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Ausbildungsmarkt: Warum viele Unternehmen keine geeigneten Bewerber finden (sie sind zum Teil selbst schuld – sagt ein Experte)

DÜSSELDORF. Immer mehr Unternehmen klagen darüber, dass sie zwar Ausbildungsplätze anbieten, aber nicht genügend geeignete Bewerber finden. Geburtenschwache Jahrgänge und eine zunehmende Neigung zum Studium verringern die Nachfrage – Betriebe und Kammern meinen allerdings auch, dass zu viele Jugendliche schlicht nicht ausbildungsreif seien. Allerdings: Suchen die Unternehmen überhaupt anhand der richtigen Kriterien? Ein Experte meldet daran jetzt Zweifel an.

Stellen sich die Unternehmen richtig auf den potenziellen Berufsnachwuchs ein? Zweifel sind erlaubt. Foto: Shutterstock

Stellen sich die Unternehmen richtig auf den potenziellen Berufsnachwuchs ein? Zweifel sind erlaubt. Foto: Shutterstock

Viele Unternehmen betrieben ein unsystematisches „Recruiting“ – also eine noch nicht auf die Situation abgestimmte Suche nach Berufsnachwuchs. Das meint einer, der es wissen muss: Dr. Daniel Mühlbauer, Experte für datengestütztes Personalmanagement und Managing Director der functionHR GmbH. Mühlbauer trägt seine Thesen auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress vor, der in der übernächsten Woche in Düsseldorf stattfindet. Titel seines Referates: „Was suchen Sie wirklich? – Ihr Recruiting auf dem Prüfstand“.

Mühlbauer spricht von einem „Matching-Problem“, also der Suche nach der optimalen Passung zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt. Den Schülerinnen und Schülern fehlten vielfach Informationen über die Möglichkeiten und Inhalte der Dualen Ausbildung, viele Unternehmen wiederum „wissen gar nicht, wo sie die für sie interessanten jungen Leute erreichen können“.

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Mehr noch: Vielen Verantwortlichen in den Unternehmen sei gar nicht bewusst, nach welchen Kriterien sie überhaupt suchen sollen. Was macht für sie einen geeigneten Bewerber aus? „Wenn ich dazu herumfrage, bekomme ich oft dieselben idealtypischen Antworten: Gute Noten, soziale Kompetenz, ordentliches Erscheinungsbild“, sagt Mühlbauer. Wenn Unternehmen aber systematisch ihren Erfahrungsschatz nutzen – heißt: möglichst datenbasiert die Eigenschaften herausfiltern, die erfolgreiche Absolventen in der Vergangenheit aufwiesen –, dann ergeben sich unter Umständen andere Wesensmerkmale, nach denen gesucht werden sollte. „Dann reichen vielleicht gute Noten in bestimmten Bereichen, die für mein Unternehmen ausschlaggebend sind.“

Gleichzeitig sollten die Betriebe dorthin gehen, wo sie für Ausbildungsplätze geeignete Bewerber tatsächlich finden – in die Schulen nämlich. Auch hier könne die Analyse früherer Erfahrungen helfen: Kamen erfolgreiche Absolventen von bestimmten Schulen? Diese böten sich für Partnerschaften an. Tatsächlich seien viele Lehrkräfte offen für Unterstützung, ob es dabei um Angebote für Schülerpraktika gehe, oder um Informationen zur Wirtschaft aus erster Hand.

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Wichtig sei dabei: Schulen und Schüler nicht mit Werbebotschaften zu verschrecken. Gefragt seien seriöse Informationen, realistische Berichte von der Ausbildung und den Ansprüchen des Betriebes. „Der Unternehmens-Rap ist dahingehend wenig aussagekräftig“, meint Mühlbauer und betont: „Geeignete junge Leute werden sich dort bewerben, wo sie ein klares Bild vom Job vermittelt bekommen und Dinge erfahren, die sie wirklich interessieren: Wie sieht die Ausbildung konkret aus? Was lernen sie? Welche Erwartungen hat der Ausbildungsbetrieb? Welche Unterstützung bekommen sie? Können sie sich einbringen? Bekommen sie vielleicht auch schon Verantwortung übertragen?“ „Realistic Job Preview“, so nennt das der promovierte Wirtschaftswissenschaftler.

Es könne zwar sein, dass sich darauf in der Summe weniger Bewerber melden als auf eine schrill-bunte Social-Media-Kampagne – aber die Erfolgsaussichten, einen wirklich geeigneten Kandidaten zu finden, steigen. Um es mit Mühlbauer in der Expertensprache auszudrücken: „Die Passung stimmt.“ N4t

 

Hintergrund: Deutscher Ausbildungsleiterkongress

Dr. Daniel Mühlbauer referiert am 22. November, 10.45 bis 12 Uhr, auf dem Deutschen Ausbildungsleiterkongress (DALK). Der DALK ist die größte Plattform rund um das Thema Duale Ausbildung: Experten aus unterschiedlichen Bereichen diskutieren in Düsseldorf beim DALK am 21. und 22. November 2017 mit rund 2.000 Personal- und Ausbildungsverantwortlichen sowie Berufsschulleitungen aus ganz Deutschland über eine der entscheidenden Zukunftsfragen für die deutsche Wirtschaft. Im Vordergrund steht der Austausch von Ideen, wie die Duale Ausbildung von morgen gestaltet werden kann.

4 Kommentare

  1. Betriebe können aufgrund des Werbeverbots kaum an die Schulen gehen. Für mich ließt sich der Artikel wie ein Aufruf an die Betriebe, ihre eigenen Ansprüche gefälligst zu senken, weil es keine besseren Absolventen gibt oder die aufgrund eines viel zu einfach gewordenen Abiturs an die Hochschulen gehen.

    Man google mal nach den aktuellen Auszubildenden an der Polizeiakademie Berlin. Der linksgrüne-pc-gender-queer-Soziologen-Clique dürfte aber kaum gefallen, was da insbesondere die Auszubildenden aus dem türkisch-arabischen Raum so veranstalten.

    • Ein Berufsorientierungstag kombinerit mit einem Tag der offenen Tür an einer örtlichen Berufsschule, wäre eine Möglichkeit das Duale System und die Betriebe vorzustellen. Ausbilder und Lehrer können dann problemlos die Fragen der möglichen Azubis/Schüler beantworten.

      Das andere sind die vorhandene oder nicht vorhandene Erziehung unserer lieben Kleinen: Jungen zu Machos, Mädchen zu Prinzessinnen. Realität trifft auf Wünsche. Nur noch wenige Schüler haben Erziehung genossen, insbesondere in den Großstädten ist das ein Problem.

      • Diverse Schulen fahren mit ihren 9. und / oder 10. Klassen auch zur Arbeitsagentur bzw. zum Berufsinformationszentrum zwecks Berufsorientierung.

        • Das ist eine Möglichkeit, die ich selbst gemacht habe. Eine weitere sind Berufsbildungsmessen, die finden inzwischen in fast jeder Stadt statt und man kann sich dort nicht nur mit den Ausbildern sondern auch den Azubis unterhalten. Sehr kurze Einblicke zum Reinschnuppern gibt es auch.

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