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Papyrologie, Koptologie oder Umformungstechnik – was bringt das Studium eines Orchideenfachs?

HAMBURG. Sie heißen Arabistik, Koptologie oder Umformtechnik: 119 kleine und kleinste Fächer gibt es derzeit an deutschen Hochschulen. Brotlose Kunst sagen die einen, wertvolles Spezialwissen die anderen. Doch was bringt das Studium eines Mini-Fachs wirklich?

Wer Freude daran hat, solche Schriftstücke zu entziffern, kann Papyrologie studieren. Foto: Wikimedia Commons

Gerade erst ist Fabian Reiter von einer Dienstreise zurückgekehrt, schon gibt der Kalender die nächsten Termine vor. Der Professor der Universität Trier hat viel zu tun. Kein Wunder, besetzt er doch eine von bundesweit nur zwei Professuren für Papyrologie.

Papyrologie gehört zu den sogenannten kleinen Fächern oder Orchideenfächern. «Die Hauptbeschäftigung ist, griechische Texte zu entziffern, zu transkribieren, ergänzen, erklären und zu edieren, die sich auf Papyri und anderen Schriftträgern in großen Mengen aus Ägypten erhalten haben», erklärt Fabian Reiter. Manchmal dauere es Wochen, Wort für Wort eines Papyrus zu entziffern und eine Edition anzufertigen. Viel Arbeit, doch kann man davon auch leben?

In Deutschland gibt es nur sehr wenige Stellen explizit für Papyrologen, meist in der Wissenschaft oder der Museumsarbeit, sagt Reiter. Stattdessen empfiehlt der Professor, das Fach als Ergänzung zu anderen Wissenschaften zu nutzen. «Es ist eine schöne Zusatzqualifikation für die Nachbarwissenschaften, insbesondere für Althistoriker, Klassische Philologen und Archäologen», sagt Reiter. «Ich würde es auch denen empfehlen, die Lehrer für Griechisch oder Latein werden möchten.»

Die meisten ehemaligen Studenten der Papyrologie hätten inzwischen längst einen Beruf ergriffen, so Reiter, wenn auch nicht unbedingt als Papyrologe.

«Ich denke, das Fach ist für viele Bereiche sinnvoll, in denen man kreativ und sorgfältig arbeiten muss», sagt Reiter. Er empfiehlt beispielsweise, in Vorstellungsgesprächen auf die erlernten kognitiven und sozialen Fertigkeiten eines Fachstudiums einzugehen. So gehöre es zur Arbeit des Papyrologen, ein Kritikbewusstsein zu entwickeln, sich immer wieder in neue Probleme einzuarbeiten und zu vertiefen.

Auch von Philosophen heißt es, dass sie von Firmen sehr gesucht seien, weil sie eigenständig nach Lösungen für Problemfelder suchen können. «Vielleicht könnte man die Fächer in dieser Hinsicht vergleichen», sagt Reiter.

Ganz unabhängig von den beruflichen Möglichkeiten sieht Katharina Bahlmann von der Mainzer Arbeitsstelle Kleine Fächer viel Potenzial in den kleinen Fächern: «Kleine Fächer tragen wesentlich zur Diversität wissenschaftlicher Disziplinen und Perspektivenvielfalt an unseren Universitäten bei.»

Außerdem lieferten sie wichtige wissenschaftliche Hintergrundinformationen zu Weltreligionen, wirtschaftlichen, politischen sowie tagesaktuellen Entwicklungen. «Sie fördern das Verständnis anderer Kulturen und ermöglichen durch diese Expertise, auf neue politische und wirtschaftliche Konjunkturen zu reagieren», erklärt Bahlmann.

Als klein gelten Fächer, die mit nicht mehr als drei Professuren an einer Universität besetzt oder bundesweit an weniger als zehn Prozent der Universitäten vertreten sind. Seit 1997 sei die Anzahl der Professuren in den kleinen Fächern bundesweit annähernd konstant geblieben.

«Es ist allerdings anzumerken, dass die Entwicklung zwischen den einzelnen Fachgruppen stark differiert», sagt Bahlmann. So seien beispielsweise Geschichts- und Altertumswissenschaften von sinkenden Professorenzahlen betroffen, wohingegen die meisten Religionswissenschaften und Fächer mit Medienbezug deutliche Zuwächse aufwiesen. Den größten Teil der erfassten kleinen Fächer machen derzeit mit rund 82 Prozent die Geistes- und Kulturwissenschaften aus.

„Schwer einsetzbar“

«Als Geisteswissenschaftler sind Sie für wirtschaftliche Unternehmen schwer einsetzbar, es sei denn, Sie gehen in die Kommunikationsabteilung», sagt Frauke Narjes, Leiterin des Career Centers der Universität Hamburg. Mit 49 kleinen Fächern bietet die Universität Hamburg mit das größte Angebot an exotischen Studiengängen in Deutschland. Doch für die meisten dieser Fächer gebe auf dem Arbeitsmarkt keinen großen Bedarf, so Narjes.

«Diejenigen, die diese Fächer studieren, sollten sich die Frage stellen, was der Anlass für die Fächerwahl ist», sagt sie. «Es ist erstmal ein reines Bildungsstudium und keine Berufsausbildung.» Wichtig sei deshalb zunächst die Leidenschaft für ein Studienfach.

Berufliche Qualifikationen erhalte man hingegen am besten mit schnellstmöglichem Praxisbezug, «indem Sie von Anfang an eine Idee entwickeln, wo Sie arbeiten möchten und dann sofort Kontakte zur Praxis herstellen». Studierende mit beruflichen Profilen und einer Geschäftsidee hätten die besten Möglichkeiten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Von Anke Dankers, dpa

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