Startseite ::: Nachrichten ::: Geschwisterforschung: Die „ewigen Zweiten“ (und Dritten) haben schlechtere Noten und studieren weniger lukrative Fächer

Geschwisterforschung: Die „ewigen Zweiten“ (und Dritten) haben schlechtere Noten und studieren weniger lukrative Fächer

ROSTOCK. Ob im Unterricht ein erst-, zweit- oder drittgeborenes Kind sitzt hat zweifellos einen gewissen Einfluss auf die Lehrer-Schüler-Beziehung, besonders wenn auch die anderen Geschwister bereits die gleiche Schule besuchen. Doch als struktureller Einflusssfaktor auf die schulischen Leistungen ist die Geschwisterrangfolge bislang wenig erforscht. Bekannt ist, dass Erstgeborene bessere Noten nach Hause bringen. Dass sie meist auch angesehenere Studienfächer wählen, haben Rostocker Forscher jetzt in einer Studie belegt. Doch die Schuld scheint in der Familie zu liegen.

Zuerst geborene Kinder wählen für ihr Studium häufiger angesehenere Fächer wie Medizin oder Ingenieurwesen als ihre später geborenen Geschwister, die öfter Kunst, Journalismus oder Lehramt studieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Bevölkerungsforscher Kieron Barclay und Mikko Myrskylä vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) an schwedischen Familien.

Der Erstgeborenen-Vorteil perpetuiert sich ein Leben lang, legen zumindest die Ergebnisse der Rostocker Demografen nah. Foto: Tyrone Adams / flickr (CC BY-SA 2.0).

Der Erstgeborenen-Vorteil perpetuiert sich ein Leben lang, legen zumindest die Ergebnisse der Rostocker Demografen nah. Foto: Tyrone Adams / flickr (CC BY-SA 2.0).

Aus früheren Studien anderer Forscher war bereits bekannt, dass nachfolgende Geschwister eine schlechtere Ausbildung bekommen und langfristig weniger Geld verdienen als zuerst geborene Kinder. Die neue Veröffentlichung belegt nun erstmals Unterschiede in den Vorlieben für bestimmte Studienfächer. Die Wahl des Fachs mache fast die Hälfte der langfristigen Einkommensunterschiede unter den Geschwistern aus, so die Forscher.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Eltern mehr in ihre zuerst geborenen Kinder investieren als in die folgenden“, sagt Demograf Barclay. „Dies scheint Unterschiede in den Fähigkeiten und Ambitionen der Kinder sogar innerhalb der Familie zu bewirken.“

Dabei unterscheide sich nicht lediglich das erste Kind von allen darauffolgenden, sagt Barclay. Vielmehr nähmen die Verschiedenartigkeiten mit dem Rang in der Geburtenreihenfolge zu: „Zum Beispiel ist relativ gesehen die Wahrscheinlichkeit für ein zweites Kind, Medizin zu studieren, um 27 Prozent kleiner als für das erste Kind. Und der Unterschied zwischen dem ersten und dem dritten Kind beträgt sogar 54 Prozent.“

Ebenso fanden die Forscher heraus, dass die Wahrscheinlichkeit zweiter Kinder, Kunst zu studieren, 27 Prozent höher ist als die des ersten Kindes, während der Unterschied zwischen dem als drittes geborenen Kind und dem ältesten Geschwister schon 36 Prozent beträgt. (Siehe Grafik für weitere Studienfächer bis zum vierten Kind.)

„Dass die Geschwister unterschiedliche Fächer wählen, liegt nicht einfach nur daran, dass erste Kinder bessere Noten in der Schule haben“, so Barclay. Auch als die Wissenschaftler den Einfluss der Schulnoten herausrechneten, blieben die unterschiedlichen Neigungen bei der Studienfachwahl unter den Geschwistern bestehen. Die häusliche Umgebung scheine die Einstellungen und Vorlieben der Kinder jenseits der schulischen Begabung zu prägen.

Warum die Vorlieben der Geschwister so verschieden sind, wenn es um das Studienfach geht, haben die Rostocker Forscher in ihrer Studie nicht untersucht. Eine entscheidende Rolle scheint allerdings die Fürsorge der Eltern zu spielen. „Zuerst Geborene profitieren exklusiv von der vollen Aufmerksamkeit der Eltern, so lange sie noch das einzige Kind sind“, sagt MPIDR-Direktor Mikko Myrskylä. „Das gibt ihnen schon früh einen Vorsprung.“

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Daten aus schwedischen Verwaltungsregistern. Sie bezogen alle Familien mit ein, in denen sich mindestens zwei Geschwister für ein Fach an einer Hochschule eingeschrieben hatten. Insgesamt untersuchte die Studie 146.000 Studenten, die zwischen 1982 und 1990 geboren wurden und sich zwischen 2001 und 2012 an einer Hochschule eingeschrieben hatten. (zab, pm)

Geschwister in Brandenburg nicht mehr bevorzugt

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*