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Holter setzt bei der Anwerbung von Lehrern auf materielle Anreize – und eine Thüringer “Willkommenskultur”

ERFURT. Noch nicht einmal im Amt, hat der künftige Thüringer Bildungsminister Helmut Holter schon mehrere Vorhaben vorgestellt. Bis der ganz große Wurf umgesetzt wird, dauert es aber noch eine Weile. Erst mal geht es darum, dem Lehrermangel zu begegnen.

Übernimmt nächste Woche das Bildungsministerium in Erfurt: Helmut Holter. Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons CC BY SA 3.0

Übernimmt nächste Woche das Bildungsministerium in Erfurt: Helmut Holter. Foto: Martin Kraft / Wikimedia Commons (CC BY SA 3.0)

Die Unterrichtsgarantie an Thüringer Schulen lässt noch einige Jahre auf sich warten. Der designierte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) will die Weichen dafür bis Ende der Legislaturperiode 2019 stellen, wie er am Mittwoch in Erfurt sagte. In diesem Jahr sollten Gespräche mit allen Beteiligten geführt werden. Die CDU kritisierte, es gehe zu langsam voran.

«Die Unterrichtsgarantie gilt nicht ab morgen. Es wird ein längerer Prozess sein», sagte Holter. Wann die Garantie dann vollständig greifen werde, könne er noch nicht sagen. Die Landesregierung hatte angesichts des hohen Stundenausfalls im Juni eine Unterrichtsgarantie abgegeben, die schrittweise umgesetzt werden sollte.

Dazu braucht es vor allem mehr Lehrer. Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler sagte am Mittwoch, die 500 angekündigten Stellen für 2017 seien fast alle besetzt. Hinzu kämen 80 weitere Stellen, die aus dem kommenden Jahr vorgezogen worden seien. 2018 und 2019 sollten im Freistaat weitere 1500 Lehrkräfte eingestellt werden. Zum neuen Schuljahr unterrichten ab Donnerstag 18.700 Lehrer in Thüringen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht dennoch eine Verschärfung der angespannten Personalsituation. Die Zahl der Einstellungen reiche nicht aus, um die Altersabgänge der vergangenen Jahre auszugleichen. «Dass 80 Stellen des nächsten Jahres nun in 2017 vorgezogen werden, ist Ausdruck dieser unzureichenden Personalausstattung», teilte die Gewerkschaft am Mittwoch mit.

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Auch die CDU kritisierte, der Lehrermangel werde zu langsam angegangen. «Die Landesregierung hat ihre Hausaufgaben zum Schuljahresbeginn nicht erledigt», sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Christian Tischner.

Holter, der am Donnerstag kommender Woche als Nachfolger von Birgit Klaubert (Linke) vereidigt werden soll, setzt bei der Anwerbung von Lehrern auf einen Mix aus materiellen Anreizen und einer «Willkommenskultur». «Wir müssen das Bildungsland Thüringen so sympathisch und reizvoll machen, dass die Menschen sagen, lasst uns nach Thüringen gehen.»

Er plane unter anderem Stipendien für Studenten, die Mangelfächer wie Musik, Religion und Physik studieren, oder sich für eine Stelle auf dem Land verpflichten. Wie viel Geld das sein wird? «An dem Punkt sind wir noch nicht.»

Holter hatte zuletzt mehrfach betont, sein Ressort benötige mehr Geld. Auch die Grünen-Fraktion im Landtag teilte am Mittwoch mit, sich «für zusätzliche Investitionen insbesondere im Schulbereich» stark machen zu wollen. Zuletzt wurden erstmals nach jahrelanger Pause wieder Lehrer in Thüringen verbeamtet, außerdem bekommen Lehrer an Regelschulen ab Januar 2018 mehr Geld.

Ab Donnerstag gehen 243 040 Schüler an staatliche und freie Schulen im Freistaat – 18 250 von ihnen sind Erstklässler. dpa

2 Kommentare

  1. Dass man Helmut Holter nicht gerade “links” nennen kann, auch wenn er der Linken angehört, erzählt einem jeder, der ihn aus seiner Heimat MeVo kennt. Ist es nicht ein bisschen unsolidarisch, Lehrer aus anderen Bundesländern abzuwerben – nach dem Motto: Was schert mich der Lehrermangel anderswo?!

    Und wie versuchen dann die anderen Bundesländer, den Lehrermangel zu beseitigen? Ebenfalls mit Abwerbungen? Dann haben wir bald ein gegenseitiges Überbieten – leider auch wieder einzig und allein materieller Art (Gehalt …). Was ist die Folge? Lehrer sind bald so teuer, dass der Staat versuchen wird (wie auch sonst im öffentlichen Dienst) immer weniger immer mehr machen zu lassen (!!!), heißt, Stundendeputat und Klassengrößen erhöhen.

    Eine weitere Partei, die den falschen Weg einschlägt ! 🙁

  2. Komisch, warum ist denn die Kommentarfunktion bei dem Interview mit Helmut Holter vom 06.08. geschlossen (ohne dass es dort überhaupt einen Kommentar gab)?

    Siehe: http://www.news4teachers.de/2017/08/schulleitern-eigenes-budget-geben-was-der-neue-thueringer-bildungsminister-aendern-will-ein-interview-mit-helmut-holter/

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