Eltern hetzen gegen Rektorin – Kultusministerium setzt sie ab

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BÖBLINGEN. Die Rektorin einer Grundschule im baden-württembergischen Böblingen wird abgesetzt, weil Eltern sich über sie beschwert hatten. Dies teilte das Kultusministerium in Stuttgart einem Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“ zufolge mit. Dabei seien der bisherigen Schulleiterin keine dienstlichen Verfehlungen anzulasten, hieß es.

Der Fall mutet dubios an: 175 Eltern hatten sich beim Kultusminister über die Pädagogin beschwert. Sie soll für eine hohe Lehrerfluktuation und ein schlechtes Klima an ihrer Schule verantwortlich sein. Zudem äußerten die Eltern den Verdacht, die Pädagogin gehöre einer Psychogruppe an, die so Einfluss auf das Schulleben nehme. Die Rektorin gab zwar zu, privat Beratung bei der Gruppe in Anspruch genommen zu haben – verwahrte sich aber gegenüber dem Vorwurf, dass es sich dabei um eine Art Sekte handele. Auch habe die Gruppe keinerlei Einfluss auf dienstliche Belange genommen.

Das Regierungspräsidium Stuttgart sah als Aufsichtsbehörde der betroffenen Schule ebenfalls „keine belastbaren Tatsachen“ für eine Einstufung als Psychogruppe. Das Staatliche Schulamt erklärte, dass der Schulleiterin kein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann. Jetzt attestierte auch das Kultusministerium der Pädagogin, ihr seinen keine dienstlichen Verfehlungen anzulasten. Abgesetzt wird sie trotzdem. Die „Stuttgarter Nachrichten“ zitierte den zuständigen Amtschef: „Mit einem personellen Neubeginn zum neuen Schuljahr soll die Wiederherstellung des Schulfriedens an der Schule ermöglicht werden.“ Einen anderen Weg, die Konflikte zwischen Eltern, Schulleitung und Lehrerkollegium beizulegen, habe das Ministerium nicht gesehen.

Mit der Neubesetzung der Schulleiterstelle sei „ein friedlicher Start in das neue Schuljahr“ möglich, erklärte auch Ulrich Schwarz, Böblingens Erster Bürgermeister, dem Blatt. Er habe erfahren, dass Eltern von Mörike-Schülern schon über Schulstreiks diskutiert hätten, so Schwarz. „Das wäre nicht im Interesse der Kinder gewesen.“ Die jetzt getroffene Entscheidung des Ministeriums nannte er deshalb „klug“. News4teachers

Zum Bericht: Moderne Hexenjagd im Ländle? Eltern hetzen gegen Rektorin, die einer Art Sekte angehören soll

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12 Kommentare
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drd
7 Jahre zuvor

Wahrscheinlich hat man der Rektorin ihre Absetzung trotz fehlender dienstlicher Verfehlungen als Fürsorgepflicht verkauft. Leider leistet das KM damit der Willkür von Elternbehauptungen Vorschub. Aber von rot grün war das ja nicht anders zu erwarten. Demnächst folgen Absetzungen, weil schlechte Noten den „Schulfrieden“ stören.

hilarus@t-online.de
7 Jahre zuvor
Antwortet  drd

Ob es wirklich an Rot-Grün liegt, sei dahingestellt. Immerhin ging die entsprechende Anfrage im Landtag von der CDU aus. Nach meinen Beobachtungen ist der Murcks in der Bildungspolitik diesbezüglich sowieso länder- und somit parteiübergreifend.

Mit Ihren Einlassungen zu Elternbehauptungen und „Fürsorgepflicht“ haben Sie allerdings völlig recht. Es scheint allgemeine Politik zu sein, Stress mit Eltern auf alle Fälle aus dem Wege gehen zu wollen. Spätestens sobald diese in Gruppen auftreten. „Schulfrieden vor Wahrheitsfindung!“ ist meist die Devise.
Die Ab- bzw. Versetzung von Schulleitern und Lehrern ist da immer der bequemere Weg. Es sei denn, man hätte sie nicht. Vgl.
https://www.news4teachers.de/2014/08/brandenburg-mehr-als-240-000-stunden-ausgefallen/
https://www.news4teachers.de/2014/08/schuelerzahlentwicklung-in-rheinland-pfalz-torpediert-einsparplaene-der-regierung/
https://www.news4teachers.de/2014/08/100-konrektoren-stellen-an-berliner-schulen-unbesetzt/
https://www.news4teachers.de/2014/08/schulleiterposten-nur-schwer-zu-besetzen/

Aber bis die Erkenntnis ankommt, daß Lehrer keine Wegwerfware sind, deren Ersatz man bei Bedarf aus dem Regal holt, dauert es wohl noch eine ganze Weile.

Lisa Müller
7 Jahre zuvor
Antwortet  drd

Bitte, es sollten sich die Leser ausführlich informieren und nicht nur diesen einen, dezent pro-Lehrer tendierenden Bericht als Grundlage für ihr Urteil nutzen. Es gibt tatsächlich Schulleiter/innen, die sich auf Seiten der Eltern stellen und damit ihren eigenen Lehrer/innen in kritischen Situationen in den Rücken fallen. Hier aber wurden von mehreren Schulleiterinnen verschiedener Schulen gravierende Fehler begangen, und zwar zu Lasten der Kinder. So wurden Förderungen und Gewaltpräventionen gestrichen, Sorgen der Lehrer um mögliche Lernbehinderungen einzelner Kinder nicht weitergeleitet ans Schulamt etc. Meiner Meinung nach sollten wir die Beurteilung der Situation denjenigen Leuten überlassen, die zu den entsprechenden Zeiten an den Schulen gearbeitet oder ihre Kinder dort hatten und aus eigener Erfahrung berichten können.

dickebank
7 Jahre zuvor

Zunächst muss es einmal grün-rote Landesregierung heißen.

Zum anderen, welchen Vorteil hätte es, die Rektorin auf ihrem Dienstposten zu belassen? Entspannt das die Situation? Führt das im zweiten Schritt zu einer vertauensvolleren Zusammenarbeit mit den Eltern?

Klar hätte man aus reiner Printipienreiterei die Rektorin auf ihrem Dienstposten belassen können, um sie anschließend nach endlosen Querelen in den vorläufigen Ruhestand versetzen zu können. Der Staat hätte so richtig Härte im Umgang mit den Bürgern gezeigt, toll. – Nur zu wessen Lasten wäre dies gegangen?

Natürlich ist diese Personalmaßnahme unbefriedigend. Aber gegen Personalentscheidungen kann der Personalrat Widerspruch erheben bzw. die Betroffene klagen. Wenn beides nicht passiert, dann kann die maßnahme unter Abwägung aller Umstände ggf. das kleinere Übel sein.

Reinhard
7 Jahre zuvor

175 Beschwerden sind aber schon viele!

Reinhard
7 Jahre zuvor

Frage an die Redaktion: Können Sie genauer ausführen, warum die Beschwerden der Eltern „Hetze“ sind und nicht etwa berechtigte Beschwerden?