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Geflüchtete Lehrer: Erste Absloventen sollen den Unterricht aufnehmen

POTSDAM. Das vor anderthalb Jahren gestartet Projekt zur Qualifizierung geflüchteter Lehrer für deutsche Schulen hatte bundesweit Aufsehen erregt. Nun sollen die ersten 28 Absolventen ihren Dienst aufnehmen. Alle Beteiligten freuten sich.

Nach Monaten des intensiven Sprachtrainings und des pädagogischen Erfahrungsaustauschs werden die vor Krieg und Verfolgung geflohenen Lehrer zum Oktober in ihren Beruf zurückkehren. Im Unterricht sollen sie bei der Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher mitwirken.

Zurück in den Beruf. Die ersten Absolventen des Potsdamer Pilotprojekts sollen als Brückenbauer an den Schulen wirken. Bild: Karla Fritze / Universität Potsdam

Zurück in den Beruf. Die ersten Absolventen des Potsdamer Pilotprojekts sollen als Brückenbauer an den Schulen wirken. Bild: Karla Fritze / Universität Potsdam

„Die in unserem Programm weitergebildeten Lehrerinnen und Lehrer werden in den Schulen zunächst als zusätzliche Kräfte eingesetzt“. sagte die Bildungswissenschaftlerin Miriam Vock, die das Qualifizierungsprogramm initiiert hatte. Die besondere Stärke der Absolventen sei, dass sie durch ihre Herkunft und Erfahrungen zwischen den in Deutschland neu angekommenen Schülern und den deutschen Schulen vermitteln könnten. Sie sei sicher, sie werden ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihr hohes Engagement dort als wichtige Brückenbauer einbringen.

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In dem Kurs erhielten die Teilnehmer, die in ihren Heimatländern bereits ein abgeschlossenes Studium sowie Berufserfahrung als Lehrer hatten, zunächst ein halbes Jahr lang intensiven Deutschunterricht. Im Anschluss hatten sie sich dann als Gäste an Schulen mit dem deutschen Bildungssystem vertraut gemacht.

Das Projekt hatte große Aufmerksamkeit gefunden: Für die ursprünglich vorgesehenen 15 Plätze waren 700 Bewerbungen aus ganz Deutschland eingegangen. Insgesamt nehmen inzwischen etwa 80 Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien, an dem Programm teil. Auch in anderen Bundesländern gibt es mittlerweile einzelne Programme.

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„Ich bin froh, dass wir 28 Lehrerinnen und Lehrern eine neue berufliche Perspektive bieten können“, freute sich Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske, nachdem in dieser Wiche die ersten Absolventen ihre Abschlussurkunden erhalten haben. Zahlreiche Schulen in Brandenburg hätten von Beginn an ihre Bereitschaft erklärt, den größtenteils aus Syrien stammenden Lehrkräften Einblicke in die Unterrichtspraxis zu ermöglichen, So konnten frühzeitig Kontakte geknüpft und eine passgenaue Anstellung vorbereitet werden, so der Minister.

Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch würdigte das Qualifizierungsprogramm als Erfolgskonzept: „Die große Resonanz und die ersten erfolgreichen Absolventen zeigen, dass es für solche innovativen Programme einen erheblichen Bedarf gibt.

In Konkurrenz zu deutschen Lehrern sollen die Flüchtlinge im Übrigen nicht treten, hatten die Beteiligten schon zu Beginn des Projekts versichert. Es gehe bei der Förderung von Flüchtlingen um nicht um die Bevorzugung bestimmter Gruppen, sondern darum, fluchtbedingte Nachteile auszugleichen. Damit setzten die Hochschulen auch ein Wichtiges Zeichen der Offenheit, betonte nun Münch. Dieses Zeichen sei gerade heute, angesichts des massiven Schürens von Populismus, Nationalismus und Hass, wichtiger denn je.“

Dass die geflüchteten Lehrkräfte nun wieder in Schulen arbeiten können, sei nicht nur für sie ganz persönlich, sondern auch für das Land Brandenburg eine sehr gute Entwicklung, resümierte der Projektleiter und Vizepräsident der Universität Potsdam, Andreas Musil. (zab, pm)

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4 Kommentare

  1. Axel von Lintig

    Bei all den negativen Meldungen der letzen Tagen ist dies einmal eine gute Nachricht.
    Auch wir stellen im medizinischen Bereich Kriegsflüchtlinge ein.

    • Ja, ich finde auch, das ist grundsätzlich eine gute Sache. Ich sehe es genau wie bei den Seiteneinsteigern. Sie helfen sehr rasch, den Lehrermangel zu beseitigen und sie sind hochmotiviert.

      • Axel von Lintig

        Das sind aber voll ausgebildete Lehrer, die auch schon seit Jahren berufliche Erfahrungen gesammelt haben und gerade im Bereich der Sprachvermittlung neue Impulse setzen können und andere Unterrichtsansätze vermitteln können.

        • Ja, und?

          Das sind für mich jetzt keine Gegensätze / Widersprüche. Ich meinte nur, beide Gruppen können rasch helfen, den Lehrermangel zu beseitigen. Sie brauchen also unsere Unterstützung.

          Allerdings würde ich – mit Verlaub – ausländische Lehrer nun nicht unbedingt als (mutterspracghliche) Deutschlehrer einsetzen; von Ausnahmen abgesehen.

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