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In diesem unscheinbaren Gebäude knallten die Korken: Physik-Nobelpreis geht auch nach Deutschland – ein bisschen jedenfalls

HANNOVER. Die Bekanntgabe der Nobelpreisträger für Physik hat bei den Wissenschaftlern des Albert-Einstein-Instituts (AEI) in Hannover für Jubel gesorgt. «Wir haben alle den Preis bekommen, irgendjemand muss stellvertretend dafür stehen», sagte AEI-Direktor Karsten Danzmann am Dienstag. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die drei US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne den Nobelpreis für den ersten direkten Nachweis im All entstehender Gravitationswellen bekommen. An der spektakulären Entdeckung waren auch Physiker der Leibniz Universität Hannover sowie des AEI, darunter Danzmann selbst, maßgeblich beteiligt.

Unscheinbar - aber oho: das Albert-Einstein-Institut in Hannover. Foto: Gunther Falchner / flickr (CC BY-SA 3.0)

Unscheinbar – aber oho: das Albert-Einstein-Institut in Hannover. Foto: Gunther Falchner / flickr (CC BY-SA 3.0)

Nobelpreisträger Weiss hat deutsche Wurzeln. Geboren wurde er 1932 in Berlin als Sohn eines jüdischen Arztes und einer christlichen Mutter, die, wie er sagte, mit der Wahl ihres Berufs als Schauspielerin gegen ihre Familie rebellierte. Die Nazi-Herrschaft hatte den Vater – einen «idealistischen Kommunisten» – aus Deutschland bereits nach Prag vertrieben. Die Mutter folgte nach der Geburt des Sohnes. Von Prag aus wanderte die Familie schließlich in die USA aus. 1939 erreichte sie New York.

Radios repariert

Zu Schulzeiten entdeckte Weiss sein Interesse für Elektronik und verdiente Geld mit der Reparatur von Radios. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Weiss – der in den USA auch «Rai» genannt wird – am Forschungszentrum MIT. Er beschäftigte sich zunächst mit der Entwicklung von Atomuhren, bevor er sich der Erforschung der Gravitationswellen widmete. Weiss legte kurze Zwischenstopps etwa an der Tufts University und der Princeton University ein, blieb aber zeit seines Lebens der Elite-Universität in Massachusetts verbunden – obwohl er als junger Student einmal von der Uni geflogen war. Dort entwickelte er die Ideen zur Entwicklung des Gravitationswellen-Observatoriums Ligo.

Rai sei «eine sehr interessierte und detailverliebte Person», sagt Bruce Allen,  Professor am Albert-Einstein-Institut, über seinen ersten Physik-Professor. Am 29. September feierte Weiss seinen 85. Geburtstag. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Nach Jahrhundert-Messung von Einsteins Gravitationswellen: Deutsche Physiker denken groß (sogar an den Nobelpreis)

«Ein Nobelpreis öffnet Türen, das ist die Möglichkeit, dass Menschen einem zuhören», sagte Danzmann. Es seien viele Seelen an dem Erfolg beteiligt, die das Feld bereitet hätten. «Wir sind alle glücklich», betonte der Astrophysiker. Der 62-Jährige gilt auch als geistiger Vater des Gravitationswellendetektors LISA, der ab 2034 in etwa 50 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde im All kreisen soll. N4t / mit Material der dpa

Ein Kommentar

  1. Mit der Pressekonferenz 2015 zur Entdeckung der Gravitationswellen war mir schon klar, dass das ein Nobelpreis wird. Das ging ja doch noch erstaunlich schnell.

    Übrigens ist das Messverfahren in jedem halbwegs motivierten Physik-Grundkurs vermittelbar.

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