Berlins Justizminister will Lehrerinnen Kopftuch erlauben

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BERLIN. Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat sich erneut dafür ausgesprochen, muslimischen Lehrerinnen das Tragen eines Hijab zu erlauben. «Ich bin der Meinung, dass wir es in einer multireligiösen Stadt wie Berlin aushalten sollten, wenn an den Schulen junge Frauen mit Kopftuch unterrichten», sagte Behrendt in einem Interview der «Berliner Zeitung».

Bislang verbietet das Berliner Neutralitätsgesetz Lehrerinnen das Kopftuch und andere religiöse Zeichen. Foto:
Garry Knight / flickr (CC BY 2.0)

Bisher verbietet es das Berliner Neutralitätsgesetz Lehrern, Polizisten und Justizbediensteten, sichtbare religiöse Symbole zu tragen. Das gilt für ein Kopftuch ebenso wie für ein Kreuz oder die jüdische Kippa.

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Auch für Polizistinnen und Richterinnen schloss Behrendt ein Kopftuch nicht grundsätzlich aus. Dies sei jedoch sicher ein längerer Weg, weil es in diesen Bereichen um die Ausübung unmittelbarer staatlicher Gewalt gehe, sagte er. «Das ist nicht mein Projekt für die nächsten Jahre.»

Mit Blick auf Lehrerinnen drängt der Senator dagegen weiter auf eine Änderung des Neutralitätsgesetzes. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auch in Berlin umgesetzt wird», betonte er. Deutschlands höchstes Gericht hatte pauschale Kopftuchverbote für verfassungswidrig erklärt.

Behrendt betonte, derzeit könne jede Muslima, die an einer Berliner Schule abgelehnt werde, erfolgreich eine Entschädigung wegen Diskriminierung einklagen. «Es stellt sich schon die Frage, ob wir mit Steuergeld dauerhaft diese Entschädigungen zahlen wollen – oder ob man nicht besser die Diskriminierung abschafft», sagte er. dpa

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17 KOMMENTARE

  1. Merkwürdig nur, dass in der gar nicht so multireligiösen Türkei das Kopftuch in Schulen ca. 80 Jahre lang verboten war (bis vor kurzem), und zwar sowohl Lehrerinnen wie Schülerinnen. Der Islam hat davon keinen Schaden genommen, die Türken sind doch nicht etwa religiös traumatisiert deswegen?

    • Noch was: Wie wär’s denn mal mit einer “under cover”-Umfrage, wieviele der Frauen und Mädchen das Kopftuch von sich aus und freiwillig tragen und wieviele deswegen, weil sonst jemand von den Patriarchen mit ihnen schimpft.

      • Und was soll das bringen? Die Welt ist nicht nur schwarz-weiß. Faktisch sperrt das Kopftuchverbot junge Frauen aus konservativ-islamischen Familien vom Lehrerberuf aus. Dabei brauchen wir Integrationsvorbilder in den Schulen – also muslimische Frauen, die durch Beruf und Bildung zu Vorbildern werden.

        Gerade das Beispiel Türkei zeigt, wie stark durch ein staatliches Verbot ein religiöses Symbol wie das Kopftuch (das mittlerweile in der Türkei verbreitet ist wie seit Jahrzehnten nicht) politisiert wird. Die Türkei war übrigens seit Atatürk laizistisch (und nicht “gar nicht so multireligiös”) – und wird heute von einer islamistischen Partei regiert, die ihren Rückhalt dort hat, wo der Zwangs-Laizismus nie angekommen ist: in konservativen ländlichen Regionen.

        • Gerade _weil_ die Türkei einen so gewaltigen Rückschritt macht, darf sich Deutschland dem nicht anschließen. Man müsste auch mal repräsentativ erheben, wie viele der konservativ-islamischen Familien den Frauen überhaupt ein Abitur, eine universitäre Ausbildung und überhaupt eine Berufsausübung erlauben. Tendenziell gilt nämlich “je bildungsferner desto konservativer”.

          Ach ja, lieber Bernd: Auch in Inklusions- und Genderfragen ist die Welt nicht nur schwarz-weiß.

        • “… die ihren Rückhalt dort hat, wo der Zwangs-Laizismus nie angekommen ist: in konservativen ländlichen Regionen.”

          Wunderbar! Und diese konservativen ländlichen Regionen mit ihren patriarchalischen (gar nicht gender-gerechten) Strukturen, ihrem Jungfräulichkeitswahn und ihrer Familienehre bringen uns auf geradem Wege ins nächste Jahrhundert, stimmt’s? Weiter so?

          • Leute wie Sie politisieren das Kopftuch – anders als die allermeisten jungen Frauen, die es tragen. Das Bundesverfassungsgericht hat das Recht, ein Kopftuch auch im Schuldienst zu tragen, bestätigt, wenn nicht auch alle anderen religiösen Symbole verboten sind.

            Die aggressive Anti-Islam-Haltung, die Sie hier vertreten, treibt viele junge Muslime, die gedrängt werden, sich zwischen den Kulturen entscheiden zu müssen, in die Arme von Islamisten – so spielen sich die Extremisten die Bälle gegenseitig zu. Stimmt’s?

          • “Leute wie Sie politisieren das Kopftuch.”
            Fragen Sie lieber mal Alice Schwarzer, wer hier das Kopftuch politisiert. Was ist denn mit den Islam-Funktionären? Was ist mit Erdogan und mit Ditib? Was mit den Mullahs im Iran? Die ersten türkischen Zuwanderer hier in D hielten nicht annähernd so viel vom Kopftuch. Man hat ihnen das später eingeredet, aber wer?
            Wenn ich eine Umfrage vorschlage, um zu klären, ob das nun freiwillig gemacht wird oder nicht, dann ist das überhaupt nicht aggressiv. Sie sind aggressiv. Ich wette, 95 % der Kopftücher hier in D werden nicht aus Eigeninitiative der Frauen getragen, sondern auf Befehl der Patriarchen. Und was war eigentlich mit der Gender-Gerechtigkeit?

          • Mit dem Tragen eines Kopftuches drückt eine islamische Frau ihre Weltanschauung aus , sowie in großen Teilen dieser die Unterwerfung unter das Jahrhunderte alte Patriachat der Männer in diesen archischen Gesellschaften.
            Frauen haben dort die Ehre der Familie hoch zu halten, dürfen keine vorehelichen Beziehungen eingehen und sollen “unbefleckt” in die Ehe eintreten, während die jungen Männer sich austoben dürfen.Homosexuelle haben in diesen Gesellschaften sowieso schlechte Karten und werden verfolgt.
            Da besteht ein eklatanter Widerspruch zu dem von Ihnen geforderten Gendermainstream.
            Wo fördern diese orthodoxen Kräfte, sei es Erdogan oder die konservativen Kräfte im Iran, die Emanzipation der Frau.
            Mit derartigen Menschen stelle ich mir ein Zusammenleben in unserer Gesellschaft sehr schwierig vor und wir definieren ,
            wer zu uns kommen darf und es sind nicht die anderen, die festlegen wohin sie gehen.
            Dieses Prinzip galt schon zu Zeiten der Aufklärung.

          • @Bernd
            “Leute wie Sie politisieren das Kopftuch – anders als die allermeisten jungen Frauen, die es tragen”

            1. Sie verharmlosen den Islam. Während Typen wie sie vorher gar nicht hartnäckig genug jede christliches Erscheinungsbild aus den Klassenräumen verdammen kommen, wird den Muslimen durch die gleichen Leute in den A. gekrochen. Diese Heuchlerei wiedert mich so an.

            2. Es gibt keinen unpolitischen Islam. Es gibt keinen Lebensbereich der Muslime, dessen Handlungen nicht vom Koran und den Hadithen vorgeschrieben werden. Es wird den Gläubigen sogar die Hygiene vorgeschrieben. Die Scharia stellt die religiöse Rechtsordnung dar.

            “Das Bundesverfassungsgericht hat das Recht, ein Kopftuch auch im Schuldienst zu tragen, bestätigt, wenn nicht auch alle anderen religiösen Symbole verboten sind.”

            Warum nur religiös, warum nicht das Weltanschauliche mit einbeziehen (das ist vielen Menschen mindestens genauso wichtig wie anderen die Religion)?

            Der Lehrer mit dem AfD-Shirt? Kein Problem. Die Lehrerin mit einem Islamismus-stoppen-Sticker auf der Tasche? Warum nicht?

            Eines kann ich ihnen sagen, öffnen sie (nicht sie persönlich, sondern Befürworter wie sie) nicht die Dose der Pandora.

            “Die aggressive Anti-Islam-Haltung, die Sie hier vertreten, treibt viele junge Muslime, die gedrängt werden, sich zwischen den Kulturen entscheiden zu müssen, in die Arme von Islamisten – so spielen sich die Extremisten die Bälle gegenseitig zu. Stimmt’s?”

            Stimmt nicht!

            Wir wissen aus linker Argumentation doch längst, dass es überhaupt keine Kultur gibt. Zwischen welchen “Kulturen” sollte sie also hin- und hergerissen werden?

            Sich neutral vor den Schülern zu verhalten treibt sie also in die Arme der Islamisten?! Sie behaupten also selber, dass die Muslime so gefährlich sind, dass man sich ihnen anbiedern muss, weil man sonst Angst haben muss, dass sie sich sonst extremistisch verhalten?

            Wow, Bernd, so viel Ehrlichkeit hätte ich ihnen gar nicht zugetraut.

            Eine kleine Anmerkung noch, weil sie, bis auf 12 Jahre deutscher Vergangenheit, nicht viel Ahnung von Geschichte haben und daher nicht viel daraus lernen konnten: Es gab schon einmal eine Zeit in der Linke und Muslime zusammengearbeitet und ein offenes Land, wo Frauen frei waren und Minirock trugen, zu Grabe trugen. Nachdem die Muslime mit Hilfe der Linken die Regierung stürzten, die Macht übernahmen und einen Gottesstaat aufbauen wollten (kurz gesagt, die Linken ihre Schuldigkeit getan hatten), wurden die Linken einfach aufgeknöpft. Ich rede vom Iran.

            Die progressive Linke ist bestenfalls die fünfte Kolonne, aber glauben sie ja nicht, lieber Bernd, dass sie da mit irgendeiner Nachsicht zu rechnen hätten.

            Roger and out.

          • “… wurden die Linken einfach aufgeknöpft. Ich rede vom Iran.”
            Gerade heute steht bei tagesschau.de eine Meldung, wie man im islamischen Gottesstaat Iran mit jeder Art von politischer Opposition umgeht: Etwa so wie Putin, nur etwas strenger. Alle Demonstrationen sind illegal. Und haben nicht die Mullahs den Islam mitsamt Kopftuch und Scharia politisiert wie kaum jemand anderes in letzter Zeit? Hat nicht der dortige Staatspräsident öffentlich angekündigt, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen? Sowas in dieser Richtung sollte sich mal Trump erlauben, er wäre schnell weg vom Fenster.
            Nebenbei: Alice Schwarzer berichtete mal interessante Details nach einem Besuch im Iran kurz nach der Absetzung des Schah. Da wurde ihr von den neuen Machthabern erläutert, wie man mit denen umzuspringen gedenkt, die die Regeln des Islam nicht einhalten. Ich glaube, seitdem hält Frau Schwarzer nichts mehr vom Islam.

        • “Faktisch sperrt das Kopftuchverbot junge Frauen aus konservativ-islamischen Familien vom Lehrerberuf aus.”

          Hätten Sie die gleichen Bedenken bei entsprechend geprägten Menschen aus “konservativ-nationaldemokratischen” Familien? (Keine Sorge, das war eine rein rhetorische Frage 😉 )

          “Dabei brauchen wir Integrationsvorbilder in den Schulen – also muslimische Frauen, die durch Beruf und Bildung zu Vorbildern werden.”

          Ich weiß ja, jeder kann als Vorbild dienen und wenn es ein Schlechtes ist, aber mal im ernst: nein, SOLCHE Vorbilder brauchen “wir” (wer soll das sein) ganz sicher nicht, denn das bewirkt genau das Gegenteil.

          “Gerade das Beispiel Türkei zeigt, wie stark durch ein staatliches Verbot ein religiöses Symbol wie das Kopftuch (das mittlerweile in der Türkei verbreitet ist wie seit Jahrzehnten nicht) politisiert wird. Die Türkei war übrigens seit Atatürk laizistisch (und nicht “gar nicht so multireligiös”) – und wird heute von einer islamistischen Partei regiert, die ihren Rückhalt dort hat, wo der Zwangs-Laizismus nie angekommen ist: in konservativen ländlichen Regionen.”

          Das zeigt einzig nur, was passiert, wenn man “konservativ-islamischen Familien” wie, nenne ich mal einen beliebigen typischen türkischen Familiennamen, Erdogan den kleinen Finger reicht und sie die Gesellschaft übernehmen und in ihrem Sinne formen lässt.

  2. Ich finde das Kopftuch letztlich in Ordnung.

    Man weiß dann gleich, wo jemand einzuordnen ist. Es müsste dann aber auch ein Kreuz (wieder) erlaubt sein.

    • Bei manchen christlichen Gruppen tragen die Frauen heutzutage auch noch Kopftuch. Ich kenne es von strenggläubigen Baptisten z.B.

      • Der Vergleich mit Baptisten hinkt und verharmlost meiner Meinung nach.
        Ich gehe mit Alice Schwarzer d’accord, dass islamische Kopftücher ein politisches Signal sind und mehr durch Männerbefehl als durch eigenen Entschluss getragen werden.
        Recht haben Sie mit der Feststellung, dass dann das Tragen eines Kreuzes wieder erlaubt sein müsste.

    • So wie hier wird der Zwang zum Kopftuch offenbar in islamischen Kreisen diskutiert, durchaus kontrovers:
      https://www.gutefrage.net/frage/ich-werde-gezwungen-ein-kopftuch-zu-tragen-suche-rat
      Kleines Zitat: “Sie [die Mama] sagte zu mir ‘Wenn du das ablegst entweder gehe ich dann von zu hause weg oder du.'” Aber alles ist ganz freiwillig …
      Noch ein Zitat daraus: “Mein vater hat mir verboten ohne kopftuch raus zu gehen. Ich habe ihm gesagt das ich es nicht will und als ich dann ohne rausgehen wollte hat er mir ne ohrfeige gegeben jetzt habe ich angst rauszugehen …”
      Es kommt auch einfach nicht vor, dass Mädchen, die in der Schule kein Kopftuch tragen, von den lieben zartbesaiteten Jungs aus ihrer Community als Schlampe oder Hure beschimpft werden, gell? Das sind alles Erfindungen von islamophoben Leuten oder Neonazis.

  3. Eins voraus: ich habe bisher noch nicht mal schwarz gewählt in meinem langen Leben, bin also definitiv nicht rechts.
    Meiner Meinung nach sind Kopftücher das Gegenteil von Integration.
    Das Kopftuch impliziert ein Frauenbild, das von mir zutiefst abgelehnt wird. Frauen werden damit auf ihre Sexualität reduziert und sollen mit der Verhüllung ihrer Haare die Sexualität der Männer in Schach halten.
    Werden in dieser Religion etwa Männer mit Bekleidungs- und Verhaltensvorschriften derart drangsaliert wie Frauen?
    Anderseit gibt es sicher auch Frauen, die ein Kopftuch freiwillig aufsetzen und damit anderen Frauen gerne zeigen:”Ich bin religiöser und moralischer als ihr.” Keines dieser Statements hat in einer Schule etwas zu suchen. Kinder sollten in der Schule ein neutrales Geschlechterbild vermittelt bekommen und keinesfalls eines, in dem Frauen Bekleidungsvorschriften unterworfen sind und Männer sich alle Freiheiten herausnehmen.
    Ich habe erst kürzlich den Koran auf der Suche nach der ihm zugeschriebenen Spiritualität von vorne bis hinten gelesen: es gibt darin keine Forderung nach einer generellen Verhüllung aller Frauen.
    Noch was: In Ägypten sind heute im Gegensatz zu den 60er Jahren fast alle Frauen mit Kopftuch unterwegs und über 90% der Frauen haben Übergriffigkeiten in der Öffentlichkeit erfahren. Schlechtes Benehmen von Männern hat demnach mit Bedeckung der Frauenhaare rein garnichts zu tun.

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