Landeskulturrat: Kempowski und Johnson sollen in der Schule gelesen werden

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SCHWERIN. Mecklenburg-Vorpommerns Schüler sollen nach dem Willen des Landeskulturrats künftig Texte von Uwe Johnson (1934-1984) und Walter Kempowski (1929-2007) in der Schule lesen. Der Landeskulturrat hat die Herausgabe entsprechender Lesebücher für die Schulen des Landes in hoher Auflage vorgeschlagen, wie der Vorsitzende des Gremiums, Michael Körner, bei der Landeskulturkonferenz in Schwerin sagte.

Kempowski wurde vor allem durch seine stark autobiografisch geprägten Romane der Deutschen Chronik bekannt. Foto: Wikimedia Commons / Primary Master
Kempowski wurde vor allem durch seine stark autobiografisch geprägten Romane der Deutschen Chronik bekannt. Foto: Wikimedia Commons / Primary Master

Johnson («Jahrestage») gilt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Er wuchs in Mecklenburg auf. Kempowski («Echolot») wurde in Rostock geboren. Der Landeskulturrat wurde vor gut einem Jahr von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) berufen. dpa

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(30.4.2013)

Zum Bericht: “Lehrer klagen: Abi-Standards halten moderne Literatur von Schulen fern”

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7 KOMMENTARE

  1. Mir gefällt nicht, dass Bücher in der Schule gelesen werden sollen, um damit regionale Autoren zu ehren. Der Inhalt sollte bestimmend sein, warum ein Buch in der Schule gelesen werden soll.

  2. W. Kempowski, ein regionaler Autor?
    Er wurde in Rostock geboren und wuchs in Mecklenburg-Vorpommern auf. Ihn deshalb jedoch als “regionalen Autor” zu bezeichnen, wird seinem Lebenswerk in keinster Weise gerecht. Mit 40 Büchern gehört er zu den “bedeutendsten Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts” (Wikipedia).
    Die Verfilmung seines autobiografischen Romans Tadellöser & Söhne (1975) habe ich noch als sehr unterhaltsam in Erinnerung.
    Von 1948 bis 1956 verbrachte Kempowski acht Jahre im DDR-Zuchthaus Bautzen. Dann ging er nach Hamburg, wo seine ebenfalls bis 1954 inhaftierte Mutter inzwischen wohnte. Nach dem Abitur und seinem Pädagogikstudium war er ab 1960 als Grundschullehrer im Landkreis Rotenburg a.d. Wümme tätig.
    Zu Ehren des Schriftstellers wurde 2007 vom damaligen Bundespräsidenten Köhler eine Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste eröffnet, die sich dem Leben und schriftstellerischem Wirken von W. Kempowski widmete. Den Tag der Ausstellungseröffnung bezeichnete der damals bereits schwerkranke Kempowski “als den glücklichsten Tag” in seinem Leben, “welches er nun, nach jahrelangem zähen, teils bitterem Kampf gegen fehlende öffentliche Anerkennung, zufrieden abschließen könne”.

  3. Naja, trotzdem geht es doch nur darum, dass die Kinder Bücher eines Autors lesen sollen, der in MeVo geboren wurde. Es geht nicht um den Inhalt des Buches, es geht nur um die Herkunft des Autors. Ich kenne kein einziges Werk von ihm. Was ist das Besondere im Inhalt, dass es wichtig ist, eines seiner Bücher zu lesen? Tut mir leid, aber Wikipedia hat mich da eben auch nicht schlauer gemacht.

  4. Warum Kempowski – Ehm Welk würde ich ja noch verstehen (sind wir – in unserer Kindheit nicht alle Heiden von Kummerow gewesen?)

    Nichts gegen Walter Kempowski, seine Lesungen in Bremen waren erfrischend, ich kenne Nartum und auch Zeven (gern erinnere ich mich der Sendungen auf N§ – es muss so Ende der 80er gewesen sein, als diese Orte und das Lebensgefühl dort einem breiteren Publikum vorgestellt wurde). Aber er gehört m. E. mehr ins Elbe-Weser-Dreieck, auch wenn seine Romane der Jugendzeit – retrospektivisch – in MeVo bzw. B spielen.

    Aber gegen Welk sprechen wohl eher politische Gründe.

  5. Mit größtem Vergnügen habe ich “Heile Welt” gelesen, und da kommen jedes Mal wieder eigene Erinnerungen an meine Schülerzeit in so einer kleinen Dorfschschule hoch.
    Hier eine Bewertung bei amazon:
    “In ‘Heile Welt’ entführt uns Walter Kempowski (1929-2007) in eine scheinbare Idylle, das irgendwo im Norden Deutschlands gelegene Dorf Klein-Wense, in dem der Protagonist, der Junglehrer Matthias Jänicke, Anno 1961 seine Lehramtsstelle antritt. In der fast im eichendorff’schen Taugenichtston gehaltenen Erzählung verarbeitet der Autor auf ungemein humorvolle, liebenswerte Weise seine eigenen Erfahrungen als Landschullehrer. Auf einer zweiten, tiefgründigeren Ebene entlarvt er jedoch dieses beschauliche Idyll mit kempowski-typischem Lakonismus, ohne es zu zerstören. Für alle Schüler der 1960er und 70er Jahre ein hochkarätiges Lesevergnügen, ein Blick hinter die Kulissen, oder: eine Erinnerung an die eigene Schulzeit … aus der Sicht des Lehrers präsentiert (so also ist es damals im Lehrerzimmer zugegangen!). Ein Buch, das ich ohne Wenn und Aber empfehle.”
    Die Werke von W. Kempowski gefallen oder auch nicht. Das sollte jede(r) für sich ganz persönlich entscheiden.

  6. @ sofawolf
    Sie fragen nach Gründen, sich in der Schule mit Kempowskis Werken zu beschäftigen.
    Eine Rezension bei amazon zu seinem ersten Teil von “Echolot” gibt da vielleicht einen Hinweis. Das Echolot – Barbarossa ’41 – Ein kollektives Tagebuch –
    “Für mich eines der großartigsten Bücher überhaupt. Im Brennpunkt stehen die Geschehnisse aus dem zweiten Halbjahr 1941 beginnend mit dem Überfall Hitlers auf die Sowjetunion. Was das Buch so einzigartig macht, ist dass es die Ereignisse nicht abstrakt aus der Vogelpespektive des Historikers schildert – sondern anhand von Aufzeichnungen (i.w. aus Tagebüchern, Feldpostbriefen) unterschiedlichster Menschen rekapituliert. So stehen neben den Notizen von z.B. Politikern und Schriftstellern (Thomas Mann, Ernst Jünger,…)die Aufzeichnungen einfacher Soldaten unterschiedlichster Nationalitäten, die Zeugnisse von Deportierten, von im Ghetto eingeschlossenen Juden, der belagerten, hungernden Bürger Leningrads, der um ihre Männer sich sorgenden Frauen,… Diese Dokumente vermitteln ein eindringliches, von anderen historischen Darstellungen kaum zu übertreffendes Bild von den Schrecken des Krieges. Ein ergreifendes, fesselndes Zeitzeugnis. Und eigentlich ein Buch, das als Pflichtstoff in den Geschichtsunterricht gehört !!!”

  7. @ mehrnachdenken, vielen Dank für die ersten Einblick und Ihre eigene Sicht auf Herrn Kempowski. Sie schreiben, es möge jeder entscheiden, ob ihm seine Werke gefallen oder nicht, aber wenn die Schüler sie lesen MÜSSEN, dann haben das ja bereits andere (vor-)entschieden. Was mir bei den zwei Bewertungen immer noch irgendwie fehlt, ist der Ideengehalt, das geistesgeschichtlich Großartige, was die Schüler lernen sollen, wenn sie diese Bücher lesen MÜSSEN. Mehr als einfach nur, wie es hinter den Kulissen einer kleinen Dorfschule zuging. Gibt es sowas nicht schon dutzendfach oder gar hundertfach, gerade auch wenn es um die Aufarbeitung des 2. Weltkrieges geht? Aber trotzdem danke, ich muss da mal etwas genauer recherchieren …….

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