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GEW und Eisenmann zanken sich um die Frage, wie viele Lehrerstellen es zum kommenden Schuljahr weniger gibt – unstrittig ist aber: Es herrscht Bewerbermangel

STUTTGART. Die grün-schwarze Landesregierung wollte für Ruhe an den Schulen sorgen. Doch glaubt man der Gewerkschaft GEW, ist zum Schulbeginn am Montag das absolute Gegenteil der Fall. Denn es fehlen Lehrer.

Unter Druck: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Unter Druck: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Die rund 4500 öffentlichen Schulen im Südwesten haben nach Angaben der Gewerkschaft GEW etwa 700 Lehrerstellen weniger zur Verfügung als noch im vergangenen Schuljahr. «Wenn am Montag die Schule beginnt, werden Lehrer fehlen und Pflichtunterricht wird ausfallen», sagte die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Doro Moritz, am Dienstag in Stuttgart. Darunter litten vor allem der Unterricht an Grundschulen und die Einbeziehung behinderter Kinder in den regulären Unterricht (Inklusion).

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bezeichnete diese Stellenrechnung als «unseriös». «Es ist nicht nachvollziehbar, wie die GEW auf ein Minus von 700 Stellen gegenüber dem vergangenen Schuljahr kommt.» Tatsächlich stünden bei leicht zurückgehenden Schülerzahlen nur rund 350 Stellen weniger zur Verfügung.

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«Mit Blick auf zunehmende Schülerzahlen und mehr Unterricht gerade in den Grundschulen ist es aber richtig, dass wir entschieden haben, den von der alten Landesregierung beschlossenen Abbaupfad von Lehrerstellen ab 2018 beenden», sagte Eisenmann. Bewerber seien auch deshalb knapp, weil in den vergangenen Jahren zu wenig Studienplätze für angehende Grundschullehrer bereitgestellt worden seien. Die Kapazitäten an den Pädagogischen Hochschulen würden nun hochgefahren.

GEW-Landeschefin Moritz meinte, seit dem Regierungswechsel 2016 von Grün-Rot hin zu Grün-Schwarz seien Unruhe und Unzufriedenheit an den Schulen größer geworden. Das sei bedingt durch eine schlechte Unterrichtsversorgung, Stellenstreichungen und eine unberechtigte Kritik an Lehrern. Dabei wollte die grün-schwarze Landesregierung nach den Schulstrukturreformen in der vergangenen Legislaturperiode nun eigentlich für mehr Ruhe an den Schulen sorgen.

Nach Beobachtungen der GEW gehen derzeit überdurchschnittlich viele Lehrer vorzeitig in Pension. «Das hängt auch mit Frust und Unzufriedenheit zusammen», meinte Moritz. «Dramatisch» sei die Entwicklung bei der Inklusion. «Die Ressourcen reichen hinten und vorne nicht aus.» Im Jahr 2015 hatte Baden-Württemberg die Sonderschulpflicht abgeschafft. Seitdem haben Eltern das Recht, ihr behindertes Kind auch auf die allgemeine Schule zu schicken. Die Lehrer klagten, sie seien restlos überlastet. «Die Schüler sind die Leidtragenden der politisch verfehlten Planung», sagte Moritz.

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Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) stellt einen deutlichen Lehrermangel zum Schuljahresbeginn fest. Landeschef Gerhard Brand sagte, nicht einmal mit Notmaßnahmen wie der Reaktivierung von Pensionären könne der Pflichtunterricht gesichert werden.

Der SPD-Fraktionsvize im Landtag, Stefan Fulst-Blei, forderte die Regierung auf, insbesondere an den Grundschulen zu handeln. «Wenn Ministerin Eisenmann heute nicht die Weichen für eine bessere Unterrichtsversorgung stellt, läuten in fünf und zehn Jahren die gleichen Alarmglocken wie heute, nur noch schriller.» FDP-Bildungsexperte Timm Kern kritisierte: «Für die Personalplanung des Kultusministeriums fehlt jede verlässliche Grundlage.» Und so machten die von allen Seiten vorgebrachten Zahlen die allgemeine Verunsicherung häufig größer als kleiner. «Mit Stochern im Nebel ist keine zukunftsweisende Bildungspolitik zu machen.» dpa

 

6 Kommentare

  1. Es mutet doch etwas seltsam an, wenn in Zeiten des Lehrermangels Lehrerstellen gestrichen werden. Ich meine, es müssen viel mehr Lehrerstellen geschaffen werden, damit möglich wird, was wir brauchen: kleinere Klassen, ein geringeres Stundensoll.

    Dafür brauchen wir zumindest vorerst “jede Menge” Seiteneinsteiger und die brauchen unsere Unterstützung!

  2. Soso, die Unruhe sei seit grünschwarz gestiegen. Sehe icb anders. Seit Eisenmann im Amt ist, kommt nicht mehr jede Woche eine neue ideologische Idee, auf die man schwören soll. Es ist sehr beruhigend, dass Lehrer wieder selbst entscheiden was angemessen und sinnvoll ist, und bei Kritik nicht mehr mit Dienstverfahren im SED Stil bedroht werden.Die GEW soll mal ganz ruhig sein. Sie hat es nichtmal geschafft, dass die Lehrergehälter an der durchschnittlichen Gehaltsentwicklung teilnahmen die letzten 5 Jahre.

  3. Die Antwort auf gefühlt mangelnden Erfolg der Gewerkschaften kann aber nicht sein, ihnen die Unterstützung entziehen. Denn eines ist klar: eine Alternative, die sich um Löhne und Arbeitsbedingungen kümmert, gibt es derzeit nicht. So schwer es aufgrund der Unzufriedenheit also fällt: Mehr einbringen, aktiv mitgestalten und damit letztendlich mehr für alle erreichen!

    • Finden Sie, dass ein Nettoreallohnverlust vpn 21% in den letzten 20 Jahren eine Expertise für diese Truppe ist?

      • Nee, das liegt an der fehlenden Unterstützung verbeamteter Kollegen.

        Das Problem ist, dass die Tarifverhandlungen mit den ARbeitgebern – der TdL – alle Tarifbeschäftigten der Länder betreffen. Die angestellten Lehrkräfte sind zwar die größte Einzelgruppe, ihre Verhandlungsstärke ist aber gering, da viele Lehrergewerkschaften außer der GEW verhandeln. Daneben sitzen auf der AN-Seite dann auch noch die Vertreter der anderen Gruppen des ÖD wie DPolG, GdP, DStG etc.

        Es wird Zeit, dass die Lehrkräfte einen eigenen Tarifvertrag bekommen sowie die Ärzte, die im Marburger Bund organisiert sind.

  4. Ich meinte Beamtenbesoldung. Nullrunden auch wenn das Land im Geld schwimmt.

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