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Schulpsychologen erhalten Beratungszentrum (sind aber weiterhin im Schnitt für rund 7.000 Schüler zuständig)

WIESBADEN. In Hessen kommt derzeit auf 7227 Schüler ein Psychologe. Diese sollen jetzt wie in Baden-Württemberg weitere Unterstützung durch ein landesweites Zentrum erhalten. Das soll auch bei der Integration von geflüchteten Kindern an den Schulen helfen.

Renitente Schüler, ein Suizidfall in der Klasse oder schwer traumatisierte Flüchtlingskinder: Die Aufgaben von Schulpsychologen in Hessen werden immer vielfältiger. Das Land hat deren Zahl in den vergangenen Jahren auf 106 erhöht. Im kommenden Jahr kommen acht weitere Stellen hinzu.

Jetzt hat Hessen zusätzlich an der Frankfurter Goethe-Universität ein «Kompetenzzentrum Schulpsychologie Hessen» (KSH) eingerichtet. Bisher gibt es eine solche Stelle bundesweit nur an der Uni Tübingen in Baden-Württemberg, das nach dem Amoklauf von Winnenden vor acht Jahren neue Wege gegangen ist.

Wann, wenn nicht jetzt? Gebt Lehrern endlich die Unterstützung, die sie brauchen!

In Kooperation mit der Frankfurter Uni soll das Zentrum die Schulpsychologen nicht nur unterstützen, sondern auch ihre Arbeit kritisch begleiten. ««Psychologen sind keine Einzelkämpfer vor Ort», sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Frankfurt bei der Vorstellung des KSH.

Hessens Schulpsychologen sind den 15 staatlichen Schulämtern zugeordnet. Sie werden im Konfliktfall in der Regel von Lehrern oder Eltern angefordert. Größere Krisenfälle an Schulen werden schon jetzt zentral über das Ministerium gesteuert. Das KSH soll jetzt vor allem die Arbeit der Schulpsychologen und deren Maßnahmen bei der Prävention und beim Eingreifen in einer Krise genauer unter die Lupe nehmen.

In Frankfurt ist das Zentrum mit seinen derzeit dreieinhalb Stellen an die Abteilung Pädagogische Psychologie der Uni angebunden. Damit soll der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis verbessert werden. In Frankfurt gibt es derzeit außerdem rund 7000 Studierende, die Lehrer werden wollen. Psychologische Themen sind in deren Ausbildung inzwischen viel wichtiger geworden, sagte Uni-Präsidentin Birgitta Wolff. «Schulpsychologen sind dann gefragt, wenn es besonders heftig wird.»

Allerdings geht es schon lange nicht mehr nur allein um verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche an den Schulen. Ein Schwerpunkt für die Arbeit der Schulpsychologen sind die neuen «Seiteneinsteiger» geworden: Es geht um Flüchtlingskinder, die möglicherweise traumatisiert sind und die deutsche Sprache noch nicht können. Künftig soll am neuen Frankfurter Zentrum das Thema «Migration und Beratung» von Geflüchteten zentral gesteuert werden.

Auch das Lehrer wie Eltern oft überfordernde Thema Inklusion hat die Schulpsychologen erreicht. Diese arbeiten dabei mit den Sonderpädagogen in den Klassen zusammen, wie Stephan Jeck sagt, der im Kultusministerium das neue Frankfurter KSH begleitet.

Bei der Inklusion werden die Schulpsychologen künftig auch von Sozialpädagogen unterstützt. Im Doppelhaushalt 2018/19 hat dafür die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden 700 neue Stellen angekündigt. Die ersten 400 sollen zum 1. Februar kommenden Jahres an den Grundschulen eingerichtet werden. Hinzu kommt noch die klassische Sozialarbeit an den Schulen, für die weiterhin die Kommunen zuständig sind.

Schulpsychologen können aber auch dann gefragt sein, wenn der eigentliche Anlass weit weg ist, wie Jeck berichtet. So wurde jüngst eine Klasse aus Wiesbaden bei einem London-Aufenthalt Augenzeuge eines Terroranschlags. Die Schüler wurden sofort zurückgebracht – und dann von Psychologen betreut. Von Thomas Maier, dpa

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