – Polizei klagt: „Sie werden immer dreister“

Offenbar weiten immer mehr Eltern eigenmächtig die Schulferien aus – Polizei klagt: „Sie werden immer dreister“

NÜRNBERG. Eltern, die ihre Kinder schon vor den Ferien aus der Schule holen (oder die Ferien um einige Tage verlängern) – das passiert laut der Polizei in Nürnberg immer häufiger. Bereits 220 Familien flogen dieses Jahr vom Flughafen in Nürnberg ab, ohne dass sie eine Befreiung der Schule vorlegen konnten. Damit sind es schon jetzt mehr Fälle als noch vergangenes Jahr. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg mahnt: Kinder eigenmächtig aus der Schule herauszunehmen, sei kein Kavaliersdelikt. In Bayern beginnen als letztem Bundesland am Freitag die Sommerferien. 

Kinderparadies Deutschland? Die Schulen kommen bei der Elternumfrage jedenfalls gut weg. Foto: M Cheng / flickr

Lieber Strand als Schule – denken sich manche Eltern. Foto: M Cheng / flickr

«Die Eltern werden immer dreister», sagte Bert Rauenbusch von der Nürnberger Polizei. Auch in München werden häufiger Bußgelder verhängt, weil Schüler nicht zum Unterricht erschienen: 2014 waren es noch 1962, vergangenes Jahr 2375 Bescheide. Viel Geld kann es Eltern kosten, wenn sie ihre Kinder aus der Schule nehmen, ohne dass ein zwingender persönlicher Grund vorliegt. Solch ein Grund wäre beispielsweise eine Beerdigung innerhalb der Familie. Dann können Eltern eine Befreiung bei der Schule beantragen.

Nach einem Bericht der „Zeit“ müssen Eltern in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit bis zu 2500 Euro Bußgeld rechnen, wenn sie sich nicht an die offiziellen Ferienzeiten halten, berichtet die Wochenzeitung in ihrer neuen Ausgabe. Bis zu 1500 Euro sind in Rheinland-Pfalz und Thüringen fällig, bis zu 1000 Euro in Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Sachsen-Anhalt. Entspannter geht es in Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein mit dreistelligen Bußgeldern zu. Nur in Sachsen gibt es laut «Zeit» keine Strafzahlungen.

«Es lohnt sich ja nicht», sagte Rauenbusch: «Wenn Sie erwischt werden, bringt Ihnen auch der günstige Flug nichts.» Bei der Passkontrolle an Flughäfen achtet die Polizei auch darauf, ob Kinder im schulpflichtigen Alter nicht eigentlich im Unterricht sein müssten. Kontrolliert wird aber nur bei Flügen außerhalb des Schengenraums. Die tatsächliche Zahl in Nürnberg dürfte also höher sein als 220.

„Erschummelte Ferien“: Immer mehr Eltern schwänzen die letzten Schultage – Bezirksregierungen wollen durchgreifen

Für Eltern, die für einen billigeren Flug ihre Kinder aus der Schule nehmen, hat das bayerische Bildungsministerium kein Verständnis. «Unterrichtsaufall ist ein Thema, was viele Eltern verfolgen. Gleichzeitig gibt es dann Eltern, die die Ferien einfach verlängern. Wir haben aber eine Schulpflicht», sagte ein Sprecher des Ministeriums. Zum Schuljahresende gebe es viele Projekte, die die Schulgemeinschaft stärkten.

So sieht es auch die fachliche Leiterin des Schulamtes in München, Alexandra Brumann: «Das geht nicht.» Die Lehrpläne sähen bewusst pädagogische Freiräume für Projekte oder Wandertage vor. Diese seien aber genauso Pflicht, auch wenn sie kurz vor den Ferien stattfänden. «Weil Lernen nicht nur mit Heft und Stift im Klassenzimmer stattfindet», sagte Brumann. Ein gemeinsamer Abschluss des Schuljahres sei wichtig für die Schüler.

«Oft ist es auch Unwissenheit und gar kein böser Wille», sagte Stefan Kuen vom Schulamt in Nürnberg. Andere Eltern hingegen seien womöglich dreist und wägten das Risiko gegen das gesparte Geld ab. Seiner Erfahrung nach komme es auch häufiger vor, dass Eltern die Ferien eigenständig ausweiten. «Aber es ist kein dramatischer Anstieg.» dpa

 

VBE warnt vor 'Lerneffekt'

STUTTGART. Mehr Staus auf Autobahnen, vollere Flughäfen und Bahnhöfe sowie Preisaufschläge sind angesagt. Grund für manche Eltern, für ihre Kinder beim Ferienanfang eigenmächtig „Gleitzeit“ in Anspruch zu nehmen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht ein solches Verhalten nicht als Ka­valiersdelikt an, sondern „sagt, was es ist: erschwindelte Ferienzeit“. In einer Pressemitteilung heißt es: „Wenn Schüler nämlich später sich selber eine Auszeit genehmigen und den Unterricht schwän­zen, sind dieselben Eltern wegen des Verhaltens ihrer Kinder oft völlig entsetzt.“

Wenn Eltern erführen, dass ihr Kind trotz Schulpflicht die Schule schwänze, zeigten sich die meisten ziemlich fassungslos. Trotzdem gebe es immer wieder Erziehungsberech­tigte, die ihren Kindern vormachen, wie man Lehrer und Schule an der Nase herumführe, indem sie eigenmächtig die Schulferien ihrer Kinder verlängern und deren Fehlen im Unterricht mit „Schwindel“ oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigun­gen begründen. „Der Zweck heiligt nicht die Mittel“, rügt VBE-Sprecher Michael Gomolzig die Eltern, die ihren Kindern auf diese Weise das Schule-Schwänzen beibringen.

Wenn vor oder nach Ferienblöcken der Familienurlaub unerlaubterweise verlängert und von den Erziehungsberechtigten das Fehlen der Kinder beim Klassenlehrer gar mit „Krankheit“ entschuldigt werde, lernten die Schüler von ihren Eltern, dass Schule doch nicht ganz so wichtig ist und dass man mit List und Tücke, mit Lug und Trug seinen Willen auch gegen das Schulgesetz durchsetzen kann. „Wenn Kinder dieses Tricksen später gleichfalls für sich in Anspruch nehmen, sind die Eltern hellauf entsetzt“, weiß der VBE-Sprecher. Würden diese Eltern damit konfrontiert, dass ihr Kind aus Unlust die Schule schwänze, fielen sie häufig aus allen Wolken und könnten gar nicht verstehen, warum gerade ihr Kind gegen Recht und Ordnung verstößt.

Bei 75 unterrichtsfreien Tagen im Jahr bestehe für Eltern kein Grund, die Ferienzeiten zu „individualisieren“, den Beginn vorzuverlegen oder das Ende nach Gutdünken zu verlängern. „Die Ehrlichen, die sich noch an die offiziellen, lange im Voraus bekannten Ferienpläne halten, sollen sich nicht als die Deppen fühlen müssen“, rügt der VBE-Sprecher all diejenigen, die unerlaubterweise Gleitzeitferien in Anspruch nehmen.

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*