Eisenmann: Geld ist da, aber die Lehrer fehlen – der Arbeitsmarkt ist leergefegt

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STUTTGART. Jeden fünften Euro steckt das Land in den kommenden beiden Haushaltsjahren in schulische Bildung – nach Angaben des Kultusministeriums so viel wie nie zuvor. Mit den Rekordausgaben werde in die Qualität des Unterrichts investiert, betonte Ressortchefin Susanne Eisenmann (CDU) am Freitag in Stuttgart. Sie ziehe damit Konsequenzen aus den jüngsten Bildungsstudien, die Baden-Württemberg erheblichen Handlungsbedarf bescheinigten, sagte sie im Landtag bei der Beratung des Einzeletats für den Kultusbereich.

Sorgt für Empörung unter Grundschullehrkräften: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Geld? Kein Problem: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Die Landtagsopposition beeindruckte das wenig. Sie forderte mehr Geld für Lehrerstellen und andere Schwerpunkte. «Ihr Bildungsetat ist völlig unzureichend finanziert», sagte der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei. Anteilig sänken die Ausgaben im Kultusbereich sogar. Es würden Hunderte Lehrerstellen abgebaut. «Das ist Raubbau an unseren Schulen.» Dort falle bereits Unterricht aus.

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Die Ministerin bestritt diese Darstellung. Vielmehr habe Grün-Schwarz den von der Vorgängerregierung mit einem SPD-geführten Kultusministerium verantworteten Lehrerstellen-Abbau beendet. Die Pläne von Grün-Rot, zwischen 2018 und 2020 rund 700 Lehrerstellen zu streichen, habe sie ad acta gelegt. Zu schaffen mache ihr hingegen der leer gefegte Lehrerarbeitsmarkt. «Wir haben derzeit kein Ressourcenproblem, sondern zu wenige Bewerber – und zwar überall in Deutschland.»

Die Schulverwaltung versuche derzeit alles, um den Pflichtunterricht zu sichern. Der Hinweis der SPD, für die Grundschulen auf die 2200 Gymnasiallehrkräfte ohne Stelle zurückzugreifen, hilft nach Auskunft des Ministeriums wenig: Bislang habe man nur um die 30 Lehrer aus diesen Reihen für die andere Schulart gewinnen können.

Auch FDP und AfD kritisierten den Kultusetat. Die FDP will Mittel von der aus ihrer Sicht privilegierten Gemeinschaftschule auf andere Schularten verteilen. So müsse die maximale Klassengröße bei der Gemeinschaftsschule von 28 auf 29 erhöht werden, forderte der Liberale Timm Kern. Das wäre immer noch ein Schüler weniger als bei den anderen weiterführenden Schulen. Weitere Forderungen betreffen eine bessere Bezahlung von sogenannten Technischen Lehrkräften, ein Ende des neunjährigen Gymnasiums und einen langsameren Ausbau der Inklusion. Die AfD will mehr Mittel für die Förderung begabter Schüler ausgeben.

Der Kultusetat ist mit mehr als 11 Milliarden Euro 2018 und 2019 darüber hinaus zusätzlichen 273 Millionen Euro einer der größten Einzeletats im Landeshaushalt. Er enthält auch die Personalausgaben für rund 117 000 Lehrer.

Aus Sicht der Grünen muss die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen gestärkt werden. Es dürfe keinen Unterschied machen, ob Schüler Murad oder Franziska hießen und ihre Eltern als Ärztin oder Lagerarbeiter tätig seien, sagte die grüne Bildungsexpertin Sandra Boser. Deshalb stärke die Koalition die Grundschule mit mehr Stunden für Deutsch und Mathematik und schaffe 200 zusätzliche Ausbildungsplätze für dringend benötigte Grundschullehrer.

Am Rande der Landtagssitzung wurde zudem bekannt, dass der grün-schwarze Streit um den Fremdsprachenunterricht an den gymnasialen Oberstufen von Gemeinschaftsschulen beigelegt ist. Die Kabinettsvorlage für kommenden Dienstag sieht vor, dass Schüler, die Französisch nach der Mittelstufe abwählen möchten, ab der elften Klasse drei Jahre lang eine dritte Fremdsprache belegen. dpa

 

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28 KOMMENTARE

  1. Ich kenne Leute im weiträumigen Rhein Neckar Kreis, die mit 1,1 Gesamtschnitt keine Stelle gefunden haben. Und zwar keine Einzelfälle.

    • Da stimmt doch was nicht. Wer eine 1,1 hat und eine Stelle will, der bekommt auch eine. Vielleicht nicht exakt in der Region, in die er/ will, aber Stellen sind (bundesweit gesehen) im Überfluss da. Ich kenne Dutzende Schulen, die Stellen nicht besetzt bekommen, obwohl sie jede Fächerkombination nehmen würden. Und das gilt für alle Schularten!

      • In welchem BL? Hier in Thüringen wird immer der Lehrermangel beschworen und am Ende gehen dann doch sehr viele, vor allem mit LA Gym leer aus… das finde ich immer etwas “merkwürdig”. Es wird aber, nach Auskunft einer Bekannten Gym-Absolventin, hier auch noch sehr stark an der Fächerkombi herumgemäkelt. Man will genau die Fächer wiederbesetzen, die durch den in Rente gegangenen Kollegen fehlen. Das Problem dabei ist, dass diese zu DDR-Zeiten immer nur bestimmte, klassische Fächerkombis wie Deu/Ge, Geo/Sp, Ma/Ph studiert haben. Heutige Absolventen weisen diese Planwirtschaftskombis nicht mehr auf… und kriegen dann auch keine Stelle. Flexibilität innerhalb der Schulen durch interne Fächerumverteilung – Fehlanzeige! Das Resultat ist, dass die Mehrheit der Absolventen in BL wie Niedersachsen oder Hessen abwandert.

  2. Wenn Geld da ist (echt? seit Jahren nicht mehr gehört!), dann vielleicht doch mal wenigstens 2-3 neue Professuren für die Lehrerausbildung schaffen? Doch wieder zu teuer? Wahrscheinlich … Eigentlich bin ich nur noch von dem Rumgeeiere genervt! Schlimm!

      • Sicher gibt es Kosten, aber Bildung ist nun mal absolut wichtig und damit ein Kostenfaktor. Leider sieht es seit Jahren so aus, dass statt Professuren nur Wissenschaftliche Mitarbeiterstellen eingerichtet werden. Das ist halt billiger und wenn es doch mal eine Profstelle gibt, dann auf fünf Jahre befristet und nur im Angestelltenverhältnis (und mit einer Arbeitsbelastung, die man gesundheitlich nicht aushalten kann: 60-80 Wochenstunden und max. 3-5 Tage Urlaub im Jahr!). So kann man wirklich die Bildung an die Wand fahren!

        • Fünf Jahre ist länger als bis zur nächsten Wahl und die schwarze Null muss stehen. Mehr interessiert die Politiker nicht. Mit Bildung lässt sich unmittelbar kein Geld verdienen, nur einsparen.

          Ich bin mittlerweile zur Auffassung gelangt, dass die Bildung ganz bewusst aus wirtschaftlichen Interessen irgendwelcher Lobbygruppen an die Wand gefahren werden soll. Das wird sich natürlich rächen, aber erst in einigen Jahrzehnten, wenn die aktuellen Lobbyistenführer entweder nicht mehr leben oder ihren Lebensabend finanziell gut abgesichert genießen.

    • Professuren?? Nach meiner Erinnerung war es immer egal, ob in einer Vorlesung 30 oder 300 Hörer saßen, daher scheinen mir Professoren nicht der wahre Engpass zu sein. Eher schon Assistenten.

      • ich erinnere mich ebenfalls daran, dass – achtung, ironie !- es sowohl den zuhörenden und insbesondere den profs mit sicherheit vollkommen gleichgültig war, ob sich 300 studies oder 30 mit ihrer anwesenheit aktiv beteiligen oder einfach nur den sauerstoff verbrauchen…dasselbe mag dann wohl auch für die assis gelten.

  3. Ich rede von engagierten Profs, die gibt es und die gab es immer, denen es überhaupt nicht egal ist, was und wie die Studierenden lernen. Und wenn es früher (;) immer an jeder Uni oder PH z. B. mehrere (!) Seminare zum Rechtschreiberwerb von Profs gab, so wird heute in der Regel nur ein einziges Seminar überhaupt angeboten. Wenn es im Krankenhaus auch plötzlich keine Chirurgen o. Ä. gäbe, wie würde das wohl ankommen? Nur mit wiss. Mitarbeitern kann man keine ausreichend qualifizierte Lehre, Forschung und die vielen Prüfungsabnahmen erreichen!

    • @D.Orie

      ja, engagement wird es zum glück dank der sog. gutmenschen auch weiterhin geben und das ist jetzt garatiert ironiebefreit: großes pfadfinderinnenehrenwort!

      ob es hierzulande nun aktuell ausgerechnet an rechter schreibung mangelt? an unserer schulen sind wir zumindest mit anderen problemen behaftet:

      unsere hiesigen bildungssparreformen entscheiden sich im wesentlichen leider kaum von zunehmenden kürzungsmaßnahmen der gesundheitspolitik, aus diesem grunde steigt auch die kündigungssrate in staatlichen kliniken: das pflegepersonal erträgt die wachsende verantwortungslosigkeit gegenüber betroffenen patienten nicht …wir haben es da doch noch ganz gut getroffen, wenn wir anstatt beim sterben zuzugucken lediglich die zunehmende verblödung unserer sus ertragen (achtung: satiremodus ist wieder an!) sollen.

    • Erstens ist es für eine Lehrerin kein Ruhmesblatt, wenn sie die Groß- und Kleinschreigung vernachlässigt oder nicht sicher beherrscht.
      Und zweitens ist es ein Zeichen von Arroganz und Missachtung des Lesers.

    • @ unverzagte, beugen Sie sich bitte nicht diesem “Gruppendruck”. Ich akzeptiere und toleriere Ihre Kleinschreibung. Sie ist im privaten Bereich vielfach auf dem Vormarsch. Auch wenn das nicht jedem gefällt und gefallen muss.

      Das andere, was da vorgebracht wird, ist Quatsch.

      • @sofawolf

        seh ich ähnlich bzw. quatsch mit soße hat einfach keinen nähwert, aber wem es denn schmeckt, dem sag ich: mahlzeit!

      • die Kleinschreibung ist wohl nicht nur bei mir der Smartphonetastatur geschuldet…

        ernsthaft: Die Abschaffung von Groß- und Kleinschreibung würde ich sogar begrüßen. Das klappt im Englischen ja auch sehr gut mut weitgehender Kleinschreibung.

        • Ja, auch in anderen Sprachen, z.B. im Französischen und Italienischen. Ich kenne kaum eine Fremdsprache, die außer Eigennamen und Satzanfängen Nomen groß schreibt. Ich denke, da müsste einmal eine Reform her. Das ist nur Gewöhnungssache und würde der deutschen Rechtschreibung ein Problem weniger bescheren. Auch die Getrennt- und Zusammenschreibung ist ein typisches deutsches Problem. Im Englischen ist das viel leichter. Wir haben schon genug zu kämpfen mit anderen Rechtschreibbesonderheiten und z.B. den ständigen Wortbedeutungsänderungen durch Vorsilben, was man in den gängigen Fremdsprachen auch nicht so findet.

          • der skandalumwitterte sündenbock “lesen durch schreiben” ginge damit endlich in seinen wohlverdienten ruhestand.

            diese rechtschreibreform würde die allseits verzweifelt beklagt herrschenden rechtschreibunkenntnisse rapide verbessern.

            ein anschließend beschlossener ” tag des orthographischen friedensbeitrages” hätte das stilistische format für einen nur deutschen feiertag.

            ergo: nach einführung der deutschen einheit inkl. ihren einheitsschulen sind ab sofort die einheitliche buchstabengröße bundesweit zu berücksichtigen!

            ich wäre ja sowas von dafür.

          • @ ysnp, da stimme ich Ihnen mal zu.

            Übrigens haben zuletzt die Dänen die Großschreibung der Nomen abgeschafft – nach jahrzehntelangem “zivilen Ungehorsam” (Kleinschreibung). Wenn mich nicht alles täuscht, war das “erst” 1948.

  4. unverzagte
    Ihnen fehlen die Grundkenntnisse um die Entstehung der großen und kleinen Buchstaben,denn ursprünglich wurden Texte in der Lateinischen Schrift nur in Großbuchstaben geschrieben.s nächster Schritt erfolgte die Trennung der Wörter, um dies besser lesen zu können.
    Der letzte Schritt war die Einführung der kleinen Buchstaben .Dabei bilden die Konsonanten die Silbenränder,um besser lesen zu können.Diese werden auch als karolingische Minusmeldung bezeichnet.
    Lernen Schüler mit Anlaut-Tabellen selbsterforschenden schreiben, und das noch mit positivem Feedback durch den Lehrer, so wird es bei den kryptischen Schreibweisen durch die Anwendung falscher Grapheme bleiben.
    Scheinbarer leichter machen führt nicht zu Verbesserungen in der Schreibfähigkeit,dem Ausdruck, der Syntax und der Fâhigkeit zu lesen.

    • Die Entwicklung zur Großschreibung der Nomen im Deutschen ist durchaus etwas umfangreicher, Axel.

      Man kann vereinfacht sagen (aber ich müsste auch noch mal nachforschen), das kam so etwa im 17. Jahrhundert auf und setzte sich erst nach und nach durch. Davor hatte das eine andere Funktion.

      D.h. pi mal Daumen schreiben wir seit rund 300 Jahren die Nomen groß, aber wie lange schon gibt es Deutsch?

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