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Ulrich Silberbach gewinnt Kampfabstimmung um Vorsitz des Beamtenbunds

BERIN. Der Beamtenbund wählt den obersten Vertreter der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst. Der Neue kündigt geschlossenes Auftreten gegenüber der Politik an.

Der neue dbb-Vorsitzende: Ulrich Silberbach. Foto: dbb

Bei einer Kampfabstimmung um den Vorsitz des Beamtenbunds dbb hat sich Ulrich Silberbach klar durchgesetzt. Der 56-Jährige erhielt auf dem dbb-Gewerkschaftstag am Montag in Berlin 330 von 625 abgegebenen Stimmen. Auf einen zweiten Kandidaten, den Chef der Bundespolizeigewerkschaft, Ernst G. Walter, entfielen 290 Stimmen. Der bisherige dbb-Chef Klaus Dauderstädt war nach fünf Jahren an der dbb-Spitze aus Altersgründen nicht mehr angetreten.

Silberbach trat direkt nach der Wahl von seinem bisherigen Amt als Vorsitzender der Gewerkschaft Komba zurück, die kommunal Beschäftigte vertritt. Der dbb Beamtenbund und Tarifunion ist ein Dachverband von Gewerkschaften vorwiegend des öffentlichen Dienstes und hat rund 1,3 Millionen Mitglieder.

Mit Silberbach wählten die Delegierten den im Vergleich zu Walter weniger kämpferisch auftretenden Kandidaten. Der gebürtige Kölner hatte bereits frühzeitig seinen Hut in den Ring geworfen. Walter wurde dem Vernehmen nach danach vom früheren dbb- und Philologen-Chef Peter Heesen zur Gegenkandidatur überzeugt.

In seiner Bewerbungsrede hatte Silberbach eine 37-jährige ehren- und hauptamtliche Gewerkschaftsarbeit ins Feld geführt, in der er gelernt habe, «was Vielfalt, was Auseinandersetzung bedeutet».

Hinter den Kulissen hatte es Diskussionen gegeben zwischen den Beamten, die rund zwei Drittel der dbb-Mitglieder ausmachen und zu denen Walter zählt, und den Angestellten. Silberbach, selbst Angestellter, forderte, der dbb müsse sich machtvoll für beide Gruppen einsetzen. «Wenn wir uns hier spalten lassen (…), ist die Gefahr groß, dass wir wirkungs- und machtlos werden.» Er werde das Beamtentum mit allen Mitteln verteidigen.

Angesichts immer größerer Engpässe etwa bei Lehrern, Polizei und Verwaltungen wolle er unter anderem für eine bessere Personalausstattung eintreten, so der neue dbb-Chef. «Wir wollen von der Politik eine angemessene Bezahlung und eine entsprechende Wertschätzung.» Den Beamtenbund wolle er erneuern, so Silberbach.

Walter hatte mit dem Versprechen, dem dbb neues Gewicht in Politik und Gesellschaft zu verleihen, die Mehrheit nicht überzeugt. «Wem der Status quo ausreicht, der sollte mich besser nicht wählen», sagte der 58-Jährige. «Es nutzt uns nichts, wenn wir mit wohlformulierten Worten im Lokal unser Essen bestellen, aber der Kellner uns nicht hört», meinte er wohl in Anspielung auf den bisherigen dbb-Chef. Dauderstädt legt großen Wert auf eine gewählte Ausdrucksweise. Walter lobte Dauderstädt dafür, die Integration der Angestellten- und Beamten-Bereiche sehr gut gemeistert zu haben.

Dauderstädt rief für angemessene Wertschätzung für den öffentlichen Dienst auf. Der Staatsdienst müsse mit attraktiven Bedingungen funktionsfähig gehalten werden. Er wurde zum dbb-Ehrenvorsitzenden ernannt. Silberbach würdigte ihn als «stil- und wirkungsvoll».

Die Delegierten wählten zudem die weitere dbb-Bundesleitung. Als Vizechefs gewählt wurden Friedhelm Schäfer, für Beamtenpolitik zuständig, und Volker Geyer, zuständig für Tarifpolitik. In weitere Vizeposten wurden gewählt: Jürgen Böhm vom Verband Deutscher Realschullehrer, Thomas Eigenthaler von der Deutschen Steuergewerkschaft, Astrid Hollmann (Mediengewerkschaft), Kirsten Lühmann (Deutsche Polizeigewerkschaft), Maik Wagner (Gewerkschaft der Sozialversicherung) sowie Claus Weselsky (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer). dpa

Ein Kommentar

  1. Bernhard Färber

    Angesichts der Tatsache, dass die drei größten Beamtenbunds-Gewerkschaften Verband Bildung und Erziehung, Kommunalgewerkschaft und Steuergewerkschaft Herrn Silberbach unterstützt haben, wie die Presse schreibt, und Herr Walter sogar ohne die Unterstützung seiner Polizeigewerkschaft (Rainer Wendt) auskommen musste, ist das ein unerwartet knappes Ergebnis. Auch, dass der VBE-Vorsitzende Beckmann den Kampf um den Lehrersitz im Vorstand gegen den Vorsitzenden des deutlich kleineren Realschullehrerverbands verlor, ist eine große Überraschung.

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