Orkan-Wirrwarr an Schulen – Kritik an Gebauer reißt nicht ab. GEW: Nur mit Glück ist keinem Schüler etwas passiert

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DÜSSELDORF. Erst dürfen die Schüler zum Unterricht kommen, dann sollen sie plötzlich ganz schnell wieder nach Hause: Die Verwirrung an vielen NRW-Schulen vor und während des Orkans “Friederike” sorgt weiter für Diskussionen. Wetter-Moderator Kachelmann spricht böse von “aktiver Sterbehilfe”.

Die FDP-Politikerin Yvonne Gebauer ist neue Schulministerin von NRW. Foto: Raimond Spekking / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Die FDP-Politikerin Yvonne Gebauer ist seit Juni Schulministerin von NRW. Foto: Raimond Spekking / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Nach der Verwirrung um den Schulunterricht während des Orkans «Friederike» reißt die Kritik nicht ab. «Der Ärger vieler Eltern und Lehrkräfte ist absolut nachvollziehbar», sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Schüler, Eltern und Lehrkräfte bräuchten im Falle eines solchen Sturms eine einheitliche Empfehlung. Das NRW-Schulministerium kündigte eine kritische Aufarbeitung an.

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Einige NRW-Schulen hatten zunächst trotz der Sturmwarnung Unterricht erteilt und die Schüler dann nach der zweiten oder dritten Stunde nach Hause geschickt. Dadurch waren manche Kinder auf dem Heimweg in den Sturm geraten.

Da durch den Klimawandel die extremen Wetterereignisse zunähmen, seien grundsätzliche Überlegungen notwendig, so die Grünen. Das sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) so. «Es hätte eine ganz klare Empfehlung vom Schulministerium geben müssen, dass die Schulen an diesem Tag komplett geschlossen bleiben», sagte Dorothea Schäfer, die NRW-Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, der «WAZ».

«Man kann nur von Glück sagen, dass keinem Schüler etwas passiert ist, teilweise sind die Bäume ja förmlich wie Streichhölzer umgeknickt.» Viele Schulen und Eltern seien damit überfordert gewesen, kurzfristig zu handeln. Eine vorausschauende Entscheidung vom Ministerium hätte Klarheit gebracht.

Landesweite Schließung nicht vorgesehen?

«Der Gesetzgeber hat im Schulgesetz eine landesweite Schließung von Schulen nicht vorgesehen», betonte dagegen ein Sprecher des Schulministeriums. Die Notwendigkeit, Schulen zu schließen, könne sich nur aus der Beurteilung der Gefahrenlage vor Ort ergeben. Aus aktuellem Anlass werde das Schulministerium die Abläufe kritisch analysieren. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte bereits am Donnerstag betont, sie dürfe die Entscheidung für alle Schulen nicht vorgeben.

«Ich glaube das nicht», sagte Gewerkschafterin Schäfer. Für den Unterricht sei das Land zuständig und nicht etwa die Kommunen, sagte Schäfer. Es sei doch ein Unterschied, ob es um Hitzefrei und lokal unterschiedliche Temperaturen gehe, oder um eine landesweite Orkanlage. Dies sollte dringend geklärt werden: «Der nächste Sturm kommt bestimmt.»

Während es am Donnerstagmorgen geheißen hatte, die Eltern könnten ihre Kinder zum Unterricht schicken, waren Stunden später plötzlich gegenteilige Aufforderungen verbreitet worden: Elternvertreter kündigten im Namen vieler Schulen deren kurzfristige Schließung an, die Kinder müssten in kürzester Zeit abgeholt werden.

Die Schulministerin hatte die Schulen daraufhin deutlich an ihre Fürsorgepflicht erinnert. «Die Schulen müssen offen gelassen werden, damit die Kinder in Sicherheit sind.» Es sei bekannt gewesen, dass es einen gewaltigen Sturm geben würde. In so einem Fall sei es «nicht von Vorteil, wenn man erst im Auge des Sturms eine Entscheidung trifft».

Wettermoderator Jörg Kachelmann kritisierte die Entscheidung, Kinder während des Orkans nach Hause zu schicken, besonders scharf: Dies sei «aktive Sterbehilfe». dpa

Sturm-Chaos an Schulen: Gebauer weist Kritik zurück

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21 KOMMENTARE

  1. “Wer nichts tut, macht auch keine Fehler!”
    Dass sich die gute Frau Gebauter nicht schämt zu sagen, sie als Kultusministerium dürfe den Schulen nichts vorschreiben. Das macht sie doch den ganzen Tag lang.
    Aber wenn man eine Entscheidung trifft, könnte man ja kritisiert werden! Dann besser die Verantwortung mal wieder auf die unterste Ebene abschieben. Dann ist man fein raus und kann im Zweifelsfall auf die Untergebenen schimpfen!
    Pfui!

  2. Wer es wirklich wissen will, der schaut lieber in die Richtlinien und posaunt nicht lauthals los.
    Wer aber glauben will,der geht besser in die Kirche, Frau Schäfer,
    und wer es hinterher besser wusste, der wusste es vorher auch nicht besser,
    denn hätte er gewusst, was er später wusste, so wäre er weise,
    oder schaute besser hypnotisiert in eine Glaskugel,
    um zu vermitteln, dass er es wüsste.
    Meinte er dann er wüsste es dann, so wäre er eben nicht weise.
    Andererseits gilt, wer nichts macht, der macht aber auch Fehler, weil er eben nichts macht.
    Hätte er es anders gemacht, so hätte er es auch falsch gemacht, weil wenn man es anders macht,
    man es für andere wieder falsch macht.
    Macht aber nichts.

    • Was ich hier hinterließ,
      sich nicht als Fehler so erwies.
      Denn macht man sich mal Gedanken,
      weist manch einer einen in die Schranken.
      Das lässt einen aber auch nicht wanken,
      man zeigt ihm seine( sprachlichen) Pranken.
      Man kann nur immer wieder staunen,
      was manche dann so losposaunen.
      Sei es der Bernd.
      der gern entkernt,
      und nebenbei einen belehrt,
      weil man doch denkt soviel verkehrt.
      Die Leute müssen es einfach wissen,
      sie arbeiten schließlich hinter Kulissen.
      Wenn sich der Vorhang dann erhebt,
      der Theaterdonner uns belebt,
      mit Polemik und wüstem Schall,
      allein es gibt so manchen Knall.
      Und auch die Redaktion hat eine Stimme,
      auf das sich jeder hier benehme,
      und sich dann richtig schäme,
      das er zu dieser Ordnung stimme.

  3. @ Wilma
    Bei Ihnen schüttelt das Form doch nur noch den Kopf …
    Lohnt sich aber nicht, sich weiter mit diesen inhaltslosen Kommentaren zu beschäftigen. Wird langsam langweilig!

    • Wenn man mit Dreck so gerne schmeißt,
      das andre aus der Stimmung reißt,
      dann bleibt immer etwas an einem kleben.
      allein man trifft so oft daneben.

    • Wir sind kein Volk der Dichter und Denker,
      wohl eher eines der Wagenlenker.
      Allein bei diesem Verhalten,
      man kann nur einfach Gänge schalten.
      Und kann mit Vielem fahren,
      die Folgen merken wir in Jahren.

    • Frohsinn zu später Stunde,
      beflügelt manche schöne Runde.
      Und aus dem selben Grunde,
      mach ich ohne Verdruss,
      nun einfach mal wieder Schluss.

  4. Wir sind eben kein Land der Dichter,
    man sieht so manche Bösgesichter,
    die gerne in dem Forum toben,
    und meinen man müsste sie noch loben.

  5. Hallo? Zumindest Schulleitung sollte genau wissen, was wie und wo geregelt ist. Ich sage nur ungern: Hier hat eine Ministerin recht.
    Und seit Mittwoch vormittags war mehr als klar, dass die Lage dramatisch wird. Spätestens Ab dem frühen Nachmittag hätte man anfangen dürfen, Entscheidungen zu fällen.

      • Ohne Zustimmung der Schulabteilung der Bez.-Reg. – die ja als Mittelbehörde des Landes NRW die Landesregierung in der Fläche vertritt – wird keine Schulleitung in NRW die Kinder nach Hause schicken. Die Entscheidung kann ohnehin nur in Abstimmung mit dem Schulträger getroffen werden, da dieser für den Schülertransport zuständig ist. In den Jahrgängen 1 bis 7 können Kinder des Weiteren nur abweichend vom Stundenplan entlassen werden, wenn geklärt ist, ob die Kinder zuhause betreut werdenn können.

        Vor Ort können die Schulen ja nicht einmal entscheiden, ob sie die Kinder vom Nachmittagsunterricht freisetzen, wenn Zeugniskonferenzen anstehen. Ganztägige Zeugniskonferenzen verbunden mit Unterrichtsausfall führen zwangsläufig zu Strafappellen bei der SL-DB.

  6. Wir hatten eine ähnliche Situation vor Jahren, es war der Sturm “Kyrill”, bei 4teachers gibt es noch ein altes Forum von dem Tag. Mit Stürmen kann man an der Küste umgehen, hier weht es häufiger mal, bei Orkanböen wird es irgendwann eben doch gefährlich.

    Schwierig ist es immer dann, wenn die SuS schon in den Schulen sind und dann nach Hause sollen. Man muss mit 1-2 Telefonen, die die Schule besitzt, alle Eltern quasi gleichzeitig erreichen, die dann umgehend ihre Kinder aus der Schule abholen sollen und deren Betreuung regeln müssen. Vor 10 Jahren waren die Eltern noch nicht per App vernetzt.
    Das macht viel Wind (wie passend) und beunruhigt die Kinder zusätzlich.
    Einfacher ist es, so etwas vorab zu wissen und sich darauf einstellen zu können (Schulausfall oder frühes Ende). Eine Betreuung für die Kinder, die sonst nirgendwo bleiben können, bietet die Schule ohnehin an.
    Wie bei Eisregen oder Blitzeis ist zu überlegen, ob es sinnvoll ist, Eltern und Kinder bei Unwetter loszuschicken oder durch geschlossene Schulen auch ein erheblich geringeres Verkehrsaufkommen zu haben.
    Warum alles reglementiert ist, man bei diesen Fällen aber die SuS in die Schulen setzt und dann das Votum der Busunternehmen abwartet, die irgendwann die Verantwortung nicht mehr übernehmen (so war es bei Kyrill), verstehe ich nicht.

    • Alle, die es jetzt besser wissen, überlegen bitte eines. Die SL beschließen die SuS bis zum regulären Ende des jeweiligen Schultages in der Schule zu halten und die Verkehrsbetriebe stellen im Laufe dieses Tages witterungsbedingt den Betrieb ein. Nach regulärem Unterrichtsende besteht für die Schule keinerlei Betreuungs- bzw. Aufsichtspflicht mehr. Der Heimweg liegt nämlich im Verantwortungsbereich der Erziehungsberechtigten.

      Folglich ist es besser, rechtzeitig am Vormittag zu beschließen, den Schulbetrieb für den Tg vorzeitig zu beendenn und den SuS die Möglichkeit zu geben, sich mit ihren Eltern/Erziehungsberechtigten in Verbindung zu setzen. Können die Eltern/Erziehungsberechtigten oder andere die Betreuung der Kinder nach dem vorzeitigen Schulschluss nicht sicher stellen, müssen die betroffenen Kinder in der Schule verbleiben und werden beaufsichtigt bis sie abgeholt werden.

      • “Folglich ist es besser, rechtzeitig am Vormittag zu beschließen, den Schulbetrieb für den Tg vorzeitig zu beendenn und den SuS die Möglichkeit zu geben, sich mit ihren Eltern/Erziehungsberechtigten in Verbindung zu setzen.”

        Genau das halte ich nicht für besser.
        Wenn vorab eine Unwetterlage klar ist, sei es Eisregen morgens oder Orkan zum Schulende, muss frühzeitig geregelt werden, ob oder wie der Schultag verlaufen soll.
        Besser wäre m.E., die Schule an dem Tag entsprechend der Warnlage (frühzeitiger) zu schließen und dies rechtzeitig vorher bekannt zu geben, damit die Familien sich darauf einstellen können.

        Sitzen die SuS erst in der Schule (fest), ist das Chaos vorprogrammiert.

        Davon, dass die SuS sich selbst mit ihren Eltern in Verbindung setzen, kann in der Grundschule keine Rede sein. Da führen die Klassenlehrerinnen sämltiche Telefonate von den 2 Telefonapparaten der Schule … oder womöglich mit dem privaten Handy. Die Möglichkeit, die Elternvertreterinnen mit einzubinden, würden auch wir wahrnehmen.

        Für mich ist das ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Menschen in der Verwaltung offenbar kein Bild davon machen können oder wollen, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen konkret im Schulalltag bewirken und bedeuten.

  7. Schulleitungen haben es immer gern, von oben Klarheit zu bekommen, gerade dann, wenn der AUsfall von Unterricht ansteht.
    Meine “Mittelbehörde” war am Vortag und am Sturmtag nicht erreichbar, die Telefonanlage war zusammengebrochen.
    Ich habe am Mittwoch den Unterricht abgesagt, alle informiert, bin jetzt gerade in der Schule, um zu sehen, wie das abgedeckte Dach wieder hergestellt wird. Gemeldet hat sich bei mir noch niemand wegen irgendeiner Kritik an der Entscheidung. Und sollte es so sein: Sei´s drum

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