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Zu wenige Hallen und Lehrer: Sportunterricht fällt oft aus (vor allem an Grundschulen)

WIESBADEN. Bewegung auf dem Hof statt Bocksprünge in der Halle: Sportstunden an Schulen finden oft nicht wie vorgeschrieben statt, in Hessen jedenfalls. Die dortige Opposition wirft der schwarz-grünen Landesregierung Versagen vor und fordert, die «unhaltbaren Zustände» zu ändern.

Sport fördert Eigenschaften, die auch auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle spielen. Foto: Jim Larrison / flickr (CC BY 2.0)

Sport kommt als Fach offenbar zunehmend unter die Räder. Foto: Jim Larrison / flickr (CC BY 2.0)

An hessischen Schulen fällt immer wieder der Sportunterricht aus. Grund seien fehlende Sporthallen und Probleme mit der Organisation, sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Stefan Löwer, am Mittwoch in Wiesbaden. Zuvor hatte hessenschau.de berichtet, jede vierte Stunde sei betroffen. Insbesondere Grundschulen seien betroffen. Ein internes Dokument des Kultusministeriums zeige, dass im Schuljahr 2015/2016 von 22.700 vorgesehenen Sportstunden 5700 nicht stattgefunden hätten.

Ministeriumssprecher Löwer bezweifelte dieses Ausmaß. Als Quelle werde die Lehrer- und Schülerdatenbank herangezogen und es sei denkbar, dass dort fehlerhafte Einträge vorhanden seien. Zu den Ursachen sagte der Sprecher, es mache beispielsweise wenig Sinn, wenn Schüler 15 Minuten im Bus säßen, um in eine entfernte Halle zu einer Stunde Schulsport zu fahren. Das wüssten auch die Schulen, weswegen besonders die dritte Stunde Schulsport von den Ausfällen betroffen sei. Sie ist bis zum achten Schuljahr Pflicht in Hessen. «Die Schulen könnten die dritte Stunde Schulsport auch alle zwei Wochen als Doppelstunde anbieten», regte der Sprecher an.

“Lehrermangel nicht das Hauptproblem”

Lehrermangel ist nach Einschätzung von Löwer nicht der Hauptgrund für den Ausfall. «Von uns bekommen die Schulen die entsprechenden Lehrer zugewiesen», stellte er klar und fügte an: «Lehrermangel mag das ein oder andere Mal der Grund sein, ist in der Regel aber nicht das Hauptproblem.».

Wolfgang Greilich, schulpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im hessischen Landtag, forderte die schwarz-grüne Landesregierung auf, sofort zu reagieren, um gemeinsam mit den Schulträgern die «unhaltbaren Zustände» zu ändern. «Kaum ein Tag vergeht, an dem das hessische Kultusministerium nicht zugeben muss, dass wieder einmal nicht ausreichend Lehrkräfte vorhanden sind», erklärte Greilich.

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Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, warf Kultusminister Alexander Lorz (CDU) vor, die Unwahrheit zu sagen. «Mit den Zahlen aus dem internen Papier des Kultusministeriums bricht die Behauptung von Kultusminister Lorz, dass die Grundunterrichtsversorgung im Schulsport garantiert ist, wie ein Kartenhaus in sich zusammen», erklärte Rudolph. Die Situation des Schulsports sei deutlich schlimmer, als Schwarz-Grün dies bisher dargestellt habe.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Gabi Faulhaber, bezeichnete es als «absurd» dass die CDU-Fraktion im Landtag immer wieder «das Märchen verbreite, hessischen Schulen gehe es so gut wie nie». Für die seit Jahren bestehenden Missstände sei neben der Landesregierung auch die FDP verantwortlich, die in der Vorgängerregierung die Kultusministerin gestellt habe.

Der Landessportbund warf den Schulen vor, den Schulsport oft stiefmütterlich zu behandeln und die dritte Pflichtstunde zur Bewegungsstunde auf dem Schulhof umzuwandeln. Das sei jedoch nicht der Sinn des Sportunterrichts.

Verbandspräsident Rolf Müller bekräftigte bei einer landesweiten Tagung von Schulsportkoordinatoren in Frankfurt das Ziel, an möglichst vielen Grundschulen eine tägliche Sportstunde einzuführen. Schüler, die täglich eine Stunde Sport hätten, seien konzentrierter, hätten ein besseres Sozialverhalten und lernten effizienter. Seit Beginn des Schuljahres hätten vier Schulen im Land eine solche tägliche Sportstunde eingeführt.

Maike Wiedwald von der Sportkommission der Lehrergewerkschaft GEW sagte hessenschau.de, aufgrund fehlender Kapazitäten müssten sich Schulen eine Sporthalle teilen. Aufgrund des Lärms innerhalb der Hallen sei Sportunterricht dort aber nur schwer möglich, weswegen auch der Lärmschutz ein wichtiges Thema sei. dpa

 

2 Kommentare

  1. Na ja, für die Bereitstellung von SPortstätten ist der Schulträger zuständig. Der muss eigentlich eine entsprechende Sportstättenplanung vorhalten, was allerdings so gut wie niemand tut.
    ALlerdings kommt hier ein Aufsichtsversagen des Landes hinzu. Das Land Hessen überwacht über die Regierungspräsidien, ob die Schulträger ihren gesetzlichen Pflichten nachkommen und eine entsprechende Planung vornehmen. Es hätte also schon lange Rückmeldungen des Landes an die Schulträger geben müssen, dass die Planungen bitte bedarfsgerecht vorgenommen werden sollten.
    Passiert aber auch nicht.
    Insofern sind diesbezüpgliche Äußerungen des HKM eigentlich was für den Papierkorb. Was das Land zu regeln hat wird stillschweigend auf die EInzelschulen abgewälzt. Lächerlich

    • Auch nichts Neues und in anderen Bundesländern nicht anders.

      Dasselbe gilt doch für Differenzierungsräume, die im Rahmen “einer Schule für alle” notwendig sind und von den entsprechenden Richtlinien auch ausgewiesen werden. Die werden von den Kommunen ebenfalls nicht zur Verfügung gestellt.

      NRW hat bereits zu Rüttgers-Club-Zeiten im Zuge das Schulbauprogramm ersatzlos gestrichen. Aus diesem Grunde wurde Rot-Grün per OVG-Bescheid aufgefordert das Ersatzschulbauprogramm für staatliche Schulen anzuwenden, es gibt sonst keine Verwaltungsrichtlinien, die den ordnungsgemäßen baulichen Zustand (Größe, Anzahl Räume etc.) vorgeben.

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