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Mediziner: Lebensrettung im Lehrplan könnte jährlich 10.000 Leben retten

FREIBURG. Forderungen, bestimmte Themen müssten in der Schule stärker behandelt werden, gibt es viele. Lebensrettungstraining gehört dabei zu den sinnvolleren. Ab der siebten Klassen zwei Stunden Unterricht in Wiederbelebung pro Jahr empfiehlt die WHO. Das könnte vielen Menschen im Notfall das Leben retten, denn die Hemmschwelle beherzt einzugreifen ist für viele Menschen hoch. Doch in Sachen Wiederbelebung sei Deutschland noch immer ein Entwicklungsland beklagen Mediziner.

Für mehr Hilfe bei einem lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Stillstand fordern Mediziner regelmäßige Kurse zur Wiederbelebung an Deutschlands Schulen. Wiederbelebung müsse fester Bestandteil des Lehrplans werden, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC), Bernd Böttiger, in Freiburg. Jeder könne im Notfall Leben retten. Es gebe jedoch eine große und weit verbreitete Hemmschwelle. Durch Information und Training im Schulunterricht könne diese schon früh abgebaut werden. In Freiburg begann am Donnerstag ein dreitägiger, internationaler Medizinerkongress zur Lebensrettung durch Laien.

Die ersten drei Minuten sind im Notfall entscheidend. Für Hemmungen bleibt also wenig Zeit. Bild: Rama /Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0) Die ersten drei Minuten sind im Notfall entscheidend. Für Hemmungen bleibt also wenig Zeit. Bild: Rama /Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Die ersten drei Minuten sind im Notfall entscheidend. Für Hemmungen bleibt also wenig Zeit. Bild: Rama /Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

An der bis Samstag dauernden Fachtagung in Freiburg nehmen laut Veranstalter mehr als 1000 Experten aus 57 Ländern teil. Sie ist demnach der größte Kongress zum Thema Wiederbelebung der Welt.

«Im internationalen Vergleich ist Deutschland in Sachen Wiederbelebung ein Entwicklungsland», sagte Böttiger, Professor und Klinikdirektor am Universitätsklinikum Köln. Lebensrettung, vor allem mit der einfach auch von Laien zu praktizierenden Herzdruckmassage, müsse den Menschen näher gebracht werden.

Retten lernen: Externe sollen Schülern in Kursen das Thema Wiederbelebung vermitteln

«Wir fordern zwei Schulstunden Wiederbelebung pro Jahr von der siebten Klasse an», sagte der Mediziner. Eine solche regelmäßige Schülerausbildung werde seit 2014 von der deutschlandweiten Kultusministerkonferenz sowie seit 2015 auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Doch bundesweit realisiert worden sei sie bislang nicht.

Erste Versuche gebe es unter anderem in Baden-Württemberg, Sachsen, in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Diese seien erfolgreich verlaufen. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fordert solchen Schulunterricht, wie Behördenleiterin Heidrun Thaiss sagte.

Notärzte fordern jährliches Wiederbelebungs-Training auf dem Stundenplan

«Wenn Laien sofort mit Herzdruckmassage beginnen würden, könnten in Deutschland jedes Jahr 10 000 Menschen zusätzlich überleben», sagte Böttiger. Die ersten drei Minuten seien entscheidend. In dieser Zeit müssten Laien helfen, da der Notarzt laut Statistik im Schnitt erst nach acht Minuten am Einsatzort sei.

Neben regelmäßigem Laien-Training müsse bundesweit die so genannte Telefon-Reanimation ausgeweitet werden, fordert der Verband. Die Rettungsleitstelle erklärt darin dem Laien, der den Notruf gewählt hat, wie die Herzdruckmassage gemacht wird. «In anderen Ländern ist dies weit verbreitet. Bei uns in Deutschland machen das weniger als 30 Prozent der insgesamt 280 Leitstellen», kritisierte Böttiger. (dpa)

Reanimationsunterricht soll mehr Leben retten

11 Kommentare

  1. Mehr Geschichte und Politische Bildung in Schulen da die AfD ja jetzt im Bundestag ist, Gesunde Ernährung als eigenes Fach weil die Kinder zu viel Zucker essen, Wirtschaft als eigenes Fach damit sie das Geldsystem verstehen, Medienbildung als eigenes Fach damit sie kompetent im Umgang mit Geräten und FakeNews werden, Lebensrettung als eigenes Fach um jeden Tag ein Superheld zu sein…weniger Unterricht weil immer mehr Kinder unter Stress stehen und an Depressionen leiden….hab ich was vergessen?

    • eine Rückkehr zu anspruchsvollen fachinhalten in den bisherigen Fächern steht dafür nicht zur Debatte.

      • Nachhaltiges Erlernen der Lerninhalte , vermittelt durch die lebendige Darstellung der Inhalte durch die Lehrer, beflügelt die Lernmotivation der Schüler.

    • Die Erlernung lebensrettender Maßnahmen ist ein wichtiges Thema, da eigentlich jeder davon betroffen sein kann, weil der größte Teil der Fälle eines plötzlichen Herztodes zu Hause oder in der Öffentlichkeit auftritt.

      Es geht dabei in erster Linie um die praktische Vermittlung und die Erlernung von Grundkenntnissen der Wiederbelebung, auch Reanimation genannt, welche direkt beim Erkennen eines Herz- und Kreislaufstillstandes einsetzen muss und und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes erfolgen muss.
      Mit jeder Sekunden einer fehlenden minimalen Durchblutung des Gehirns steigt die Gefahr schwerer Folgeschäden der betroffenen Person als Folge des cerebralen Sauerstoffmangels, erkennbar an weiten und entrundeten Pupillen.
      Allein durch die Erhaltung eines minimalen Blutflusses im Gehirn durch eine sofort einsetzende Herz-Druck-Massage können schwere, bleibende und invalidisierende Folgeschäden verhindert werden ,die für die betroffene Person und ihre Angehörigen eine Katastrophe bedeuten.
      Bei diesen Kursen geht es aber auch darum die Angst zu nehmen durch eigene Maßnahmen Schäden zu setzen, eine Automatisierung im Ablauf der Wiederbelebung einzuüben und damit dem Retter die nötige Sicherheit zu geben nichts falsch zu machen.
      Aus diesem Grund finden im Großraum Münster regelmäßige Schulungen in den weiterführenden Schulen durch Mitarbeiter der Rettungsdienste , Ärzte und Rettungsassistenten,statt.
      Es ist über die Schulleitungen der weiterführenden Schulen anzuregen , dass derartige Übungen als Instanz durch das benannte ärztliche Fachpersonal deutschlandweit einzuführen.
      Die Vermittlung dieser Grundkenntnisse gelingt gerade bei Schülern nachhaltig gut.
      Das beweisen die Statistiken internationaler Studien.
      Nur durch das frühzeitige Herstellen eines minimalen Herzkreislaufes lassen sich die Zahlen der Überlebenden in ihrer Gesamtheit steigern. Es kann schließlich jeden treffen.Die örtlichen Rettungsdienste sind bereit diese Schulungen durchzuführen.Packen wir es an.

      • Die Rechtschreibfehler habe ich gesehen.

      • OMG – Herzdruckmassage – damit füllt man eine Doppelstunde und nach der pause noch eine Doppelstunde für Üben an der Puppe.

        Warum sollten Schüler Wiederbelebungsmaßnahmen trainieren, wenn einer in der Schule oder im sonstigen Alltag schlapp macht, sind das Mitbürger mit sichtbarem MHD. Um den Proporz zwischen den generationen zu Gunsten der Jüngeren zu beeinflussen, sollten die ganz schnell das Erlernte vergessen.

        • dickebank

          Gehts noch!
          Der plötzliche Herztot kann jeden treffen, und das sage ich aus beruflicher Erfährung. Ich erinnere mich an eine junge Frau im alter von 23 Jahren, die bei der Verabschiedung von Freunden im bei sein von Mitgliedern des Roten Kreuzes auf Grund einer angeborenen , aber familiär bedingten unbekannten Herzrhythmusstörung plötzlich Kammerflimmern hatte.
          Die anwesenden, in Laien-Reanimation geschulten jungen Menschen begannen beim Erkennen des Einsetzens des Kreislaufstillstandes mit der Herz-Druck-Massage bis der Rettungsdienst nacheinander eintraf und die Maßnahmen weiterführte. Nach zwölfmaliger Defibrillation 200 J, etlichen Ampullen Mg und Amiodaron und 40 Minuten HDM sprang das Herz wieder in den Sinusrhythmus.
          Es gelang im weiteren Verlauf der ärztlichen Behandlung die vollständige Rekonvaleszens der Patientin wieder herzustellen, so dass diese heut nach der Implantation eines ICD wieder ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen ihrem Beruf als Bankkauffrau nachgehen kann.
          Ein Jahr nach diesem Ereignis trafen wir uns alle wieder bei der jungen Frau und feierten ihren Geburtstag.
          Aber auch einem älteren Herrn ersparte der eigene Sohn das Schicksal der Invalidität mit einem schweren neurologischen Schaden, in dem er seinen Vater wiederbelebte.
          dickebank, es kann jeden von uns treffen.So auch einem Motorradfahrer, der bei einem Unfall erbrach und an seinem Erbrochenen durch das verschlossene Visier erstickte , weil niemand ihm den Helm abzog.
          Der junge Mann liegt heute mit einem schweren neurologischen Defizit in einem Beatmungszentrum. Dabei wäre es so einfach gewesen diese Situation zu bereinigen.

      • So radikal wie die Bank bin ich zwar nicht drauf, aber ein Mal pro Schuljahr Erste Hilfe wäre notwendig und hinreichend. Wer mehr möchte, geht zum DRK, den Maltesern o.ä.

  2. Das Ganze hätte doch zwei Effekte:
    1. Lebensrettende Maßnahmen (z.B. auch nur die Lagerung Verletzter je nach Verletzung/Erkrankung, nicht so sehr) sollte jeder können.
    2. Immer, wenn ich mal wieder dienstlich erzwungen einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht habe, fühle ich mich bei einfachen Dingen sicherer und würde sie auch machen, wie z.B. einem Motoradfahrer den Helm abzunehmen. Wenn man das wie im Falle der Lehrkräfte (in S-H.) alle 2 Jahre zu hören bekommt, dann weiß man das auch und hat weniger Angst, etwas falsch zu machen.

    Anders als die tollen Fächer “Ernährung”, “Medienbildung” und welche politische Sau nun wieder durch das Dorf getrieben wird, wären zwei Unterrichtsstunden (gerne auch 3-4) pro Schuljahr durchaus sinnvoll. Das Hauptproblem, was ich sehe, sind die qualifizierten Personen, die diesen Unterricht abhalten sollen. Wo sollen die in diesem Umfang herkommen?

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