G8 wird in Deutschland nunmehr zum Ausnahmefall: Kieler Landtag beschließt Umstellung auf Langsam-Abi

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KIEL. Das Turbo-Abi als Bildungsreform ist in Deutschland bald Geschichte. Die Umstellung auf G9 ist jetzt auch in Schleswig-Holstein auf dem Weg. Für ein Festhalten an G8 haben Gymnasien eine so hohe Hürde, dass sie wohl keine Schule nehmen wird.

Der Landtag in Kiel hat die flächendeckende Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren an Gymnasien auf den Weg gebracht. Für eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes stimmten die Koalitionsfraktionen CDU, Grüne und FDP sowie die AfD. SPD und SSW votierten dagegen. Die Ankündigung des heutigen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU), zu G9 zurückzukehren, hatte wahrscheinlich spürbar zum Wahlsieg der CDU beigetragen.

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Derzeit bieten 84 von 99 Gymnasien das Turbo-Abi nach acht Jahren an. Wer dabei bleiben will, braucht in der Schulkonferenz eine schwer zu bekommende Dreiviertel-Mehrheit. Die SPD forderte per Änderungsantrag vergeblich eine einfache Mehrheit; auch die Grünen hätten sich ein niedrigeres Quorum gewünscht. Gymnasien mit G8-Wunsch sollen darüber bis Ende Februar entscheiden.

Zum Schuljahr 2019/20 werde flächendeckend wieder G9 eingeführt, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Sie verteidigte die geforderte Drei-Viertel-Mehrheit mit dem Argument, damit könne eine Entscheidung gegen G9 nicht gegen Eltern und Schüler getroffen werden. Zusätzlich sei eine Genehmigung des Bildungsministeriums verfassungsrechtlich nötig. Bisher habe keine Schule signalisiert, dass sie bei G8 bleiben wolle.

Es sei der Regierung ein zentrales politisches Anliegen, Schülern wieder mehr Zeit zum Lernen, zum Vertiefen und auch für Sport, Musizieren und gesellschaftliches Engagement zu geben, sagte Prien. Das wollten Eltern, Schüler und die meisten Lehrer auch. Deshalb werde G9 vom Schuljahr 2019/20 an wieder der Regelfall in Schleswig-Holstein werden.

Die Koalition vernachlässige die Gemeinschaftsschulen, weil sie ihnen gegenüber den Gymnasien viel zu wenig Lehrerstellen gebe, sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Er warf dem Regierungsbündnis auch vor, nach den Anhörungen keine Änderungen am Gesetzentwurf vorgenommen zu haben. «Jetzt wird durchregiert», laute das Motto. Die SPD will im Falle eines Sieges bei der nächsten Wahl G9 nicht wieder antasten, um an den Schulen kein Chaos anzurichten.

Einzelne Schulträger machten sich Sorgen wegen möglicher zusätzlicher Kosten im Zusammenhang mit der G9-Umstellung, sagte Prien. Darüber werde auch gesprochen. «Ich halte aber nichts von Zahlenspekulationen und von Panikmache.» Das Ministerium sei dabei, die Fakten zu ermitteln, um eine sachliche Grundlage für weitere Gespräche zu schaffen. Im Übrigen unterstütze das Land die Gemeinschaftsschulen erheblich. Gemeinschaftsschule und Gymnasium dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden, sagte Prien an die Adresse der SPD. dpa

 

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