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Lehrermangel: Heiligenstadt hat jetzt schon das Bewerbungsverfahren fürs 2. Halbjahr eröffnet – Philologen: Die Stellen reichen hinten und vorne nicht

HANNOVER. Das niedersächsische Kultusministerium hat zum kommenden Halbjahreswechsel 1.300 Lehrerstellen ausgeschrieben – für Ministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) „ein wichtiger Schritt“, um bei der Personalausstattung der Schulen wieder ins Soll zu kommen. Im Jahr 2018 wolle Niedersachsen insgesamt rund 3.000 Lehrer einstellen. „Dann werden wir die Zielmarke von 100 Prozent Unterrichtsversorgung erreichen“, kündigte die Ministerin an. Der Philologenverband meint allerdings, dass die Zahl der Ausschreibungen für Februar viel zu niedrig angesetzt sei – er prophezeit, der ohnehin schon „beängstigende“ Unterrichtsausfall werde sich weiter verschärfen.

Unter Druck: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons CC-by-sa 3.0/de

Unter Druck: Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons CC-by-sa 3.0/de

Das Bewerbungsverfahren für eine Einstellung in den niedersächsischen Schuldienst zum zweiten Schulhalbjahr ist laut einer Pressemitteilung des Kultusministeriums jetzt angelaufen. „Sehr gute Einstellungschancen haben nach wie vor Lehrkräfte mit dem Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschulen sowie mit dem Lehramt für Sonderpädagogik“, heißt es. Gesuchte Lehrämter an Realschulen seien Französisch, Physik, Chemie und Musik, an Gymnasien Physik, Kunst, Informatik und Mathematik. An Grund-, Haupt- und Realschulen sind zum 1. Februar 420 Stellen zu besetzen, an Oberschulen 205, an Förderschulen 100, an Gesamtschulen 175 und an Gymnasien 200.

Aufgrund des Lehrermangels – Niedersachsen hatte bereits zum Schuljahresbeginn nicht alle freien Stellen besetzen können – soll der Quereinstieg beschleunigt werden. „Die Rückmeldungen von Bewerberinnen und Bewerbern ohne grundständige Lehramtsausbildung haben ergeben, dass das Verfahren stellenweise zu starr und langwierig ist. Die Bewerberinnen und Bewerber sollen zukünftig schneller über ihre Einstellungschancen beziehungsweise über weitere notwendige Anforderungen für einen Quereinstieg informiert werden“, erklärte Heiligenstadt. „Durch eine verbesserte Beratung und mehr Möglichkeiten zur Selbsteinschätzung beschleunigen wir das Verfahren.“

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Außerdem sollen darüber hinaus die Möglichkeiten erweitert werden, die Expertise der Schulleitungen im Vorauswahlverfahren stärker zu nutzen. „Die Schulleiterinnen und Schulleiter kennen mögliche Bewerberinnen und Bewerber für den Quereinstieg häufig bereits aus anderen Zusammenhängen, zum Beispiel aus dem Sprachförderunterricht oder der Betreuung im Ganztag. Dort, wo dies vor Ort gewünscht wird, wollen wir diese Expertise bezüglich der Eignung und Befähigung der Bewerberinnen und Bewerber gerne stärker in den Auswahlprozess mit einbeziehen“, sagte Heiligenstadt.

Für den Philologenverband reichen die genannten Maßnahmen allerdings hinten und vorne nicht. „Es ist ein Skandal sondergleichen, dass Rot-Grün trotz des hohen Unterrichtsausfalls noch weniger Lehrerstellen auszuschreiben gedenkt als in den vergangenen Jahren – und das, obwohl jetzt genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen“, meinte Landesvorsitzender Horst Audritz. So würden landesweit 650 Referendare im Gymnasial-Lehramt ihre Ausbildung im Februar beenden – aber nur 200 von ihnen bekämen eine Stelle. Audritz: „Es ist doch unfassbar, dass für unsere Schüler weiterhin Unterricht ausfällt und gleichzeitig qualifizierte Gymnasiallehrer arbeitslos auf der Straße stehen.“

„Noch mehr Abordnungen“

Hinzu komme, dass die Landesregierung an den derzeitigen Abordnungen von mehr als 1.000 Gymnasiallehrern an Grundschulen und andere Schulformen offenbar nicht nur festhalten, sondern sie sogar noch weiter ausbauen wolle. So hätten Gymnasialschulleiter direkt vor den Herbstferien Direktiven ihrer Schulbehörden erhalten, weitere Abordnungen vorzubereiten. Dies stehe im Widerspruch zu Aussagen der Ministerin, dass sich die geringe Bewerberzahl für Grundschulen zu Beginn dieses Schuljahres dadurch erkläre, dass die Ausbildungszeit für Grundschullehrer verlängert worden sei; im Jahr 2018 würden wieder ausreichend Lehrkräfte ihre Ausbildung abschließen. „Wenn doch 2018 nach Aussage der Ministerin wieder genügend Lehrkräfte für diesen Bereich zur Verfügung stehen, ist nicht nachvollziehbar, warum jetzt nur 625 Stellen – erheblich weniger als in den letzten Jahren – ausgeschrieben und stattdessen weitere Gymnasiallehrer an Grundschulen abgeordnet werden sollen“, kritisierte Audritz. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

 

 

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