Tepe: Immerhin – GroKo setzt mehr als Jamaika auf die Bildung

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FRANKFURT/MAIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in dem Koalitionspapier von CDU/CSU und SPD mit Blick auf die Bildung „kleine Schritte in die richtige Richtung“. „In das Koalitionspapier haben mehr bildungspolitische Themen Eingang gefunden als bei den Jamaika-Gesprächen. Eine Reihe unserer Forderungen wurde aufgegriffen: So wird das Kooperationsverbot insofern weiter gelockert, als der Bund den Ländern jetzt Finanzhilfen für die Bildungsinfrastruktur aller Kommunen geben kann“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe in Frankfurt am Main.

Fordert A13 für alle Lehrkräfte: GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Foto: Kay Herschelmann
Zeigt sich verhalten optimistisch: GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Foto: Kay Herschelmann

„Allerdings reichen die verabredeten Summen bei weitem nicht, um etwa den Sanierungsstau an Schulen und Hochschulen sowie den Nachholbedarf bei Digitalisierung tatkräftig in Angriff zu nehmen. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen und die Gebührenfreiheit für Kitas werden den Menschen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf helfen. Wir haben allerdings sowohl für den Ganztag in der Grundschule als auch den Ausbau der Kitas auf die Verbesserung der Qualität gesetzt. Hier klafft eine finanzielle Lücke. Da muss nachgelegt werden.“

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Die Verstetigung des Hochschulpaktes zur Finanzierung von Studienplätzen sei ein Erfolg, die Absicht, die Ausbildungsförderung BAföG zu verbessern und auszubauen, eine der GEW-Forderungen, so Tepe weiter. Das eingeplante Geld werde jedoch nicht reichen. „Gute Arbeit in der Wissenschaft wird als Ziel benannt, Karrierewege sollen attraktiv gestaltet werden. An einer Konkretisierung dieser Vorhaben beteiligt sich die GEW“, kündigte sie an. Der Berufsbildungspakt und die nationale Weiterbildungsstrategie seien wichtige Ansatzpunkte, müssten aber dringend ausbuchstabiert werden. „Die Umsetzung aller Vereinbarungen steht und fällt jedoch mit einer soliden Finanzierung. Hier sieht die GEW noch erhebliche Lücken“, unterstrich Tepe.

Sie warnte davor, die Umsetzung bildungspolitischer Reformen vor dem Hintergrund des Mangels an Erzieherinnen, Erziehern und Lehrkräften auf dem Rücken der Beschäftigten im Bildungsbereich oder zu Lasten von Qualität umzusetzen: „Die Vereinbarungen dürfen nicht zu einer Arbeitsverdichtung und weiteren Belastungen für die Beschäftigten führen.“

Für den Fall der Regierungsbildung werde die Bildungsgewerkschaft die Arbeit der Bundesregierung aufmerksam, kritisch und konstruktiv begleiten. „Deshalb werden wir weiterhin Vorschläge machen, wie ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot gestaltet werden kann“, betonte Tepe. News4teachers

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1 KOMMENTAR

  1. Abkehr von zementiertem Besitzstanddenken dringend nötig
    Das vorstehende Statement der GEW-Vorsitzenden Marlis Tepe klingt nicht schlecht. Allerdings braucht es umsetzbarer Strategien zugunsten verbesserter Bildungsqualität. Digitalisierung kann dabei helfen, ist aber nur eine Facette. Viel wichtiger als gegen Arbeitsverdichtung und Mehrbelastung anzutreten sind praktikable Maßnahmen, wie mit geeigneten Ressourcen höhere Bildungsniveaus bei gleichzeitiger Entlastung der Lehrkräfte erreicht werden kann. Der verstärkte und nachhaltige Übergang von Lehrkräften in althergebrachten Beamtenverhältnissen zu zeitgemäßen Angestelltenverhältnissen ist ein erfolgreicher Weg, wie das Bundesland Sachsen vormacht. Dazu ist eine flächendeckende und konsequente Abkehr von zementiertem Besitzstanddenken dringend nötig.

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