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Das wird Erdogan ärgern: Türkische Wissenschaftler im deutschen Exil planen Online-Akademie

BERLIN. Was machen türkische Wissenschaftler, die in ihrem Heimatland entlassen werden? Eine Gruppe von türkischen Akademikern in Deutschland hat eine Idee. Sie will in Berlin gemeinsam mit deutschen Forschern eine Online-Akademie ins Leben rufen.

Der türkische Staatspräsident Erdogan hat Zehntausende von Wissenschaftlern und Lehrern aus dem Staatsdienst entfernen lassen - wegen angeblicher Gülen-Kontakte. Foto: Αντώνης Σαμαράς / flickr (CC BY-SA 2.0)

Der türkische Staatspräsident Erdogan hat Zehntausende von Wissenschaftlern und Lehrern aus dem Staatsdienst entfernen lassen – wegen angeblicher Gülen-Kontakte. Foto: Αντώνης Σαμαράς / flickr (CC BY-SA 2.0)

Als Erbatur Cavusoglu im vergangenen Jahr die Türkei verließ, wollte er kein Wissenschaftler mehr sein. Er hatte das Gefühl, dass seine Arbeit als Stadtplaner nichts gebracht habe. «Ich hatte 20 Jahre unterrichtet und war enttäuscht. Die türkischen Behörden bauen eh, wie sie wollen. Ich hatte das Gefühl, mich nur noch zu beklagen und nicht weiter zu kommen.» Nun, ein Jahr später, kehrt Cavusoglu in die Wissenschaft zurück – voller Überzeugung. Gemeinsam mit türkischen und deutschen Kollegen ist er dabei, in Berlin eine Online-Akademie ins Leben zu rufen. Für Studenten, die von entlassenen oder geflohenen türkischen Wissenschaftlern in Video-Lektionen unterrichtet werden möchten. Der Name: «Off-University».

«Off» steht für den Verein «Organisation für den Frieden». Die Idee dazu entstand in einem Plattengeschäft in Berlin-Kreuzberg. Dort arbeitet Cavusoglu (43) seit einem halben Jahr. Als erstes führte er eine Sammlung türkischer Pop- und Volksmusik ein. Dann begann er gemeinsam mit Tuba Inal Cekic (42) und Julia Strutz (33), die beide ebenfalls als Wissenschaftlerinnen in der Türkei arbeiteten, die Idee für die Online-Akademie zu entwickeln.

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Die Kollegen kennen sich seit vielen Jahren, lebten alle zuerst in Istanbul, nun in Berlin. Sie halten Verbindungen. Viele der insgesamt 30 Kollegen, die sich nun für die Idee ihrer Online-Akademie begeistern, unterschrieben im Januar 2016 eine Petition für ein Ende der Militäreinsätze in den kurdischen Gebieten der Türkei, berichtet Strutz. Mehrere 100 der 1100 Unterzeichner hätten danach ihre Arbeit verloren. Einige verließen im Anschluss die Türkei und kamen unter anderem nach Deutschland: Cavusoglu und Cekic hatten damals ohnehin ein Forschungsprojekt hier. Danach entschieden sie, nach den Verhaftungswellen in der Türkei nicht dorthin zurückzukehren.

Andere Kollegen leben jedoch weiterhin in der Türkei – und an genau sie richtet sich nun auch das Angebot. «Viele der Wissenschaftler haben teilweise 30 Jahre unterrichtet, und können das jetzt nicht mehr machen. Das ist ihr Leben, sie müssen unterrichten und forschen», sagt Cavusoglu.

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Das gemeinsame Ziel ist ehrgeizig: Die «Off-University» soll Mitte Oktober zum Start des Wintersemesters online gehen. «Am Anfang hatten wir kein Geld und keine Studenten», sagt Cavusoglu. «Aber wir wussten, dass die Studenten in der Türkei von den entlassenen Wissenschaftlern unterrichtet werden wollen.» Und die Wissenschaftler im Exil vermissten ihre Studenten. Das Gründungsteam finanziere sich derzeit unter anderem mit Crowdfunding, die Rosa-Luxemburg-Stiftung leiste finanzielle Unterstützung.

Am diesem Wochenende haben die Wissenschaftler ihr Projekt in der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf vorgestellt. Wissenschaftler und Journalisten diskutierten unter dem Motto «Von der großen Sprachlosigkeit – Wissenschaft, Kunst und Journalismus gegen den Krieg». Mit der Veranstaltung begann außerdem eine einwöchige Onlinekonferenz unter dem Titel «Harte Fragen für den Frieden».

Die Akademiker-Gruppe hat noch viel vor: Sie möchten mit Universitäten in Deutschland kooperieren, damit Studenten sich die neuen Video-Kurse anrechnen lassen oder eine Doktorarbeit schreiben können. Die Kurse sollen für Studenten kostenlos sein, Professoren sollen jedoch ein Gehalt bekommen. Und: Das Angebot soll sich nicht nur auf die Türkei beschränken. Der Verein versucht, Kontakte zur syrischen Wissenschaftlerszene zu bekommen. Von Camilla Kohrs, dpa

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