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Für sauberere Schultoiletten – So funktioniert Hygiene (kostenfrei) als pädagogischer Auftrag

ESSEN. Millionenbeträge fließen in Nordrhein-Westfalen in die Sanierung von Schultoiletten. Oft ist aber auch danach der Gang zum Schulklo kein Vergnügen. Gerade an Ganztagsschulen reicht nach Meinung von Elternvertretern eine tägliche Reinigung nicht aus. Doch für klamme Kommunen ist mehr kaum leistbar. Das Essener Schulverwaltungsamt will nun die Schüler stärker in die Verbesserung der Hygiene einbeziehen.

Es riecht übel in den Kloräumen, der Fußboden hat Risse und die Schüsseln verstopfen: Kaputte und schmutzige Schultoiletten sind ein Dauerärgernis für Schüler, Lehrer und Eltern. «Die Schüler beschweren sich, weil es stinkt und Eltern berichten, dass ihr Kind in der Schule nicht zum Klo gehen will», sagt Martin Fey, Schuleiter der Duisburger Grundschule Zoppenbrückstraße. Aber an Feys Schule hat sich was getan: eine Toilettenanlage wurde bereits komplett saniert. Die zweite soll mit Hilfe des NRW-Förderprogramms «Gute Schule 2020» saniert werden.

Auch die aufwändigste Sanierung hilft nur wenig, wenn die Schüler sich nicht für die Sauberkeit ihrer Schultoiletten verantwortlich fühlen. Foto: timbo / pixabay (CC0)

Auch die aufwändigste Sanierung hilft nur wenig, wenn die Schüler sich nicht für die Sauberkeit ihrer Schultoiletten verantwortlich fühlen. Foto: timbo / pixabay (CC0)

Insgesamt stehen den Kommunen aus dem Programm zwei Milliarden Euro zur Verfügung, um die gesamte Infrastruktur der Schulen zu sanieren und zu modernisieren – nicht nur die Sanitäranlagen. «Man könnte das Programm auch „Gute Toilette 2020“ nennen», sagt Christina Herold, Vorsitzende der Landeselternkonferenz. Es sei ein Armutszeugnis für NRW, dass ein Großteil des Geldes für Toilettensanierungen ausgegeben werden müsse.

In Essen hat die Stadt ein «Schultoilettenprogramm» beschlossen. Noch in diesem Jahr bekommen elf Schulen neue Sanitäranlagen, im kommenden Jahr zwölf weitere. Dafür hat die Stadt bis zum Jahr 2021 6,5 Millionen Euro eingeplant. Mit dem Geld werden Toilettenanlagen saniert oder gleich ganz abgerissen und neu gebaut, wie eine Sprecherin der Stadt berichtet.

Aber auch neue Toilettenanlagen bleiben nicht von selbst sauber. Es sei nötig, die Klos häufiger als einmal täglich zu putzen, fordert Elternvertreterin Herold. In Essen hat sich eine Probephase mit zwei Reinigungen pro Tag an Ganztagsschulen bereits bewährt. Dafür hat die Stadt eine Million Euro bereitgestellt.

Doch nicht jede Kommune kann es sich leisten, eine zusätzliche Reinigungskraft zu finanzieren. Dann helfen oft Fördervereine aus, die Geld von Eltern einsammeln. Diese Art der Finanzierung muss aber eine freiwillige Spende sein. «Es ist nicht zulässig, dass Eltern Pflichtabgaben leisten», so eine Sprecherin des Bildungsministeriums.

Die Landeselternkonferenz lehnt eine Kostenbeteiligung für die Reinigung von Klos ab. Zum einen, weil Eltern schon für Bücher oder Kopien zu Kasse gebeten. Fördervereine seien generell nicht dafür da, das Putzen von Klos zu finanzieren, findet Herold. Die Vereine sollten helfen, zusätzliche Lernangebote zu finanzieren, keine Reinigungen.

Eltern und Lehrer sehen aber nicht nur die Kommunen in der Verantwortung. «Damit Schultoiletten sauber und benutzbar bleiben, sind auch die Schüler in der Pflicht», mahnt Brigitte Balbach vom Verband Lehrer NRW. Es müsse selbstverständlich sein, dass Schüler die Toiletten so hinterlassen, wie sie selber vorfinden wollen.

In Essen gibt es Ideen, wie die Hygiene gemeinsam mit den Kindern verbessert werden kann. Im Rahmen des Projekts «Hygiene als pädagogischer Auftrag» geben das Schulverwaltungsamt und die schulpsychologische Beratung Tipps, wie funktionierende Schultoiletten sauber bleiben.

Es sind Ideen, die auch ohne mehr Geld funktionieren: klare Regeln mit den Schülern erarbeiten, Toilettendienste verteilen oder die Kinder während des Unterrichts den Schlüssel im Sekretariat holen und sich in eine Liste eintragen lassen. In manchen Schulen gibt es besonders kreative Konzepte: Arbeitsgemeinschaften, die die Toilettenräume nach eigenen Wünschen verschönern oder das Einhalten der Regeln wird von den Lehrern mit «hausaufgabenfrei» belohnt. (Luisa Houben, dpa)

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4 Kommentare

  1. 2 mal täglich das Klo putzen? Die Eltern sollten ihren Kinder mal lieber beibringen die Schüssel zu treffen.

    • Na ja, wo viele Menschen, da viel Dreck. Wo schon viel Dreck, da die Hemmschwelle geringer, noch mehr Dreck zu verursachen (siehe wilde Müllkippe).

      In großen Supermärkten, Kaufhäusern, Kinos usw. ist ständig eine Reinigungskraft bei den Toilettenanlagen zugegen. Jede Schule würde mindestens eine solche Reinigungskraft ganztägig benötigen. Das kann oder möchte die Kommune aber nicht bezahlen. Die Reinigungskräfte an den Schulen selbst werden schon unsagbar schlecht bezahlt, weil die zu reinigenden Räume in der bezahlten Zeit kaum zu reinigen sind.

      • Die Berechnungsgrundlagen für die Anzahl von Kloschüsseln und Urinalen sind an die öffentlicher Gebäude angelehnt. Was aber von den Planern übersehen wird, ist das Nutzungsverhalten , das die Nutzung in anderen öffentlichen Gebäuden mehr oder weniger gleichmäßig über den Tag verteilt. Die Nutzung schulischer Toilettenanlagen ist aber einem „Stoßgeschäft“ unterworfen, sie müssen in kurzer Zeit eine hohe Zahl an Nutzern verkraften. Die Zahl der SuS, die während des laufenden Unterrichtes zur Toilette gehen, ist relativ gering und darüber hinaus auch noch beeinflussbar. Die starke Nutzungsfrequenz während der vorgegebenen Pausenzeiten muss in den Planungen stärker berücksichtigt werden.

        Im Prinzip müssten die Toilettenanlagen der Schulen im Ganztag viermal am Tag gereinigt werden – jeweils nach den großen Pausen im Vormittagsbereich, der Mittagspause und nach Schulschluss. Wenn jetzt die zweimalige tägliche Reinigung von Grundschultoiletten als Wahlkampferfolg gefeiert wird, so geht dies an den tatsächlichen Bedürfnissen doch weltfremd vorbei.

        • Sie haben vollkommen recht. Die Berücksichtigung der Eigenheiten der Schule würde die Kommunen ein Vielfaches kosten, selbst wenn sie wie bisher ausbeuterische Fremdfirmen einsetzen. Bei eigenem, anständig bezahltem Personal noch viel mehr.

          Mit anderen Worten: Nach der Wahl wird das alles wieder vergessen.

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