Arsen in Tierpräparaten: Die Gefährdung ist unklar – längst nicht alle sind untersucht

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MÜNCHEN. Ein Großteil der ausgestopften Tiere an Schulen ist stark mit Gift belastet, hatte eine Studie schon vor einigen Jahren ermittelt. Schüler dürften nicht mit ihnen in Berührung kommen. Die Städte gehen indes auch in Bayern unterschiedlich mit dem Problem um.

Nicht alle ausgestopften Tiere in bayerischen Schulen sind auf das giftige Arsen hin untersucht worden, ergab jetzt eine Umfrage «Nein, es sind nicht alle Präparate untersucht worden», räumt Michael Klarner ein, Sprecher der Stadt Ingolstadt. Dabei kann Arsen Krebs auslösen – und es wurde bis weit in die siebziger Jahre als Konservierungsmittel für Tierpräparate zum Schutz vor Insekten eingesetzt.

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Ausgestopfte Gämse. Foto: Dominik Hundhammer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Ausgestopfte Gämse. Foto: Dominik Hundhammer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Eine Studie des Instituts für Angewandte Umweltforschung (IfAU) kam schon vor längererZeit zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der alten Fell- und Federtierpräparate aus Schulen stark belastet waren. Trotzdem rät das Institut bis heute nicht dazu, die ausgestopften Tiere gleich zu entsorgen. Wenn die Präparate nicht berührt würden, bestünde kein Grund zur Sorge, sagte ein Sprecher.

Die Kultusministerkonferenz hat deshalb in der sogenannten «Richtlinie zur Sicherheit im Unterricht» (RiSU) festgehalten, dass ausgestopfte Tiere «gegen das Berühren durch Schülerinnen und Schüler zu sichern» seien. Dafür reiche demnach schon eine Klarsichtfolie. Eine solche Folie könne aber nur ein provisorischer Schutz sein, warnen die Forscher des IfAU. Die ausgestopften Tiere müssten in verschlossenen Glasvitrinen aufbewahrt und dürften nicht im Unterricht herumgereicht werden.

«Wenn die Tiere zu Unterrichtszwecken gezeigt werden, weist die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler an, diese nicht zu berühren», sagt Ulrich Lobinger vom Referat für Bildung und Sport der Stadt München. Anschließend würden die Präparate wieder in Fachräumen gelagert, die für Schüler nicht zugänglich seien. Es bestehe also keine Gesundheitsgefahr, so der Sprecher.

In Nürnberg werden nach Angaben von Bürgermeister Klemens Gsell (CSU) mit Arsen belastete Tiere an Gymnasien und Realschulen eingesetzt. Zum Schutz diene meist eine «durchsichtige Plastikhaube». «Was ich in den Biosammlungen selbst zu Gesicht bekomme, sind die wenigen Exemplare tatsächlich so eingehüllt», versichert Gsell. Auch die Stadt Regensburg vertraut darauf, dass an den Schulen die Richtlinie der Kultusministerkonferenz schon beachtet wird.

Die Stadt Ingolstadt dagegen überlegt nun, die ausgestopften Tiere auf Arsen hin überprüfen zu lassen. An 29 von 35 Schulen werden Tierpräparate noch eingesetzt – welche Gefahr von ihnen ausgeht, ist unklar. «Das weitere Vorgehen wird derzeit mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Umweltamt abgestimmt», sagt Stadt-Sprecher Michael Klarner. (dpa)

Nur gucken, nicht anfassen: Ausgestopfte Tiere in Schulen enthalten oft Arsen (und sollen jetzt untersucht werden)

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