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Philologenchef wird Kultusminister: Haubitz soll auf Kurth folgen – bleibt aber parteilos

DRESDEN. Den Seiteneinstieg in den Schuldienst sieht er kritisch. Längerem gemeinsamen Lernen nach der vierten Klasse erteilt er eine Absage. Schulleiter und Lehrer sollen mehr Freiheiten erhalten. CDU-Mitglied wolle er auch nicht werden. Schon bei seiner Vorstellung setzte Sachsens designierter Schulminister Frank Haubitz Pflöcke. Doch auf den parteilosen Nachfolger der streitbaren Brunhild Kurth warten große Probleme.

Sachsens neuer Kultusminister Frank Haubitz (parteilos) will den Lehrern mehr Freiräume geben. Man müsse sie vom «Gängeln» entlasten, sagte er bei seiner ersten Pressekonferenz in Dresden. Er wolle Impulse setzen, dass sich Lehrer an ihren Schulen mehr einbringen könnten. Sie brauchten Freiräume zur Gestaltung, der Begriff eigenverantwortliche Schule dürfe keine Worthülse sein.

Das Personalkarussell der sächsischen Regierung dreht sich. Am kommenden Montag soll Frank Haubitz als Kultusminiter ins gemeinsame Gebäude von Finanz- und Kultusministerium einziehen. Foto: Heinz-Josef Lücking / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Das Personalkarussell der sächsischen Regierung dreht sich. Am kommenden Montag soll Frank Haubitz als Kultusminiter ins gemeinsame Gebäude von Finanz- und Kultusministerium einziehen. Foto: Heinz-Josef Lücking / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Zugleich erteilte der 59-Jährige der Forderung nach einem längeren gemeinsamen Lernen der Schüler über die Klasse 4 hinaus eine Absage. Das sächsische Schulsystem habe sich bewährt, man brauche Ruhe im System, sagte Haubitz. Er stehe zu dem gegliederten Schulsystem: «Ich glaube, man kann inhaltlich an diesem System noch sehr, sehr viel verändern und das sollte man in den nächsten Jahren machen.» Für ein längeres gemeinsames Lernen ist etwa der CDU-Koalitionspartner SPD.

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Haubitz will nach eigenem Bekunden parteilos bleiben und damit nicht dem Weg seiner Vorgängerin Brunhild Kurth (CDU) folgen, die 2012 auch ohne Parteibuch ins Amt kam und dann eineinhalb Jahre später in die Union eintrat. Haubitz schloss das für sich aus. Er spüre auch keine entsprechende Erwartungshaltung: «Ich will einfach etwas bewegen». Er mache das für Sachsen und für die Schüler.

Er wolle, so Haubitz, an die Arbeit von Kurth anknüpfen. Er glaube, dass man nach 27 Jahren Bildungssystem die Schulleiter soweit befähigt habe, die Schulen eigenständig zu führen und den Lehrern Freiräume zu geben. Hauptproblem sei die mangelnde Wertschätzung für Lehrer. Man müsse die Attraktivität des Lehrerberufs wieder in den Vordergrund stellen. Dazu brauche man konkrete Maßnahmen. Details wollte er aber noch nicht nennen.

Haubitz äußerte sich auch zu den Seiteneinsteigern, mit denen die großen Lücken im Personalbestand der Lehrer aufgefüllt werden sollen. Er habe gute Erfahrungen damit gemacht. Allerdings sei der Topf nicht unerschöpflich: «Die Befähigung der Seiteneinsteiger nimmt langsam ab.» Die ersten seien wirklich toll gewesen, der zweite Jahrgang schon durchwachsen. Es sei ein Fehler anzunehmen, «Lehrer kann jeder».

Der scheidende Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hatte Haubitz am Morgen in der CDU-Fraktion vorgestellt und ihn als «Mann der Erfahrung und der Tat» bezeichnet. Er bringe hohe Glaubwürdigkeit und langjährigen Praxisbezug als Lehrer und Schulleiter mit. Haubitz erklärte, er habe von dem am Vortag angekündigten Rücktritt Tillichs aus den Medien erfahren. «Hut ab, da hat jemand Charakter gezeigt», sagte der neue Minister.

Die Amtsübergabe im Kultusressort soll am kommenden Montag erfolgen. Bei den Linken stieß die Personalie Haubitz auf Kritik. Mit ihm zementiere die CDU das gegliederte Schulwesen, seine bildungspolitische Ansichten sind ausgesprochen konservativ, erklärte die Abgeordnete Cornelia Falken. Der Landesschülerrat bewertete es als positiv, dass die Wahl auf einen Fachmann fiel. (dpa)

Frank Haubitz: Schulleiter - Verbandspräsident - Kultusminister

Eines stand schon vor seiner Ernennung fest: Auf Sachsens neuen Kultusminister Frank Haubitz (59) wartet ein ganzer Berg an Arbeit. Lehrermangel, Unterrichtsausfall, Investitionsbedarf in sächsische Schulen – der neue Ressortchef hat alle Hände voll zu tun und ist nicht zu beneiden. Dass der Parteilose als Fachmann mit Insider-Kenntnissen ins Amt kommt, dürfte hilfreich sein. Haubitz arbeitete bis dato als Schulleiter an einem Dresdner Gymnasium und führte zudem den sächsischen Philologenverband.

Haubitz sei der richtige Mann, um das «sehr gute Bildungssystem in Sachsen» gemeinsam mit den Lehrer auf Erfolgskurs zu halten, lobte der scheidende Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) seinen neuen Kultusminister.«Bei ihm sind die frühkindliche Bildung und die sächsischen Schulen in den besten Händen.»

Von Haus aus ist Haubitz ein ausgebildeter Diplomlehrer für Mathematik und Geografie und arbeitet seit 34 Jahren als Lehrer. Nach seinem Pädagogikstudium an der Pädagogischen Hochschule Dresden unterrichtete er zu DDR-Zeiten an einer Polytechnischen Oberschule in Dresden und leitete diese nach der Wende noch bis 1993. Seitdem war er als Schulleiter des Gymnasiums Dresden-Klotzsche tätig. Haubitz ist verheiratet und hat ein Kind. (dpa)

4 Kommentare

  1. Noch besser wäre es, wenn nur noch solche Leute Schulminister würden, die keiner Partei angehören. Es ist unerträglich, dass das Schulsystem zum Zankapfel von politischen Parteien wurde und dass jeder Regierungswechsel eine Schulreform nach sich zieht. Parteipolitik gehört nicht in die Schule. Stattdessen sollten dort nur Fachleute entscheiden. Die dürfen sich auch mal uneinig sein, aber eine Steuerung durch Fraktionsvorsitzende oder ähnliche Leute ist nur schädlich für die Kinder, die Lehrer und die Eltern.
    Speziell die Linkspartei soll ruhig sein: Eine Schulpolitik a la Margot Honecker war kein Erfolgsmodell. In der DDR durften nur ca. 10 % eines Jahrgangs Abitur machen. Da ist es zynisch ständig zu wiederholen, dass das nach einer 12-jährigen Schulzeit kein Problem war. Es wäre auch heutzutage kein Problem, aber mit einer Abiturquote von 50 % ist es eben ein Problem.

    • 30% Abiturquote reicht auch, diese dann aber auf einem anständigen Niveau. Es gibt nich Kantone in der Schweiz, denen 20% Abiturquote zu hoch ist, denen sind 10% lieber.

      Wirklich unabhängige Bildung werden Sie nie hinbekommen, weil dieses Ministerium ja von der aktuell regierenden Koalition wie auch immer besetzt wird. Wie soll man eigentlich entscheiden, was “richtig” ist? Im Übrigen ist der Minister nur der Mensch, der die Bildungspolitik nach Außen vertritt und verantwortet. Sachverstand braucht der nicht unbedingt oder glauben Sie, dass Uschi vdL auch nur einen Funken Ahnung vom Militär oder wie vorher von Arbeit/Soziales hatte? Als Familienministerin taugte sie, weil sie viele Kinder hat. Ihr höchster Bildungsabschluss ist “Master of Public Health”, was sich gemäß wikipedia als fachlich reduzierte Variante der Gesundheitswissenschaften/Medizin herausstellt.

      Generell sollte der Föderalismus sehr stark reduziert werden und gleichzeitig nicht nach jedem Regierungswechsel eine komplette Umorientierung stattfinden.

      • Und wer finanziert dann Ihre Pension, wenn nicht genügend akademisch gebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen, um den Bedarf der Wirtschaft zu decken?

        Bayern z. B. “importiert” jährlich rund 4000 Nachwuchs-Akademiker aus anderen Bundesländern oder dem Ausland, um den Fachkräftebedarf der eigenen Wirtschaft zu decken – das sind dann die jungen Leute, die angeblich das Abitur nicht verdient haben.

  2. ZITAT: “… langjährigen Praxisbezug als Lehrer und Schulleiter …”

    Das ist ja schon mal gut.

    Ansonsten, naja, auch Lehrer sind nicht alle einer Meinung.

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