Startseite ::: Politik ::: Althusmann will im Fall eines Wahlsiegs Lehrer aus anderen Bundesländern abwerben

Althusmann will im Fall eines Wahlsiegs Lehrer aus anderen Bundesländern abwerben

HANNOVER. Die Wahl in Niederachsen verspricht neuesten Prognosen zufolge eng zu werden. CDU-Spitzenkandidat Althusmann hat seine Vorsprung bei den Demoskopen weitgehend eingebüßt. Im Interview äußert er sich über sein Verhältnis zu den Konkurrenten und zu seinen Plänen gegen den Lehrermangel.

Laut der jüngsten Umfrage liegt die CDU nur noch einen Prozentpunkt vor der SPD, Ministerpräsident Stephan Weil ist demnach deutlich beliebter. Wie wollen Sie bis zur Wahl die Wende schaffen?

Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass das Rennen völlig offen ist. Auch zu Zeiten, als die CDU in den Umfragen noch deutlich vorne lag, habe ich stets gesagt, dass es ein sehr enges Ergebnis werden wird und auf einen Lagerwahlkampf zwischen Rot-Grün und den Linken sowie den bürgerlichen Parteien auf der anderen Seite hinauslaufen wird. Niedersachsen ist weder klassisches CDU- noch SPD-Land. Hier wurde immer um Koalitionen gerungen, eine Regierungsbildung dürfte extrem schwierig werden.

Niedersachsen Ex-Kultusminister Althusmann will Ministerpräsident in Hannover werden: Foto: Nina Braun

Kultusminister Althusmann bei seiner Eröffnungsrede auf der didacta 2012 in Hannover: Foto: Nina Braun

Wie erklären Sie das zuletzt schlechtere CDU-Umfrage-Ergebnis?

Wir haben unzweifelhaft nicht den Rückenwind durch die Bundestagswahl erhalten, den wir erhofft hatten. Ich glaube aber auch, dass im Rahmen dieser Umfrage potenzielle CDU-Wähler der Systematik gefolgt sind, die wir bei der Bundestagswahl erlebt hatten: da haben wir die meisten Stimmen an die FDP verloren. Wir werden deshalb auch ganz gezielt für die Zweitstimme kämpfen. Denn wer seine Stimmen splittet, muss wissen, dass am Ende ein ganz anderes Ergebnis herauskommen kann.

Stephan Weil spricht von einem zerrütteten Verhältnis zur CDU. Sehen Sie das auch so?

Mir drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass es Stephan Weil nur um die eigene Person geht, dass er Ministerpräsident bleibt. Er spricht gerne von einem zerrütteten Verhältnis zwischen SPD und CDU. Das kann ich nicht erkennen. Es mag bei seinem Blick auf die CDU eine verzerrte Wahrnehmung geben. Aber ich habe wenig Probleme etwa mit (Innenminister) Boris Pistorius, (Fraktionschefin) Hanne Modder oder (Wirtschaftsminister) Olaf Lies – mit dem duze ich mich. Ich habe kein Problem mit der SPD: Sie ist eine traditionelle, wichtige Partei in Deutschland.

Ministerpräsident Weil gibt sich selbstkritisch (zumindest im Nachhinein) – „Die Schulplanung hätte besser laufen können“

Warum gehen Sie aber so auf Distanz zu Niedersachsens Grünen?

Inhaltlich habe ich wenig Berührungsprobleme mit den Grünen, da sehe ich einige gemeinsame Punkte – etwa beim Verbraucherschutz. Wir wollen in der Agrarpolitik wegkommen von der polarisierenden Hammer-Methode von Agrarminister (Christian) Meyer. Hätten wir einen Winfried Kretschmann oder einen Robert Habeck, dann wäre sicherlich manches einfacher. Aber mit diesen Grünen ist ein Schulterschluss nicht vorstellbar. Bei meiner Kritik an den 20 Kandidaten der stark nach links gerückten Landesliste habe ich übrigens einen ausgenommen – (Umweltminister) Stefan Wenzel. Ich bleibe aber bei meiner Grundauffassung: Mit allen demokratischen Parteien muss der Gesprächsfaden bleiben. Sollten wir einen Regierungsauftrag erhalten, werde ich noch in der ersten Woche auf alle demokratischen Parteien zugehen und Gespräche anbieten.

Grundschullehrerbesoldung, Inklusion und mehr Freiräume – Was Niedersachsens Grüne den Schulen versprechen

Sie haben Ministerpräsident Weil vorgehalten, dass er als Mitglied des VW-Aufsichtsrats trotz aktenrechtlicher Vorgaben den Landtag nicht richtig informierte. Was würden Sie anders machen?

Wenn mir strafrechtlich relevante Dinge bekannt werden, bin ich nach meiner Einschätzung verpflichtet, denen nachzugehen – und habe auch eine Auskunftspflicht gegenüber dem Parlament. Ich glaube, die Landesregierung hat ihre Pflicht im VW-Aufsichtsrat nicht ausreichend wahrgenommen. Das war ein schwerer Fehler, das rächt sich jetzt.

In Berlin wollen CDU-CSU im Oktober ihre Positionen festlegen für Jamaika. Wäre es Ihnen recht, wenn die Sondierungen mit FDP und Grünen auf Bundesebene schon vor dem 15. Oktober beginnen?

Die Union hat als stärkste Kraft auf Bundesebene einen Auftrag zur Regierungsbildung bekommen. Selbst mit Blick auf Niedersachsen sollten wir nicht der Versuchung unterliegen, Berlin handlungsunfähig zu machen. Insofern darf eine «Niedersachsen-Bremse» nicht eintreten, es muss weiter sondiert werden. Niedersachsen darf nicht zu einem Vakuum im Politikbetrieb in Berlin führen. Das wird von den Wählern hier nicht gutgeheißen. Die erwarten auf Deutschlandebene eine Entscheidung, und auch in Niedersachsen werden wir das schnell entscheiden müssen.

Sie fordern Stephan Weil auf, sich von der Linkspartei zu distanzieren. Warum? Die Linke ist doch eine demokratische Partei?

Die Linke als Nachfolge-Partei der SED ist für mich genauso wenig akzeptabel wie die Rechtspopulisten. Beide fischen am Rand.
Wenn ich sage: «Keine Bündnisse mit Rechtspopulisten», erwarte ich daher von Stephan Weil, dass er gleiches tut und sich von den Linken distanziert. Er lässt sich dieses Hintertürchen offen, weil er gar keine andere Chance mehr hat.

Wie wollen Sie den Lehrermangel an niedersächsischen Schulen beheben? Selbst wenn es mehr Studienplätze geben würde, wären neue Lehrer kurzfristig nicht verfügbar.

Es herrscht nicht überall Lehrermangel. Wir haben einen besonderen Mangel bei naturwissenschaftlichen Fächern und bei berufsbildenden Schulen. Insofern müssen wir sehr gezielt Anwerbung betreiben – auch in anderen Bundesländern. Zwar hat die Kultusministerkonferenz ursprünglich beschlossen, dass sich die Bundesländer gegenseitig keine Lehrer abwerben sollen. Aber ich denke, dass wir das ändern müssen, andere halten sich auch nicht daran. Wir müssen viel deutlicher sagen: «Lehrer, kommt nach Niedersachsen.» Und das auch finanziell unterlegen.

Haben Sie sich schon Gedanken für den Fall des Scheiterns
gemacht: Sind Sie auch bereit, die Landtagsopposition anzuführen?

Natürlich sagen alle immer auf diese «Da denke ich nie drüber nach.» Wenn man ehrlich ist, sollte man erstmal sagen: «Ich werde Abgeordneter.» Ich strebe ja auch ein Mandat an in meinem Wahlkreis Seevetal. Bis Ende August habe ich noch für eine Personalberatung in Hamburg gearbeitet. Dort hätte ich eine Rückkehroption. (Interview: Doris Heimann und Ralf Krüger, dpa)

 

ZUR PERSON:
Bernd Althusmann (50) ist CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Niedersachsen. Dort war der aus Lüneburg stammende Reserve-Offizier und langjährige Kommunalpolitiker von 2008 bis 2013 Kultusminister. Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün arbeitete er mehrere Jahre für die Konrad-Adenauer-Stiftung in Namibia.

Schulleiter schimpfen über Rot-Grün: „Qualität in Schulen ist Politik kein Geld wert“ – wollen aber an Inklusion festhalten

6 Kommentare

  1. ZITAT: “Althusmann will im Fall eines Wahlsiegs Lehrer aus anderen Bundesländern abwerben”

    Ob man das Problem des Lehrermangels so lösen kann? Dann fehlen die Lehrer eben anderswo.

    Ich weiß, das machen die anderen Bundesländer auch und statt wirklich Maßnahmen zu ergreifen gegen den Lehrermangel (Maßnahmen abseits von einfach nur mehr Geld, die den Beruf wirklich wieder attraktiv machen), klaut man sich die Lehrer nun gegenseitig.

    Das ist wie dem Beschluss, das sichere EU-Land, in das ein Asylsuchender zuerst kommt, muss ihn aufnehmen und betreuen. Feine Sache für die Länder (gewesen), die keine EU-Außengrenze haben. Ich wusste, dass das schief geht. Aber nun wiederholt es sich an anderer Stelle. Verantwortungsvolle Politik sieht anders aus, Herr Althusmann (CDU).

  2. Althusmann war selbst vorab Kultusminister.
    Er hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, indem er versprach, eine Unterrichtsversorgung von 120% zu ermöglichen, ohne konkret zu sagen, woher die Lehrerstunden kommen sollen.
    Mit dem Hinweis darauf, dass alle verfügbaren Stunden in den Kernunterricht gesteckt werden sollen, gibt es immerhin Hinweise dazu, dass er beabsichtigt, alles andere zu streichen.
    Nun verweist er auf Lehrkräfte aus anderen Ländern, gegen die Absprache der KMK und gegen den Trend der anderen Länder, in denen ebenfalls Lehrkräftemangel vorherrscht.

    Wie er darauf kommt, dass vor allem MINT- und Berufsschullehrkräfte fehlen, ist mir nicht klar. Angesichts der unbesetzten Stellen in Grundschulen wurden ja nun etliche Gymnasiallehrkräfte an Grundschulen abgeordnet, gerade weil keine Grundschullehrkräfte zur Verfügung stehen, wohl aber welche mit SekII-Ausbildung.

    • Jeder, der bis drei zählen kann, bekommt das Abitur hinterhergeworfen und geht studieren. Die Berufsschule besuchen diese Leute also NICHT. Deshalb fehlen Berufsschullehrer.

      Weil derzeit so viele Sek II-Lehrer an die Grundschule gehen, fehlen diese an den Gymnasien und vollkommen unabhängig von der Fakultas speziell in MINT.

      Wenn Sie diese Logik verstehen, sind Sie ein guter Politiker. Wenn nicht, dann sind Sie mit einer gesunden Portion gesundem Menschenverstand ausgestattet.

      • Ja haben wir denn schon brasilianische Verhältnisse, dass jeder seinen gewünschten Schulabschluss erhält ?

        • Aus meiner Sicht geht das politisch gewünschte Ziel von mindestens 50% Abiturquote schwer in die Richtung. Bedenken muss man auch, dass sehr viele der Uniabsolventen irgendetwas Geisteswissenschaftliches studiert haben (MINT ist denen wegen Mathematik zu anspruchsvoll), was alles mögliche ist, aber nicht berufsbefähigend.

  3. Es kann unmöglich die beste Antwort auf das Problem sein, dass sich nun die einzelnen Bundesländer die Lehrkräfte abjagen. Warum wurden denn nicht mehr Studenten ausgebildet? War und ist es nicht so gewesen, dass wegen der strengen Zulassungsbestimmungen (NC) viele , die gerne Lehramt studiert hätten, es NICHT konnten? Es ist einfach eine Schade!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*