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Dem neuen Kultusminister Tonne bereitet der Lehrermangel an Grundschulen Kopfschmerzen – er lässt jetzt bessere Vergütung prüfen

HANNOVER. Der neue niedersächsische Kultusminister will sein Haus «pragmatisch und unideologisch» führen. Vor den Bildungsexperten der Landtagsfraktionen kündigte der SPD-Politiker Reformen an. In seinem Vortrag habe Konkretes gefehlt, bemängelten Kritiker.

Niedersachsens designierter Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Martina Nolte / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Niedersachsens neuer Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Martina Nolte / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mit einem Mix aus Maßnahmen will der neue Kultusminister Grant Hendrik Tonne in Niedersachsen den Unterrichtsausfall an den Schulen bekämpfen. Es gehe darum, sehr intensiv um jede Lehrkraft zu ringen, sagte der SPD-Politiker am Freitag vor den Mitgliedern des Kultusausschusses im Landtag von Hannover. «Mir ist klar: Der Arbeitsmarkt ist weitgehend leer gefegt.» Der Minister kündigte an, in einem ersten Schritt die Besoldung der Leiter an kleinen Grundschulen auf A 13 zu erhöhen. «Die Unterrichtsversorgung an den Grundschulen ist das, was uns die größten Kopfschmerzen bereitet», sagte er. Geprüft würden aber auch die Arbeitszeit und eine bessere Vergütung insgesamt.

Die Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Laura Pooth, sagte nach der Sitzung des Gremiums, sie hätte sich von Tonne konkretere Aussagen zu einer besseren Bezahlung aller Lehrkräfte gewünscht. «Wir stehen in einer Konkurrenzsituation zu anderen Bundesländern wie Brandenburg, Berlin oder Schleswig-Holstein, die dies bereits beschlossen haben», sagte die niedersächsische GEW-Vorsitzende. Der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling kritisierte, unter Tonne werde «die verkorkste Bildungspolitik von Rot-Grün mit Hilfe der Union fortgeführt».

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Die damalige Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) stand nach den Sommerferien in der Kritik, weil sie Hunderte Gymnasiallehrer kurzfristig zum Aushelfen an Grundschulen geschickt hatte. Dort hatten mehr als 150 Stellen nicht besetzt werden können. «Abordnungen gab es immer, sie sind immer nur die zweitbeste Lösung», meint Tonne. «Wir möchten Lehrkräfte nicht auf Reisen schicken.»

Der neue Minister überlegt nun, die sogenannte vorschulische Sprachförderung in Kitas in die Verantwortung der Erzieherinnen zu legen, statt dafür Grundschullehrkräfte einzusetzen. Ein Konzept dafür soll mit allen Beteiligten entwickelt werden. Nach Ministeriumsangaben wurden im Schuljahr 2016/17 rund 14 000 Stunden für die Sprachförderung im Kindergarten eingesetzt. Das waren etwa 500 Vollzeit-Lehrerstellen.

Für die Kita-Erzieher, die ohnehin vielerorts Mangelware sind, wäre das eine weitere Aufgabe. Der neue Minister kündigte aber auch an, nach Wegen zu suchen, den Beruf des Erziehers und der Erzieherin attraktiver zu machen – etwa durch eine Reform der Ausbildung.

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Viele Kommunen haben zunehmend Schwierigkeiten, Personal für ihre offenen Stellen zu finden. Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund plädiert deshalb für eine duale Erzieherausbildung mit einer Vergütung. An manchen privaten Fachschulen müssen angehende Erzieherinnen und Sozialassistentinnen sogar Schulgeld bezahlen. Der Minister sagte: «Dass dafür Geld bezahlt werden muss, ist keinem zu erklären, wenn wir so dringend Personal in den Kitas brauchen.»

Aus Sicht der Opposition von FDP und Grüne fehlt ein Konzept um die Kita-Betreuung zu verbessern. Die Grünen-Abgeordnete Julia Willie Hamburg kritisierte: «Die Beitragsfreiheit in den Kindergärten soll zwar zügig kommen, die Qualität scheint in den kommenden Jahren hierbei aber das Nachsehen zu haben.» dpa

2 Kommentare

  1. Den ErziehrerInnenbestand zu vergrößern und ihm auch den “besonderen” Sprachförderanteil zu übergeben, braucht 1. eine bessere Berufseingangs-Voraussetzug (Hochschulreife) und 2. eine bessere Entlohnung der Berufstätigen

  2. Kein Kopftuch, kein Kreuz – konfessionsfreie Bildung! Einheitlich für Deutschland – Schluss mit dem Föderalismus-Unsinn im Bildungswesen!

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