High-Tech-Standort Deutschland: Forschung boomt

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BERLIN. Deutschland ist nach Aussage der Bundesregierung inzwischen «Weltmeister» bei der Produktion von forschungsintensiven Hightech-Artikeln. Mit einem Weltmarktanteil von 12,1 Prozent belege die Bundesrepublik dabei den ersten Platz, heißt es in einem jetzt vom Kabinett gebilligten Bericht über die «Hightech-Strategie». Fünf Monate vor der Wahl preist die Bundesregierung damit ihre Forschungs- und Innovationspolitik. Auf die jüngste Kritik eines von ihr eigens eingesetzten Expertenrates geht sie nur verhalten ein.

Teilnehmerin des Projektes in einem Fraunhofer-Labor. Foto: CyberMentor
Teilnehmerin des Projektes in einem Fraunhofer-Labor. Foto: CyberMentor

Jedes siebte weltweit angemeldete Patent werde in Deutschland erdacht, so heißt es in dem Bericht. Zudem sei die Zahl der Jobs in Forschung und Entwicklung seit 2005 um 92.000 auf 567.000 Mitarbeiter gestiegen. «Innovationen aus Deutschland sind in der Welt gefragt wie nie», sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Vorstellung des Berichtes. Mit der «Hightech-Strategie» hatte die Bundesregierung mehrere zuvor getrennt geförderte Forschungsprojekte in den Bereichen Klima/Energie, Gesundheit/Ernährung, Mobilität, Sicherheit und Kommunikation zusammengeführt.

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Auf die jüngste, zum Teil auch scharfe Kritik der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) geht der Kabinettsbericht nur verhalten ein. Die Kommission war von der Regierung eigens eingesetzt worden. Die im Koalitionsvertrag zwar versprochene, aber von Union und FDP nicht mehr realisierte steuerliche Förderung von kleinen und mittleren forschenden Unternehmen solle in der nächsten Wahlperiode weiter geprüft werden, heißt es jetzt im Regierungsbericht. Wanka warnte die Unternehmen davor, dabei mögliche Effekte zu überschätzen.

Die EFI-Experten hatten die Bundesregierung bei ihrer Forschungs- und Innovationspolitik vor «zu großer Selbstzufriedenheit» gewarnt und dabei unter anderem auf «massive Schwächen» in der wichtigen Informations- und Kommunikationstechnik sowie in den Lebenswissenschaften verwiesen. Auch bei dem Ziel, junge forschende Unternehmen mit Wagniskapital zu unterstützen, sei in dieser Wahlperiode kein Durchbruch erzielt worden.

Wanka verwies darauf, dass andere Nationen in der Wirtschaftskrise ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung deutlich gekürzt hätten. In Deutschland seien dagegen die staatlichen Forschungsinvestitionen von 9,3 Milliarden Euro in 2006 auf 14,4 Milliarden in 2013 erhöht worden. Wegen der guten Forschungsbedingungen habe es zudem noch nie so viele Gastwissenschaftler an deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten gegeben, sagte Wanka. Auch seien erstmals mehr als 250 000 ausländische Studierende in Deutschland eingeschrieben. Das politische Ziel, die Ausgaben von Wirtschaft und Staat für Forschung und Innovation bis 2015 auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu steigern, sei heute mit 2,9 Prozent fast erreicht, sagte Wanka. Der Vorstoß der EFI-Experten, als nächstes Ziel die 3,5-Prozent-Marke anzustreben, werde sicherlich Gegenstand der nächsten Koalitionsverhandlungen werden, versicherte Wanka. dpa

(10.4.2013)

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1 KOMMENTAR

  1. Im Bereich High-Tech-Forschung ist Deutschland ganz sicher in der ersten Liga. Allerdings erweckt das Foto in diesem Artikel den Eindruck, dass dies auch für Forschungsbemühungen im Bereich Chemie und Biotechnologie gilt – dies ist leider mitnichten der Fall.

    Während die USA und Großbritannien (auch Israel) einen sehr starken Fokus auf den Pharmabereich gelegt haben, ist Deutschland eher im Bereich Maschinenbau, Energietechnik und Automotive führend. Dies wird auch an den starken Automobilmarken VW, BMW, Mercedes sichtbar, die sich im Ausland sehr gut verkaufen.

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