Angeblich den Islam beleidigt: Lehrerin ist auf der Flucht

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ISLAMABAD. Eine Lehrerin einer Mädchenschule ist in Pakistan auf der Flucht. Sie soll in Aufgaben für Sechstklässlerinnen den Propheten Mohammed beleidigt haben. Eine aufgebrachte Menschenmenge zündete bereits die Schule an, und der Schulleiter wurde verhaftet. Dies berichtet die BBC.

Die pakistanische Polizei sucht die Lehrerin wegen des Vorwurfs der Blasphemie. Das ist in Pakistan kein Bagatelldelikt: Darauf steht die Todesstrafe. Die Lehrerin habe offenbar einen Fehler gemacht, als sie einen islamischen Text ins Englische übertrug und ihn als Hausaufgabe über das muslimische Opferfest an die Schülerinnen weitergab, heißt es. Der 77-jährige Schulleiter muss derweil im Gefängnis darauf warten, ob auch gegen ihn Anklage erhoben wird.

Ein Mob aus mehr als 200 Menschen habe nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Mädchenschule in der Provinzhauptstadt Lahore in Brand gesetzt, teilte die Polizei dem Bericht zufolge mit. Dazu habe die Menschenmasse die Bereitschaftspolizisten überrannt, die zum Schutz der Schule aufgestellt worden waren, und Feuerwehrleute bei der Arbeit behindert.

Islamisten in Pakistan bekämpfen die Mädchenbildung mit allen Mitteln. Unlängst wurde die 14-jährige Malala Yousafzai von einem Mordkommando der Taliban wegen ihres Engagements für die Bildung angegriffen und schwer verletzt. (2.11.2012)

Zum Bericht: „Anschlag der Taliban: Malala, die für Bildung kämpft, ringt mit dem Tod“

Zur Meldung: „Pakistan: Schuleiter verhaftet, weil ein Englisch-Test den Islam beleidigt haben soll“

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2 KOMMENTARE

  1. Dieser Hang zur Lynchjustiz scheint in Pakistan nicht untypisch zu sein. Wikipedia schreibt zum Stichwort „Pakistan“: „An einigen der rund 18.000 Koranschulen sind (Stand 2009) fundamentalistische Anschauungen verbreitet, die zu einer Radikalisierung des Landes beitragen.“ Und Koranschulen sind gewiss nicht die einzige Quelle.
    Vermutlich werden Theoretiker bei uns wieder sagen, das habe nichts mit dem Islam zu tun, aber dann müsste man konsequenterweise auch sagen, Koranschulen haben nichts mit dem Islam zu tun bzw. an Koranschulen wird nicht der wahre Islam gelehrt, sondern was anderes. Dann hat man also in Klosterschulen auch nicht das wahre Christentum gelehrt, und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun? Wer so redet, verwechselt wohl eine Theorie im Wolkenkuckucksheim mit der Wirklichkeit unten auf der Erde.
    Ich beurteile jede Religion und jede Ideologie nach der Praxis derer, die diese vertreten, aber nicht nach theoretischen Schriften. Für mich ist Islam das, was aus der Auslegung der theoretischen Schriften in der Realität alles resultiert, analog im Christentum. Im Iran regieren die Mullahs und lassen foltern und hinrichten, also hat das was mit dem zu tun, was Mullahs so vertreten. Sonst könnte am Ende ein Neonazi ankommen und geltend machen, die Verbrechen in den Konzentrationslagern kämen in den theoretischen Schriften nicht vor und hätten folglich nichts mit dem (sozusagen reinen und eigentlichen) Nationalsozialismus zu tun. Und ein Edelkommunist könnte geltend machen, die Verbrechen der Stalinzeit hätten nichts mit dem Kommunismus zu tun, weil die natürlich in den theoretischen Schriften auch nicht vorkommen. Das wäre doch absurd.

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