Gegen den Lehrermangel: “Pädagogische Mitarbeiter” sollen die Kollegien unterstützen

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HALLE. Der Lehrermangel vor allem an Grundschulen gewinnt zunehmend an Dramatik. Auch in Sachsen-Anhalt sorgt die Personalsituation in den Klassenzimmern für Dauerdiskussionen. Bildungsminister Marco Tullner hat jetzt eine neue Ideen, den Problemdruck zumindest zu mindern: Hunderte von pädagogischen Mitarbeiter sollen zur Unterstützung von Lehrkräften zusätzlich eingestellt werden.

Unterstützung für die unterbesetzten Kollegien soll in Form von "pädagogischen Mitarbeitern" kommen. Foto: pixabay
Unterstützung für die unterbesetzten Kollegien soll in Form von “pädagogischen Mitarbeitern” kommen. Foto: pixabay

Um – trotz zunehmenden Lehrermangels – Schüler individuell fördern zu lassen, will Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) künftig an jeder Grundschule im Land mindestens einen pädagogischen Mitarbeiter beschäftigen. Je nach Größe der Einrichtung solle die Zahl der pädagogischen Mitarbeiter nach halben Stellen aufsteigend gestaffelt werden, teilte ein Sprecher des Bildungsministeriums mit. Dafür soll in den kommenden Jahren die Verabredung der schwarz-rot-grünen Koalition umgesetzt werden und die Zahl der Stellen von derzeit rund 1520 auf 1800 in einigen Jahren steigen.

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Pädagogische Mitarbeiter dienen als Unterstützung der Lehrer im Klassenzimmer. An Förderschulen sollen sie den Kindern und Jugendlichen individuell dabei helfen, den Schulalltag psychisch und physisch zu bewältigen. An Grundschulen sollen die Kleinen dank der zusätzlichen Erzieher individueller gefördert werden können.

Wann, wenn nicht jetzt? Gebt Lehrern endlich die Unterstützung, die sie brauchen!

Die neuen Pläne für den künftigen Einsatz der pädagogischen Mitarbeiter sind am Dienstag Thema im Kabinett. Zunächst hatte die «Mitteldeutsche Zeitung» über das Konzept berichtet. Laut dem Bericht sind für Grundschulen mit 400 Kindern drei pädagogische Mitarbeiter geplant. Rund 140 der aktuell 450 Grundschulen sollen demnach einen Erzieher bekommen. Diese Mindestversorgung gebe es bisher nur bei Förderschulen.

Um die Ideen umzusetzen, brauche es zusätzliches Geld für Personal, erklärte Bildungsminister Tullner. Darüber müsse in den Haushaltsberatungen für den Etat 2019 gesprochen werden. Bis dahin werde die Zahl der pädagogischen Mitarbeiter im kommenden Jahr erneut um fast 60 Kollegen sinken. Um künftige Altersabgänge auszugleichen, eine landesweite Versorgung abzusichern und den vorhergesagten steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden, seien die etwa 300 zusätzliche Stellen nötig.

SPD drückt aufs Tempo

Der Koalitionspartner SPD begrüßte Tullners Konzept prinzipiell, drückt aber aufs Tempo. «Das Konzept beschreibt und erkennt zwar dringende Bedarfe, verschiebt Einstellungsoptionen aber auf den nächsten Haushalt», kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Angela Kolb-Janssen. Die Sozialdemokraten würden den Bildungsminister unterstützen, sollte er seine Pläne schneller umsetzen wollen, ergänzte Fraktionschefin Katja Pähle. Ihre Partei habe mit Blick auf den Personalmangel im Klassenzimmer bereits mehrfach einen Nachtragshaushalt ins Spiel gebracht, um mehr Einstellungen zu ermöglichen.

Tullner sagte, er freue sich über jede Unterstützung, einen Nachtragshaushalt könne jedoch nur sein Kabinetts- und Parteikollege André Schröder vorlegen. Der angesprochene Finanzminister bekräftigte sein früheres Nein noch einmal: Der geltende Haushalt mit geplanten Rekordausgaben in den Jahren 2017 und 2018 gebe genügend Spielräume für Gestaltung, sagte er. «Wenn wir die einzigen Rufer im Wald für einen Nachtragshaushalt sind, dann nehmen wir das zur Kenntnis», entgegnete SPD-Fraktionschefin Pähle.

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In der Diskussion um Unterrichtsausfall und Lehrermangel an den Schulen hatte zuletzt eine Volksinitiative im Landtag nicht nur 1000 zusätzliche Lehrer, sondern auch 450 weitere pädagogische Mitarbeiter gefordert. Tullner nannte die Forderung «plakativ und auch ein Stück weit unrealistisch» und hatte entgegnet, das Land sei auf einem guten Weg, nur über das Tempo lasse sich streiten.

Das Bildungsministerium hatte 2016 nach eigenen Angaben zum ersten Mal seit vielen Jahren überhaupt wieder Stellen für pädagogische Mitarbeiter ausgeschrieben. Im Frühjahr lief die Suche nach mehr als 60 Kollegen für die Förderschulen. Derzeit können sich staatlich anerkannte Erzieher für 22 Stellen an Grundschulen in Magdeburg und Halle bewerben. dpa

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7 KOMMENTARE

  1. ZITAT: “Um die Ideen umzusetzen, brauche es zusätzliches Geld für Personal, erklärte Bildungsminister Tullner. ”

    Dürfte doch kein Problem sein bei den sprudelnden Steuereinnahmen, wie manche hier gerne in eigener Sache argumentieren.

      • Es gibt keine mehr – der Arbeitsmarkt für Grundschullehrer ist leergefegt, wie ja nun ziemlich oft auf News4teachers berichtet wurde.

        • Das ist klar.

          Lösungsmöglichkeiten wurden ebenso oft genannt. Forschen Sie mal nach.

          Ich will hier auf etwas anderes hinaus. Es scheint mir, als wenn echte Lösungen (Lehrer / Erzieher) zu teuer sind, sodass man nach “Billigarbeitern” im Bildungssektor sucht.

          Das ist dann eine Folge der “Immer-mehr-Gehalt-Wollenden”. Aber es trifft ja die anderen, nicht wahr?!

          • Aber was spricht dagegen, ein Unterstützungssystem für Lehrkräfte i8n den Schulen aufzubauen? Es gibt schließlich auch kein Krankenhaus, in dem nur Ärzte arbeiten – und es schreit auch niemand “Ausbeutung!”, weil ein Pfleger weniger verdient als ein Mediziner.

          • Wenn diese Menschen vernünftig ausgebildet und bezahlt werden, spricht nichts dagegen. Ich erwarte aber eine eher Schmalspurfortbildung, geringe Bezahlung, befristete Anstellungen und Übertragung von Aufgaben, die eigentlich (nicht vorhandene) Lehrkräfte übernehmen müssten.

  2. Jahrelang gepennt und dann so eine Idee – respekt, kann ich da nur sagen .
    Es gilt doch aber auch für die Kultusministerien, dass die Bürger ein Recht auf eine gute Kultusverwaltung haben. Oder habe ich was verpasst???

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