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Zum Schulstart in Mecklenburg-Vorpommern gerät der Lehrermangel in den Blick – Ist die hohe Abbrecherquote beim Lehramtsstudium mitverantwortlich?

SCHWERIN. Das neue Schuljahr bringt für die knapp 150.000 Schüler in Mecklenburg-Vorpommern einige Neuerungen: Mehr Deutschunterricht für Grundschüler, eine umfassendere Berufsorientierung, Begabtenförderung an ausgewählten Schulen. Doch ein altes Problem bleibt.

Die Linke macht zu Beginn des neuen Schuljahres eine ineffiziente Pädagogenausbildung in Mecklenburg-Vorpommern mitverantwortlich für die unbesetzten Lehrerstellen. «Mehr als die Hälfte aller Lehramtsstudenten an den Universitäten in Rostock und Greifswald bricht ihr Studium ab oder schafft den Abschluss nicht. Diese Zahlen sind angesichts des sich zunehmend verschärfenden Lehrkräftemangels alarmierend», erklärte die Vorsitzende und Bildungsexpertin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, am Montag in Schwerin. Auf seiner Internetseite bot das Bildungsministerium zum Schulstart noch 77 offene Stellen an.

Oldenburg verwies auf die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage ihrer Fraktion. Daraus geht hervor, dass 2016 an beiden Universitäten 476 Studenten ihre Lehramtsprüfungen erfolgreich abgeschlossen hatten und damit weniger als in den beiden Jahren davor. Pro Studienjahr nehmen im Nordosten etwa 1000 junge Leute ein Lehramtsstudium auf. Die Abbrecherquoten liege seit Jahren weit über dem Bundesdurchschnitt. «Angesichts der riesigen Herausforderungen, vor denen Schule und Bildung stehen, können wir uns eine derart uneffektive Lehrkräfteausbildung und damit Vergeudung von wertvollen Ressourcen nicht leisten», sagte Oldenburg. Sie erneuerte ihre Forderung nach einer Reform des Lehramtsstudiums.

Für etwa 149.200 Kinder und Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern begann am Montag nach sechs Wochen Sommerferien (wieder) der Unterricht, darunter sind rund 15.300 Erstklässler. Laut Bildungsministerium wurden damit etwa 400 Mädchen und Jungen mehr eingeschult als im Vorjahr. Auch die Gesamtschülerzahl an den 563 Schulen ist im Vergleich zum vergangenen Schuljahr deutlich gewachsen. 2016/17 waren nach Ministeriumsangaben rund 146.600 Schüler registriert worden. Im neuen Schuljahr wird mit einer Erhöhung der Schülerzahl um 2600 gerechnet. Dies sei auf Flüchtlingskinder, aber auch auf ein Bevölkerungswachstum zurückzuführen, hieß es.

Neu ist in diesem Schuljahr eine Stunde mehr Deutschunterricht für Grundschüler, um deren Rechtschreibkompetenzen zu verbessern. Die älteren Schüler sollen gezielter auf Berufs- und Studienwahl vorbereitet werden. Zudem geht der Ausbau von Ganztagsschulen weiter. Fünf Schulen mit Ganztagsangeboten wurden neu genehmigt.

Mit Beginn des neuen Schuljahres bieten zudem 14 Schulen in Mecklenburg-Vorpommern erstmals Zusatzunterricht für Schüler mit besonderen Begabungen. «Die Begabtenförderung ist auch ein Beitrag zur Inklusion. Sie sieht nicht nur die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf vor. Wir dürfen die engagierten und leistungsstarken Schülerinnen und Schüler in unserem Land nicht vergessen», begründete Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) das Zusatzangebot. Das Land stelle dafür jährlich eine Million Euro bereit. Schon im Vorjahr hätten die beteiligten Schulen jeweils Zusatzstunden im Umfang einer vollen Lehrerstelle zugeteilt bekommen, um die Angebote vorzubereiten.

Die Begabtenförderung findet in drei Bereichen statt: Das Profil Humanistische Bildung/Alte Sprachen umfasst laut Hesse die Sprachen Latein und Altgriechisch. Dies bieten vier Schulen im Land an. In Niederdeutsch, dem zweiten Förderbereich mit sechs Schulen, sei nun das «Abitur up Platt» möglich, nachdem die Kultusministerkonferenz im März Niederdeutsch als Prüfungsfach offiziell anerkannt habe. Und an den vier MINT-Schulen gebe es besondere Bildungsangebote in Mathematik oder in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie und Physik. Hesse äußerte die Erwartung, dass sich die Begabtenförderung auch in einer höheren Beteiligung an Mathe- und Chemieolympiaden sowie am Wettbewerb «Jugend forscht» niederschlägt. dpa

 

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