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Rückkehr zu G8: Bloß nichts überstürzen – dann aber konsequent, meinen GEW und VBE

DÜSSELDORF. „Wir fordern die Landesregierung auf, vom Zeitplan nicht abzuweichen. Eine überstürzte Rolle rückwärts schadet und hilft weder den Eltern noch der Schülerschaft“, so erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Die Wiedereinführung von G9 benötige ausreichend Zeit.  Die GEW stößt in dasselbe Horn: Sie verlangt eine gute inhaltliche und organisatorische Vorbereitung bei der Neugestaltung der Sekundarstufe I an den Gymnasien in NRW. Der Anlass: Die AfD hat im Landtag den Antrag gestellt, die für das Schuljahr 2019/2020 geplante Umstellung bereits zum kommenden Schuljahr zu vollziehen.

Wenn schon wenden - dann bitte konsequent, meinen GEW und VBE. Foto: eFile989 / flickr (CC BY-SA 2.0)

Wenn schon wenden – dann bitte konsequent, meinen GEW und VBE. Foto: eFile989 / flickr (CC BY-SA 2.0)

„Die Fehler, die bei der Einführung von G8 gemachten wurden, sollten sich nicht wiederholen. Es gibt zu viele offene Fragen, wie etwa verbindliche Aussagen über den Verbleib von Gymnasien im G8 durch die geplante Wahlmöglichkeit. Das Turboabitur sollte aus unserer Sicht konsequent abgeschafft werden“, meint Beckmann. In einer gemeinsamen Erklärung mit der Landeselternkonferenz und der GEW fordert der VBE eine verbindliche Wiedereinführung von G9 für alle Gymnasien. „Für Eltern ist es unbefriedigend, wenn sie bei der Auswahl der möglichen Schule für ihre Kinder nicht wissen, ob die Schule zu G9 zurückkehrt oder bei G8 bleibt. Hier muss dringend Klarheit geschaffen werden. Wir fordern zudem, dass die Umsetzung von G9 eine Durchlässigkeit für alle Schülerinnen und Schüler vereinfacht. Um das zu gewährleisten, sollte die zweite Fremdsprache in der siebten Klasse beginnen. Für Gymnasien darf es keine Ausnahme für die zentrale Prüfung in der zehnten Klasse geben, sonst haben wir wieder eine Ungleichheit im System“, erklärt Beckmann.

„Das Chaos, das bei der Umstellung auf den Bildungsgang G8 in den Gymnasien entstanden ist und Schülerinnen und Schüler wie Lehrkräfte in hohem Maße belastet hat, darf sich auf keinen Fall wiederholen“, mahnt auch die Landesvorsitzende der GEW, Dorothea Schäfer. Sie unterstrich die Grundsatzposition der Gewerkschaft: „Wir sind uns nach wie vor sicher, dass eine einheitliche Regelung für alle Gymnasien die bessere Lösung wäre anstelle einer Leitentscheidung G9 und eines Optionsmodells G8. Davon waren übrigens alle am Runden Tisch Beteiligten noch vor einem Jahr überzeugt.“

AfD macht Druck: Zurück zu G9 schon im nächsten Schuljahr – GEW-Chefin Schäfer warnt vor neuem Chaos an den Gymnasien

Die Landesvorsitzende hielt den Rückgriff auf alte Lehrpläne und Schulbücher, wie von der AfD vorgeschlagen, für nicht sinnvoll beziehungsweise nicht möglich und plädierte stattdessen dafür, „vorab Mustercurricula zu entwickeln, um die von den Schulen zu leistende Arbeit zu minimieren“. Nicht alles müsse neu erfunden werden, es habe in den letzten Jahren eine Reihe von positiven Entwicklungen an den Gymnasien gegeben. Schäfer: „Vertiefungs- und Ergänzungsstunden zur individuellen Förderung haben sich genauso bewährt wie der gebundene Ganztag. Sie stehen im Rahmen der sechsjährigen Sekundarstufe I nicht zur Diskussion und sollten beibehalten oder ausgeweitet werden.“

Entscheidend sei hingegen die Korrektur einer zentralen Regelung im Bildungsgang G8: „Die Verlagerung des Beginns der zweiten Fremdsprache von Klasse 7 auf Klasse 6 muss rückgängig gemacht werden“, forderte die Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Bildungsgewerkschaft. Sie sei für das Scheitern vieler Schülerinnen und Schüler verantwortlich. Als kurzfristig zu realisierenden Vorschlag brachte Schäfer in die Debatte ein, „dass Schülerinnen und Schüler, die das wollen, in einer flexiblen Sekundarstufe II weiterhin das Abitur nach acht Schuljahren absolvieren können.“

Mittel- und langfristig wünscht sich die GEW mehr Mut zu Reformen und fordert eine Rückbesinnung auf die Ideen der reformierten Oberstufe. Ziel sei die Gleichwertigkeit der Fächer und echte Wahlmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler. Schäfer: „Ein ‚Abitur im eigenen Takt‘ sollte es geben. Dafür sind in einem ersten Schritt die Einschränkungen der Wahlmöglichkeiten, die durch G8 in der Sekundarstufe II entstanden sind, rückgängig zu machen.“ N4t

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