Startseite ::: Praxis ::: Wutbrief des VBE: (Grundschul-)Lehrer sind die Sündenböcke der Nation – Schluss mit den “offenen oder subtilen Pauschalangriffen”!

Wutbrief des VBE: (Grundschul-)Lehrer sind die Sündenböcke der Nation – Schluss mit den “offenen oder subtilen Pauschalangriffen”!

STUTTGART. Die jüngste IQB-Studie stellte Grundschülern kein gutes Zeugnis aus. Bundesweit sind die Leistungen von Viertklässlern in Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen  im Schnitt schlechter geworden. Solche Ergebnisse lassen schnell die Frage nach der Qualität des Unterrichts aufkommen (wie sie die amtierende KMK-Präsidentin, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann, unverblümt stellte). Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg ist jetzt der Kragen geplatzt. In einem Wutbrief wehrt er sich gegen “die offenen oder subtilen Pauschalangriffe gegen Lehrer”. Die seien kein Mittel, um bei Pädagogen einen Motivationsschub auszulösen – oder gar die Unterrichtsqualität zu verbessern.

(Grundschul-)Lehrer sind derzeit die Sündenböcke der Nation,, so scheint es. Illustration: Shutterstock

(Grundschul-)Lehrer sind derzeit die Sündenböcke der Nation,, so scheint es. Illustration: Shutterstock

Gleich, ob es sich um das schlechtere Abschneiden der Schüler bei Vergleichstests handele, um die Benachteiligung von Migranten, die Inklusion, die Treffsicherheit der Grundschulempfehlungen oder um das Benehmen von Kindern und Jugendlichen, stets konzentriere sich der Unmut der Öffentlichkeit auf die Pädagogen als die vermeintlichen Verursacher. „So wird auch die beste Lehrkraft auf Dauer demotiviert“, stellt VBE-Sprecher Michael Gomolzig in dem öffentlichen Schreiben fest.

„Ob nun Politiker, Wirtschaftsbosse, Eltern, Kommentatoren in der Presse oder Leserbriefschreiber ihre Wort-Keule auspacken und mit ‚Lust und Tücke‘ zum verbalen Rundumschlag gegen die unsensiblen Lehrer ausholen, immer haben die Pädagogen die schlechteren Karten. Denn wenn sie sich wehren, haben sie sowieso verloren.“ Wähnten sich doch alle Kritiker der Zustimmung breiter Bevölkerungskreise sicher, wenn sie es den „unfähigen Paukern“ so richtig zeigten und erklärten, wie Schule ihrer Meinung nach zu funktionieren habe. Da jeder seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Schule gemacht habe, fühlten sich “Berufene und Unberufene” bemüßigt, als „Experten“ ihre Meinung öffentlich zum Besten zu geben. „Was würden Bäcker, Metzger und Köche dazu sagen, wenn ihnen ständig jemand erklärte, wie sie die Brötchen zu backen, die Wurst zu würzen oder die Spätzle zu schaben haben?“, fragt der nach eigenen Angaben „schon ziemlich resignierte“ VBE-Sprecher.

Die Grundschullehrer sollen schuld sein? Das IQB-Desaster spiegelt vor allem eins: die völlig vermurkste Inklusion!

Lehrer zu schulmeistern, sei hierzulande jedoch „guter Brauch”. Das möge am Stammtisch in Bierlaune verzeihlich sein; in der Öffentlichkeit sollten pauschale Verunglimpfungen jedoch unterbleiben , meint Gomlozig. Denn auf der einen Seite erwarte die Gesellschaft, dass die Schule alle Missstände aufgreift und möglichst rasch beseitigt, auf der anderen Seite traue man das den Lehrern eigentlich gar nicht zu.

Sicher gebe es auch unter Pädagogen schwarze Schafe, räumt der VBE-Sprecher ein. Die Mehrzahl aller Lehrer erledige die vielfältigen täglichen Aufgaben jedoch mit Sachverstand, Engagement und auch nach etlichen Dienstjahren häufig noch mit Freude am Beruf. Das bestätigten Evaluationen an den Schulen.

„Wir brauchen strikte Orientierung auf Qualität und auf Leistung“: KMK-Präsidentin macht (einmal mehr) Grundschul-Lehrer zu Sündenböcken

KMK-Präsidentin Eisenmann (CDU) hatte in mehreren Beiträgen nach Veröffentlichung der IQB-Ergebnisse den Grundschulen indirekt bescheinigt, keine gute Arbeit zu leisten. So erklärte sie gegenüber dem „Spiegel“, die schlechten Ergebnisse lägen in einer zunehmend unterschiedlichen Schülerschaft begründet. Wörtlich sagte sie: „Die Schulen gehen damit nicht optimal um – mit Zugewanderten, mit Förderschülern oder mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen.“  Zuvor hatte sie erklärt, es nütze nichts, nur mehr Geld in die Schulen zu stecken – neue Konzepte müssten her. So ergäben sich aus der IQB-Studie viele Fragen: „Welcher Lehrer unterrichtet wie? Und was? Und mit welchem Erfolg?“ Dabei müsse auch geprüft werden, ob Lehrer bereits in ihrer Ausbildung ausreichend darauf vorbereitet werden, mit Inklusion und heterogenen Gruppen umzugehen. Eisenmann hat angekündigt, in Baden-Württemberg die Lehrerfortbildung zu verbessern und ein besseres „Controlling“ einzuführen. Darüber hinaus werde die Methode „Schreiben wie Hören“ verboten.

Über die Rahmenbedingungen, unter denen Unterricht stattfindet – ob Inklusion, Flüchtlingskinder oder Lehrermangel – hat Eisenmann dagegen bislang nicht ein Wort verloren. N4t

Nach dem Brandbrief der Grundschulleiter nun der öffentliche Hilferuf einer Rektorin: So ist vernünftiger Unterricht nicht mehr möglich!

47 Kommentare

  1. Ich denke, die Leistungen der Viertklässler haben sich nicht wegen unfähiger Lehrer verschlechtert, sondern eher wegen unfähiger bzw. parteiorientierter Kultusminister und Schulbürokraten. Die vielen, vielen Schulreformen waren eben nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Jetzt zeigen sich möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen der Heterogenität und der Inklusion, vielleicht auch der reformierten Bildungsziele. Allerdings: Wer außer den Genannten propagiert denn die Heterogenität und Inklusion als segensreich?

    • Es sind eben nicht nur die “Kultusminister und Schulbürokraten” daran schuld. Das Problem beginnt schon viel früher und geht auch viel weiter, viel weiter als nur in den Grundschulen.

      Das beginnt schon in den Universitäten und durchwandert dann das gesamte Schulsystem und es gibt eine Menge Kollegen und Kolleginnen, die das propagieren und mittragen.

      • Was meinen Sie genauer? Das Problem, von dem qwertz unten 20.11. 0:20 spricht, wurde jedenfalls lange von den Kultusministern und Schulbürokraten einfach ignoriert und schöngeredet (Multikulti-Illusionen?). Diejenigen, die immer von der “Verantwortung” reden, haben dieselbe nicht wahrgenommen.

  2. Die Leistungen meiner Viertklässler sind so unterirdisch, weil von 20 Kindern nur eines zu Hause einigermaßen korrektes Deutsch spricht (auf Hartz4-Niveau), die anderen irgendwelche anderen Sprachen. Gilt für die gesamte Schule gleichermaßen. Ein Unterrichtsgespräch findet auf nur minimalem Niveau statt, selbst Texte für Zweitklässler werden von mehr als der Hälfte der Kinder nicht ohne Klärung unzähliger Begriffe verstanden. Dazu kommen *massivste Defizite* im Konzentrationsvermögen, in der Selbstorganisation, in der Lern- und Arbeitshaltung, der kognitiven Leistungsfähigkeit, dem Gedächtnis und Vorwissen, mit dem vernetzt werden könnte. Selbstständiges Arbeiten können inzwischen immerhin 2 Kinder in einer Form, dass es vertretbare Unterrichtsmethode für sie ist. Die übrigen kann ich quasi nur in eins-zu-eins-Ansprache erreichen.
    Was mich ankotzt, ist, dass wir einerseits auf den Deckel kriegen, weil die Kids nix können, andererseits wir aber ständig angehalten werden, zu differenzieren und individualisieren bis zum Gehtnichtmehr. Bloß keine Fünfen geben. Nee, die kriegen Zweitklasstests und die nochmal individualisiert, und dann hat immer noch die halbe Klasse ne 5 oder 6, denn beim Vorlesen der Aufgabe aufzupassen und ggf. nachzufragen ist zu viel verlangt, vom Selberlesen ganz zu schweigen.
    Über Eltern brauchen wir gar nicht zu reden. Dass sie ohne Dolmetscher nix verstehen, ist denen piepe, die könnten kostenlos einen kriegen, aber ja: müssten den selbst kontaktieren. Och nö. Und überhaupt, zum Elternabend geht man gar nicht erst, schon nicht zum ersten im 1. Schuljahr.
    Keine Sprachfähigkeiten, Konzentrationsunfähigkeit und komplettes Desinteresse sind in Kombi quasi ein Garant dafür, dass ich als Lehrerin nichts erreichen kann außer den Burnout. Immer weiter so.

    • Sie sprechen die von der Politik geforderte Individualisierung des Unterrichts als eine der Ursachen für schlechte Lernergenosse an und sprechen meiner Meinung einen der Hauptgründe für das Scheitern dieser Kinder an.Hinzu kommt das häusliche Umfeld, die mangelnden Sprachkenntnisse,sowohl vom Hörverstehen und den eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten.Da funktioniert dann nur noch Frontalunterricht mit direkter Instruktion.
      Fragen Sie Mal beim Grundschulverband nach,wie dessen eingefordert werden und propagierten Methoden bei diesen Schülern funktionieren sollen.Und viele liebe Grüße an Herrn Prof. Bügelmann,Herrn Hecker und Frau Prof.Brinkmann.

    • Wo sind jetzt unsere “Heile Welt-Pädagogen”mit ihren selbst erforschenden Lernmethoden nach Spitta/Bügelmann und all die anderen.Wie wollen diese Pädagogen mit diesen Schülern aus weniger behüteten Verhältnissen und aus einer spracharmen Umgebung umgehen.Da ist man dann mit der unterlassenen Hilfeleistung im Selbstkernmodus und mit Anlaut-Tabellen ganz schnell am Ende.
      Ganz so falsch wird Frau Eisenmann eben gar nicht liegen.Und es wird sich einiges ändern müssen.So lange wir Eltern gegen diese offenen Unterrichtsmethoden,die weder dem schnellen deutschsprachigen Schrift- noch einem effektiven Leseerwerb dienen,nicht uns wehren,so wird sich auch nicht viel ändern.

      • Wenn qwerz schreibt “Die übrigen kann ich quasi nur in eins-zu-eins-Ansprache erreichen.” ist damit kein Frontalunterricht gemeint, sondern EINZEL-Unterricht.
        DEN kann die Lehrkraft aber nicht leisten, schließlich ist das Schule und keine Nachhilfe oder Eltern-Kind-Betreuung.

        Ihre Frage: “Wie wollen diese Pädagogen mit diesen Schülern aus weniger behüteten Verhältnissen und aus einer spracharmen Umgebung umgehen.” beantwortet der obige Text: “Denn auf der einen Seite erwarte die Gesellschaft, dass die Schule alle Missstände aufgreift und möglichst rasch beseitigt, auf der anderen Seite traue man das den Lehrern im Grunde eigentlich gar nicht zu.”

        Aber: “Lehrer zu schulmeistern sei hierzulande jedoch „guter“ Brauch.” …und gleich im darauffolgenden Satz wird darauf verwiesen, dass “in der Öffentlichkeit …pauschale Verunglimpfungen vorher gut abgewogen werden” sollten.

        • Sie machen es sich sehr einfach.Wie ist es denn jenen altgedienten älteren Grundschullehrern ergangen, die ihre Art von Schulpâdagogik nicht mittragen wollten.
          Denen hat man Zwangsverwertungen angedroht und diese Lehrer unter Druck gesetzt.Ihre Pädagogik eignet sich eben nicht für heterogene Gruppen von Schülern, und schon gar nicht für Schulanfânger,wenn man diese schnell und strukturiert an ein automatisiertes Lesen und Schreiben heranführen möchte.
          Ihnen gönne ich einmal in Ruhrgebiet unterrichten zu müssen.Da sind Sie dann Mal richtig gefordert.

          • Zwangsversetzungen

          • Ich glaube, einfach machen es sich diejenigen, die selbst nie vor heutigen Klassen stehen, aber als scheinbare Experten (s.o.) genau zu wissen meinen, “wie Schule ihrer Meinung nach zu funktionieren habe.”

            So eindimensional, wie Sie Unterricht darstellen, ist es nicht.

          • Haben Sie denn die obige Situation erfasst.Derartiges gab es auch schon in den 70er und 80er Jahren in NRW-Grundschulen.Ich würde zu gerne wissen , ob sie ähnlich lange wie ysnp unterrichten.Vor 10 Jahren Abitur mmmm.

          • “Ich würde zu gerne wissen , ob sie ähnlich lange wie ysnp unterrichten.”

            Ja, ich möchte auch so manches wissen…
            Sie haben vor 10 Jahren Abitur gemacht, aber bereits Ihren Facharzt und 4 Kinder?
            Da frage ich mich, ob das überhaupt machbar ist.

          • Ysnp hat vor 10 Jahren ihr Abitur abgelegt, ich vor 37 Jahren.
            Ich habe Ihnen auch uber die stark gesunkene Mortalitât bei Narkosen geschrieben ,und das erfolgte bei steigendem Alter der Patienten,zunehmender Morbidität und zunehmender Arbeitsdichte im Bereich der Anästhesie.Außerdem erfolgte eine Ausweitung der Funktionsgebiete,der Invasivität und Komplexität des Aufgabengebietes.Allein die Qualitätsverbesserung erfolgte über die wissenschaftliche Entwicklung standardisierter Verfahren in allen Bereichen der wissenschaftlichen betriebenen Medizin.

          • Ich habe eher den Verdacht, Sie machen es sich hier recht einfach.
            Man könnte doch mal erörtern, warum gerade diejenigen Kinder, bei denen zu Hause kein (einigermaßen korrektes) Deutsch sprechen, dann
            auch noch (laut qwertz)
            “*massivste Defizite* im Konzentrationsvermögen, in der Selbstorganisation, in der Lern- und Arbeitshaltung, der kognitiven Leistungsfähigkeit, …” aufweisen. Wieso gib’s überhaupt so viele Familien, in denen zu Hause gar kein Deutsch gesprochen wird? Die aktuellen Flüchtlinge allein können das nicht sein (so viele sind es nicht), es müssen auch Enkel ehemaliger Gastarbeiter dabei sein. Warum sind die nicht längst Deutsche geworden in ihrem Selbstverständnis, auch der Schule gegenüber? “Integration und Aufstieg durch Bildung”, heißt es doch immer.

          • Cavalieri
            Die Schüler sind in ihren Fähigkeiten die Gegebenheit, genauso wie die Patienten in meinem Arbeitsgebiet.
            Da kann man nicht einfach Verfahren wie man es gelernt hat, sondern man muss die Methoden ändern.Die sind doch nicht alle dumm, die Schüler.Da sind auch jede Menge Deutsche drunter und man wird diesen mit Selbstkernmodus nach Spitta/Bügelmann auch nicht gerecht.Die Ausbildung der Lehrer hat sich an die Gegebenheiten auszurichten und nicht die Kinder an eine weltfremde Pädagogik.Diese Methoden wurden bereits ausführlich beschrieben,in Anlehnung an die silbierte Struktur unserer Sprache, mit einer strukturierten Heranführung an unsere Sprache und Schrift.Man macht es sich als Verband des VEB viel zu einfach und hat immer die Positionen des Grundschulverbandes übernommen.

          • Cavalieri
            Selbstlernmodus
            das Handy ist eine Katastrophe!

          • “Ysnp hat vor 10 Jahren ihr Abitur abgelegt, ich vor 37 Jahren.”
            ?????
            Was ist das für ein Quatsch? Haben Sie sich im Handy vertippt?

          • P.S.: Vielleicht haben Sie einmal einen Kommentar von mir falsch gelesen. Ich schrieb sinngemäß irgendwo, so weit ich mich erinnere über mein Abitur vor Jahrzehnten… ; – )

          • Ist ysnp eine Frau?

            Hm, wieso glaubte ich immer, “das” sei ein Mann?

    • Palim
      Das ist die Realität im Ruhrgebiet und anderen strukturschwachen Gebieten.Und dann unterrichtet man derartige Kinder mit der Nazi-Pädagogik von Peter Petersen.Das ist derart sarkastisch,dass einem richtig schlecht wird
      Da sollte Mal die Mississippi unterrichten.Frau Eisenmann liegt richtig und der Grundschulverband um Herrn Brüggemann/Frau Brinkmann ist absolut weltfremd und desorientiert.Man zementiert mit deren propagierten Methoden nur noch schlimmeres.Reaktionârer kann Unterricht nicht sein.Kinder muss man an selbststândiges Arbeiten heranführen.Methoden des eigenständigen Schriftspracherwerbs aus dem 16.Jahrhundert mit Anlaut-Tabellen gehören nicht ins 21.Jahrhundert.Damals ggf ab es fast nur Lateinschulen und wenige deutsche Lehrer, wie Ickelsamer und wenige andere.Wie könnte so etwas aus der Geschichte geholt werden und zur neuen Methode im selbsterforschenden Lernen erklärt werden.

      • Nazi-Pädagogik – Methoden des eigenständigen Schriftspracherwerbs aus dem 16.Jahrhundert – Unterlassene Hilfeleistung

        “„Ob nun Politiker, Wirtschaftsbosse, Eltern, Kommentatoren in der Presse oder Leserbriefschreiber ihre Wort-Keule auspacken und mit ‚Lust und Tücke‘ zum verbalen Rundumschlag gegen die unsensiblen Lehrer ausholen, immer haben die Pädagogen die schlechteren Karten. Denn wenn sie sich wehren, haben sie sowieso verloren.“”

        • Wer hat Gruppenarbeit,Freiarbeit,Wochenarbeit,Noten freie Beurteilungen von Schülern und Stationsarbeit implementiert? Peter Petersen, hochgelobten Nazi-Pädagoge und Anhänger der Rassenideologie der Nazis.
          Wer hat Anlaut-Tabellen notwendigerweise zum eigenständigen Schriftsprach- und Leseerwerb erfunden?
          Die ersten Deutschlehrer des 16.Jahrhunderts und nicht Herr Reichen.
          Wer hat das freie Schreiben erfunden?Herr Scharrelmannn und Herr Ganzberg, beide mit negativen Auswirkungen auf die Schreiblehrgänge der damaligen Schüler der 20erJahre.Lesen fördert das Bewusstsein,Polemik und selbstgefälligen Kritikunfähigkeit hilft niemandem weiter.

          • Schreibfähigkeit statt Schreiblehrgânge

          • AvL: Sie reden konsequent an dem Phänomen vorbei, dass bei uns Kinder eingeschult werden, die praktisch kein oder kaum Deutsch können, weil bei ihnen zu Hause eine andere Sprache gesprochen wird (warum eigentlich?). Das können Sie nicht mit den Krankheiten Ihrer Patienten vergleichen. Sie müssten es eher damit vergleichen, dass der Arzt die Sprache seiner Patienten nicht versteht oder umgekehrt. Wie soll sowas einfach so nebenbei weggesteckt werden ohne nachteilige Auswirkungen?

          • Cavallierie
            Die Schüler sind die Basis ihrer Arbeit und es geht dabei nicht nur um Bürgerkriegsflüchtling , die Probleme mit den Selbstlernmethoden haben. Das betrifft auch deutsche Kinder aus einer spracharmen Umgebung, Kinder aus schwierigen häuslichen Verhältnissen, doie keinen strukturierten tagesablauf zu Hause haben, Kinder mit allen möglichen kognitven, audiovisuellen Beeinträchtigungen und vielem mehr.
            Bei denen funktioniert diese “Heile Welt Pädagogik” eben nicht und die Ergebnisse sind mit diesen Methoden eben sehr bescheiden.

          • AvL: “Peter Petersen, hochgelobten Nazi-Pädagoge und Anhänger der Rassenideologie der Nazis.”

            Das ist so auch nicht richtig. Petersen vertrat zunächst eine Pädagogik gegen den wilhelmischen Untertanengeist, er war christlich geprägt und hat auch Theologie studiert, er hat als Pädagogikprofessor die Pädagogik als Wissenschaft mit begründet, sein vielzitierter Jena-Plan stammt aus den 1920er Jahren und nicht aus der Zeit nach 1933. Bei der Machtergreifung war er bereits etwa 50 Jahre alt. Er war nicht Mitglied der NSDAP, hat aber gewisse Teile der Naziidiologie unterstützt, obwohl die Vorstellungen der Nazis über Schule und Unterricht (“hart wie Kruppstahl”) eigentlich gar nicht zu seinen vorherigen Vorstellungen passten. Er ließ sich halt — wie etliche andere auch — korrumpieren Nach dem Krieg trat er in die SPD (!) ein. Auch in der DDR wurde er offenbar nie für irgendetwas Böses verurteilt. Er lebte weiter in Jena. Man kann ihm seine antisemitischen Äußerungen vorhalten, aber das kann man auch bei Rudolf Steiner und seinen Waldorfschulen. Man könnte auch Herbert Wehner seine Tätigkeit für die KPD vorhalten. Einer sachlichen Diskussion nützt das wenig.

          • Cavalieri

            Dazu sollten Sie einmal Benjamin Ortmeyers wissenschaftliche Arbeit über diesen Herrn Petersen lesen, denn dann werden Sie zu einem anderen Ergebnis kommen.
            Aus seinen schriftlixchen Aufzeichnungen geht hervor,dass Petersen bis zu seinem Tode hinter der nationalsozialistischen Rassenideologie stand. Seine völkisch-nationale Denkweise ist ihm zum Verhängnis geworden.Außerdem sind seine Methoden laut Hattie-Metha-Analyse nur gering wirksam auf die Lerneffekte der Schüler.
            Die Wirkung kommt einer Beschäftigungstherapie gleich und da kann man das gleich besser lassen, wenn man den Schülern strukturiert etwas beibringen möchte. Einzig die Arbeit in Kleingruppen mit 3 Personen hat einen leicht überdurchschnittlichen Effekt von 0,45.
            Und da kommt es auch auf die Zusammensetzung an, weil sonst die schwächeren Gruppenmitglieder sich zurückziehen.

          • AvL: Das mag alles sein. Aber Petersens pädagogischen Ideen passen einfach nicht zur Nazi-Pädagogik. Und die Person mit ihrer späteren Ideologie muss ich doch von dem (früheren) Werk trennen. Da haben noch ganz andere Leute antisemitische Äußerungen getan, auch Martin Luther.
            Anders gefragt: Welchen Anteil (echte) Nazi-Ideologie sehen Sie denn in den gegen-wärtigen Schulreformen? Ich sehe eher das Gegenteil. Strammstehen, viel Sport, Rohrstock, Fahnenappell, Gehorsam, Führereid und Frontalunterricht, das wäre in meinen Augen Nazi-Pädagogik, die manche wie folgt charakterisieren: “Mit ihrem anti-intellektuellen, anti-humanistischen, rassistischen und chauvinistischen Konzept der ‘völkischen Erziehung’ stellten sich die Nationalsozialisten gegen die Aufklärung und Vernunft.”

          • Warum waren wohl der Summerhill begründet und Petersen entschiedene Gegner.
            Das hängt mit der Ausrichtung Petersen auf den völkischen Gemeinschaftsgedanken,dem Ein- und Unterordnen in die Volksgemeinschaft zusammen.
            In den Freiarbeitsstunden wurde nationalsozialistischer Gedankengut gepflegt.
            Schließlich bewarb sich Petersen nach dem Krieg erfolglos um eine Professur an der Uni Bremen. Er wurde dort aber auf Betreiben verfolgten Reformpädagogen abgewiesen,weil man um seine Verstrickungen mit dem NS-Staat wusste.Das kann man alles in der Arbeit von B.Ortmeyer nachlesen.
            Und die Effektivität seiner Methoden dient der Bespaßung der Schüler.

          • Girgensohn und andere traten auch in die SPD ein.Außerdem ging die Ost-SPD in der SED auf.
            Filminger richtete ebenso von Zastrow am Kriegsende Fahnenflüchtigen hin.Filbinger würde Ministerpräsident der CDU in Baden-Württemberg.
            Jedes politische System hat ehemalige Mitläufer,Täter und Schuldige integriert.Deshalb muss man derartige Leute nicht ehren.

          • AvL: Summerhill hatte wohl noch andere Gegner. Wollen Sie das für maßgeblich erklären? Sie weichen immer auf Personen und deren Sünden (und Gegner) aus statt die Theorien zu diskutieren.
            Die Uni Bremen wurde erst 1971 gegründet, und 1945 war Petersen schon 61 Jahre alt. Gewiss hatten damals die Alliierten mit ihrer Entnazifizierung das Sagen, aber was heißt das nun?
            Die Unterordnung unter den Gemeinschafts-gedanken ist übrigens tragend auch im Islam (aber völlig unabhängig von Petersen): Nur kein Individualismus. Sollen wir dieses Erziehungs-ideal mal diskutieren? Galt es nicht in ähnlicher Weise auch in der DDR?

          • Mir reicht die Arbeit von Ortmeyer voll und ganz,ebenso die mangelnde Effektivität seiner Methoden, um diesen Herrn in die Geschichte zu schicken.

          • Cavalierie
            Sollte man Kinder von Kriegsflüchtlingen nicht beschulen? Es besteht eine gesetzliche Schulpflicht für alle Kinder zwischen dem 6. Und 18 Lebensjahr.Wie also sollte anders mit diesen Kindern umgegangen werden,als diese in unser Schulsystem zu integrieren.Der Erfolg hängt vom Elternhaus, der Vorbereitung auf unser Schulsystem,der Methodik, der Motivation und den Sprachangeboten ab.Da wird man mit der Zeit dominierend praktizierten Methodik nach Spitta/Bügelmann im selbsterforschenden Lernen der Schüler nicht weit kommen.

          • mit den der Zeit praktizierten Methoden

          • AvL: “Sollte man Kinder von Kriegsflüchtlingen nicht beschulen?”
            Vielleicht doch erstmal separat, bis sie genug Deutsch können?
            Ich habe nicht das Gefühl, dass qwertz von Flüchtlingskindern gesprochen hat, sondern von Unterschichtkindern gerade auch in Parallelgesellschaften, die schon länger existieren. Dort existiert wohl ein seltsamer Erziehungsstil. Wer sowas hier äußert, wird gleich als “ausländerfeindlich” gescholten.

            Und meinen Sie Brügelmann? Was immer man von ihm halten mag, mit Nazi-Pädagogik würde ich ihn und seine Vorstellungen nicht in Verbindung bringen. Aber haben Sie das nicht getan (Nähe zu Petersen) ?

          • Wo habe ich einen derartigen Vergleich zu Brügelmann hergestellt ?
            Brügelmanns Methoden in Bezug auf das schwierige Klientel von querz stellte ich in der Wirksamkeit in Frage.

          • AvL: Oben am 20. November 2017 um 23:28 haben Sie von der Nazi-Pädagogik von Petersen gesprochen und gleich darauf von Brügelmann. Ich habe das so aufgefasst, dass beide in derselben (falschen) pädagogischen Richtung gesehen werden. Falls nicht, hatten Sie sich dort klar ausgedrückt?

      • Ich will jetzt aber auch zu denen gehören, die vor 10 Jahren ihr Abitur gemacht haben!!!!

  3. Ich bin selbst keine Lehrerin, aber ich habe zahlreiche Grundschullehrer/innen in meinem Freundeskreis. Ich finde es wirklich schade, dass ein so schöner Beruf immer schwieriger wird. Letztlich leiden nicht nur die Lehrer und Kinder, sondern auch die Solzialstrukturen unter dieser Entwicklung. Ich hoffe, dass sich da bald etwas ändert.

  4. Wie ich schon mal sagte, nicht die Lehrer sind schuld, sondern die Zustände an den Schulen sind schuld und daran sind die Politiker schuld, die diese Zustände zu verantworten haben.

    Ansonsten finde ich den Wutbrief (Würden ihn die Neudeutschen eigentlich “Shit-Letter” nennen?) albern.

  5. Die Lehrer haben doch nich innerhalb der letzten paar Jahre ihre Arbeit drastisch verändert. Die Methode Schreiben nach Hören gibt es an dwn Schulen meiner Region seit mindestens 10 Jahren, wher länger. D.h. auch bereits bei der letzten Studie. Was sich verändert hat sind die Rahmenbedingungen.

    • An den Grundschulen kamen die, Englisch, VERA, Inklusion und Flüchtlinge.
      An den Sek I-Schulen kamen zumindest in NRW die Kompetenzorientierung, VERA, Zentrale Abschlussprüfungen, Inklusion und Flüchtlinge.
      An den Gymnasien kam die Schulzeitverkürzung, wieder Verlängerung, VERA, Kompetenzorientierung, Zentrale Abschlussprüfung und ihre Abschaffung, Zentrale Klausur EF, Zentralabitur, bedingt Inklusion, bedingt Flüchtlinge.

      Das sind nicht nur Rahmenbedinungen, das hatte unmittelbare Auswirkungen auf den Unterricht.

      • VERA und Englisch an den Grundschulen gibt es schon lange.

        Verändert haben der Einschulungstermin aber noch viel wesentlicher die Schülerschaft selbst, von denen aus meiner Beobachtung heraus erschreckend viele nicht schulfähig oder kaum beschulbar sind – ohne dass diese Kinder zunächst zur Gruppe der inklusiven Kinder oder den aktuellen Flüchtlinge gehören würden: sie sind hier geboren, hier augefwachsen, waren hier im Kindergarten, werden wohnortnah eingeschult.

        Kompetenzorientierung kam mit den bundesweiten Bildungsstandards von 2004 und nachfolgend geänderten Curricula, wobei die Umsetzung ja in den BL zeitlich sehr unterschiedlich erfolgte, BY stellt erst jetzt um, während NDS bereits erneut Curricula für die Grundschule herausgibt.

        Geändert hat sich sicherlich, dass viele Grundschulen seit 2006 (?) in Ganztagesschulen umgewandelt wurden, wobei die Kollegien in der Regel die Konzeption erstellen müssen, sich mit dem Schulträger über Umbauten ins Benehmen setzen müssen und auch etliche andere Änderungen und Aufgaben einhergehen.

        Geändert hat sich auch, dass Grundschullehrkräfte unendlich viele Konzepte zu erstellen haben (Absentismus, Medien, Methoden, Sucht…), Dokumentationen führen, Förderpläne, laufend geänderte Zeugnisformulare umsetzen und Übergabegespräche führen und protokollieren statt Empfehlungsschreiben zu verfassen.

        Geändert hat sich durch den Lehrermangel auch, dass es zu doppelten Klassenführungen kommt oder auch zu stetigen Abordnungen und Veränderungen im Team, zu häufigen Veränderungen im Stundenplan, Einarbeitung von neuen KollegInnen oder in neue Schulen/ Kollegien/ Klassen bei womöglich doppelter Konferenzbelastung.

        Durch die Inklusion sind Grundschullehrkräfte zudem mit noch vielfältigeren Unterrichtsvorbereitungen, dem Einarbeiten in mehrere Förderschwerpunkte (L, ESE, z.T. auch Hören, GE o.a. abgesehen von weiteren Beeinträchtigungen, Krankheiten oder Störungsbildern), Elterngespräche, zusätzliche Gespräche mit den Kindern, Berichten zu diesen Kindern, Hilfeplangesprächen, Diskussionen mit dem Kostenträger, Absprache mit den Förderschulkräften, so denn Stunden in den GS ankommen, Absprachen mit den Lernbegleitern – so sie überhaupt genehmigt werden, Absprachen mit Therapeuten bzw. Psychologen, vermehrten Klassenkonferenzen, Verfahren zur Überprüfung sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfes in erheblich höherem Umfang betraut.

        Durch die Flüchtlinge übernehemen sie überwiegend klassenimmanent die Heranführung an Schule und Unterricht, die Vermittlung der Sprache, die Alphabetisierung und weiterer Grundkompetenzen, wobei es in meiner Region in der Regel keine vorgeschalteten Sprachlernklassen gab und DaZ-Förderstunden mühsam beantragt werden mussten, aber angesichts Lehrerknappheit nicht oder nur zum Teil besetzt werden konnten.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*