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Neues zu einem umstrittenen Thema: Hausaufgaben verändern die Persönlichkeit

TÜBINGEN. Dass Schule nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch der Erziehung dient, manifestiert sich besonders an den Hausaufgaben. „Du musst das lernen, denn später musst Du auch Dinge tun, auf die Du gerade keine Lust hast“ gehört zu den meistverwendeten Gemeinplätzen, mit denen genervte Eltern ihre Sprösslinge zu Erledigung der heimischen Lektionen zu motivieren versuchen. Tatsächlich verändern Hausaufgaben die Persönlichkeit von Jugendlichen, denn eine sorgfältige Erledigung der Hausaufgaben ist von einem Anstieg der Gewissenhaftigkeit begleitet, sagen Forscher der Universität Tübingen.

Wer seine Hausaufgaben sorgfältig erledigt, profitiert möglicherweise nicht nur von besserer schulischer Leistung: Schülerinnen und Schüler, die ihre Hausaufgaben sorgfältig bearbeiten, weisen eine günstigere Entwicklung der generellen Gewissenhaftigkeit auf als diejenigen, die sich bei ihren Hausaufgaben nur wenig anstrengen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen in einer Studie herausgefunden.

Nicht (nur) für die Schule, für das Leben erledigen wir unsere Hausaufgaben. Foto: paperelements / pixabay (CC0 1.0)

Nicht (nur) für die Schule, für das Leben erledigen wir unsere Hausaufgaben. Foto: paperelements / pixabay (CC0 1.0)

Somit scheint die Schule nicht nur zum Lernen und zum Wissenszuwachs beizutragen, sondern auch die Persönlichkeit nachhaltig zu verändern, Die Ergebnisse wurden im Journal of Research in Personality veröffentlicht.

Es ist bekannt, dass Hausaufgaben, die gründlich und genau bearbeitet werden, dazu beitragen können, den schulischen Erfolg zu steigern. Doch nicht nur darin zeigt sich, dass Gewissenhaftigkeit einen Charakterzug darstellt, der dem Schulerfolg grundsätzlich dienlich ist.

Wer gewissenhaft ist, wird seine Hausaufgaben meist ordentlich erledigen. Ob es umgekehrt auch zu einer Veränderung der Gewissenhaftigkeit kommt, wenn Hausaufgaben sorgfältig gemacht werden, haben die Tübinger Bildungsforscher nun untersucht.

Sie werteten Daten aus einer Langzeitstudie aus, bei der rund 2.800 Schüler aus Haupt- und Realschulen in Baden-Württemberg sowie aus Mittelschulen in Sachsen von Beginn der 5. Klasse an über drei Jahre hinweg befragt wurden. Einige Wochen nach Beginn des Schuljahres mussten die Schüler jeweils angeben, bei wie vielen der letzten zehn Hausaufgaben in Deutsch und Mathematik sie sich angestrengt hatten. Außerdem mussten sie einschätzen, für wie gewissenhaft sie sich selbst halten und Fragen beantworten, ob sie beispielsweise Pläne machen und diese auch durchführen oder ob sie ordentlich oder bequem und nachlässig sind. Zum Vergleich wurden auch die Eltern befragt, wie gewissenhaft sie ihre Kinder einschätzen und ob diese ihre Aufgaben gründlich erledigen.

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Die Auswertung zeigte den Forschern zufolge, dass diejenigen Schüler, die sich in den Klassen 5 bis 8 bei ihren Hausaufgaben anstrengten, davon auch in ihrer Gewissenhaftigkeit profitierten. Die Gewissenhaftigkeit von Teenagern nimmt in der Regel vor allem in den frühen Jugendjahren ab. Eine gründliche und genaue Auseinandersetzung mit den Hausaufgaben kann dieser Entwicklung offensichtlich entgegenwirken.

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Bei denjenigen, die angaben, dass sie sich über den Befragungszeitraum hinweg wenig Mühe bei den Hausaufgaben gegeben haben, sank die Gewissenhaftigkeit deshalb auch stark ab. Das sahen auch die Eltern so: Ihre Einschätzung deckte sich mit der Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler, auch wenn sie die Veränderungen weniger dramatisch wahrnahmen als ihre Kinder.

„Dies zeigt, dass Hausaufgaben nicht nur für die schulische Leistung wichtig und sinnvoll sind, sondern auch für die Persönlichkeitsentwicklung, vorausgesetzt, sie werden gründlich und genau erledigt“, sagt Studienautor Richard Göllner.

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„Die Frage, ob die Hausaufgabenerledigung auch zur Entwicklung von Gewissenhaftigkeit beitragen kann, kommt in Diskussionen zur Rolle von Hausaufgaben bislang völlig zu kurz“, bemängelt Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen. „Wir müssen genauer darüber nachdenken, welche Förderwirkung wir uns von Hausaufgaben versprechen und wie sie gewährleistet werden kann.“ (zab, pm)

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8 Kommentare

  1. Dann müsste man mal die Gewissenhaftigkeit von Schülern untersuchen, deren Schule sich der Vermeidung jeglicher Hausaufgaben ins Schulprogramm geschrieben hat. Aus dem Artikel geht aber nicht hervor, wie sehr die Eltern ein Auge auf gewissenhaft gemachte Hausaufgaben werfen.

    Ganz unabhängig davon habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass die Schüler, die Hausaufgaben oder vertiefte Übungen am dringendsten benötigen, sie am wenigsten machen. Die Umkehrung gilt genauso.

  2. Ich finde den Artikel interessant. Muss ich mal kopieren und an die Eltern meiner Schüler rundversenden. 🙂

    Ich stimme Ihnen aber zu: Die, die die Hausaufgaben am meisten bräuchten, machen sie eher nicht. Deshalb bin ich eher für wenige Hausaufgaben (mal was beenden, ja; etwas lernen, na klar), aber ansonsten sollen die Kinder am Nachmittag spielen, sich erholen, Freunde treffen …

    • Hängt für Sie die Bewertung des Hausaufgabenmachens von Schüleralter und Schulform ab?

      • Während der Pubertät neigen insbesondere die Jungs zur Vernachlässigung der Hausaufgaben. Tendenziell korreliert diese Haltung positiv mit der “Coolness” mit der sie sich geben wollen. Nach meiner Erfahrung gilt das unabhängig von der Schulform, wobei die Grundeinstellung zu Hausaufgaben oder allgemein zur Institution Schule vom Gymnasium in Richtung Hauptschule abnimmt.

      • Hausaufgaben dürfen in NRW nicht bewertet (benotet) werden ==> siehe Hausaufgabenerlass. Es dürfen aber Lernstandskontrollen, die den Aufgabenbereich der HA umfassen, als Tests, die nicht länger als 20 Zeitminuten dauern dürfen, erfolgen. Die Ergebnisse dieser Tests dürfen in die SoMiNo einfließen.

        Dies lohnt aber nur, wenn eine Vielzahl von Schülern die HA nicht gemacht hat. Bei einzelnen SuS ist es praktikabler, diese die Ergebnisse der nichtgemachten Aufgaben oder Teile derselben an die Tafel schreiben zu lassen. Weigern sich die Delinquenten, ist das eine nicht erbrachte Leistung, die mit “ungenügend” bewertet werden kann. Gelingt es ihnen die “unbekannte” Aufgabe an der Tafel ganz oder in Teilen zu lösen, wird die teilleistung ebenfalls bewertet und Teil der SoMiNo.

  3. @ (ZITAT, Pälzer):

    “Hängt für Sie die Bewertung des Hausaufgabenmachens von Schüleralter und Schulform ab?”

    Geht das an mich? Inwiefern gab ich Anlass zu dieser Frage?

  4. @ dicke bank,

    das ist aber nicht in jedem Bundesland so, wobei ich eher dafür bin, weil man bei Hausaufgaben ja nie weiß, wer sie wirklich gemacht hat.

    • Danke dennoch für den Tipp, dicke bank. Einerseits finde ich ihn gut, andererseits etwas aufwändig. In meinen Klassen habe ich im Schnitt 1/3 der Kinder ohne Hausaufgaben. Die mündliche Kontrolle kann ja aber nur stichprobenartig sein und ist dann nicht anders, als eine ganz normale mündliche Leistungskontrolle.

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