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Umfrage: Schule und Kita fördern die Bewegung von Kindern zu wenig

HALLE. Mangelnder Stellenwert und häufiger Ausfall des Sportunterrichts, vorsichtige Kita-Leitungen, Eltern die ihre Kinder mit dem Auto überall hin bringen und ein geändertes Freizeitverhalten: Die Gründe für die von vielen Pädagogen beobachteten motorischen Unzulänglichkeiten von Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Dabei sind längst nicht alle Heranwachsende gleichermaßen betroffen.

Sie können kein Rad mehr schlagen, scheitern an der Kletterstange und machen nach wenigen Metern auf der Laufbahn schlapp: Vor allem Pädagogen beobachten, dass die sportlichen Leistungen bei etlichen Kindern im Land abnehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von einem veränderten Medienverhalten bis hin zum Unterrichtsausfall, wie eine Umfrage ergab. Doch Schwarz-Weiß-Malerei ist es laut Fachleuten ungerecht.

Bewegungsmangel und motorische betreffen nicht alle Jugendlichen gleichermaßen. Foto: Skitterphoto / pixabay (CC0 1.0)

Bewegungsmangel und motorische betreffen nicht alle Jugendlichen gleichermaßen. Foto: Skitterphoto / pixabay (CC0 1.0)

Die Probleme würden schon im Kindergarten beginnen. «In einigen Kitas dürfen die Kinder nicht einmal mehr auf einen Baum klettern», sagte ein Sprecher der Sportjugend im Landessportbund Sachsen-Anhalt, Christian Schild, in Halle. Die Leitungen fürchteten eine höhere Verletzungsgefahr bei den Kleinen – und damit Probleme seitens Unfallkasse und Eltern. Zudem seien Erzieher teilweise unzureichend ausgebildet oder es gebe einfach keine geeigneten Sporträume.

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In der Schule geht das Problem weiter. Sportunterricht falle oft aus, so Schild. Zudem habe sich das Medienverhalten der Kleinen geändert, sagte der Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW Sachsen-Anhalt, Alexander Pistorius. Statt Purzelbaum und Rumtoben im Freien heiße es oft PC und Smartphone. Außerdem nehme das Vertrauen einiger Eltern ab, vermutete der Sprecher. Sie würden ihre Kinder morgens lieber mit dem Auto in die Schule fahren, statt sie allein zu Fuß auf den Schulweg zu schicken. Schon dadurch sinke die Bewegung.

Doch das Problem betrifft nicht alle Heranwachsenden gleichermaßen. «Wir haben Kinder und Jugendliche, die sich durchaus noch bewegen», betonte Schild. Sie seien in Vereinen aktiv, würden von ihren Familien unterstützt und gute Leistungen etwa bei Wettbewerben erzielen. Auch bei den Einschulungstests im Land konnten laut Landesamt für Verbraucherschutz in den vergangenen Jahren keine starke Zunahme der motorischen Defizite feststellen lassen.

Wichtig ist den Vertretern zufolge letztlich den Sport zu fördern. Lehrer würden mehr Zeit in die Vorbereitung des Sportunterrichts investieren, um auch für unsportlichere Schüler motivierende Ziele zu stecken, sagte Pistorius. Der Sportbund habe Angebote – teils kostenlose – für Kinder aller sozialer Schichten, so Schild. Nach Verbandsangaben gibt es beispielsweise mobile Sport- und Spielprojekte. Bei Vereinsfesten oder Aktionstagen kommen Hüpfburgen, aufbaubare Halfpipes oder Riesenmikado-Spiele zum Einsatz. (Romina Kempt, dpa)

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5 Kommentare

  1. Sportunterricht fällt aus? Bei uns als verlässliche Grundschule fällt Sport auch nicht mehr aus als andere Fächer, wenn im allerhöchsten Notfall einmal die Kinder früher heimgeschickt werden.
    In Bayern hat man einmal eine zusätzliche Bewegungsverpflichtung, also sportliche Bewegungsübungen im Klassenzimmer oder sonstwo – ich glaube es waren 20 min pro Tag – zu den 3 Schulstunden Sport eingeführt. Das war nicht praktikabel und irgendwann hat keiner mehr davon geredet.
    Bewegung kann im Grundschulunterricht dennoch integrieren – Bewegungsspiele macht man so oder so im Englisch- und Musikunterricht und ab und an in anderen Fächern.
    Allerdings ist es bedenklich, dass die motorischen Voraussetzungen, die früher Kinder mitgebracht haben, nicht mehr so da sind. Wenn ich den neuen Sportlehrplan anschaue; da werden plötzlich Grundfertigkeiten geübt, die in früheren Jahren kein Thema waren. Ebenso ist mir aufgefallen, dass die Kinder sich viel weniger selbst kontrollieren können in ihren Bewegungen. So viel Sportunfälle (z.B. Zusammenstöße) bei Fangspielen wegen Unachtsamkeit hatte ich früher nie.

  2. Wiedermal sind die Lehrer Schuld…

    Wir sind als Kinder nach der Schule mehrere Stunden am Tag draußen gewesen, ohne Helikoptereltern und Aufpasser. Wir hatten ständig Beulen, Schrammen und kleine Wunden, das war normal und nicht der Rede wert. Wir sind in Bäume geklettert, im Bach herumgestapft und im Wald herumgelaufen. Wir waren abends dreckig, müde und zufrieden.

    Heute dürfen die Kinder nicht mal aufs Sofa klettern, sie könnten sich ja verletzten. Sie sitzen bei Regen drinnen und gucken Fernsehen, sie könnten ja nass werden. Sie sitzen bei Sonne drinnen, sie könnten ja einen Sonnenbrand bekommen. Sie sitzen bei Schnee drinnen, sie könnten ja frieren. Und die Eltern sitzen daneben und surfen oder chaten oder was auch immer. Die Eltern haben ständig Angst und die Kinder übernehmen das. Wenn ich sehe, dass in unseren Pausen die Kinder bei jedem Stolperen schreien als ob sie alle Knochen gebrochen haben, kriege ich die Krise!

    Freude an der Bewegung oder völlig übrtriebene Angst lernen die Kinder aber lange vor der Einschulung. Das ist die Aufgabe der Eltern!!!!!! Es kann doch echt nicht sein, dass die Verantwortung für alles auf Kita und Schule geschoben wird.

    • Dem stimme ich zu.
      Und WEHE Lehrkräfte überlasten die Kinder durch einen Spaziergang im Regen.

      Grundfertigkeiten, die ysnp anspricht, fehlen in allen möglichen Bereichen, auch im Sport.
      Aber Lehrerinnen richten es ja alles in weniger Zeit mit jüngeren Kindern und immer mehr Verpflichtungen.

    • Meine Kinder sind im Schwimmverein aktiv, sowie im Badminton. Es ist auch eine Aufgabe der Eltern den nötigen Bewegungsdrang zu fördern und zu unterstützen.
      Aber dann tauchen bei den Wettkämpfen jene Eltern auf, die einem Vorhaltungen macht, wenn seine Kinder nicht begleitet.

  3. “Die Probleme würden schon im Kindergarten beginnen. «In einigen Kitas dürfen die Kinder nicht einmal mehr auf einen Baum klettern», sagte ein Sprecher der Sportjugend im Landessportbund Sachsen-Anhalt, Christian Schild, in Halle.”

    Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang, dass es in den Metropolen nicht wenige Krippen und Kitas gibt, deren Außengelände derart klein ist, dass dort kein Gras mehr wachsen kann und die Kinder entschieden zu wenig Platz haben, um sich ausgiebig bewegen zu können. Auch kriegen Kindergärten eine Betriebserlaubnis, die Kindern gar kein eigenes Außengelände bieten können!

    Darf ich interessehalber fragen, wer bereits von dieser Resolution, die im letzten Jahr auf der Seite des Kinderhilfswerks eingestellt wurde, erfahren hat? https://www.dkhw.de/unsere-arbeit/schwerpunkte/spiel-und-bewegung/keine-kitas-ohne-aussenflaechen/ Die Presse wurde informiert, aber weder auf Facebook noch anderswo scheint die Resolution wirklich beachtet worden zu sein. Nicht mal der Deutsche Kinderschutzbund scheint sie zur Kenntnis genommen zu haben. – Oder hat sich irgendein Landesverband mittlerweile als Unterstützer der Resolution zu erkennen gegeben?

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