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In Einsteins Geburtsstadt erinnert nur wenig an den Physiker – das soll sich ändern: mit einer wissenschaftlichen Erlebniswelt

ULM. Der bekannteste aller Physiker stammt aus Ulm. An Albert Einstein erinnern dort eine Straße, ein Denkmal, ein Brunnen und die Volkshochschule. Vielen ist das zu wenig. Nun will ein Verein Millionen sammeln für ein modernes Einstein-Zentrum.

Gründervater des Max-Planck-Instituts für Physik: Albert Einstein. Foto: Wikimedia Commos

Jahrhundert-Genie aus Ulm: Albert Einstein. Foto: Wikimedia Commos

«Dort drüben, das ist der Platz unserer Träume.» Nancy Hecker-Denschlag zeigt auf ein Areal neben dem Hauptbahnhof von Ulm. «Schon die Architektur soll begeistern, wie in Bilbao oder Sydney», schwärmt die Amerikanerin. «Yes, we think big. Eine großartige Erlebniswelt soll Albert Einsteins Bedeutung für die moderne Wissenschaft und Technik für jeden erfahrbar machen – ein Magnet für Besucher aus aller Welt.»

Als die Physikerin vor einigen Jahren nach Ulm umzog, war sie überrascht: «Die Welt bewundert Einstein, aber hier in seiner Geburtsstadt wird er nicht wirklich angemessen gewürdigt.» Es gibt einen Einstein-Brunnen in Ulm. Und gegenüber vom Bahnhof, wo Einsteins – im Zweiten Weltkrieg zerstörtes – Geburtshaus stand, erinnert ein Denkmal an ihn. Eine Straße trägt seinen Namen, ebenso die Ulmer Volkshochschule. Im Stadtarchiv werden Briefe des Physik-Nobelpreisträgers aufbewahrt.

Insgesamt sei das zu dürftig, findet nicht nur Hecker-Denschlag (51). «Für dieses Weltgenie brauchen wir einen Ort, an dem seine Persönlichkeit rundum beleuchtet und zugleich dargestellt wird, was seine Leistungen für uns alle bedeuten», sagt Professor Joachim Ankerhold (53), Physiker und Vizepräsident der Universität Ulm.

Dafür engagieren sich die beiden Physiker als Vorsitzende im «Verein der Freunde eines Albert-Einstein-Museums in Ulm». 2016 gegründet, hat er inzwischen 110 Mitglieder. Unter ihnen viele Ulmer, aber auch Einstein-Enthusiasten in anderen Städten und im Ausland.

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«Uns schwebt ein populäres Science Center mit drei Hauptbereichen vor», sagt Hecker-Denschlag. Ein historisch-politischer Teil soll den Lebensweg Einsteins als Spross einer in der Ulmer Region alteingesessen jüdisch-schwäbischen Familie beleuchten, der wegen der Nazis nach Amerika ging und von dort aus vielen Verfolgten half.

Um den Schöpfer der Relativitätstheorie, seine Arbeitsmethode und seine Entdeckungen soll es im zweiten Teil gehen. Im dritten sollen die experimentelle und auch spielerische Beschäftigung mit Technologien möglich sein, die auf Einsteins Theorien basieren. «Ohne sie wären die Laser-Technik, die GPS-Navigation und vieles im Bereich des autonomen Fahrens nicht möglich», sagt Ankerhold.

«Das ist eine tolle Sache», sagt Professor Michael Wettengel, der Direktor des Stadtarchivs. Manche Kritiker machen aber geltend, Einstein habe von seinen 76 Lebensjahren lediglich die ersten 15 Monate in Ulm verbracht. Dann siedelte seine Familie nach München um, wo die Firma des Vaters unter anderem dafür sorgte, dass das Oktoberfest elektrisches Licht bekam.

Dennoch habe der Wissenschaftler stets Interesse an Ulm bekundet, hält Wettengel dagegen. Er verweist auf einen Brief, in dem Einstein 1929 kurz nach seinem 50. Geburtstag schrieb: «Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens. So gedenke ich Ulm in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet.»

Die Stadt Ulm ist dem Großprojekt durchaus zugeneigt. «Wir finden das spannend und absolut richtig für Ulm», sagt Iris Mann (parteilos), Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Soziales. Bei der Sicherung des Grundstücks am Hauptbahnhof wolle man helfen. «Der Standort ist super geeignet und wäre ideal.» Doch zugleich stellt die Kultur-Bürgermeisterin klar: «Wir sehen das aktuell nicht als städtisches Projekt.» Heißt: Kein Geld aus der Stadtkasse.

Auf 40 bis 50 Millionen Euro werden allein die Baukosten geschätzt, hinzu kämen Betriebskosten. Die Vereinsmitglieder hoffen, die Millionen mit Hilfe von Sponsoren in aller Welt – von Unternehmen bis zu vermögenden Privatleuten – sowie einer Crowdfunding-Kampagne aufbringen zu können. Geworben wird unter anderem mit Flyern und einem T-Shirt mit der Aufschrift «Albert-Einst-Ein-Ulmer». «Klar, es kann Jahre dauern, bis wir soweit sind», sagt Ankerhold. Aber Zeit sei bekanntlich relativ. Von Thomas Burmeister, dpa

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