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Verschollene Bernsteine aus Königsberger Sammlung wurden in Harvard entdeckt – und jetzt zurück nach Deutschland gebracht

GÖTTINGEN. Die Königsberger Bernsteinsammlung ist berühmt. Der Teil, der vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gerettet werden konnte, wird in Göttingen aufbewahrt. Nun sind neue Bernsteine aufgetaucht.

Eine eingeschlossene Kleinlibelle aus der Königsberger Bernsteinsammlung. Foto: Gerhard Hundertmark / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Eine eingeschlossene Kleinlibelle aus der Königsberger Bernsteinsammlung. Foto: Gerhard Hundertmark / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Knapp 400 verschollen geglaubte Objekte der international bekannten Königsberger Bernsteinsammlung sind an die Universität Göttingen zurückgebracht worden. Wie die Hochschule am Montag mitteilte, hatten Wissenschaftler einige davon im vergangenen Jahr bei Datenbankrecherchen in einem Museum der Harvard University in den USA entdeckt. Nach intensiven Forschungen in den dortigen Beständen wurden rund 400 Bernsteine mit eingeschlossenen Insekten identifiziert, die zur Königsberger Sammlung gehörten. Seit Juni sind sie wieder in Göttingen.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Bernsteine vor dem Zweiten Weltkrieg verliehen und danach nicht zurückgegeben worden waren. Damals gehörten mehr als 100.000 Objekte zur Bernsteinsammlung der Albertus-Universität Königsberg (damals Ostpreußen). Leihunterlagen aus dieser Zeit existierten nicht mehr, sagte Alexander Gehler vom Geowissenschaftlichen Museum der Uni Göttingen. Bei der Untersuchung und Rückgabe der verloren geglaubten Objekte seien die Mitarbeiter des US-Museums hilfreich und kooperativ gewesen.

Die Bernstein-Sammlung hat eine bewegte Geschichte. Nach Angaben der Uni Göttingen war sie einst die größte wissenschaftliche Sammlung tierischer und pflanzlicher Einschlüsse in Bernstein aus dem Baltikum. Im Jahr 1944 wurden Teile davon mit anderen wertvollen Kulturgütern aus Königsberger Sammlungen nach Westen transportiert. Der Göttinger Uni zufolge wollte der damalige Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts in Königsberg, Karl Erich Andrée, die Schätze vor der näher rückenden Front retten und zur Partneruniversität nach Göttingen schicken.

Explosion im Salzbergwerk

Die Reise der Kulturgüter endete zunächst in der Nähe von Göttingen in einem ehemaligen Salzbergwerk. Dort kam es im September 1945 zu einer Explosion in der Schachtanlage, die auch als Munitionslager genutzt worden war. Große Teile der dort gelagerten Bestände der Universitäten Königsberg und Göttingen wurden zerstört. Zwei Koffer oder Kisten mit wertvollen Bernsteinen konnten gesichert werden.

Nach dem Krieg wurden die verbliebenen Kulturgüter in Kunstgutlagern der Britischen Besatzungszone aufbewahrt, im Jahr 1958 kam der gerettete Teil der Bernsteinsammlung mit rund 20.000 Objekten an die Universität Göttingen. Dort wird sie treuhänderisch für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwahrt. Forscher aus dem In- und Ausland nutzen die Sammlung. Die rund 400 wiedererlangten Stücke sollen im kommenden Jahr in einer Dauerausstellung gezeigt werden. dpa

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