Steinbrück irritiert mit Aussagen über getrennten Sportunterricht

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BERLIN. Mit Aussagen zu einem getrennten Sportunterricht von Jungen und Mädchen aus religiösen Gründen hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück neue Kritik auf sich gezogen – auch aus den eigenen Reihen.

Eckt mit Aussagen zum getrennten Sportunterricht von Mädchen und Jungen an: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück. Foto: Dirk Vorderstraße / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
Eckt mit Aussagen zum getrennten Sportunterricht von Mädchen und Jungen an: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück. Foto: Dirk Vorderstraße / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Peer Steinbrück meinte Einzelfälle, nun muss er sich des Eindrucks erwehren, aus Rücksicht auf Muslime bundesweit getrennten Sportunterricht von Jungen und Mädchen zu befürworten. Steinbrück hatte aus Rücksicht auf Schüler muslimischen Glaubens bei einem Bürgerdialog einen getrennten Sportunterricht als denkbaren Weg bezeichnet, dies aber keineswegs generell befürwortet.

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Steinbrück war bei der „Klartext“-Veranstaltung am Mittwoch in Berlin mit Blick auf Forderungen eines muslimischen Vaters nach getrenntem Sportunterricht gefragt worden, wie weit seine Toleranz hier reiche. Daraufhin sagte er: „Wenn Schulen es einrichten können, dann sollen sie es machen. Ich würde da Rücksicht nehmen auf religiöse Überzeugungen. Aber da denkt vielleicht jeder anders.“ Ihm sei die Problematik wegen Schilderungen seiner Frau bewusst. Diese ist Lehrerin in Bonn. Oft würden muslimische Mädchen durch Krankmeldungen vom gemeinsamen Schwimmunterricht ferngehalten. Ehe dies geschehe, sei es sinnvoll, andere Lösungen zu finden.

„Das ist eine sehr unglückliche Äußerung von Herrn Steinbrück“, sagte der Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), der „Welt“. Buschkowsky betonte: „Junge Leute brauchen moderne gesellschaftliche Orientierung – in Ergänzung oder auch im Gegensatz zu tradierten Familienriten. Mädchen- und Jungenschulen hatten wir vor 150 Jahren.“ Es gebe in Deutschland keine Geschlechtertrennung. Es könne nicht sein, jetzt die gesellschaftliche Uhr zurückzudrehen.

Zustimmung zu Steinbrück sinkt in den Umfragen

Unterdessen musste Steinbrück in einer neuen Umfrage einen Dämpfer hinnehmen. Laut dem aktuellen ARD-„Deutschlandtrend“ liegt die Zustimmung für seine politische Arbeit nur noch bei 32 Prozent – das sind vier Punkte weniger als im Vormonat. Es ist der schlechteste Wert für ihn seit 2005. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommt 68 Prozent Zustimmung. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier liegen mit jeweils 54 Prozent Zustimmung weit vor ihrem Kanzlerkandidaten.

Die schwarz-gelbe Koalition nutzte die Schulsport-Aussagen zu neuen Attacken auf Steinbrück. „Getrennter Sportunterricht fördert nicht, sondern behindert die Integration muslimischer Kinder“, sagte Unions-Fraktionsvize Günter Krings (CDU). Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer (CDU), sagte der „Bild“-Zeitung: „Peer Steinbrück irrt. Schule, gerade der Sportunterricht, ist ein Ort des sozialen Lernens. Gemeinsames Lernen und gemeinsamer Sportunterricht fördern die Integration“. FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der „Rheinischen Post“: „Wir wollen Integration auf der Basis unserer Grundrechte – dazu gehört die Gleichberechtigung von Mann und Frau.“

Auch aus Reihen der Grünen kam Kritik an Steinbrück. Memet Kilic, Sprecher für Migrationspolitik, sagte, Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle sei Teil des Grundgesetzes. „Dies darf aber nicht auf Kosten universell gültiger Menschenrechte geschehen.“ Zu diesen gehöre die Gleichberechtigung der Geschlechter. dpa

(5.4.2013)

Zum Bericht: Will keine “Beigabe” sein: Gertrud Steinbrück ist Lehrerin

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4 KOMMENTARE

  1. Tja, der Herr Steinrück tut mir so langsam richtig leid.
    Komisch, ich habe mit muslimischen Mädchen keinerlei Probleme – weder im gemischten Sport- oder Schwimmunterricht noch auf Klassenfahrten.

    • Das ist vielleicht eine Frage der Altersstufe. In der SEKI bei uns gibt es immer wieder Mädchen, die nicht an Klassenfahrten teilnehmen dürfen. Sportunterricht findet dann eben mit Kopftuch und langen Hosen statt.

  2. Korrektur: Steinbrück” sollte es wohl beser heißen. Aber vielleicht steckt in dem unbeabsichtigten Schreibfehler ja schon so etwas wie eine Vorahnung – dass er tatsächlich “rücken” muss.

  3. Herr Steinbrück sollte lieber nachdenken, bevor er als Politiker “seine” Meinung äußert und lieber für eine gesunde Integration in Deutschland sorgen. Wir leben hier in einem demokratischen Land. Aber heißt das, dass man alles erfüllen sollte, was erbeten und gefordert wird, für alles Verständnis haben muss und die eigene Kultur irgendwann vielleicht verleugnet wird. Wir leben in Deutschland und die Menschen, die hier leben möchten, sollten sich Gedanken darüber machen, was Integration bedeutet. Und um mal ganz provokant zu sein: die muslimischen Mädchen, die von ihren Eltern vom Schwimmunterricht durch Krankmeldung befreit werden sind vielleicht morgen die jungen Frauen, die von ihrer Familie umgebracht werden, weil sie sich in einen deutschen Mann verliebt haben.

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