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Inklusion, Flüchtlingskinder – und jetzt auch noch Lehrermangel: Jetzt reicht’s! Grundschulleiter ziehen wegen zu hoher Arbeitsbelastung vor Gericht

HANNOVER. Die Anforderungen an die Rektoren von Grundschulen sind hoch. Viele stöhnen über die Mehrarbeit. Zehn niedersächsische Grundschulleiter wollen jetzt mit Unterstützung der Lehrergewerkschaft GEW dagegen klagen.

Zehn Grundschulleiter klagen mithilfe der GEW wegen Überlastung. Foto: Michael Grabscheit / pixelio.de

Zehn Grundschulleiter klagen mithilfe der GEW wegen Überlastung. Foto: Michael Grabscheit / pixelio.de

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen hat Klagen gegen die hohe Arbeitsbelastung von Grundschullehrern angekündigt. In Vorbereitung seien zehn Klagen von Grundschulleitern, die im Herbst bei Verwaltungsgerichten eingereicht werden sollen, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth am Montag in Hannover. «Wir senden damit ein Signal an alle politisch Verantwortlichen. Wir erwarten, dass die Arbeitszeitverordnung für Lehrer an die Realität angepasst wird», sagte Pooth. Weitere Klagen von Gymnasiallehrern seien in Vorbereitung; der Philologenverband hat angekündigt, vor Gericht ziehen zu wollen.

Für niedersächsische Beamte, zu denen auch die Lehrer zählen, gilt eine Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche. Im August 2016 hatte eine Studie der GEW zur Arbeitsbelastung von Lehrern ergeben, dass Grundschullehrer im Schnitt pro Woche eine Stunde und zwanzig Minuten Mehrarbeit leisten und Gymnasiallehrer drei Stunden und fünf Minuten pro Woche zuviel arbeiten.

Heiligenstadt verletzt Arbeitszeitrechte der Lehrer, meinen die Philologen – und ziehen vor Gericht

Besonders belastet sind die Grundschulleiter. «Ich arbeite durchschnittlich 53 Stunden die Woche, während mein Arbeitgeber von 40 Stunden ausgeht», sagt Frank Post, Rektor der Grundschule Fuhsestraße in Hannover. Deshalb will der 61-jährige Pädagoge das Land verklagen, weil es in seinem Fall die Fürsorgepflicht verletzt.

Post listete auf, welche Herausforderungen in den vergangenen Jahren für Grundschullehrer hinzugekommen seien: Sprachkurse in den Kitas, verlässliche Grundschule, Inklusion von Kindern mit Förderbedarf, Ganztagsbetrieb und die Integration von Flüchtlingskindern. «Das alles sind die Aufgaben, die Schule heute hat. Und die Gesellschaft trägt die Verantwortung dafür», sagt Post, der zusätzlich zu seinen Führungsaufgaben noch elf Stunden die Woche unterrichtet.

Erhöhung rechtswidrig

Die Arbeitszeit von Lehrern ist in Niedersachsen seit längerem ein strittiges Thema. So hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg 2015 entschieden, dass die von der Landesregierung beschlossene Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden verfassungswidrig war. Das Gericht kritisierte, dass es bis dahin keine belastbare und nachvollziehbare Erfassung der Arbeitsbelastung der Lehrer gab. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hat eine Arbeitszeitkommission eingesetzt, die aber noch kein Ergebnis vorgelegt hat.

Die GEW erwarte, dass die Kommission bald einen Vorschlag unterbreite, mit dem die Unterrichtsverpflichtung reduziert werde, sagte GEW-Vizechefin Pooth.

Besorgt äußerte sie sich über das Ansinnen des CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Bernd Althusmann, der eine neue Studie zur Arbeitsbelastung einholen will. «Wir werden keine weitere Verzögerung hinnehmen», sagte Pooth. Die Gewerkschaft unterstütze die Klagen, um für alles gewappnet zu sein. dpa

5 Kommentare

  1. Drei Stunden und fünf Minuten Mehrarbeit pro Woche. Ist das ein schlechter Scherz? Ein Lehrer mit vollem Deputat und entsprechenden Fächern in BW arbeitet wöchentlich nach einer Studie von J. Bauer (Freiburg) 53,8 Wochenstunden. Heute eher mehr.

    • Das ist der Durchschnittswert, der bei der o.g. Studie, die über ein Jahr lang erhoben wurde, herauskam.
      In der Auswertung kam auch heraus, das recht viele Lehrkräfte bei weitem über diesem Durchschnitt arbeiten… entsprechend muss es aber wohl auch welche geben, die unter dem Durchschnitt bleiben.

  2. Ich finde, dass es längst überfällig ist, dass Grundschulleiter und Grundschullehrer „auf die Barrikaden gehen“. Ich bin einmal Grundschullehrerin geworden, weil ich – vor allem – Kindern etwas beibringen wollte. Nun reduziere ich immer mehr Stunden, um die Aufgaben, die uns in den letzten Jahren zusätzlich „aufgedrückt“ wurden, zu erfüllen. Jeder Sch… muss dokumentiert werden!!! Die Zeit, die wir mit „Papierkram“ vergeuden, fehlt für die Unterrichtsvorbereitung. Ganz zu schweigen davon, dass ich mich mit den Integrations- und Flüchtlingskindern vollkommen allein gelassen fühle. Das Niveau des Unterrichts ist SO nicht zu steigern!!!

  3. Na, da haben wir doch die Gründe, warum keiner mehr Schulleiter werden will.

    Daran ändert auch mehr Gehalt nichts? Die Leute brennen aus und fehlen dann monatelang. Dann hat man gar keine Schulleitung. Trotz besserem Gehalt.

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