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„Wir brauchen strikte Orientierung auf Qualität und auf Leistung“: KMK-Präsidentin macht (einmal mehr) Grundschul-Lehrer zu Sündenböcken

STUTTGART. „Nüchtern betrachtet besteht unzweideutig Handlungsbedarf, und zwar deutschlandweit. Die Leistungen der Viertklässlerinnen und Viertklässler in den zentralen Fächern Deutsch und Mathematik sind nicht flächendeckend so, wie sie sein sollten“ – so schreibt KMK-Präsidentin Susanne Eisenmann in einem Gastbeitrag für die „Rheinische Post“. Einmal mehr macht Baden-Württembergs Kultusministerin darin deutlich, wen sie für die Verantwortlichen für den Absturz im jüngsten IQB-Leistungsvergleich hält: nämlich die (Grundschul-)Lehrerinnen und Lehrer.  Sie will deren Fortbildung verbessern und ihnen die Methode „Schreiben wie Hören“ verbieten – über die zunehmende Belastung des pädagogischen Personals verliert die promovierte Germanistin kein Wort.  

Sorgt für Empörung unter Grundschullehrkräften: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Sorgt für Empörung unter Grundschullehrkräften: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Zunächst einmal macht Eisenmann in ihrem Beitrag deutlich, was sie für nicht ursächlich für den Leistungseinbruch hält: das bestehende Kooperationsverbot in der Bildung, das die Länderhoheit über die Schulen festschreibt und dem Bund bislang Investitionen verbot – trotz bundesweiter Herausforderungen wie der Inklusion oder den vielen Flüchtlingskindern. Dass hier jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht, stört die KMK-Präsidentin keineswegs. Im Gegenteil. „Bezeichnenderweise bietet gerade der Bildungsföderalismus eine Lösungsmöglichkeit für die Probleme, die das IQB im Auftrag der Kultusministerkonferenz festgestellt hat“, so meint Eisenmann (die bereits in mehreren Interviews zuvor die Kompetenz von Lehrkräften öffentlich angezweifelt hatte).

Wieso der Bildungsföderalismus künftig bessere Ergebnisse hervorbringen soll als bisher? Eine Antwort bleibt die Christdemokratin schuldig. Sie verweist lediglich auf die guten Beispiele Hamburg und Schleswig-Holstein, die tatsächlich als einzige Bundesländer positive Entwicklungen vorweisen können – allerdings unter SPD-Verantwortung.

KMK-Präsidentin Eisenmann: Schulen gehen mit zunehmend heterogener Schülerschaft „nicht gut um“

So haben Eisenmanns Rezepte, wie sie den Herausforderungen begegnen will, auch überhaupt nichts mit den Schulreformen zu tun, die die SPD vor allem in Schleswig-Holstein umgesetzt und damit das Land in die Spitzengruppe im Bundesländervergleich gebracht hat (sowohl bei den Viertklässlern wie auch bei den zuvor getesteten Neuntklässlern). Das waren unter anderem:

  • Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems,
  • Programme zur Unterstützung schwächerer Schüler wie „Lesen macht stark – niemanden zurücklassen“,
  • Abbau von Ziffernoten.

„Wir setzen uns dafür ein, die pädagogische Eigenverantwortung der Grundschullehrerinnen und -lehrer weiter zu stärken, und halten nichts davon, dass die Politik didaktische Vorgaben macht, was zum Beispiel das Erlernen des Schreibens angeht“, so heißt es bei der SPD in Schleswig-Holstein, die bis zur (aus ihrer Sicht verlorenen) Wahl im Mai das Bildungsministerium führte.

Die Grundschullehrer sollen schuld sein? Das IQB-Desaster spiegelt vor allem eins: die völlig vermurkste Inklusion!

Genau das aber will Eisenmann nun tun: Sie habe entschieden, so schreibt sie, „der Methode “Schreiben nach Gehör” in Baden-Württemberg die (Klassen-)Tür zu weisen. Wer wäre jemals in Mathematik auf die Idee gekommen, zu behaupten, dass Zählen und Rechnen durch eine willkürliche und lediglich intuitive Aneinanderreihung von Zahlsymbolen erlernt werden könnte? In der Rechtschreibung galt Entsprechendes teilweise. Dies ist nunmehr abgestellt.“ Nochmal langsam: Grundschul-Lehrkräfte in Baden-Württemberg haben ihren Schülern also bislang das Schreiben durch eine „willkürliche und lediglich intuitive Aneinanderreihung“ von Buchstaben beigebracht? Eine bemerkenswerte These.

Überhaupt scheint für Frau Eisenmann das pädagogische Personal in den Grundschulen ihres Landes (und bundesweit?) bisher inkompetent und faul gewesen zu sein – ihre beiden weiteren Rezepte zur Verbesserung der Situation lauten nämlich: mehr Fortbildung und mehr Kontrolle der Lehrkräfte. „Wir werden dazu zum Jahresbeginn 2019 zwei neue Institutionen aus der Taufe heben und die Lehreraus- und -fortbildung ebenso wie ein strategisches Bildungscontrolling ganz neu aufbauen und vom Kopf auf die Füße stellen“, so kündigt sie an.

Wie Politiker die Wut der Eltern auf die Grundschulen anheizen – und damit allen Lehrern schaden

Eisenmanns Fazit: „Kurz gefasst bieten also folgende Elemente einen Ausweg aus der wiederholten Diagnose empirischer Studien zu einer Bildung im Abwärtstrend: strikte Orientierung auf Qualität und auf Leistung, Beratung und Nachprüfbarkeit im pädagogischen Sinne sowie passgenaue und angemessene Kooperationen im bundesstaatlichen Miteinander. Schließlich gehört die Einsicht dazu, dass das nicht auf Knopfdruck geschieht, sondern es bedarf beharrlicher Anstrengungen und eines langen Atems.“

Zu den Tatsachen, dass die Verschlechterung der IQB-Ergebnisse in Baden-Württemberg zeitlich mit einer drastischen Ausweitung der Inklusion zusammenfällt,  dass insbesondere die Grundschulen in Deutschland darüber hinaus unter vielen Flüchtlingskindern mit immensem Förderbedarf einerseits, zunehmendem Lehrermangel andererseits zu tun haben – dazu verliert die KMK-Präsidentin kein einziges Wort. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

Hier geht es zu Eisenmanns Beitrag in der “Rheinischen Post”.

 

VBE kritisiert Baden-Württembergs Schulpolitik

STUTTGART. Wo bleibt die Unterstützung der Grundschulen durch die Politik, fragt der VBE-Landesverband Baden-Württemberg in einer heute erschienenen Pressemitteilung.

Auch im laufenden Schuljahr sei wieder keine einzige Poolstunde für Klassenteilungen oder Klassenlehrerstunden an die Grundschulen gegangen, so moniert VBE-Sprecher Michael Gomolzig. Es fehlten „weiterhin Vertretungslehrkräfte, pädagogisch wertvolle Arbeitsgemeinschaften wie Schulchor und Theater sowie zusätzliche Förderstunden für Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche, mit Problemen beim Rechnen oder mit Aufmerksamkeitsstörungen“. Grundschüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, blieben in der Regel weiterhin ohne alternative Bildungsangebote und Beaufsichtigung. Immer öfter nutzten Eltern auch schon von Grundschülern zusätzlich teure private Nachhilfestunden für ihre Kinder – mangels fehlender schulischer Hilfsangebote.

Hilfe sei von der Politik bisher immer nur versprochen, aber noch nicht so richtig umgesetzt worden (wenn man einmal von der moderaten Zunahme der Ganztagesgrundschulen und der leichten Erhöhung der Stundentafel absehe). Gleichzeitig hätten die Aufgaben der Grundschulen jedoch erheblich zugenommen – ob durch die Inklusion oder die Integration von Flüchtlingskindern. „Leider hängt die Bildung der Grundschüler nach wie vor viel zu sehr vom Geldbeutel der Eltern ab. Hier muss die Politik endlich deutlich gegensteuern“, meint der VBE-Sprecher.

26 Kommentare

  1. Ist doch klar dass die Kuschelpädagogen jetzt aufheulen. Allerdings glaube ich kaum, dass eine Ministerin eine Methode verbieten kann. Die Landesverfassung schreibt von nder “unmittelbaren” Verantwortung der Lehrkraft für die Kinder. Das heißt, die Lehrkraft arbeitet wie in einer Profession.

  2. Ich stimme zu, dass das Problem auch sehr viel mit den Belastungen des Lehrerberufs heutzutage zu tun hat. Dass das in der Öffentlichkeit aber kaum oder gar nicht wahrgenommen wird, liegt ja vielleicht auch daran, dass man immer nur von Forderungen nach höheren Gehältern hört und liest. Mag sein, dass das andere auch hier und da erwähnt wird, aber die Gehaltsdebatte (A 13) überlagert alles.

    Was mir vor allem fehlt, ist Zeit. Ich hetze ständig irgendwelchen Lehrplan- und schulinternen Vorgaben und Protokoliierungspflichten und Dokumentierungspflichten und Konferenzen und Gesprächen usw. hinterher … Es geht enorm viel Zeit verloren, um sich um das alles zu kümmern statt einfach mal Unterricht zu machen und zu üben, zu üben, zu üben ! Und andauernd fällt Unterricht aus wegen Ausflügen, Lesungen, Zahnprophylaxe, Verkehrserziehung, Studientagen, Problemen in der Klasse und natürlich wegen Erkrankungen und wegen all der Störungen, mit denen man uns fast alleine lässt …….

    • Es sind nicht die Grundschullehrer schuld, sondern es sind die Verhältnisse an den Grundschulen schuld !!!

      Das gilt für Fähigkeiten im Lesen, Schreiben, Rechnen.

      Für alle weiterführenden Fähigkeiten gilt jedoch das Gleiche für die weiterführenden Schulen.

  3. Ich bin wirklich verärgert! Ich habe nie die Methode des freien Schreibens zum Schriftspracherwerb eingesetzt. Seit Jahren propagiere ich, dass wir den Kinder mehr abverlangen sollten und ringe um eine ordentliche Rechtschreibung (wie viele meiner Kollegen.
    Aber da ja alle paar Monate eine andere „Sau“ durch die (Grund)schullandschaft gejagt wird (mit den entsprechenden Fortbildungen und Konferenzen) kommen wir gar nicht mehr vernünftig zum Kerngeschäft. Zwischen Frederiktag, Obstpause, Frühstückspause, Streitschlichtung bleibt wenig übrig für das Üben und Festigen. Ganztagsschule würde das auch nur abfedern, wenn die Lehrer das übernehmen und nicht nur AGs oder Hausaufgabenbetreuung durch (kostengünstiges) ungeschultes Personal. Dazu kommt, dass bei all den zu Individualisten erzogenen Kindern eine Klassengröße von 28 Kindern zu groß ist, um die gewünschten Beobachtungen zu machen, geschweige denn zu differenzieren.
    Am meisten ärgert es mich, dass die Kollegen im Gymnasium meinen über unsere Arbeit urteilen zu dürfen. Das spaltet unseren Berufsstand und macht es einfacher uns anzugreifen,
    Mich nervt es auch in diesem Forum, dass immer die gleichen Leute die gleichen Phrasen ablassen, auch wenn sie nicht zum Artikel passen.
    Statt sich der Tragweite der Vorgänge bewusst zu machen (Leute, egal in welcher Schulart, wir und die Kinder und die Eltern werden gelinde gesagt verarscht,) wir hier über die Art des Schriftspracherwerbs diskutiert (ständig!).
    Die Politik spart sich an unserem Schulsystem seit Jahren alles. Inklusion ist nur ein Vorwand zur Schließung von Schulen und damit einhergehend war die Hoffnung der Politik Geld zu sparen (ging wohl daneben). Ob nun in den Gymnasien immer neue Pläne für G8/G9 alt/G9 neu… erstellt werden müssen (die dann nach kurzer Zeit in die Tonne geklopft werden können) oder in der Grundschule ständig neue Bögen zur Schülerbeobachtung, Evaluation sowie Englisch planen und wieder abschaffen von Englisch, Sachunterricht, dann MNK jetzt wieder Sachunterricht usw…. Lamgsam werden wir Müde die ständigen irrwitzigen Ideen der Ministerien umzusetzten.
    Ich möcht mit meinen Schülern in Ruhe Arbeiten, Ausflüge machen, das Landheim besuchen, lachen und ernsthaft Arbeiten ohne diese Extras aus dem Ministerium.
    In diesem Sinne, lasst uns gemeinsam aufstehen und gegen diesen Unsinn protestieren!

    • Ich kann Ihnen gerne Kostproben dieser Methoden zukommen lassen.

    • Grundschullehrer

      @ OlleSchachtel: Sie reden mir aus der Seele! Das einseitige Diskutieren des Schriftspracherwerbs führt hier dazu, dass die (vielen!) anderen Problemfelder aus dem Blick geraten. Man hat fast den Eindruck. dass alles, woran uns Eltern und Lehrer höherer Schulformen messen, die Rechtschreibung und das Vermitteln einer schönen Schulausgangsschrift sind. Auch die Unterstellung, die Grundschule würde den Kindern keine Leistung abfordern, ist absurd! Wir können Leistung abfordern, wie wir wollen, wenn die Kinder alle 4 Jahre weniger konzentriert und lernwillig zu uns kommen. Man sollte das komplexe Zusammenwirken mehrerer Faktoren betrachten: Schule, Lebenswelt der Kinder – also auch Mediennutzung, Elternhaus… a propos Elternhaus: Mich ärgert sehr, dass die Eltern, was ihre Verantwortung für den Bildungserfolg und die Erziehung der Kinder angeht, heutzutage völlig “aus dem Spiel” zu sein scheinen. Sie haben im Vorfeld zur Einschulung auch einen maßgeblichen Einfluss darauf, inwieweit ihre Kinder überhaupt schulfähig sind, wenn sie zu uns kommen. Eine Kollegin hat es mal (zugespitzt) so formuliert: Eltern dürfen alles und müssen nichts.

      • Liebe Olle Schachtel und lieber Grundschullehrer!

        Ich schließe mich Ihnen an und danke Ihnen für die Beiträge. Es ist natürlich sehr kostengünstig, eine Methode als Grund allen Übels anzuprangern und als schnelle und einefache Lösung diese aus dem Verkehr zu ziehen. Schade, dass da jetzt all diejenigen auf den Leim gehen, die Grundschule nicht von innen kennen und jubeln.

        Ändern wird sich so aber gar nix. Die eigentlichen Probleme werden verschleiert.

        • Grundschullehrer

          Sicher ist die Verschleierung der eigentlichen Probleme auch das Ziel. Dann muss man sie nicht benennen, analysieren und lösen. Es ist erschreckend, welch übles Spiel hier von der Bildungspolitik getrieben wird. Ganz nebenbei wird dabei nochmal auf die Grundschullehrer eingetreten.

          • Solche Verschleierung scheint in der Tat das Ziel vieler Äußerungen aus Regierungen/Ministerien usw. zu sein. Wenn man wie oben was von “Orientierung an Leistung” liest, dann denkt man natürlich: das ist richtig. Aber nie wird gefordert, dass auch die Schüler/innen was leisten sollen, sondern die Lehrer/innen sollen mehr leisten, und zwar nach dem Prinzip des Monitorings und der Evaluationen (“Kontrolle der Lehrkräfte”). Noch mehr Bürokratie! Die Bürokraten selbst werden natürlich nie kontrolliert und brauchen auch nichts nachweisbar zu leisten. Das, was man früher mal “Leistungsprinzip in Schulen” nannte, wird aber schrittweise abgeschafft.

      • Gehen Sie mal mit Ihrem Arbeitsvertrag zu einem auf Beamten- und Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt mit der Fragestellung, welche Aufgaben Sie zwingend übernehmen müssen und welche nicht, ggf. gegen welche Sie sogar auf Dienstanweisung remonstrieren können. Das gilt insbesondere für Verwalterei, Inklusion, innere Differenzierung, Elterngespräche, Protokolle, Erziehungsaufgaben usw. Im Zweifel lassen Sie sich das Ganze schriftlich geben und machen reinen Dienst nach Vorschrift. Wenn das gesamte Kollegium und sogar die Schulleitung mitzieht, wird das Dezernat vielleicht hellhörig. Das geht in dem extremen Ausmaß allerdings nur, wenn Sie keine prekär angestellten Vertretungskräfte und keine Referendare an der Schule haben.

  4. Hamburg hat den Anfang gemacht und hatte mit Zurückdrängen des Spracherfahrungsansatzes und LDS bereits Erfolge bei der IQB-Studie.Herr Rabe ist eben selbst Familienvater und hatte Kontakt mit diesen Methoden, und das hat ihn wohl geprägt. Man hat als Politiker eben eine gesellschaftspolitische Verantwortung und solange wir Eltern nicht gegen die Anwendung dieser Methoden erfolgreich klagen dürfen,sind wir auf den Sachverstand von Professoren, wie Frau Römer, Frau Brendel,Frau Schründer-Lenzen,Herrn Utz Maas, Herrn Keller,Herrn Spitzer oder Herrn Güntürkün angewiesen, welche Frau Eisenmann beraten haben.

    • Prof.Dt.Christa Röber,nicht Römer.

    • … und in Schleswig-Holstein ist nichts dergleichen passiert – und das Land liegt plötzlich bei IQB-Vergleich mit an der Spitze. Das zeigt doch, was für eine Phantom-Debatte hier um “Schreiben wie Hören” geführt wird.

      Die Behauptung, Grundschullehrkräfte würden unreflektiert irgendeinen Aberwitz praktzieren, ist einfach bösartig und falsch – auch wenn sie von den immer gleichen Leuten hier im Forum (wie Ihnen Herr von Lintig) – die selbst noch nie unterrichtet haben und die Grundschule bestenfalls aus Elternperspektive kennen (wenn überhaupt, siehe Frau Eisenmann) – wiederholt wird.

      Sie sind doch Arzt, Herr von Lintig. Gibt’s an Ihrem eigenen Berufsstand nichts zu meckern, dass Sie sich hier mehrfach am Tag (!) über die Arbeit von Grundschullehrern auslassen – wie wäre es, wir diskutieren hier mal über die Tausenden von Kunstfehlern, die Ärzten jedes Jahr so passieren. Sind halt alles Idioten, die ihren Beruf nach irgendeiner modernen Methode ausüben, die ihnen die Pharmabranche eingeredet hat – ohne sich ihre Patienten auch nur einmal anzuschauen (um in Ihrem Bild zu bleiben). Kehren Sie doch mal vor der eigenen Tür, Herr von Lintig, statt hier ungefragt und pausenlos Lehrern den Beruf erklären zu wollen. Oder werden Sie selbst Grundschul-Lehrer (Seiteneinsteiger werden ja heutzutage ohne viel Federlesens eingestellt) – unterrichten Sie drei Jahre und lassen Ihre Klasse dann mal VERA überstehen. Und wenn die Ergebnisse besser sind, als der soziale Status Ihrer 30 Schüler erwarten lässt – dann können Sie kompetent mitreden.

      Zu Ihrer Entschuldigung sei allerdings eingeräumt: Politiker wie Frau Eisenmann, die sich auf Kosten der Kollgien profilieren, machen es Eltern wie Ihnen fast unmöglich, respektvoll mit Grundschullehrerinnen und -lehrern umzugehen. Ich bin empört.

      • Sie kommen mit diesen Methoden,wie Frau Spitta sie beschrieben hier im Forum ausbreitete nicht mehr durch. Irgend wann muss dem ganzen Spuk des eigenen Initiativen und forschenden “Lernen” ein Ende gesetzt werden.
        Es ist eben wie in der Mär des Kaisers neue Kleider
        Und wieder arbeiten Sie Anna mit übelsten Unterstellungen gegen Andersdenkende, aber das kennt schon von Ihnen.

        • Herr von Lintig, Sie arbeiten doch hier die ganze Zeit mit übelsten Unterstellungen gegenüber den Grundschullehrern. Ich bedaure alle Kollegen, die Ihre Kinder unterrichten müssen. das macht niemand, der SIE kennt, freiwillig.

          • Nein,ich habe eben genau die von Frau Prof.Dr.Spitta beschriebenen Methoden hier in der Realität kennen gelernt und war geschockt von der Ergebnissen der Viertklässler beim Wechsel auf die weiterführenden Schulen. die

          • Sie unterstellen mir ständig übelste Diffamierung von Grundschullehrer, weil Sie sich mit der Spitta/Brügelmann-Pädagogik anscheinend identifizieren,oder wie ist Ihre Reaktion auf meine Kritik an deren Methoden zu verstehen.
            Man muss nicht alle von den Kultusministeriellen vorgegebenen fachdidaktischen Hinweise übernehmen.

      • Anna
        Haben Sie sich denn jemals hier an einer sachlichen Argumentation zum Spracherfahrungsansatz mit Anlaut-Tabellen im “selbst erforschenden Lernen” gegen linguistische und strukturierte Lernmethoden sachlich beteiligt.Sie scheinen doch zu ahnen,wie sich diese Methoden unterschiedlich auf die Schüler auswirken.

      • Tatsache ist, dass die GEW das “Schreiben nach Gehör” für eine “bewährte Methode” hält, die nicht verboten werden soll:

        https://bildungsklick.de/schule/meldung/schreiben-nach-gehoer-cdu-will-bewaehrte-methode-verbieten/

        Das kann ja nun spannend werden zwischen der GEW und der KMK-Vorsitzenden. Nebenbei: was gehen solche Dinge eigentlich die GEW an, und woher weiß sie das überhaupt? Betreffen konkrete Dinge der inhaltlichen Unterrichtsgestaltung die gewerkschaftliche Vertretung der Lehrer und die Kompetenz einer Gewerkschaft?
        Zum Vergleich: beurteilt die IG Metall auch die verschiedenen Methoden der Stahlherstellung?

        Ich habe hier in der Diskussion nicht wahrgenommen, dass irgendwer den Lehrern vorwirft, “unreflektiert irgendwelchen Aberwitz zu praktizieren”, sondern ich habe wahrgenommen, dass die Lehrer dazu von den übergeordneten Bürokraten teilweise regelrecht angehalten werden. Wie selbständig dürfen Lehrer denn “gegen den Trend” arbeiten, wenn sie Druck von Schulleitung, Schulrat, Ministerium, Evaluationsagentur usw. bekommen? Wie war das mit JüL? Wie ist das mit VerA? Wie verbreitete sich denn das Schreiben nach Gehör? Von unten nach oben oder von oben nach unten?

  5. Ich finde, man müsste sich mal um die Lehrpläne kümmern und diese entschlanken und mal schauen, was überhaupt in die Schule gehört. Thema Zahngesundheit könnten doch die Zahnärzte mal anbieten, überprüft von der Krankenkasse, wer nicht hingeht zahlt 10 Euro mehr an Beitrag.

    Programme für schwächere Kinder setzen in der Schule zu spät an. Lesen müssen die Kinder schon vor der ersten Klasse als etwas Tolles kennengelernt haben. Dann muss man eben mal die Büchereien stärken und dort besondere Programme auf die Beine stellen für eben diese Kinder, die mit dem Kindergarten regelmäßig diese Programme besuchen (wenn es denn mal flächendeckend Büchereien gäbe). Dann brauchen wir uns nicht darüber den Kopf zerbrechen, wie wenig die Grundschullehrer vorlesen neben den diversen anderen Aufgaben (lesen in der Frühstückspause, vorleseabend auf der Klassenfahrt, Schulübernachtung: Thema: Wir lesen; Lesetag, Leseprojekt, Bücherprojekt, Autorenlesung, Welttag des Buches, Tag des Vorlesens, Lesemuttis, Buchstaben backen, Buchstaben gestalten, Lesetraining, Schülerbücherei, Antolin… man könnte ja echt mal mehr machen, so für die schwachen Schüler…).
    Es gibt kostenlose Bücher bei der U-Untersuchung und es gibt Büchergutscheine beim Kiga-Start (in NRW zumindest, aber viel zu selten), aber Eltern müssen danach fragen! Wieso? Welche Eltern fragen wohl danach? Die bildungsfernen Eltern, die noch nie davon gehört haben? wohl kaum.

    Und was mir zunehmend fehlt ist der Blick auf die gesprochene Sprache (vor der Schule): Kinder lernen Sprache, wenn sie etwas erleben und davon berichten wollen. Es gibt für sie keinen Grund Sprache zu lernen nur damit sie in zehn Jahren in der Lernstandserhebung gut abschneiden.
    Wo erleben Kinder etwas? Auf Spielplätzen, im Wald, afu Wiesen und Feldern. In “schlechten” Wohngegenden überlässt man Spielplätze oft dem Verfall, weil sich die Bewohner kaum beschweren. Wiesen werden zu Hundewiesen, Fußballspielen ist verboten und wenn man eine Picknickdecke hinlegt, damit die Kinder Barbie spielen können, gibt es Ärger, weil der Rasen leiden könnte, der nächste Bauernhof ist außerhalb der Stadt. Kinderlärm wird nicht geduldet, Wälder werden für den Durchgang gesperrt, Seen und Flüsse werden trockengelegt für Bauland. Die Konsequenz: Gerade die Kinder aus Hochhaussiedlungen bleiben in der Wohnung vor dem Fernseher oder spielen auf einer geraden, grünen Wiese ohne Igel, ohne Blätterhaufen, ohne Maulwurfshügel und haben am Ende nur einen sehr geringen Wortschatz. Wer nie über einen Maulwurfshügel fällt, braucht dafür auch kein Wort. Dem reicht: “Da ist Gras mit schwarz”.
    Dann heißt es: Liebe Lehrer, ihr unterrichtet falsch, die Kinder können nicht mehr richtig lesen und schreiben. Sie können schon nicht richtig sprechen und zuhören!

    Für Kinder aus gebildeten Familien ist das weniger dramatisch. Deren Eltern finden sich in der näheren Umgebung zurecht und finden ein Waldstück, wo niemand schimpft, wenn die Kinder klettern. Die Eltern kennen Leute mit Garten oder fahren einfach mal einen Tag ans Meer. Die Bildungselite hat ohnehin einen eigenen Garten, pflanzt Rosenkohl und Himbeeren an und benutzt Harke, Rechen und Rasenmäher, um dem Laub und Gras Herr zu werden.

    • Bei uns dürften die Schüler nie als Projekt Blätter sammeln,um diese zu trocknen, nachzuzeichnen und die Bäume kennen zu lernen. Das galt als veraltete Methode. Außerdem wirren auch keine Bohnenpflanzen in mit Wasser getränkter Watte großgezogen, um den Wachstumsprozess in der dritten Klasse zu beschreiben.Das ist womöglich alles von der Schuldministation so gewollt.

  6. Dazu fällt mir wenig ein, für eine Kultusministerin ist sie erschütternd dämlich, denn:
    1. Es ist nicht die Aufgabe einer Ministerin, sich in didaktische Belange einzumischen.
    2. Hier wird eine (sicherlich ungeeignete) Methode, die jedoch kaum zum EInsatz kommt, als Grund für schlechte Leistungen, die in meinen Augen im Wesentlichen die Politik zu vertreten hat, vorgeschoben. Das ist Populismus pur!

  7. Es steht ihnen doch frei, dies in der Fachkonferenz anzumerken, wenn Sie es gern unterrichten würden. Gerade der Lehrplan SU ist doch reichlich weit gefasst. In meinen bisherigen Schulen wurden diese Themen behandelt wenn auch ggf abgewandelt, um auf die Lebenswirklichkeit der Kinder einzugehen.da ich selbst nicht SU unterrichte, kann ich dazu aber nur Beobachtungen teilen. Auch meine Kinder brachten jeweils eine Kiste mit Bohnen nach Hause und mit allerlei Blätterkunst.

  8. Es lohnt sich auf jeden Fall den Artikel in der Rheinischen Post im Internet selber nachzulesen, das der obige Artikel eindeutig reformpädagogisch geprägt ist .Das ist keine objektive Berichterstattung, sondern erinnert mich eher an die Kommentare der DDR über westdeutsche Fernsehberichte., kommt natürlich nicht an Karl Eduard von Schnitzler heran.Was sollte das bewirken?
    Zu finden ist der Gastbeitrag mit Google unter Rheinische Post /Eisenmann

  9. Eisenmann hat sich mit ihrer Position bis auf die Knochen blamiert und eine vollkommene Unwissenheit über die Zustände an den Grundschulen offenbart.

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