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Jetzt wackelt G8 auch im Saarland – obwohl Kramp-Karrenbauer daran festhalten möchte: Volksbegehren startet im Oktober

SAARLAND. Niedersachsen ist schon zum neunjährigen Gymnasium zurückgekehrt, Bayern und Nordrhein-Westfalen folgen. An der Saar wird auch über die Wiedereinführung von G9 diskutiert: Ab Oktober sind Eltern gefragt. Entscheiden die sich gegen den ausdrücklichen Willen von Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer?

Gewann die Wahl trotz eines Bekenntnisses zu G8: Saarlands Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer (CDU). Foto: J. Patrick Fischer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Gewann die Wahl trotz eines Bekenntnisses zu G8: Saarlands Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer (CDU). Foto: J. Patrick Fischer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Das Volksgehren für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium im Saarland beginnt im Oktober. Der genaue Termin werde noch diese Woche im Amtsblatt veröffentlicht, sagte die Sprecherin der Elterninitiative «G9-jetzt! Saarland», Katja Oltmanns, am Dienstag auf Anfrage in Saarbrücken.

Damit das Volksbegehren erfolgreich sei, müssten innerhalb von drei Monaten sieben Prozent der Wahlberechtigten – also insgesamt rund 55 000 Menschen – für G9 unterschreiben. «Wir sind grundsätzlich optimistisch, dass wir die Eltern dazu bewegen können», sagte Oltmanns. Es sei ein «großer Wunsch vieler Eltern, wieder ein neunjähriges Gymnasium zu bekommen». Mit Info-Ständen und Flyern sollten Eltern von Schulkindern mobilisiert werden. «Das sind ja weit über 100.000.» Eltern, die das Begehren unterstützten, müssten sich in Listen eintragen, die ab dem Starttermin in Bürgerämtern ausliegen.

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Das Saarland hatte 2001 als erstes westliches Bundesland das Abitur nach acht Jahren an allen Gymnasien eingeführt. An Gemeinschaftsschulen ist das Abitur nach neun Jahren möglich. Das Volksbegehren zur Änderung des saarländischen Schulordnungsgesetzes war im Juli von der Landesregierung zugelassen worden, nachdem die Initiative im Frühjahr die erforderlichen 5000 Unterschriften eingereicht hatte. Mit der Wiedereinführung von G9 will die Initiative «mehr Zeit zum Leben und Lernen und eine Qualitätsverbesserung der gymnasialen Ausbildung erzielen».

In der Rückkehr zu G9 sieht Oltmanns einen bundesweiten Trend: Nach Niedersachsen und Bayern solle auch in Nordrhein-Westfalen ab 2019/2020 das Abitur nach neun Jahren wieder zur Regel werden. Ist das Volksbegehren an der Saar erfolgreich, muss sich der Landtag mit dem Anliegen beschäftigen. Entweder führt er dann das neunjährige Gymnasium wieder ein – oder es kommt zu einem Volksentscheid. Und wenn nicht genug Eltern unterschrieben? «Dann würde es trotzdem noch mal ein klares Zeichen an die Politik senden», sagte Oltmanns.

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Nach einer Anfang 2017 veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative wünschen sich 75 Prozent aller Saarländer mit Kindern eine Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit an Gymnasien. Die schwarz-rote Landesregierung hat im Koalitionsvertrag vom Mai festgeschrieben, dass sie eine Runde aus Bildungsexperten einrichten wird, die sich auch mit diesem Thema befassen soll. «Diese Runde soll erstmals nach den Sommerferien zusammentreten», sagte die Sprecherin des Bildungsministeriums in Saarbrücken.

Vor der Saar-Wahl im März hatte sich die SPD für eine Teil-Rückkehr zu G9 ausgesprochen: Gymnasien sollten entscheiden, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahr anbieten wollten. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte sich dagegen für G8 stark gemacht – um eine unproduktive Strukturdebatte zu vermeiden: „Die Gemeinschaftsschule wird massiv geschwächt werden, wenn das Gymnasium noch einmal das Abitur in neun Jahren anbietet“, erklärte sie im Fernseh-Duell der Spitzenkandidatinnen (in dem sie gegen die Sozialdemokratin Anke Rehlinger antrat).

Der Elterninitiative kann es dagegen mit der Abschaffung des „Turbo-Abiturs“ nicht schnell genug gehen.  Oltmanns zufolge ist es theoretisch möglich, dass es G9 an der Saar bereits ab 2018/2019 wieder gibt. «Wenn man es will, kann man es ganz schnell machen.» dpa

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Ein Kommentar

  1. Wolfgang Kuert

    Die Ergebnisse der wissenschaftlich begleiteten G9-Umfrage der Gymnasialelternvertreter in NRW finden Sie unter

    http://www.le-gymnasien-nrw.de/fileadmin/user_upload/G8G9Pra__sentation_Dollase_Kopie_2.pdf

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    Rückkehr zu G9 unausweichlich – Schulpolitik gegen den Willen der Eltern rächt sich

    Dr. Heike Schmoll, Auszug faz.net, 25.02.2014

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