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Hesse erwägt “Buschzulage” für neue Lehrer auf dem Lande – ist das ungerecht gegenüber den altgedienten Kollegen dort?

SCHWERIN. Birgit Hesse, Bildungsministgerin von Mecklenburg-Vorpommern, will junge Lehrer mit Zusatzzahlungen an Schulen auf dem Land locken. Die Linken sehen darin eine Ungerechtigkeit gegenüber den Lehrkräften, die schon Jahre auf dem Lande arbeiten.

Kämpft gegen den Lehrermangel auf dem Land: Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Foto: Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern

Kämpft gegen den Lehrermangel auf dem Land: Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Foto: Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern

Nach dem Beispiel der sogenannten Buschzulage für Westbeamte im Osten sollen junge Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern mit Sonderzahlungen zur Dienstaufnahme an einer Landschule bewegt werden. Darüber unterrichte nach unseren Informationen das Bildungsministerium am Mittwoch in Schwerin die Mitglieder des Bildungsausschusses im Landtag. «Wir haben für die Sicherung des Lehrernachwuchses schon ein großes Bündel von gut und gerne 50 Maßnahmen geschnürt. Doch für manche Stellen reicht auch das noch nicht», erklärte der CDU-Abgeordnete Marc Reinhardt auf Anfrage. Seinen Angaben zufolge sollen die Zuschläge erst dann als Lockmittel eingesetzt werden, wenn sich auch nach mehreren Ausschreibungen kein Bewerber gefunden hat. Die Höhe des Extragehalts stehe noch nicht fest, könne aber bei 200 bis 300 Euro monatlich liegen.

Junge Lehrer meiden das Landleben – immer mehr Schulen außerhalb der Städte leiden unter Personalmangel

Wie eine Sprecherin des Bildungsministeriums erklärte, wird derzeit gemeinsam mit den Schulämtern geprüft, unter welchen Bedingungen die bereits im Besoldungsrecht vorhandenen Zulagenregelungen genutzt werden können, um Lehrkräfte zu gewinnen. Dies solle auch nicht auf ländliche Schulen beschränkt sein.

Kritik an dem Vorgehen kam von der oppositionellen Linken. Anstatt mit solchen Sonderzahlungen das Lohngefüge durcheinanderzubringen und alteingesessene Pädagogen vor den Kopf zu stoßen, solle das zusätzliche Geld lieber in die Lehrerausbildung samt Praktika investiert werden, forderte die Linken-Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Sie erneuerte die Forderung, Lehramtsstudenten die Fahrtkosten für Praktika an Schulen außerhalb der Universitätsstandorte zu erstatten. «Man muss den jungen Leuten die Chance geben, den Schulalltag auf dem Lande kennenzulernen. Viele würden sich dann auch ohne Buschzulage für die Arbeit dort entscheiden», zeigte sich Oldenburg sicher.

Kritisch äußerte sie sich auch zu den absehbaren Folgen der unterschiedlichen Vergütung. «All jene, die schon Jahre auf dem Lande ausharren und mit vielen Zusatzstunden und viel Engagement den Kollegenmangel dort ausgleichen, müssen sich doch veralbert vorkommen», sagte Oldenburg. Dies müsse man schon als mögliches Problem sehen, räumte Reinhardt ein. «Aber das Problem, dass an ländlichen Schulen Stellen dauerhaft unbesetzt bleiben, das wiegt schwerer», erklärte der Koalitionsvertreter und stellte sich damit hinter den Vorschlag aus dem SPD-geführten Bildungsministerium. dpa

2 Kommentare

  1. Ja, das ist ungerecht gegenüber den dort bereits arbeitenden Lehrern.

    Und wie verträgt es sich mit der GEW-Forderung nach “gleichem Lohn für gleiche Arbeit”?

    Sag ich doch, das ist eine Schimäre bzw. ein Alibi-Argument.

  2. Das wurde in Schlöeswig-Holstein auch mal diskutiert und zum Glück von den Verbänden verhindert. Wie soll man das Stammpersonal, das schon jahrlang an einer Schule unterrichtet, zu guter Leistung und besonders zur Übernahme von unbezahlten Aufgaben motivieren, wenn ein anderer Kollege – nur weil er sich bereit erklärt an der Schule zu unterrichten – 200 Euro mehr bekommt?

    Meine persönliche Konsequenz wäre sofortiger Dienst nach Vorschrift.

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