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Vor dem neuen Schuljahr in Rheinland-Pfalz: Bange Blicke und hohe Erwartungen – Hubig unter Druck

MAINZ. Die Sommerferien waren wieder viel zu kurz, in der kommenden Woche fängt der Unterricht in Rheinland-Pfalz wieder an. Lehrer, Eltern und Schüler gehen mit unterschiedlichen Erwartungen und Sorgen ins neue Schuljahr. Klar ist: Bildungsministerin Stefanie Hubig hat einiges zu erledigen. Ein Überblick über die sie betreffenden Reizthemen im Land. 

Grenzen des Machbaren: Bildungsministerin Hubig. Foto: Sven Teschke / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Hat gut zu tun: Bildungsministerin Hubig. Foto: Sven Teschke / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

LEHRERMANGEL: Experten erwarten künftig wieder steigende Schülerzahlen. Nach einer Mitte Juli vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung steigt die Schülerzahl bis 2030 bundesweit um acht Prozent auf fast 8,6 Millionen. In Rheinland-Pfalz seien vor allem an den Grundschulen steigende Schülerzahlen zu erwarten, sagt der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Bold. Er kritisiert, dass die grundlegende Schulversorgung zu kurz komme: «Da wird eine Baustelle nach der anderen aufgemacht, aber in der Struktur wird alles vernachlässigt.» Der Landeselternbeirat fordert eine Abdeckung des Unterrichtsbedarf von 110 Prozent – so könnten besonders schwache oder besonders starke Schüler individuell gefördert werden, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Markus Meier. Auch die LandesschülerInnenvertretung (LSV) fordert, dass mehr Lehrerstellen eingerichtet werden.

VERTRETUNGSLEHRER: Vor den Sommerferien hatten 2587 Lehrkräfte einen Vertretungsvertrag. Im neuen Schuljahr sind 1455 von ihnen nach Angaben des Bildungsministeriums weiter dabei, davon 368 mit einer neuen Planstelle und 64 im Vorbereitungsdienst. Rund 94 Prozent der weiterbeschäftigten Vertretungslehrer bekamen die Ferien durchbezahlt. Von den übrigen Lehrkräften sind auch Menschen, die umgezogen, vielleicht in ein anderes Bundesland gewechselt sind oder sich beruflich neu orientiert haben. «Die Vertretungslehrerinnen und -lehrer leisten wichtige Arbeit und sind unerlässlich, um temporäre Vertretungsbedarfe aufzufangen», erklärt das Bildungsministerium.

KOSTEN: «Wir wünschen uns, dass mehr Geld in Bildung fließt», sagt Schülersprecher Robin Karch in Kaiserslautern. Er kritisiert «versteckte Kosten, die uns schon lange ein Dorn im Auge sind» – je nach Fach werden Anschaffungen wie Taschenrechner, Lektürebücher oder Kopiergeld verlangt. Dies gehe besonders zu Lasten von Mitschülern aus weniger wohlhabenden Familien.

GANZTAGSSCHULEN: Zum neuen Schuljahr bieten vier weitere Grundschulen einen Ganztagsunterricht an: in Mainz, Böbingen-Gommersheim (Kreis Südliche Weinstraße), Trier-Feyen und in St. Goarshausen (dort mit Realsschule plus). Damit gibt es dann insgesamt 730 Schulen mit einem vollwertigen Ganztagsangebot, das über den reinen Betreuungsanspruch hinausgeht. Darunter sind 107 Schulen, in denen der Ganztagsbesuch verpflichtend ist. «Immer mehr Eltern, die berufstätig oder alleinerziehend sind, haben keine Chance, nachmittags nach ihren Kindern zu sehen», sagt Elternsprecher Meier. Die Ganztagsschule müsse aber professionell organisiert sein – «da muss finanziell nachgebessert werden.»

INKLUSION: Die umfassende Einbeziehung von Schülern mit Behinderungen ist für alle Schulen ein Thema, besonders aber an den rund 290 Schwerpunktschulen. «Es ist nicht gewährleistet, dass in allen Klassen mit einem Kind mit Förderbedarf auch die Expertise von Förderschullehrern da ist», kritisiert Elternsprecher Meier. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) bemängelt, dass es viel zu wenig Förderschullehrer gebe. «Die Inklusion wird an die Wand gefahren», sagte der VBE-Landesvorsitzende Bold.

KLEINE GRUNDSCHULEN: Bei der Überprüfung von 41 kleinen Grundschulen stehen weitere Entscheidungen an. Bereits fest steht, dass die Grundschule in Klotten an der Mosel geschlossen wird, die in Wernersberg in der Pfalz wird hingegen fortgeführt. Für die 39 weiteren Schulen können die kommunalen Träger noch bis Ende September ein Konzept einreichen. Das Bildungsministerium hat dazu im März Leitlinien für ein wohnortnahes Grundschulangebot vorgelegt.

SCHULWECHSEL: Elternsprecher Meier, der auch Schulleiter ist, wünscht einen «sanfteren Übergang» von der Grund- zur weiterführenden Schule. An der von ihm geleiteten Realschule plus in Zweibrücken hat er deswegen vor Ferienbeginn eine Begrüßung für die nach den Ferien neu eintreffenden Schüler organisiert. Dies könnte nach einem Vorschlag des Landeselternbeirats flächendeckend gemacht werden, regt Meier an. So seien entspanntere Ferien möglich.

SCHULPSYCHOLOGEN: Der Landeselternbeirat fordert «multiprofessionelle Teams» an den Schulen, in denen Lehrer, Schulpsychologen und Sozialarbeiter zusammenwirken. Bei den Schulpsychologen müsse das vorhandene Netz noch enger geknüpft werden. «Auch die Schulsozialarbeit sollte ausgebaut werden», sagt Meier.

KULTUR: Das in diesem Jahr gestartete Projekt «Generation K» soll die kulturelle Schulentwicklung und die Zusammenarbeit von Bildungs- und Kulturszene fördern. Schüler sollen unter anderem für Tanz und Musik, Bildende Kunst und Theater begeistert werden. Mit dabei sind zunächst sechs weiterführende Schulen mit einem Ganztagsangebot – zwei in Mainz sowie jeweils eine in Pirmasens, Trier, Koblenz und Plaidt.

DIGITALISIERUNG: «Wir wünschen uns mehr Digitalisierung, da darf die Schule nicht zurückstehen», sagt Schülersprecher Karch. Sein Gymnasium seit mit Whitebords und mehreren Computerräumen gut ausgestattet. «Das muss aber überall zur Regel werden, weil dadurch das Lernen sehr viel interessanter gestaltet werden kann und besserere Lernerfolge erzielt werden können.» Die Schüler wenden sich zudem gegen Handy-Verbote, die es an immer mehr Schulen gebe. «Wir sind sehr dafür, dass die Schüler einen selbstständigen Umgang mit Handys entwickeln können – nicht durch Verbote, sondern durch Aufklärung und das Einbinden in den Unterricht.» Von Peter Zschunke, dpa

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