Gymnasiallehrer „mal eben“ zu Grundschullehrern zu machen, klappt offenbar nicht – die Kollegen müssen intensiv betreut werden, klagt der BLLV

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MÜNCHEN. Der Lehrermangel an den Grundschulen weitet sich aus, bei den Gymnasien herrscht vielerorts dagegen noch ein Bewerberüberhang. Die Idee liegt nahe, Junglehrer, die für die weiterführende Schule ausgebildet sind und keine Stelle finden, in die Primarstufe zu schicken, um dort die Löcher zu stopfen. Immer mehr  Bundesländer verfahren so – Nordrhein-Westfalen beispielsweise lockt Gymnasiallehrer mit einer Einstellungsgarantie, wenn sie nur für zwei Jahre an die Grundschule gehen. Auch Bayern schickt seit dem Sommer Gymnasiallehrer an die Grundschule. Dagegen allerdings regt sich jetzt Widerstand. „So nebenbei“ sei das nicht zu machen, meint die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann.

Was kann ein einzelner Lehrer leisten? Foto: Florian Schwalsberger / flickr (CC BY 2.0)
Plötzlich Grundschullehrer: Immer mehr Gymnasiallehrkräfte verschlägt es in die Primarstufe. Foto:
Florian Schwalsberger / flickr (CC BY 2.0)

Die personelle Not an den Grund- und Mittelschulen in Bayern ist groß. So groß, dass arbeitslose Real- und Gymnasiallehrkräfte seit drei Jahren eine Zweitqualifizierung durchlaufen können, um so die Lücken an – zunächst – den Mittelschulen zu schließen. Seit diesem Schuljahr wird dies nun auch an den Grundschulen  so praktiziert. Aber: Die derzeitige Form der Zweitqualifizierung, die die Kollegen für ihren Einsatz berufsbegleitend absolvieren, gefährde die Qualität des Unterrichts, erklärt Fleischmann in einer Presseerklärung. Das sei schon in der Mittelschule so gewesen.  Weil aber die  Methodik und Didaktik der Grundschule den Absolventen des Referendariats für Realschulen und Gymnasien naturgemäß noch fremder seien, habe sich diese Problematik nun nochmal erheblich verschärft.

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„Zweitqualifizierungen sind aus der Not geboren. Eine tragfähige und nachhaltige Lösung sind sie aber nicht – es sei denn, es wird nachgebessert“, betonte Fleischmann. Wie die Praxis zeige, genügten die bisherigen Maßnahmen nicht, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Art und Umfang der angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen reichten nicht einmal annähernd aus. Das gehe zu Lasten der Bildung und Förderung der Schülerinnen und Schüler. „Wir stellen auch fest, dass es zu deutlichen Mehrbelastungen kommt“, erklärte Fleischmann. Davon betroffen seien die Zweitqualifikanten selbst, aber auch die mit ihrer Betreuung befassten Seminarrektoren, Schulleitungen und begleitenden Lehrkräfte – letztlich das gesamte Kollegium der betroffenen Schule. Der minimale Ausgleich von lediglich einer Stunde für die Betreuungslehrkräfte reiche nicht, so Fleischmann. Der Organisations- und Betreuungsaufwand sei erheblich umfangreicher.

Hoher Betreuungsaufwand

Es sei nicht länger zu akzeptieren, dass Schulleitungen und Kollegien einen hohen zusätzlichen Organisations- und Betreuungsaufwand sowie eine Vielzahl zusätzlicher Vertretungsstunden stemmen müssten – Aufgaben, die zusätzlich zum „normalen Geschäft“ dazukommen würden. Fleischmann forderte massive Nachbesserungen – etwa, die Zweitqualifizierung grundsätzlich auf zwei Jahre auszudehnen. Während dieser Zeit sei die Unterrichtsverpflichtung auf maximal 20 Unterrichtsstunden zu begrenzen. Die freigewordene Zeit müsse dann für dringend notwendige Qualifizierungsangebote genutzt werden. Der  BLLV schlägt auch vor, Seminarleiter mit der Begleitung einer festen Gruppe von Zweitqualifikanten zu betrauen und sie von anderen Verpflichtungen frei zu stellen.

„Eines ist klar“, betonte Fleischmann: „Es braucht nicht nur Notmaßnahmen in der Krise, sondern langfristig eine professionelle und nachhaltige Personalplanung und passgenaue Änderungen in der Lehrerbildung.“ Der BLLV hat vorgeschlagen, die Lehrerbildung zu flexibilisieren – und die Spezialisierung auf eine Schulart erst in der letzten Phase des Studiums vorzunehmen. „Dann wäre es es wesentlich einfacher, auf den Schweinezyklus auf dem Lehrermarkt zu reagieren“, meint Fleischmann. Und die personellen Probleme an den Schulen können langfristig gelöst werden.  bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

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43 KOMMENTARE

  1. Danke für die klaren Worte des BLLV.
    Um so erstaunlicher, dass in BY immerhin eine Qualifikation erfolgt und betreuende Lehrkräfte einen Ausgleich. Wo sind diese in anderen Bundesländern?
    Wenn andere Bundesländer nach BY schauen, sollten sie sich die Rahmenbedingungen ansehen. Auch wenn diese nicht ausreichend sind, hat BY immerhin verstanden, dass nicht alles zum Nulltarif umgesetzt werden kann und die “Nebenkosten” meist vergessen werden.

  2. Was taugt die Lehrerausbildung? – Ausgebildete Gymnasiallehrer sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft qualitativ guten Unterricht an Grundschulen zu leisten? Wenn das stimmt, was taugt dann bitteschön die Lehrerausbildung?

    • Ausgebildete Augenärzte sind nicht in der Lage, aus eigener Kraft qualitativ gute Zahn-OPs zu leisten? Wenn das stimmt, was taugt dann bitte die Ärzte-Ausbildung?

      • Ihr Kommentar kann treffender nicht sein.
        Um im Bild zu bleiben: Was würde wohl gesagt, wenn es nur noch Allgemeinärzte gäbe, weil deren Ausbildung doch ausreicht für die Gesundheit der Menschen?
        Ich denke an Einheitsschulen mit dem schönen Namen “Gemeinschaftsschulen” – natürlich mit Einheitslehrern und radikaler Inklusion.

      • Lehrer werden nicht zu Operateuren ausgebildet, die ihre Schüler operieren. Lehrer werden qualifiziert, um ihre Schüler fachlich und persönlich, also ganzheitlich zu bilden. Ihr Vergleich hinkt gewaltig.

        • Nein, er hinkt nicht wirklich sehr.

          Das Unterrichten Kinder und Jugendlicher stellt unterschiedliche didaktische und methodische Ansprüche an den jeweiligen Lehrer. Die Lehrer der weiterführenden Schulen haben es eben nur für die älteren Kinder und Jugendlichen gelernt; die Lehrer der Grundschulen nur für die jüngeren.

          Manches ist gleich, vieles ähnlich, aber bestimmte Dinge eben auch “sehr anders”. Da kann man viel falsch machen, wenn man es nicht berücksichtigt und das ist nicht einfach egal. Normalerweise ist ein 1.-Klasse-Kind nur 1x in der 1. Klasse. Was da “verdorben” wurde, kann nur schwerlich wieder ausgeglichen werden.

          Die Lehrämter sind eben nicht gleich!

          • Aw an Pause: Es geht nicht darum, wer mehr oder weniger postet! Tatsache ist, dass es drastischen Lehrermangel gibt, insbes. an Grundschulen. Pragmatisch betrachtet liegt es nahe, überschüssig ausgebildete Gymnasiallehrer zur Beseitigung der Mängel einzusetzen. Und die werden es schaffen. Vertrauen ist gefragt! Und diese Lehrkräfte verdienen konstruktive Unterstützung seitens der Grundschullehrer!

    • Rein fachlich dürften mindestens 30 mio Menschen in Deutschland das Grundschullehramt schaffen. Didaktisch ist eine ganz andere Hausnummer, die wirklich gelernt werden muss. Frau Pause hat das gut dargelegt.

      • “Rein fachlich” ist der Beruf nicht das Fachwissen an sich, sondern deren Vermittlung, also Pädagogik, im Fall der Grundschule eben auch des Erstunterrichts.
        Das Wissen darum und das Können darin fallen nicht vom Himmel.
        Den Vergleich, den Wilma Pause zieht, finde ich ebenfalls gelungen.

        • Ich meine mit “rein fachlich” wirklich nur die Fachinhalte, also Lesen, Schreiben, Rechnen, Pseudo-Englisch. Die Vermittlung, aus meiner Sicht eher Didaktik als Pädagogik, ist da gerade das, was Frau Pause betont. Pädagogische Aspekte kommen noch oben drauf, gerade dann, wenn Schüler anders als vom Gymnasiallehrer gewohnt bzw. erwartet nicht schulfähig sind.

    • @ xxx und Wilma,

      genau! Ich stimme Ihnen beiden zu. Das Ganze hat fachliche, aber auch nicht-fachliche Aspekte.

      Deshalb jeder Lehrämtler (mindestens aber die Lehrer für Grundschule und weiterführende Schulen, die Abiturstufe würde ich auch ausnehmen) ein “Fachmann auf seinem Gebiet” und deshalb finde ich diese Argumentation mit gleichem Lohn für GLEICHE ARBEIT so falsch wie es nur geht. Es ist nicht die gleiche Arbeit, die an den unterschiedlichen Schularten geleistet wird.

      Ich verbinde damit keine Wertung.

  3. @ sofawolf: Ihr Kommentar ist mal wieder so was von daneben. Erst freut man sich über Wilma Pause, xxx, U.B. und palim, die sich alle einig sind, dass Grundschullehrer ganz anders ist als Gymnasiallehrer und dass das mal nicht eben mal jeder kann, nur weil er Abitur hat und somit automatisch den Grundschulstoff beherrscht, dann hauen Sie wieder rein mit “dem Lohn” und dass Grundschullehrer das eben NICHT verdient haben. Zum K…..

    • Der Unterschied zwischen sofawolf und Ihnen ist hauptsächlich die Gewichtung des fachwissenschaftlichen und des didaktischen Anteils auf dem Lohnzettel. In der freien Wirtschaft bedeutet häufig höherer fachwissenschaftlicher Anteil in der Ausbildung auch höheren Lohn, was weitgehend sofawolfs Auffassung widerspiegelt. Im Übrigen auch meine, wobei aber die Gehälter der Grundschulrektoren auf mindestens A14 plus Zulage erhöht und die Unterrichtsbelastung auf maximal 7 Wochenstunden begrenzt werden sollten. Dazu kommt noch eine Verwaltungskraft in Vollzeit.

      • Seit wann sind Lehrer in der freien Wirtschaft??? Für Lehrer/Beamte gibt es Gesetze, die die Gehaltsstruktur regeln und es ist völlig unstrittig, dass die derzeitige Gehaltsstruktur verfassungswidrig ist. Das sollten einfach mal alle zur Kenntnis nehmen.
        Gott sei Dank werden nämlich Beamte nicht nach dem ewig gestrigen Denken vorwiegend zweier Personen in diesem Form bezahlt.
        (Genauso wie Gott sei Dank keiner außer einem hier die DDR als das einzige Paradies auf Erden lobt)

        Was die arroganten und überheblichen Kommentare über Grundschullehrer hier betrifft: Es ist mittlerweile so derart häufig darauf hingewiesen worden, dass es sich nicht mehr lohnt darauf einzugehen. Der Leser weiß längst, derartige Kundgebungen einzuordnen.

      • @xxx: Grundschulrektoren bekommen auch nur A13, wenn die Schule eine bestimmte Größe hat. Ansonsten gibt es A12 und eine Zulage, die dem Taschengeld eines Schülers entspricht.

          • Genau! Das ist des Pudels Kern!
            Aber Sie sehen ja hier im Form, wie blind mancher rumrennt (oder rumpostet) ….

          • Ich meinte ausdrücklich den Rektor, A12Z bzw. A13 sind ein Witz. Die Stufe zwischen Grundschul- und Sek II-Lehrer halte ich angesichts der fach(wissenschaft)lich deutlich anspruchsvolleren Ausbildung hingegen für angemessen. Wie man die reinen Sek I-Lehrer einordnet, weiß ich nicht so genau, weil deren Hochschulausbildung einerseits zwei Fächer umfasst (mehr als die der Grundschullehrer), deren Tiefgang andererseits mit denen der Sek II-Lehrer nicht vergleichbar ist.

          • Rektoren an Grundschulen sind Grundschullehrer!
            Als Beförderungsamt bekommen sie i.d.R. eine Stufe höher als die Kollegen in der Klasse.
            Die Einstufung der Rektoren hängt also unmittelbar mit dem grundständigen Grundschullehrerdasein zusammen.

          • Im übrigen habe ich als Grundschullehrer noch 3 Fächer studiert, davon 2 auf Sek1-Niveau. Was sollte ich dann verdienen????

          • Ich habe von meinem Sachstand aus argumentiert, nach dem Grundschullehrer zwei Fächer studieren, wovon eines auf Sek I-Niveau.

            Die Schulleiter an Gymnasien bekommen 2-3 Stufen mehr als die Lehrer. Das könnte und sollte man auf Grundschulen übertragen. Das entspricht meiner Forderung nach A14 für Grundschulrektoren in Kombination mit einer Unterrichtsverpflichtung von lediglich 7-10 Wochenstunden und einer ständig anwesenden Sekretärin.

          • Wo nehmen Sie denn her, dass GS-LuL nur 1 1/2 Fächer studiert hätten? Auch ich habe 3 Fächer studiert, davon 2 auf SekI-Niveau, inzwischen sind es noch 2 Fächer – grundständig.

            Zusätzlich spezialisieren sich Grundschullehrkräfte auf den Erstunterricht, auf den Unterricht mit ALLEN Kindern, und übernehmen eine Menge Aufgaben, die an anderen Schulen Koordinatoren übernehmen.

            Aber Ihre Forderung für SL an Grundschulen finde ich gut.

          • @xxx
            Ich kann sehr gut damit leben, dass Grundschulrektoren 2-3 Stufen mehr verdienen sollen.
            Allerdings zeigt sich dann ein weiteres Problem der Grundschulen, nämlich das der fehlenden Beförderungsämter. An Gymnasien gibt es nämlich zwischen Lehrer und Rektor noch diverse Ämter mit jeweils einem Stufenaufstieg. Diese fehlen an Grundschulen komplett! Für manch einen ein weiteres Argument, nicht an die Grundschule, sondern an die weiterführende Schule zu gehen.

          • @ Palim Ich beziehe mich auf NRW, Ende meines Studiums. Das kann sich aber zugegebenermaßen bei der Umstellung auf Bachelor / Master geändert haben.

            Wichtige Frage: Was machen denn dann die Sek I-Lehrer zusätzlich an der Universität? Die studieren ja nur zwei Fächer und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass deren Studium einfacher oder inhaltsärmer ist als das des Grundschullehramts.

            @emil Es genügt ein Beförderungsamt, nämlich das des Konrektors mit einer Stufe höher als die regulären Lehrer. Je nach Schulgröße nehmen Sie halt zwei Konrektoren, einer für die “normalen” Schüler und einer für die Inklusion, Sprachförderung usw.

          • In NRW gibt es genügend Grundschulen, an denen es nicht mal eine Stelle für Konrektor gibt. Und da wo es sie gibt, ist das kein Begörderungsamt, sondern es gibt lediglich eine Stellenzulage von ca. 150 Euro. Also doch keine Beförderungsämter ….

            Zu den Sek 1 Lehrern: Die machen nicht mehr, sondern eher weniger Psychologie und Pädagogik. Auch wenn schwer fällt, das Studium des Grundschullehrers ist halt ein vollwertiges Studium und gleichwertig mit allen anderen Studiengängen desselben Abschlusses.

          • Da wo ich studiert habe, war GHR an derselben Fakultät und haben zwangsläufig etliche Veranstaltungen gemeinsam besucht.

          • Das ändert sich immer mal wieder. Mal War es komplett getrennt, mal War es gemeinsam und man wurde “Grund-Hauptschul- und Realschullehrer. Derzeit gilt das Stufenlehramt, also Grundschule, Sek 1 und Sek 2. In der Praxis finden sich zur Zeit in der Grundschule mindestens drei verschiedene Lehramtsausbildungen, vermutlich sogar noch mehr.

          • @Emil
            Sie behaupten implizit, dass das Sek I-Studium nicht vollwertig ist. Das kann ich mir nicht vorstellen. Was machen die denn zusätzlich außer das zweite Fach fachwissenschaftlich tiefer, wobei “tief” im Vergleich zur Sek II auch sehr relativ ist?

        • Im übrigen behaupte ich nicht, das irgendein Studium nicht vollwertig ist, im Gegenteil, ich argumentiere hier von Anfang an für die Gleichwertigkeit aller Studiengänge und Lehrämter.

    • @ missis.,

      wie immer nehmen Sie nur wahr, was Sie wahrnehmen wollen. Ich habe ganz bewusst an dieser Stelle nicht über mehr oder weniger Gehalt und wer was bekommen soll gesprochen, sondern nur darüber, dass die Arbeit eben nicht die gleiche ist, weil jeder Lehrämtler Fachmann auf SEINEM Gebiet ist.

      Das Mehr oder Weniger haben Sie aus unseren anderen Diskussionen hier hinüberinterpretiert, grundsätzlich auch richtig, aber das war hier bewusst nicht mein Anliegen.

      K ….. Sie also bitte vor Ihrer eigenen Tür.

      • Und ansonsten geht es hier wohl kaum darum, Kommentare zu schreiben, über die sich die missis. möglichst freut (und dann ist die Welt wieder schön?).

  4. @sofawolf
    Ich finde Ihren Kommentar zwar keineswegs “daneben”, gebe Mississippi aber Recht in der Kritik an Ihrer Fixierung auf den Lohngedanken.
    Sie sagen so viel Richtiges, dass Kommentare von Ihnen oft entwertet werden durch das immer gleiche Rumhacken auf Löhnen. Das bedaure ich, obwohl ich vermute, warum Sie es tun. Sie wollen m. E. auf wichtigere Schul- und Lehrerprobleme als die Gehälter hinweisen und die immer wieder ellenlangen Streitereien um die Entlohnung der Lehrer ad absurdum führen.

    Ihnen, Mississippi, kann ich den Vorwurf nicht ersparen. dass Sie durch Ihre Beiträge oft Lohndikussionen anheizen durch höhere Gehaltsforderungen für Grundschullehrer. Wenn dieser Lohnaspekt dann von jemandem aufgegriffen wird, aber nicht in der Weise, die Sie wollen, drehen sie ihm daraus einen Vorwurf. So ganz ehrlich und fair finde ich das nicht.

    • Das haben Sie gut zusammengefasst, U.B.

      Dass meine anderen Äußerungen zu anderen Themen nicht so wahrgenommen werden, liegt aber leider nicht in meiner Hand. Sie scheinen halt weniger “aufzuregen”. Womöglich liegt es daran. 🙂

  5. Dann bitte ich hier um ein richtiges Zitat, in dem ich höheren Lohn fordere. Ich weiß, dass ich irgendwo mal geschrieben habe, dass man sich mit A13 wenigstens die Putzfrau zu Hause leisten kann und sich somit im häuslichen Bereich selbst Entlastung suchen kann, da es in der Schule keine Entlastung zu erwarten gibt, schon gar nicht in Anbetracht des Lehrermangels allerseits. Mir ist nicht bewusst, dass ich hier permanent am Gehalt herumdiskutiere, so wie andere Leute.

  6. @U.B.: Ich kann aber noch etwas beisteuern, was ich bestimmt auch schon angeprangert habe, wenn Sie mich so im Sinn haben. Bei der Inklusion ärgert es mich, dass die mehrstündigen wöchentlichen Besprechungszeiten für mich in meiner Freizeit und ohne jeglichen finanziellen oder sonstigen Ausgleich stattfinden, während die Sonderschulkollegen das von ihrem Stundensoll abziehen dürfen und dafür A13 bekommen. Ich mache das jahrelang umsonst nach Dienstschluss. Die Kollegin arbeitet dafür 2 Stunden weniger in der Woche mit ihren SuS. Im Klassenzimmer tun wir das Gleiche für unterschiedliche Bezahlung. Geht es Ihnen auch so in Ihrer Schule? Oder würden Sie das alles gut finden? Wer die Inklusion erfunden hat, hat einiges vergessen. Aber wir Lehrer machen ja alles mit und wenn wir meckern, werden wir noch von denen getreten, die es ja zum Glück nicht selbst betrifft.

    • Nein, das meinte ich nicht. Hier stimme ich Ihnen zu.
      Noch mehr stimme ich allerdings sofawolf zu, der nicht müde wird, Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen zu fordern statt mehr Geld.
      Eigentlich meinte ich gestern das ewige Schielen (auch von Ihnen) auf die Gehälter anderer Lehrer, besonders die von Gymnasiallehrern, die im Vergleich und gemessen an der hohen Arbeitsbelastung der Grundschullehrer angeblich zu hoch seien.

      • Die GEW-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die ArbeitsBELASTUNG bei Grundschullehrkräften höher ist, die ArbeitsZEIT im Durchschnitt 1 Stunde geringer… wobei der Erhebungszeitraum in Nds. noch VOR der Durchsetzung der Inklusion in der gesamten Grundschule lag und auch VOR den Quereinsteigern, den Langzeit-Vertretungskräften (ohne Studium) und VOR dem heftigen Lehrermangel.

        Dieser trifft gerade die Grundschulen, die im kleinen Team nicht nur die neuen KollegInnen bzw. nicht vorhandenen KollegInnn auffangen müssen, sondern auch alle anderen Aufgaben (Überprüfungen zur Sprache und vor der Einschulung, Konzepte, Fachkonferenzleitungen, Schulpläne, Aktivitäten zum Schulleben uvm.) auf noch weniger Schultern verteilen müssen… alles Aufgaben, die man weder den jeweils mit wenigen Stunden Abgeordneten noch den Neueinsteigern auftragen kann.

        Durch die Umsetzung ist es inzwischen so, dass die GS-LuL in einigen BL nahezu komplett die Aufgaben der FöS-Kolleginnen übernehmen.
        Das war auch vor der Inklusion in Teilen so, weil man etliche Kinder 2-3 Jahre in der Schule hatte und Beratung und Förderung erfolgen musste, bis sie zur FöS wechselten.
        Inzwischen umfasst es die Schuljahre 1-4 sowie einen Großteil der Überprüfungsverfahren vor der Einschulung und während der Schulzeit, wohlgemerkt OHNE Ausgleich an Stunden und OHNE zusätzliche Vergütung – egal, wie viele Kinder mit welchen Schwierigkeiten in der Klasse sind.

        Ich weiß, dass die FöS-KollegInnen mit ihrer Situation auch nicht glücklich sind, aber es kursieren Verfügungen, wonach die FöS-LuL jegliches Gespräch auf ihre Unterrichtsverpflichtung anrechnen sollen, während die GS-Kolleginnen bei höherer Unterrichtsverpflichtung alle Aufgaben zusätzlich übernehmen müssen.

        Und ganz ehrlich: Da geht es am allerwenigsten darum, danach “zu schielen” was Gymnasiallehrkräfte bekommen, sondern darum, zu sagen: Das Studium erfolgt universitär mit gleicher Zeit und gleichem Abschluss, das Referndariat erfolgt zumeist in gleicher Länge und mit gleichem Abschluss, die Aufgaben sind anspruchsvoll, verantwortungsvoll, anstrengend und grundlegend für die Bildung aller Kinder. Wenn man dafür begabte und engagierte Lehrkräfte haben möchte, die sich diesen Aufgaben stellen, sollte man sie entsprechend bezahlen (dickebank hat es schon mehrfach erläutert)!
        Ansonsten wird man in Zukunft noch ganz andere Wege suchen müssen … an allen Schulen!

  7. @U.B.: Ich sagte nie, dass die Gehälter irgendeines Lehrers zu hoch seien. Vergleichen Sie mal, was in der Freien Wirtschaft verdient wird. Warum gönnt Ihr nicht den Grundschullehrern, deren Berufsbild sich gewaltig geändert hat, eine Verbesserung? Ich kann (als sofawolf) immer wieder leicht sagen, dass GS-Lehrer genug verdienen und gleichzeitig selbst mehr einkassieren. Die Arbeitsbelastung kann im Moment angesichts von Inklusion, Integration und fehlender Lehrpersonen nicht weniger werden. Warum verlangt sofawolf eigentlich nicht für die Gymnasiallehrer weniger Arbeit für weniger Geld? Andersherum: Warum gönnt uns das niemand? Unsere Ausbildung (Universität bei mir) hat genauso lange gedauert, das Hauptfach vergleichbar mit einem Magisterstudium, 3 Nebenfächer und wir haben als wissenschaftlichen Anteil mehr Pädagogik, Grundschulpädagogik und Psychologie im Studium.
    Ich persönlich habe genug Geld. Eine gerechte Bezahlung wird es nicht einmal bei der gleichen Schulform geben.

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