Am Bedarf vorbei: Lehrerverband kritisiert vom Land beschaffte Dienst-Endgeräte

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DARMSTADT. Angesichts der Übergabe der ersten 1.000 dienstlichen Endgeräte an hessische Lehrkräfte in Darmstadt zeigt sich der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) wenig begeistert. Die dlh-Landesvorsitzende Annabel Fee erläutert: „Einerseits begrüßen wir den Einsatz von 50 Millionen Euro aus dem Digitalpakt Schule, um die digitale Ausstattung der Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern. Andererseits sehen wir die Genese der Beschaffung, die Qualität der Geräte und die Folgen aus beiden für die Schulen in Hessen kritisch.“

Schlägt Budgetlösung vor: Annabel Fee, Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands Hessen. Foto: dlh

Der dlh hat die Entwicklung verfolgt und moniert nun konkret folgende Punkte:

  • „Jedwede Möglichkeit der Mitbestimmung von Personalräten bei der Auswahl der Geräte wurde durch Verweis auf die Zuständigkeit der Schulträger ausgehebelt. Die in Aussicht gestellten Dienstgeräte entsprechen nicht dem heutigen Stand der Technik. Es handelt sich um ein völlig veralteten Fujitsu Lifebook und ein mittelklassiges Apple iPad.“
  • „Der nun beschrittene Weg geht völlig an den individuellen Bedarfen der Lehrkräfte vorbei: Wer sich bereits privat ein digitales Endgerät beschafft hat, erhält nun möglicherweise ein schlechteres oder verzichtet gar ganz. Denn eine Budgetlösung, bei der Gelder für ein unter bestimmten technischen Vorgaben angeschafftes Geräts gezahlt werden, steht nicht zur Auswahl.“
  • „Die wichtigen Fragen nach dem Anwendersupport, der Pflege der Geräte und der softwaretechnischen Ersteinrichtung seien durch das Land Hessen nicht geklärt.“
  • „Es ist nicht absehbar, ob und wie lange die Bediensteten Zugriff auf die zur Verfügung gestellten Endgeräte haben werden. Es handelt sich um „Leihgeräte zur Bewältigung des Distanzunterrichts während der Pandemie“ (O-Ton des HKM). Was geschieht mit ihnen nach dem Ende der Pandemie?“

Außerdem sei nun ein großer Flickenteppich bei der digitalen Ausstattung entstanden.  Boris Krüger, Sprecher des Lehrerverbands, konstatiert: „Uns sind Schulträger bekannt, die aus eigenen Mitteln die Gelder aus dem Digitalpakt aufgestockt und  mit der Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) die Beschaffung besserer Geräte vereinbart haben. Andere fordern von den Schulen die Festlegung auf eines der beiden genannten Endgeräte, um jede Schule einheitlich mit einem Gerätetypen auszustatten. Der Landkreis Limburg-Weilburg verlangt sogar von den Lehrkräften ohne Votum eine Verzichtserklärung, sodass nicht geklärt ist, ob ihr Anspruch auf dienstliche Leihgeräte damit dauerhaft erlischt.“

Die Erfahrungen des Verbands zeigten aber auch, dass es durchaus möglich sei, mit der HZD Sondervereinbarungen zu treffen, sofern beim Schulträger die Bereitschaft dazu vorhanden sei. Die dlh-Landesvorsitzende Annabel Fee schlägt als Kompromiss vor: „Da die 73.000 Endgeräte ohnehin auf mehrere Chargen aufgeteilt eintreffen dürften, könnte das Vorgehen bis zum Eintreffen der letzten Charge durchaus noch seitens des Landes angepasst werden. Auch die von vielen Lehrkräften favorisierte Budgetlösung wäre damit noch nicht vom Tisch.“ News4teachers

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13 KOMMENTARE

  1. Ist korrekt. Habe ein 32gb Ipad WiFi erhalten. Damit soll ich jetzt Excel breiben, Dokumente erstellen oder Material bearbeiten?
    Dazu eine Drittanbieter-Tastatur ohne Maus. Läuft……

    • Ein iPad ist aus meiner Sicht nicht für ein produktives Arbeiten gedacht. Für die Präsentation über ein AppleTV am Beamer in der Schule (falls vorhanden …) sind iPads aber ideal. Ich habe das Glück, das 32GB iPad mitsamt Logitech-Tastatur (die ich aber nicht nutze, da mir viel zu sperrig und schwer) und genialem Apple Pencil bekommen zu haben. Für die Schule ist das super, produktiv arbeite ich am heimischen PC mit großem Monitor.

    • Habe ich auch. Ersetzt natürlich den PC zu Hause nicht, macht aber erheblich besseren Distanzunterricht und wird von der Stadt verwaltet. Und da die Schüler auch eins haben und die Klassenräume AppleTV, kann man auch in der Schule viel besser damit arbeiten als mit einem 17- Zoll- Laptop. Die Frage ist natürlich, wofür so ein Dienstgerät in erster Linie sein soll, für mich sehe ich die aber korrekt beantwortet.

      • Eigentlich sollte ein Dienstgerät doch DSGVO-konformes verarbeiten von Schülerdaten ermöglichen. Das ist über private Geräte nicht (oder nur sehr eingeschränkt) möglich.
        Dafür eignen sich IPads aber nicht. Zeugnisprogramme laufen darauf im Zweifel nicht.
        In meinen Augen geht die Entwicklung am Ziel vorbei. Es geht ja nicht nur ums Präsentieren im Unterricht.

    • Hier ohne Maus und ohne Tastatur.
      Taugt kaum, aber ist nun mal feinster Hipster-Lifestyle. Eben was man sich bei den Verantwortlichen so als passend und praktisch vorstellt.

      • Nicht ganz. Hipster benutzen iPad Pros 🙂

        Im Ernst: Die iPads sind sehr viel einfacher zu administrieren und Apple garantiert fünf Jahre Betriebssystemupdates. Bei Tablets auf Android-Basis muss man danach suchen und Notebooks für die Preisklasse bis 500€ sind schwer, billig und kaum fünf Jahre lang nutzbar.

      • Kein Hipster würde sich mit so einem Teil in der Öffentlichkeit erwischen lassen. Dafür gibt es sowas wie die MacBooks ab 1k€ aufwärts. Tatsächlich ist das kleine iPad ein gutes Arbeitsgerät, wenn es ordentlich verwaltet wird und drumherum auch die passende Apple-Infrastruktur bereitsteht. Zumal das auch für unter 500€ im Leasing-Vertrag kommt und damit in der Schule versichert ist, bzw. man sofort ein Ersatzgerät bekommt, wenn mal was dran ist. Das sind allerdings natürlich drei ganz dicke Wenns, die wahrscheinlich in den wenigsten Fällen alle erfüllt sind. Aber es ist auch ziemlich egal, was für ein Dienstgerät man bekommt, wenn diese zentralen Fragen nicht ordentlich bedacht wurden.

  2. Bei uns gibt es nach wie vor gar keine Dienstgeräte. Es sollen aber die schon genannten iPads werden, irgendwann – allerdings ohne jegliches Zubehör. Das muss man sich dann selbst dazu kaufen, wenn man es benötigt.
    Sie sollen wohl auch hauptsächlich zu Verwaltungszwecken dienen – vor allem als Klassenbuchersatz. Für den Unterrichtseinsatz sind sie nur zweitrangig gedacht… Klingt schon extrem durchdacht. Aber unsere Schüler haben ja auch keine Endgeräte. Insofern passt das schon zusammen.

  3. Wahnsinn! Damit ist Hessen aber doch ganz vorne.

    Wo gibt es denn sonst überhaupt schon irgendwelche digitalen Endgeräte?

    Die anderen Länder warten lieber bis Covid-25 oder -30…

  4. Es macht eigentlich fassungslos, wenn das HKM Mal wieder folgenlos beweisen darf, dass mittlerweile mit allem hiffnungslos überfordert ist- und Mal wieder folgenlos.

  5. Es ist sehr schade, dass hier ein Teil der Kolleginnen und Kollegen die Schuld immer gleich bei den Politikern suchen. Möglicherweise steckt die Schuld nämlich auch beim Schulträger…
    Hier in der Umgebung (Baden-Wü) haben die Schulträger Kontakt zu ihren Schulen aufgenommen und diese gefragt, welche Geräte bzw. Geräteklassen gewünscht sind – immerhin wissen die Schulen dies am Besten. Ja, da steckt auch Arbeit dahinter – beim Schulträger und den Verantwortlichen an den Schulen. An vielen Schulen hier im Umkreis wurde dann per Umfrage im Kollegium ermittelt, welches System gewünscht ist – natürlich mit dem Zutun der EDV-Verantwortlichen in den Schulen bzw. Kreismedienzentren, wenn es an Schulen keine „EDV-Experten“ gibt. Anschließend haben die Schulen unterschiedlich agiert: einige Schulen haben (nackte) (Windows-)Geräte angeschafft, die dann die Kolleginnen und Kollegen selbst mit Software bespielen konnten (die Probleme waren natürlich vorprogrammiert – allerdings gibt es auch hier Vorteile des Systems). Wir sind so verfahren, dass die Windows-Convertibles von einer Firma fremdgewartet werden. Wenn es Fragen oder Probleme gibt, wenden sich die Kollegen an diese Firma. Die angeforderten iPads der Kolleginnen und Kollegen administriere ich als Kollege – weil das per MDM-Mangement sehr einfach geht. Logischerweise haben wir diese mit Stift, Tastaturcover und Apple-TVs (!) für jeden Raum bestellt, alles andere macht aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn und wurde auch so im Vorfeld mit der Schulleitung und dem Schulträger kommuniziert. Warum hier Schulträger laut Auskunft der Kommentatoren hier so verfahren, ist mir ein Rätsel. Das ist schon wieder eine Flickschusterei, wenn Personen beim Schulträger Entscheidungen treffen, die von „Schule“ und „Unterricht“ keine Ahnung haben und ausschließlich die Kosten als einziges Kriterium ansehen.

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